Die Planeten: Neptun

von Dana Gerhardt

Trinkt aus, ihr Träumer, bevor ihr verdurstet.
Peter Gabriel, "After the Flood"

 

Als der transitierende Neptun mein fünftes Haus betrat, das Haus der Romanzen, und eine Konjunktion zu meinem Nordknoten bildete, fand ich meinen "Seelenpartner". Er war ein Mann mit Neptun am MC, ein ehemaliger Kollege, den ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Sean rief mich aus heiterem Himmel an, und als wir uns trafen, stand Neptun gerade am Westhorizont – in Konjunktion zum Deszendenten, zum Mond und im Quadrat zur laufenden Mondknotenachse. Auch in unserem Komposit spielte er eine entscheidende Rolle. Dort stand er in Konjunktion zu unserer Sonne im zwölften Haus, im Quadrat zum Mond und war Herrscher des MC. Es war schon immer diese unausgesprochene Verbindung zwischen uns gewesen. Und jetzt, nach unserem ersten erneuten Kontakt, nahm mein Leben eindeutig neptunische Qualitäten an. Die getriebene Zielstrebigkeit, die ich jahrelang an den Tag gelegt hatte, verschwand urplötzlich. Ich erwischte mich dabei, wie ich aus dem Fenster starrte. Verloren in anderen Welten. Schon bevor wir uns unsere Gefühle füreinander eingestanden, entschloss ich mich zu einem Sabbatjahr von meiner Astrologiepraxis. Es war eine Angelegenheit des fünften Hauses, sagte ich mir. Ich brauchte Zeit für Kreativität – oder, falls es geschehen sollte, um mich zu verlieben. Denn als Vollzeitmutter, leitende Angestellte, Astrologin und Schriftstellerin hatte ich keine Zeit in meinem Terminkalender, um mich zu verlieben.

FrühlingUnd das taten wir. Die Nächte, die wir miteinander verbrachten, zogen sich bis in die frühen Morgenstunden, wo wir noch wach lagen, uns unterhielten, uns berührten und miteinander lachten. Wir stimmten in allem überein, so schien es zumindest. Wir schrieben unsere Kindheitserinnerungen neu, so dass sie fast gleich waren – er auf seinem Schulhof, ich auf meinem, zwei Leben mit paralleler Entwicklung, bis die Jahre, die uns getrennt hatten, uns schließlich zueinander führten. Seelenverwandte. Eines Tages kaufte Sean Bücher über buddhistische Meditation – es waren genau die Bücher, die auch ich mir gekauft hätte. Waren wir eins? Vor unserer Wiedervereinigung hatte er sich mit Wein befasst und eine sehr schöne, umfangreiche Weinsammlung erworben. Wir leerten seinen Weinkeller gemeinsam, exquisite Weine, die fünfzehn oder zwanzig Jahre alt waren. Ich war zwar keine große Weintrinkerin, doch die Vernebelung mit Alkohol schien so zentral und wesentlich für unseren Neptun-Zauber zu sein, dass ich schon witzelte, dass wir uns trennen würden, sobald sein Weinkeller leer sei. Ich nahm ihn mit an meinen Lieblingsort, Big Sur. Es war nie zuvor so magisch gewesen.

Eine Woche später war nur noch eine einzige Flasche Cabernet übrig. Sean und ich telefonierten gerade, als er auf einmal schwieg. Er war ärgerlich, doch ich wusste nicht, warum. Es war nicht das erste Mal, dass er mit einer plötzlichen, nicht enden wollenden Stille reagierte. Doch in dieser Nacht legte sich ein Schalter in mir um. Obwohl ich vorher nie in einer Beziehung gewesen war, die kürzer als zehn Jahre dauerte, wollte ich nach vier Monaten auf einmal nicht mehr weiter spielen. Die Magie war verflogen. Auf die Stille am anderen Ende der Leitung entgegnete ich ein, wie ich hoffte, herzliches "Aufwiedersehen", drückte die Gabel herunter, starrte den Telefonhörer an und zuckte mit den Schultern. So plötzlich wie ich mich verliebt hatte, war es auch vorüber.

