Mars

von Dana Gerhardt

Nachdem nun schon seit einiger Zeit die Fernsehshows tagsüber willkürlich von Livesendungen unterbrochen werden, in denen Autorennen und Schießereien gezeigt werden, bei denen unschuldige Leben auf dem Spiel stehen und man abends mit weiteren gewalttätigen Geschichten gequält wird, gibt es jetzt eine neue, offenbar dringend notwendige Serie in den USA: "Wie man Gefahren überlebt: Was Sie wissen müssen." Und so schau ich sie mir an, eingeschüchtert, wie es sich gehört. Nach fünfzig Sekunden realer Terrorszenen aus dem Leben (als ob ich daran erinnert werden müsste) verkündet ein gut gelaunter Reporter seinen zehnsekündigen Rat: "Experten empfehlen - wenn Sie in eine gefährliche Situation geraten, machen Sie am besten gar nichts. Kooperieren Sie. Regen Sie den Verbrecher nicht auf. Spielen Sie vor allem nicht den Helden."

Das ist sicherlich ein weiser Rat. Ungefähr so ähnlich lautet auch der Rat meines Automobilclubs, wie man Aggression im Straßenverkehr begegnen soll: Immer in sicherer Distanz bleiben, Augenkontakt vermeiden, im Zweifelsfall nachgeben. Doch für meinen inneren Mars – meinen Kämpfer, meinen Verteidiger, meinen inneren Schläger – sind das verwirrende Botschaften. Man sagt uns in den USA, die Welt sei gefährlich – selbst unser Präsident und Vizepräsident bestätigen das. Und doch empfiehlt man uns, dass es am besten sei, passiv zu bleiben. Die Augen Mars Symbolabzuwenden und nicht noch mehr Unheil anrichten. Der Weg des Helden scheint uns versperrt zu sein. De facto teilt das die Welt in zwei Sorten von Menschen ein: Berserker und Weichlinge. Was soll nun ein marsischer Krieger tun? Es ist kein Wunder, dass Kinogänger so wild auf Action-Helden sind, die am Rande der Gesellschaft leben, im Kampf gegen die vorherrschende Struktur, bis der Moment kommt, in dem nur sie noch die Welt retten können. Wie beruhigend, auf der Couch zu liegen und Jack Bauer in "24" zuzuschauen, wo er Dutzende von Terroristen quält, erschießt und ihnen die Kehle aufschlitzt, den korrupten Beamten entkommt, ein Linienflugzeug entführt und einen bösen Präsidenten kidnappt – und das alles an einem einzigen Tag! Im Gegensatz dazu nimmt der Rest von uns seinen Mars mit ins Sportstudio und hebt ein paar Eisenstäbe, radelt auf einem stationären Fahrrad oder läuft einen einsamen Tretmühlen-Marathon. Eine Mars ohne große Mission sucht sich eben weniger wichtige Aufgaben und regt sich dann über Kleinigkeiten auf oder verausgabt sich in unnötigen Wettbewerben. Das ist dann der Mars, der sich in der Vorstandssitzung ereifert oder einen anderen Autofahrer beim Wettkampf um den Pa rkplatz aussticht.

Mars liebt Action. Trotz der Lüsternheit der Medien für Gewalt leben die meisten von uns ein eher sicheres und ruhiges Leben. Dadurch müssen viele marsische Krieger den Tag hinter Schreibtischen verbringen, auf Computer starren, zu Besprechungen und Sitzungen gehen, einkaufen, die Wäsche waschen, vielleicht ein bisschen im Internet auf Pornoseiten stöbern oder ein paar privilegierte Athleten ihren Mars im Fernsehen zur Schau tragen sehen. Aber Mars geht nicht gern freiwillig in Haushaltsaktivitäten auf. Mars ist nicht zart besaitet. Bei Star Trek wäre Mars ein Klingone. Er strotzt nur so vor körperlicher Vitalität. Er ist feurig und impulsiv, wettkämpferisch und selbstsüchtig. Er ist die Wut, die wir nicht gern zugeben, die verbotene Leidenschaft, die wir so gern transzendieren würden. Er ist machtvoll, unabhängig und mutig. Mit marsischer Kraft können wir Berge ersteigen, ehrgeizige Kampagnen führen, die Schutzlosen verteidigen und für das einstehen, woran wir glauben. Aber wenn man mal so Mäuschen spielt und hört, was so gesagt wird, dann scheint es, dass wir Mars eher kritisch sehen als positiv. "Andreas ist so unglaublich wettbewerbsorientiert." "Hast du die böse Bemerkung gehört, die Edith gemacht hat?" Mars ist das, was andere Leute tun, um uns zu ärgern. Wenn wir unseren eigenen Mars in eine astrologische Beratung einbringen, dann tun wir das oft indirekt, jammern darüber, dass wir immer so müde sind, nicht voran kommen oder dass wir das, was wir tun, eigentlich gar nicht mögen. Das wirkliche Problem liegt aller Wahrscheinlichkeit eher darin, dass unser durchsetzungsstarker, lüsterner Mars arbeitslos ist und keine wirkliche Aufgabe hat.