War es wahre Liebe oder Neptun gewesen? In den Wochen darauf, als sich der Feenstaub langsam wieder setzte, kam es mir immer unwahrscheinlicher vor, dass ich so verrückt nach diesem Mann gewesen war. Wieso dieses Seelenverwandten-Getue? War es das, was Neptun wollte? Erfreut er sich daran, uns mit Fantasien den Kopf zu verdrehen?

Astrologen sprechen häufig auf diese Art von Neptun-Transiten, als vorübergehenden Realitätsverlust. Man warnt uns vor uns selbst, wir seien offen für Betrug oder Verlockungen der Fantasie. In der westlichen Mythologie gibt es nur wenige Geschichten über den Meeresgott Neptun, doch in der berühmtesten, ist es genau so. Odysseus ist ein anständiger Mann, der nach dem Trojanischen Krieg nichts weiter will als zu seiner geliebten Frau und zu seinem Sohn zurückkehren. Unglücklicherweise verärgert er Neptun (alias Poseidon), und der Meeresgott sorgt dafür, dass er sich verirrt. Zehn Jahre lang irrt Odysseus in Neptuns Reich umher, zwischen fantastischen Kreaturen in imaginären Ländern, den Lotus-Essern mit ihrer magischen Frucht, den Phäaken, die die Götter völlig offen, ohne Verkleidung besuchen, die Laistrygonen mit ihren übernatürlichen Kräften. Er und seine Mannen werden von Zauberinnen aufgehalten, von Kirke, Kalypso, den Sirenen. Athene, die Göttin des rationalen Verstandes, hat schließlich ein Einsehen, greift ein und sorgt dafür, dass er nach Hause kommt.

Athenes Rivalität mit dem Meeresgott ist alt und symbolisiert den Kampf des bewussten Verstandes mit dem Unbewussten. Es heißt, dass diese beiden Kopf an Kopf um die unsterblichen Besitztümer Athens gekämpft haben, und (der Name ist Programm) raten Sie mal, wer den Kampf gewonnen hat. Es ist schon merkwürdig, dass die Griechen, ein seefahrendes Volk, uns so wenige Geschichten über Neptun hinterlassen haben, einen einst so mächtigen Gott, der nur seinem Bruder Zeus untergeordnet war. Natürlich unterliegen Mythen einem ständigen Wandel, so wie die Leinwand eines Malers immer wieder neu übermalt wird. Die Philosophen sind sich einig, dass zu der Zeit, als Neptun seine führende Rolle in der Mythologie verlor, ein kritischer Wendepunkt im westlichen Denken erreicht war, das sich von da an in Richtung städtischer Rationalität entwickelte, fort von der rauen Wildheit der See. Poseidon taucht seitdem nur noch selten in den Geschichten auf, versetzt dabei zumeist die Landbewohner mit seinen Seeungeheuern in Schrecken und verlangt Jungfrauen in rituellen Opfern. Ein Gott, dem keine Ehre mehr erwiesen wird, nimmt Rache.

Im Laufe der Jahrhunderte wird das Reich Neptuns weiter durch die Zivilisation gezähmt, das Chaos der Natur in wissenschaftlichen Gesetzen geordnet, heilige Leidenschaft in religiöse Strukturen gefasst, und so werden die Delirien der Fantasie allmählich in kulturell sanktionierten Formen von Literatur und Kunst verfeinert. Deswegen sollte es uns nicht überraschen, dass der Gott in Form des Planeten Neptun im neunzehnten Jahrhundert wieder auftauchte. In dem Augenblick, als sein Schimmer 1846 in Johann Galles Teleskop sichtbar wurde, befand er sich in einer engen Konjunktion zum pragmatischen Saturn in Wassermann, dem Zeichen der Wissenschaft und Technologie – also scheinbar immer noch im Würgegriff der Zivilisation, die das Rationale, Strukturierte und Reale bevorzugt. [1]