Wir haben einen Vertrag mit unseren Archetypen. Sie füllen uns mit ihrer psychischen Energie, den Hunderten von Geschichten, die unserer eigenen hinzugefügt werden. Sie erfüllen uns mit ihren Träumen und Bedürfnissen. Sie verwandeln uns in Liebende, Krieger, Könige und Handwerker. Durch unser individuelles Wesen verleihen wir diesen Archetypen neuen Ausdruck. Sie möchten an unserer Entwicklung teilhaben. Sie schenken uns menschliche Kontinuität, wir schenken ihnen Möglichkeiten der Entwicklung. Darum sollten wir Mars nicht beschuldigen, uns anzutreiben und hinter unseren Schreibtischen, Einkaufswagen oder hinter dem Steuer in Aufruhr zu versetzen. Mars möchte an unseren Dramen teilhaben. Er sagt: "Gewähre mir Einlass in deine Welt. Erwecke mich neu zum Leben. Verhilf mir wieder zu heroischen Höhepunkten."

Planet MarsDie Dinge, die wir nicht bewusst ausdrücken, erscheinen vor unserem Auge in ihrer Schattenform: in Fantasien, unbewussten Handlungen oder Projektionen. Gegen die kulturelle Höflichkeit, die ihn verdrängt, lässt Mars den Terroristen los, das Gang-Mitglied oder den Militärputsch. Dann zieht er sich in die Opfer zurück und taucht als gerechter Zorn wieder auf, um zu bestrafen und die Gefängnisse der guten Gesellschaft mit den Früchten seines Tuns zu bestücken. Er hypnotisiert uns mit seinen Fantasien, teilweise schon in ganz jungen Jahren. Als mein Sohn noch ganz klein war, achtete ich immer darauf, dass er nur kindgerechte Sendungen im Fernsehen sah. Doch dann entdeckte er Zeichentricksendungen. Als ich ins Wohnzimmer kam, fand ich ihn völlig fasziniert vor dem Fernseher, sein Kinn in die Hände gestützt, die Augen weit aufgerissen. Auf dem Bildschirm sah man ein über einer Flammengrube gefesseltes Mädchen, das auf ihren mächtigen, akrobatischen Superhelden wartete, der sie befreien würde. Selbst im zarten Alter von 4 Jahren gibt es etwas in uns, das ganz leicht von Mars angesprochen wird und sich danach sehnt, von dieser Energie genährt zu werden. Ich werde nie den kleinen Jungen aus der Nachbarschaft vergessen, dessen Eltern ihm zu Hause keine Spielzeugpistolen und -messer erlaubten. Wenn er zu uns kam, gesellte er sich nicht zu den anderen Kindern, die mit Pokemon-Karten handelten, sondern er griff geradewegs in Brandens Kiste mit Plastikwaffen, hielt jede einzeln hoch und strich völlig fasziniert mit seinen Händen darüber.

Mein Sohn ist zwar schon dreizehn, doch dann und wann taucht immer noch mal eine Plastik-Laserpistole oder ein Gladiatorenschild an der Stelle auf, wo offenbar gerade ein marsisches Märchen stattgefunden hat. Noch vor einigen Jahren liebte Branden es, Teile des Staubsaugers zu befehligen und sie in Speere zu verwandeln, mit denen er unsichtbare Feinde erstach und die er wie ein geübter Kämpfer schnell und geschickt durch die Luft wirbelte. Auf dem Weg ins Bett duckte er sich plötzlich hinter der Couch und schoss mit einem imaginären Maschinengewehr auf den Hund. Heute findet man Branden nur noch vor dem Computer, sein Körper bleibt still, doch sein Geist ist immer noch von Mars gefangen. Er geht völlig auf in intergalaktischen Kriegen,  läuft durch Labyrinthe, raubt Schlösser aus und erschlägt Trolle, um den Gral zu bekommen. Die Gewalt in dem Spiel erschrickt mich oft fürchterlich. ("Mama, ich hab es bis Ebene fünf geschafft! Dazu musste ich 300 Typen umnieten!") Doch eins machen die Videospiele auf alle Fälle richtig. Sie sind so konzipiert, dass jeder Spieler eine spezifische Mission hat, irgendwo hin muss, etwas erreichen muss, einen Job zu erledigen hat. Es ist nicht die Gewalt, die meinen Sohn und seine Freunde so anzieht. Es ist das Versprechen auf Sieg, das schöne Gefühl, seine eigene Stärke und Geschicklichkeit zu beweisen.

Mars sehnt sich nach einem Auftrag. Und dem Mars in unseren Horoskopen ergeht es dabei kein bisschen anders. Wir können uns dazu das Marszeichen oder –haus anschauen, um seine Mission zu benennen, doch viel häufiger ergibt diese sich anderweitig, so wie auch Krieger im Allgemeinen ihren Marschauftrag von höherstehenden Autoritäten erhalten. Die Sonne, unser König, bestimmt den Sinn und Zweck unseres Tuns und entscheidet, welche Kämpfe wichtig sind. Wenn Mars gewinnt, dann kann unsere Sonne scheinen. Unser einzigartigen Gaben werden sichtbar. Der Mond ist unsere Königin und Mars ist ihr zu Diensten, bestraft die, die uns verletzen, und stellt denen hinterher, die wir in unserer Nähe haben wollen. Mars' Zeichen beschreibt möglicherweise, wie stark wir an unseren Begierden festhalten oder es sagt etwas über unseren Durchsetzungsstil aus oder wie wir unsere Leidenschaft ausdrücken. Wenn Mars sich in dem Haus, in dem er steht, wohl fühlt, dann zeigt er an, wo wir uns am meisten stimuliert fühlen, wo wir unsere Vitalität stärken oder unsere Strategie verbessern und unsere Waffen schärfen können. Fühlt er sich dort unwohl, dann spüren wir vielleicht einfach nur ein brennendes Verlangen und verursachen viel Ärger und Unruhe in unserer Umgebung.

Wenn mit Mars etwas schief läuft, liegt es häufig nicht am Planeten selbst, sondern eher an seiner Mission, mit der etwas nicht stimmt. Vielleicht ist unsere Mondkönigin ein bisschen paranoid oder unser Sonnenkönig ein Egomane. Vielleicht hat auch Saturn die Sonne und den Mond mit Unsicherheit platt gemacht und unsere Träume zerstört, neue Höhen zu erklimmen. Wenn die marsische Energie sich nicht im Gleichgewicht befindet – wenn wir außer Kontrolle geraten, vor Anspannung platzen, uns in Versagensnöten befinden oder einfach nur innerlich voller Unruhe sind – müssen wir uns daran erinnern, wie der Auftrag für unseren Mars eigentlich lautete. Passt seine Mission zu dem wahren Sinn und den wirklichen Werten des Horoskopeigners? Nehmen wir ein Fallbeispiel, den Mars im Horoskop der USA. Unter dem Druck des transitierenden Pluto in Opposition zu Amerikas Radix-Mars tappt das amerikanische Militär durch den Irak, völlig ausgedünnt, und sieht sich einem Feind gegenüber, der sich immer wieder entzieht und wie die Hydra neue Köpfe ausbildet, sobald einer abgeschlagen ist. Pluto-Mars-Transite können tödliche Gefechte mit sich bringen, bei denen keiner gewinnt. Sie bringen außerdem den ganzen Dreck zum Vorschein, der schon lange irgendwo verborgen und stinkend herumlag, die unschönen Geheimnisse, die keiner zugeben will – so wie die Ungeheuerlichkeiten in Abu Ghraib, die Rechtlosigkeit von Guantanomo, das Massaker an der Zivilbevölkerung von Haditha. Das sind ganz eindeutig Geschichten der Irrungen von Mars, dem Berserker. Doch wessen Schatten sehen wir hier eigentlich? Gehört er zu vereinzelten bösartigen jungen Soldaten – oder zu den gierigen und berechnenden Vorgesetzten, die sie auf ihre Mission geschickt haben? Kennt jemand die Mission dort überhaupt?