PoseidonNichtsdestotrotz hat Neptun sich fühlbar bemerkbar gemacht. Nach seiner Entdeckung flutete er wie ein Welle durch die Kulturkreise und brachte uns erneut die Faszination von Geistern und jenseitigen Dimensionen, die Erfindung der Anästhesie und die Technologie der bewegten Bilder, aber auch Freuds und Jungs Erkundung von Träumen und der Psyche. Doch kulturell gesehen sind das nur Nebenrollen, nicht die Hauptrolle. Aus diesem Grund terrorisiert uns Neptun weiter und schickt uns seine Ungeheuer. Seine Rache ist gnadenlos. Er verschlingt unzählige von uns mit Drogen und Alkohol, entlarvt unsere heldenhaften Führungspersonen als Kreationen der Medien, betäubt uns mit der Trance der Unterhaltungsindustrie und durchdringt unsere Gedanken mit der Verlockung der Werbung.

Unser Wissen über Neptuns kulturelle Historie hilft uns allerdings auch nicht viel weiter, wenn wir mit jemandem zusammen sitzen, der mitten in einem Neptun-Transit steckt. Wie mein Nachbar, der seinen jüngeren Bruder und seinen Job verlor, außerdem einen Bypass bekam, als Neptun über seine Sonne lief. Oder die Klientin, die ihre Mutter an die plötzliche Entdeckung von Krebs verlor, als Neptun im Quadrat zu ihrem Mond stand. Oder meine Freundin, die eine tragische Affäre mit ihrem Chef anfing, als Neptun in Konjunktion zu ihrem Mond stand. Ich denke dabei an all die unzähligen Menschen in ihren Dreißigern oder Vierzigern, die inmitten ihres Neptun-Quadrates ihre Träume verlieren, ihren Geschmack am Leben, ihren Sinn dafür, wer sie eigentlich sind. Wir können versuchen, dies als Illusion weg zu erklären, als Rache eines entehrten Gottes – oder positiver ausgedrückt, eine Möglichkeit, spiritueller zu werden, die eigene Fantasie zu ergründen, sich in Kunst zu vertiefen. Wir können auch versuchen zu sagen, dass man sich in dieser Zeit in der Realität verankern muss und aufpassen sollte, nicht abzuheben. Doch die Worte werden hohl klingen, was in einer Welt, die für neptunische Aufgaben nicht viel übrig hat, wohl auch so sein muss. Doch wenn die Welt auch Neptun nicht versteht, wir als Astrologen sollten schon vorsichtig sein und nicht den gleichen Fehler begehen. Denn es ist häufig so, dass wir genau die Götter dämonisieren, die wir nicht begreifen.

Möchte Neptun uns bestrafen oder beschenken? Vielleicht ist der beste Beweis für Neptuns Absichten nicht das, was uns während des Transits im Außen geschieht, sondern das, was sich in unserem Inneren abspielt. Neptun leistet seine größte Arbeit nämlich unterhalb der Oberfläche. Deswegen ist es auch so schwierig, an Menschen heranzukommen, die sich gerade in Neptuns Umarmung befinden. Sie sind womöglich gerade von Kummer oder Enttäuschung überwältigt. Wenn sie etwas verloren haben, das ihnen lieb war – ihre Gesundheit, ihre Motivation, jemand, den sie lieben – dann suchen ihre Augen vielleicht nach Orientierung, nach etwas, das einen Sinn ergibt.

Doch gleichgültig, wie mitfühlend oder brillant Ihre Worte sind, wahrscheinlich trifft keines wirklich den Kern. Wir sollten es aufgeben, diejenigen aufwecken zu wollen, die auf Wolken tanzen. Gleichgültig, ob dies nun Verlusterfahrungen oder Gefühle der Euphorie mit sich bringt, Neptuns Transit ist eine Entführung in eine andere Welt. Die Gefühle können uns überwältigen, doch es ist unmöglich, sie in Worte zu fassen. Sollten Sie einmal den Versuch unternehmen, jemanden über vergangene Neptun-Transite zu befragen, erwarten Sie keine großartige Antwort. Das ist nicht wie bei einem Pluto-Transit, wo jeder Moment in die Erinnerung eingebrannt ist. Es ist eher so wie die Erinnerung an einen Traum oder eine Drogenerfahrung oder das Treffen mit einem Alien. Vieles weiß man gar nicht mehr, zuweilen die eigentlich wichtigsten Dinge der ganzen Zeit. Als ich meine Mutter nach dem Jahr ihres Neptun-Quadrats fragte, war sie völlig verwirrt. Sie erinnerte sich an das Jahr zuvor und an das Jahr danach. In dem Jahr danach, meinte sie, sei alles anders geworden.

Neptun-Transite sind wie eine archetypische Reise in den Bauch des Wals. Wenn wir Neptuns Meeresreich betreten, ist es, als würde das Selbst, das wir bislang kannten, sich auflösen.  Was übrig bleibt, wird vom Unbekannten verschlungen. Wie Peter Gabriel singt: "Wenn die Flut ruft, dann hast du kein Zuhause, keine Wände mehr. Du bist mit Blitz und Donnerschlag tausend Meilen weg, an einem Tag". Wohin also gehen wir? In unsere inneren Tiefen. Oder zumindest ein Teil von uns geht dort hin. Das ist zuweilen die trickreichste Manifestation eines Neptun-Transits. Vielleicht passiert an der Oberfläche gar nichts – kein Verlust, kein Kummer, keine Vergiftung. Doch so sehr wir uns auch bemühen, wir können uns selbst nicht in Gänze meistern. Das musste ich auf die harte Art lernen, als ich in dem Jahr meines Quadrates von Transit-Neptun zu Radix-Merkur ein Buch zu schreiben versuchte. Ich hatte gehofft, dies würde die optimale Zeit sein, um ungeahnte Ressourcen meiner Fantasie anzuregen, denn immerhin ging es um ein Neptun-Thema, um Märchen. Auf der bewussten Ebene war ich motiviert und entschlossen, mein Agent wartete schon ungeduldig auf die ersten Seiten, doch die Schriftstellerin in mir war einfach verschwunden. Vom Wal verschluckt.

Die Neptun-Reise geht so tief nach innen, dass wir sie weder sehen noch berühren können. Das ist extrem seltsam, wenn man unseren sonst üblichen heldenhaften Zugang zum Leben betrachtet. Wir wollen uns der Situation stellen, sie bekämpfen, etwas tun – doch während eines Neptun-Transits gibt es nichts zu tun, außer ihn zuzulassen. Der Bauch des Wals ist sowohl ein Symbol für den Tod als auch für den Mutterleib. Das Selbst erlischt und wird neu geboren. Joseph Campbell vergleicht die Reise in den Wal mit der Reise eines religiösen Pilgerers, ein passendes Bild für die spiritualisierende Kraft Neptuns. "Allegorisch gesehen", so Campbell, "ist der Gang in einen Tempel das gleiche Abenteuer wie das Abtauchen des Helden durch das Maul des Wals, denn beide beschreiben in bildhafter Sprache eine Handlung, die das Leben konzentriert und erneuert."[2] Das Leben konzentrieren und das Leben erneuern. Das sind nicht gerade die Begriffe, die uns als erstes einfallen in neptunisch geprägter Zeit. Aber vielleicht sollten sie das.

Der Monat, als der progressive Mond meiner Freundin Karen auf ihrem Radix-Neptun in ihrem siebten Haus stand, wechselte auch ihr nach dem Sonnenbogen dirigierter Neptun das Zeichen. Wenn ein Planet sein Zeichen in der Progression bzw. Direktion wechselt, dann weist dies auf eine große Veränderung im Energieausdruck hin. Das Jahr des Zeichenwechsels bringt oft bedeutsame Ereignisse mit sich. Was brachte ihr Neptun mit? Wal Die verheiratete Musikerin, deren Radix-Neptun in Opposition zu ihrer Sonne steht, ging nach einem ihrer Auftritte auf eine Party, war nach dem Genuss eines hochgradig neptunischen Gebräus ziemlich betrunken und legte ihre Hand auf den Oberschenkel eines ebenfalls verheirateten Kollegen, dessen Frau gerade verreist war. Kurz darauf begann eine sehr heimliche und absolut leidenschaftliche Affäre, die auch ein Jahr später noch besteht. Beide sagen, dass sie glücklich in ihrer Ehe sind, doch ihre Verbindung zueinander geht über alles hinaus, was sich beschreiben lässt. Beide haben das Gefühl, dass das Leben ohne den anderen jetzt sinnlos wäre. Ihre Affäre ist all das, was wir an Neptun so ablehnen, eine Fantasie, voller Lug und Betrug. Doch so wie ich Karens Entwicklung im Laufe des letzten Jahres wahrnehme, ist sie weder vom Erdboden abgehoben, noch hat sich ihre Persönlichkeit reduziert oder aufgelöst. Ganz im Gegenteil, sie ist vollständiger geworden. Die Liebesbeziehung hat neues Interesse in ihr für all die neptunischen Dinge geweckt, die ihr schon immer wichtig waren – ihre Malerei und Dichtung, auch ihre spirituellen Wurzeln. Sie sieht aus wie das gerade wachgeküsste Dornröschen und verhält sich auch so. Was Neptun von ihr wollte? Nicht weniger als in ein umfassenderes Leben wiedergeboren zu werden.