Wie sehr sich dieser Mars von dem unterscheidet, der am 8. Mai 1945 projiziert wurde, als der progressive Mars der USA ruhmreich über das MC des Staatenhoroskops lief! Damals war unsere Armee machtvoll und angesehen zugleich. Der französische Kulturkritiker Clotaire Rapaille beschreibt, wie er diesen Mars als Junge gesehen hat, als plötzlich die Deutschen ihre Helme fort warfen, weg rannten, und aus dem Wald ein riesiger Panzer mit einem weißen Stern kam. Ein großer, freundlicher Mann stand in der Führungskanzel und verteilte Schokolade und Kaugummi. Rapaille sagt dazu: "Ich wollte auch in diesem Panzer sein, ich wollte sein wie diese Männer. Ich wollte nicht zu den Franzosen gehören, diesen Verlierern." In diesem Augenblick entschied sich Rapaille dazu, dass Amerika seine Wahlheimat werden würde. Nichts ist attraktiver als ein siegreicher Mars mit guten Prinzipien.

Horoskopzeichnung

[ Natal Chart and Progressions for 8th May, 1945 (Method Astrodienst/Placidus)
Born on: 4th July 1776, 5.13 pm, Philadelphia PA, USA
Date: 20th December 1776 6.21 pm UT ]

Energie-Krise

Meine Freundin Cheryl hat den Mars im vierten Haus. Sie hat mir schon oft gesagt, dass sie ihre Wohnung hasst, weil sie nicht die Energie hat, sie in Ordnung zu halten. Das vierte Haus steht für das eigene Zuhause und Mars für Wut, aber um aus diesen Entsprechungen etwas wirklich Bedeutsames herauszuziehen, müssen wir schon ein bisschen tiefer gehen. Ein Freund von mir sagte letztens, dass die Schränke für das Unbewusste eines Zimmers stehen. Bei Cheryl zu Hause ist der Inhalt aller Schränke übergequollen und nimmt die gesamte Wohnfläche ein. Alles liegt hochgetürmt übereinander – längst vergessene Projekte, die darauf warten, ihre Anerkennung zu finden. Cheryls Energiemangel begann schon ganz früh. Sie hat mir erzählt, dass sie einen Großteil ihrer Kindheit damit verbracht hat, auf ihrem Bett zu liegen. Das klingt nach einer Depression, eine der Ausdrucksformen von einem frustrierten Mars. Die Wut richtet sich nach innen und man fühlt sich aller Initiative oder Freude beraubt.

Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wie schwierig jemand einen Mars im vierten Haus der Familie und des Heims in jungen Jahren empfinden kann, insbesondere wenn dieser jemand ein kleines Mädchen ist. Cheryls Horoskop spricht Bände: Pluto im zehnten Haus steht in Opposition zu ihrem Vierthaus-Mars, ein Hinweis auf kindliche Ohnmachtserfahrungen in einem Machtkampf zwischen Eltern und Kind. Cheryl hat ihre Mutter immer gehasst und ist davon überzeugt, dass diese sie auch gehasst hat. Wenn ein Planet möglicherweise im Unbewussten liegt, dann ist es ratsam, zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn Cheryl mir also erzählt, dass ihre Mutter mal mit einem Messer in der Hand auf sie zugerannt kam und schrie: "Na mach schon und bring mich endlich um!", während Cheryl unter dem Tisch hockte, hege ich keinerlei Zweifel daran, dass es sich wirklich so zugetragen hat. Doch ich muss mich auch fragen, was Cheryl mit ihrem Mars so angestellt hat, wenn sie nicht auf ihrem Bett lag. Der Kampf, mit einem unterdrückten Mars zurecht zu kommen, kann sehr schmerzhaft und verwirrend sein; am Ende wird es zu einer Qual, einfach nur man selbst zu sein. Die Verwirrung und innere Verärgerung sucht nach einem Ventil und richtet ihre explosive Kraft möglicherweise auf jemanden, der nichts Böses erwartet. Während ihrer ersten kurzen Ehe wurde Cheryl verhaftet, weil sie mit einem Messer auf ihren Mann los ging. Die Polizei holte sie ab, und sie verbrachte ein paar Stunden im Gefängnis. Doch wenn sie die Geschichte erzählt, dann macht Cheryl eine abschätzige Handbewegung, so als sei das alles ein dummes Missverständnis.