Das Leben konzentrierend und erneuernd. Wenn wir die zeitweilige Verwirrung neptunischer Perioden näher anschauen, dann sind das die Zeiten, wo die ekstatischen Phasen beginnen und die quälenden enden. Wenn ich mir die Vielzahl von guten und schlechten Ereignissen so anschaue, die mit Neptun-Transiten assoziiert werden, dann erinnert mich das an Geschichten von begabten Gurus. Diese lehren ihre Studenten nicht alle auf die gleiche Art und Weise, sondern stimmen ihre Lehren auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen ab. Mit dem einen gehen sie voll Mitgefühl um, mit dem anderen hart oder ruppig, mal akademisch, mal spielerisch. Die Studenten sitzen da und kratzen sich am Kopf und wundern sich über die spezielle Weisheit ihres Gurus.  Bei Neptun geht es uns oft genau so. Doch wie auch immer sich dieser Archetypus manifestiert, sein Wirken fokussiert uns vorübergehend neu – holt uns aus unserer vertrauten engen Welt in eine größere Welt von mehr Belang. Durch die Initiation mittels Kummer oder Ekstase bringt Neptun uns Gipfelerlebnisse, die uns erstaunliche Visionen hinterlassen, wie das Leben auf einer höheren Ebene vielleicht sein könnte.

Als Neptun auf meinen Nordknoten lief, dachte ich, die ich nie an Seelenpartner geglaubt hatte, ich hätte einen gefunden. Und durch dieses Wunder wurde ich aus meiner effizienten, maschinenähnlichen Trance erweckt. Die Nacht, in der mein "Seelenpartner" seinen Zauberglanz verlor, schlug ich eins der spirituellen Bücher auf, die er mir geschenkt hatte. Und genau da begann eine weit länger währende Reise. WasserfrauVielleicht schenkt Neptun uns so etwas wie "umgekehrte Übergangsobjekte". In der Psychologie werden Teddybären und Fantasiefreunde von Kindern als "Übergangsobjekte" bezeichnet, die ihnen helfen, aus der undifferenzierten Identifizierung mit der Mutter in den Zustand eines separaten Selbst zu gelangen. Diese Objekte erleichtern den Trennungsprozess. Vielleicht sind Neptuns umgekehrte Übergangsobjekte bedeutsam für den Entwicklungsprozess des Erwachsenen, indem sie uns helfen, aus unserem getrennten Selbst in einen Zustand der Einheit mit dem Ganzen zu kommen. Gewöhnlich hat unser getrenntes Selbst die Hauptrolle in unseren jugendlichen Fantasien inne, weswegen wir pünktlich zum Neptun-Quadrat desillusioniert werden müssen. Wir müssen die Träume unseres kleineren Ego-Selbst loslassen, damit weisere Visionen uns erfüllen können. Nach unserem Neptun-Transit fühlen wir häufig eine größere Einheit und haben mehr Mitgefühl, ein Gefühl grenzenlosen Dazugehörens, eine überwältigende Dankbarkeit – wir befinden uns in einem Zustand der Gnade. Wir erlangen ein exquisites Verständnis, wie ein Wassertropfen, der endlich weiß, dass er eins ist mit dem Ozean.