Sicherlich ist es für Cheryl nicht leicht, sich ihrer marsischen Energie zu bemächtigen. Und aus diesem Grund ist es nicht nur schwierig für sie, die Energie zum Hausputz aufzubringen, sondern es fällt ihr gleichfalls schwer, an ihrer beruflichen Karriere zu arbeiten. Sie hat vieles schon begonnen, aber weniges wirklich durchgezogen. Derzeit lebt sie von Sozialhilfe. Da ihrem Mars die Nahrung und Unterstützung seiner Basis im vierten Haus fehlt, ist es, als hätte er seine Arme vor der Brust gekreuzt und würde sagen: "Dir werde ich es zeigen – dann sorge ich eben nicht einmal für mich!"

Irgendwo in unseren Horoskopen treffen wir alle seltsame Vereinbarungen. Es ist sehr verführerisch, jemandem dafür die Schuld zu geben. Wir können die Schuld bei Cheryls Mutter suchen oder bei Cheryl selbst – aber wenn wir ihre Geschichte aus einem anderen Blickwinkel betrachten, dann sehen wir, dass der Unterschied zu den Geschichten innerhalb eines größeren kulturellen Rahmens gar nicht so groß ist. Die Feindseligkeit zwischen Mutter und Kind ist archetypisch und hat eine lange Geschichte. Die Erde ist unsere Mutter, und die menschliche Kämpfernatur, insbesondere die der wissenschaftlichen Art, hat sich Jahrhunderte lang gegen Mutter Natur gewandt, so als sei diese eine feindliche Kraft. Wir alle erleben eine Energie-Krise in unserer Welt.

KriegerWendell Berry zieht eine interessante Verbindung zwischen der Energie-Krise der Welt und das, was wir als klaren marsischen Sinn und Zweck sehen würden: "…die zugrunde liegende Ursache der Energie-Krise ist kein Mangel, sondern moralische Unwissenheit und Charakterschwäche. Wir wissen nicht, wie und wofür wir die Energie einsetzen sollen. … Unsere Zeit ist von so viel Missbrauch und Verschwendung menschlicher Energie gekennzeichnet wie wir fossile Brennstoffe ausbeuten und verschwenden. "Kriegerische Kulturen, von den Samurais bis nach Camelot, lehren uns, dass die Verbindung zwischen einem Krieger und dem hohen Ideal, dem er dient, wichtig ist. Diese moralische kulturelle Vision nährt die konkrete Anwendung der Kraft des Kriegers. Wenn diese prägenden Ideale fehlen, geht viel Energie verloren. Um unsere globale Energie-Krise zu heilen, den scheinbaren "Energie-Mangel", so sagt Berry, müssen wir zu bestimmten Werten, vor allem ökologischen, zurückkehren. Das ist Kultur im tiefsten Sinne der Wortbedeutung – als eine Wertschätzung der Energiezyklen, die innerhalb der Gesetze des Nährens, der Ernte und Bewahrung funktionieren und dem Fortbestand eines größeren Ganzen dienen. Diese Art der Kultur ist eine Versöhnung von Mond und Mars, die Aufgabe, die sich einem Mars im vierten Haus oder einem Krebs-Mars stellt.

Eins der glücklichsten Ereignisse in Cheryls Leben war die sexuelle Beziehung zu einem Farmer, aus dem ihre Tochter hervor ging. Dies erweckte ihren Mars zu völlig neuem Leben. "Die Geburt meiner Tochter hat mich wirklich motiviert", sagt Cheryl. Ihre Aufgabe als Ernährerin sorgte für neuen Antrieb; diesem Ideal zu dienen, brachte wieder Sinn in ihren ansonsten eher widerspenstigen Mars. Hausarbeit macht ihr immer noch keine Freude, und beruflich tut sie sich auch nicht leicht. Bei einem Mars in Wassermann im vierten Haus könnten wir geneigt sein, ihr eine berufliche Verwirklichung als ökologische Aktivistin zu verordnen. Doch ich glaube, dass diese Art der Horoskopdeutung häufig am Kern der Sache vorbei geht. In welchem Zeichen oder Haus er auch immer stehen mag, bei Mars geht es vielleicht insbesondere darum, global zu denken und lokal zu handeln. Jeder persönliche Akt des Wachstums, jeder Entschluss unseres persönlichen Marses kann dabei helfen, den Mars der ganzen Welt zu heilen.

Feuer im Bauch

Geschichtenerzähler und Mythologe Michael Meade schlägt vor, dass wir viel über den Umgang mit Energie, Leidenschaft und Wut lernen können, wenn wir ursprüngliche Volksstämme studieren. Das Volk der Gisu in Uganda nennt diese emotiFeueronale Kraft "Litima". Sie ist eruptiv, verwegen, rücksichtslos und brutal, aber auch machtvoll, mutig, unabhängig und voll hoher Ideale. Meade schreibt, dass in der Tradition der Gisu Wert darauf gelegt wird, dass die ungehobelte Ausdrucksform von Litima in der Jugend die Aufmerksamkeit der Älteren benötigt; umgekehrt weiß das Volk, dass es von der Intensität dieses jugendlichen Feuers abhängt, damit es sein spirituelles Zentrum lebendig erhalten kann. Die Initiationsriten des Volkes stellen einen Kanal bereit, durch den die rohe Litima ausgedrückt und verfeinert werden kann. Während der Monate der Vorbereitung darauf wird den Initianden große Freiheit und emotionale Flexibilität zugestanden. Sie dürfen sich streiten, stehlen, sich promiskuitiv verhalten und für eine Zeitlang die Regeln ihrer Gesellschaft brechen, um sich selbst, so Meade "an einem tieferen Ort jenseits dieser Begrenzungen" wieder zu finden. Zu vielen Initiationsritualen gehört ein Tanz der Wut, ein körperliches Vorbild dafür, die Emotion durch den Körper zu bewegen – eine Art von kinesthetischer Erinnerung, wie man die Marskraft halten und formen kann. Wenn eine Kultur Mars diese Nahrung verweigert, indem sie jugendliche Wut entweder ignoriert oder aktiv versucht, sie zu unterdrücken, dann, so Meade, wird etwas Machtvolles unerlöst gelassen. Wenn diese Kinder dann erwachsen werden, agieren sie womöglich lediglich die tieferen Konflikte ihrer Kultur aus, ohne jedoch die Zuversicht und Weisheit zu be sitzen, diese lösen zu können. Und wenn sie nicht von den älteren Teilnehmern ihrer Gesellschaft unterstützt würden, hätten sie keinen Grund, sich an diese zu erinnern.

Eltern unseres Kulturkreises stehen keine solchen kulturell sanktionierten Rituale zur Verfügung. Sie sind völlig auf sich selbst gestellt, wenn es darum geht, den Mars ihres heranwachsenden Kindes zu stärken. Wie gut funktioniert das? Denken wir nur einmal an die Trotzphase im Alter von ca. zwei Jahren. Mars braucht zweieinhalb Jahre, um einmal durch den Tierkreis zu wandern. Das bedeutet, dass die Trotzphase häufig mit der ersten Mars-Wiederkehr korreliert, ein Schlüsselmoment in der Entwicklung des kindlichen Mars. Voll ungezähmter Energie kommt das Kind in die glückliche Position, das Wörtchen "Nein!" aussprechen zu können. Es ist seine erste Waffe, ein magisches Wort, so machtvoll wie eine Faust oder ein Schwert, und es demonstriert eine wichtige marsische Eigenschaft – die Fähigkeit, Grenzen zu setzen und den eigenen Willen auszuüben. Aber achten Sie mal beim nächsten Einkauf darauf, ob Sie einen Erwachsenen mit einem Kleinkind voller Litima-Energie sehen. Es ist meist schwer zu sagen, wer von beiden mehr Gebrauch von seinem Mars macht – der schreiende Erwachsene oder das schreiende Kind. Eltern reagieren meist nicht allzu positiv auf diese ersten Übungen ihres Kindes, seinen Mars anzuwenden. Ich hab es an meinem eigenen Leib erleben dürfen.

Als mein Sohn Branden mit seinen Trotzanfällen anfing, war ich ziemlich brutal. Ich war völlig unvorbereitet und es mangelte mir an Kreativität. Ich fühlte mich so hilflos und habe wohl eher einen bizarren De-Initiationsprozess eingeleitet, dessen Ziel es war, mein Kind zu überwältigen und seinen Mars in seine Schranken zu weisen. Mars kann zwar schrecklich sein, doch bei Archetypen kann man das Gute und das Schlechte nicht so einfach voneinander trennen. Wenn wir die Wut verlieren, verlieren wir vielleicht auch die Motivation. Wenn wir ein Kind für seine Willensäußerung bestrafen, frustrieren wir womöglich nicht nur seinen Mars, sondern lehren es auch, die Welt als bösartig und feindlich zu betrachten. Nur noch schlimmer ist es, dieser Energie völlig ungezügelt ihren freien Lauf zu lassen, wie wir bei der Super-Nanny lernen. Wenn Eltern dem inneren Brutalo ihres Kindes überhaupt keine Grenzen auferlegen, dann kommt Mars nie aus seinen Windeln und bleibt auch bei jeder folgenden Mars-Wiederkehr selbstsüchtig, verwöhnt, verwegen und frech.