Wenn er Erleuchtung und Freude bringt, dann nimmt Neptun uns in das Herz des Lebens mit – welches auf unserem Planeten im Meer begann, im alten Reich Poseidons. Astronomen, die den Kosmos untersuchen, haben nirgendwo sonst diese lebensspendende Flüssigkeit gefunden. Ist das nicht bemerkenswert? Flüsse und Ozeane sind das Geschenk des mythologischen Neptuns an die Erde. Der Traum ist ein anderes. Unser nächtlicher Abschied in Neptuns Reich ist ein wesentliches Element der Lebenserneuerung; wenn man uns der Träume beraubt, verlieren wir den Kontakt zur Welt. Unser nächtliches Abtauchen in das Unsichtbare hilft uns, Ängste und Begierden zu verarbeiten. Wir laden uns mit Weisheit aus unserem höheren Selbst auf und basteln an unseren Alltagsdramen, um sie besser zu verkraften.

Neptun ist ein Verbündeter. Doch wie viel von dieser nebligen Welt brauchen wir für das richtige Gleichgewicht? Wir denken bei Gleichgewicht zumeist an eine 50-50-Verteilung. Doch viel wahrscheinlicher ist es, dass es einfach nur um Harmonie geht, um eine Verteilung, die funktioniert. Wenn wir das Verhältnis von Wasser zu Land auf unserem Planeten mal als Metapher wählen, dann müssten wir Neptun 70% zugestehen. Wenn Ihnen das zuviel erscheint, dann denken Sie daran, dass unsere Körper auch größtenteils aus Wasser bestehen. Heißt das, dass wir die Realität zugunsten von Neptun nicht nur manchmal, sondern die meiste Zeit aufgeben sollten?

Es ist eine Fangfrage. Denken Sie an den Normalzustand Ihres Geistes. Wenn Sie jemals meditiert haben, dann wissen Sie aller Wahrscheinlichkeit nach, dass Ihr "normaler" Geisteszustand ein unablässiges Geschwätz von zumeist sich selbst allzu wichtig nehmenden Fantasien und Verzerrungen ist. Unser Geist ist zumeist in Endlosschleifen von Geschichten verfangen, die wir uns erzählen und sie dann glauben. Gehen Sie eine beliebige Straße entlang und die Mehrzahl all der "normalen" Menschen, die Sie dort treffen, sind eigentlich gar nicht anwesend, sondern befinden sich auf ihrer eigenen unsichtbaren Reise. Denken Sie einmal an die zahllosen Abhängigkeiten, denen wir in unserer modernen Welt ausgesetzt sind – Drogen, Fernsehen, Rauchen, Arbeiten, Einkaufen, Essen – all das führt uns ins Niemandsland. Wenn Sie also Angst haben, den Neptunanteil nicht auf 70% erhöhen zu können, entspannen Sie sich. Sie haben den Prozentsatz aller Wahrscheinlichkeit nach längst erreicht. Nur handelt es sich dabei um pseudoneptunische Tätigkeiten. Leere Fantasien und Abhängigkeiten halten nichts von Neptuns wahren Schätzen für uns bereit.

Neptun verlangt Ihre ganze Hingabe. Schauen Sie genau hin, was auf Ihrem persönlichen Altar liegt. Nicht das, was Sie dort gern sehen würden, sondern das, wovor Sie wirklich täglich niederknien. Wo verbringen Sie Ihre Zeit? Dort liegt Ihre Hingabe. Wenn es eine wahre Neptun-Aktivität ist oder etwas, das Sie aus einem authentischen neptunischen Geist heraus tun, dann werden Sie sich gesegnet fühlen, während Sie dies tun. Ihr Leben hat dann eine Bedeutung; Sie fühlen inneren Frieden. Selbst wenn die Umstände schwierig sind, rücken Sie sich selbst mit Dankbarkeit und einem erweiterten Verständnis wieder gerade. Wenn Sie sich jedoch größtenteils in Ihrem Sonnenbewusstsein befinden, dann ist Gnade ein flüchtiger Zustand.
Die Sonne ist ein Emblem für das Ego, den Teil von uns, der nach persönlicher Befriedigung und Glanz hungert. Es ist sehr lehrreich, dass Neptun sich in einiger Distanz von der Sonne bewegt und nur ein Zehntel des Sonnenlichts empfängt. Ein Mitglied aus dem Bilderteam der Mission Voyager 2 verglich das Licht auf Neptun mit dem Inneren einer unerleuchteten Kathedrale an einem bewölkten Tag [3] – wie passend.

Um Neptun angemessen zu ehren, müssen wir das Ego weglassen. Abweichungen von der Realität sind häufiger Egotrips als Neptunreisen. Wenn unsere Visionen sich aus den universellen Quellen speisen und die kollektive Reise nähren, wenn sie nicht das Selbst, sondern das Heilige im Kosmos feiern, dann sind wir in Neptuns Armen geborgen. Sich dort 70% unserer Zeit aufzuhalten, wäre wahrhaft himmlisch. Unsere irdische Realität wäre ein Paradies.

Was ist Realität im Grunde schon? Die modernen Wissenschaften liefern uns überraschend neptunische Erklärungen. Solide Materie verschwindet in Quanten-Mysterien, bei denen eine Einheit der Verbindungen vorherrscht, die nur Mystikern völlig verständlich sein dürfte. Die Realität, so sagen die Wissenschaftler, ist ein Fluss, eine Vielzahl von Möglichkeiten, abhängig vom Beobachter. Die Quelle liegt in der Beziehung zwischen Wahrgenommenem und Wahrnehmenden. Theoretische Physiker klingen wie Buddhisten, wenn sie sagen, dass eine unabhängige und objektive Welt nicht existiert. Wenn wir das Horoskop von Neptuns Entdeckung aus dieser Perspektive betrachten, dann erhält seine Konjunktion zu Saturn eine neue Bedeutung. Vielleicht war es Neptun, der Saturn im Griff hatte und den Wassermann durcheinander brachte, indem er eine ganzheitliche Verbindung zwischen den Wissenschaften und dem Heiligen forderte. Vielleicht war es eine visionäre Einladung an uns alle, neptunische Werte wie Verbindung, Mitgefühl und Fantasie in unsere Kultur zu integrieren. Vielleicht war es Neptun, der sagte: "Trinkt aus, ihre Träumer, bevor ihr verdurstet."

Neptun kehrt 2009 an seine Ausgangsposition zur Zeit seiner Entdeckung zurück. Es ist also nicht zu früh, seine Bedeutung in Ihrem Leben zu feiern.


  1. 9/23/1846, 21:49 h GMT, Berlin, Germany; fr. Joylin Hill, The Discovery of the Planets (AFA, 1985).
  2. Joseph Campbell, The Hero with a Thousand Faces (Bollingen, 1968), S. 92.
  3. Thomas R. Watters, Planets: A Smithsonian Guide (Macmillan, 1995) S. 170

MOONPRINTS by Dana Gerhardt

Zu Moonprints Die Leser der amerikanischen Astrologiezeitschrift "The Mountain Astrologer" schätzen diese wunderbare Deutung schon seit über 20 Jahren. Moonprints beschäftigt sich tiefgehend mit den Hintergründen Ihres Gefühlslebens. Sie erhalten neue Einblicke in den Mond des Geburtshoroskops - seine Phase, das Zeichen, Aspekte und sein Haus. Entdecken Sie Ihren Lebenssinn, versteckte Talente und Gefahrenzonen durch die Mondknoten. Nutzen Sie den Mond, um sich selbst in den Rhythmen der Zeit zu verankern - durch Transite zum Mond, Ihre progressiven Mondzeichen und -häuser, Daten für zwei progressive Mondzyklen, plus einen Jahreslauf der Neu- und Vollmonde durch Ihr ganzes Horoskop. Sie werden jede Seite dieser Deutung lesen wollen, die sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Astrologielernende anspricht. Die Deutung ist auch in einer deutschen Übersetzung bei Sabine Bends erhältlich.

Zur deutschen Ausgabe von Moonprints

Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Bends

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