Wir sollten unseren Kindern beibringen, wie sie die Grenzen anderer achten und auch ihre eigenen auf eine gesunde Art und Weise wahren können. Gegen Erwachsene anzukämpfen, ist nicht der richtige Weg. Ich bin den älteren Menschen in meinem Leben dankbar, die mir gezeigt haben, wie ich meinen Mars kultivieren kann, ohne zu kämpfen. Ich musste einfach lernen, klarere Linien zu ziehen. Als es zu einem Streitpunkt wurde, Branden für die Schule anzuziehen, setzte ich die Grenze bei der Schule. Zur Schule zu gehen war etwas, worüber ich nicht mit mir verhandeln ließ. Doch ich überließ es seiner Wahl, ob er im Pyjama ging oder nicht. Natürlich hat er mich getestet. Doch schon beim ersten Mal, als er im Schlafanzug aus dem Haus ging, rannte er sofort wieder zurück und holte seine Klamotten, bevor ich noch die Autotür aufgemacht hatte. Einige Wochen später musste ich lachen, als Branden mir verkündete: "Mama, ich kann mich anziehen, wann ich es will." "Ach ja? Wie hast du das denn herausgefunden?" "Mein Bauch hat es mir gesagt", erwiderte er fröhlich. "Ich hab einfach nur meinen Kopf in meinen Bauch gesteckt und es gehört!" Er hatte die Kraft seines Willens entdeckt. Er musste dazu kein Dutzend Bücher über Chakren lesen. Er konnte sich im Rhythmus mit seinem Mars bewegen und anziehen, wann er wollte. So wie meine Geduld und mein Umgang mit Branden besser wurde, ging es auch meinem Mars immer besser. Mit der Litima meines Sohnes zu tanzen, half meiner eigenen Kraft.

Ich bete darum, dass mein Sohn niemals als Soldat in den Krieg ziehen wird. Ich weiß nicht, welches Schicksal die Zukunft für ihn bereit hält. Ein Teil davon ist nicht verhandelbar: Sollte er jemals dazu angehalten werden, seine Prinzipien zu verletzen, wünsche ich mir, dass sein Mars stark und selbstbewusst genug sein wird, "Nein!" zu sagen.


  1. Unter Verwendung des Sibly-Horoskops, von Rudhyar korrigiert; 4. Juli 1776, 17:13:55 h, Philadelphia PA
  2. Aus einem Interview mit Clotaire Rapaille auf Salon.com: http://www.salon.com/books/int/2006/05/20/rapaille/
  3. Wendell Berry, The Unsettling of America:  Culture and Agriculture, (Sierra Club Books: 1986), S. 13.
  4. Michael Meade, Men and the Water of Life, (HarperSanFrancisco: 1993), Seiten 233-245

MOONPRINTS by Dana Gerhardt

Zu Moonprints Die Leser der amerikanischen Astrologiezeitschrift "The Mountain Astrologer" schätzen diese wunderbare Deutung schon seit über 20 Jahren. Moonprints beschäftigt sich tiefgehend mit den Hintergründen Ihres Gefühlslebens. Sie erhalten neue Einblicke in den Mond des Geburtshoroskops - seine Phase, das Zeichen, Aspekte und sein Haus. Entdecken Sie Ihren Lebenssinn, versteckte Talente und Gefahrenzonen durch die Mondknoten. Nutzen Sie den Mond, um sich selbst in den Rhythmen der Zeit zu verankern - durch Transite zum Mond, Ihre progressiven Mondzeichen und -häuser, Daten für zwei progressive Mondzyklen, plus einen Jahreslauf der Neu- und Vollmonde durch Ihr ganzes Horoskop. Sie werden jede Seite dieser Deutung lesen wollen, die sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Astrologielernende anspricht. Die Deutung ist auch in einer deutschen Übersetzung bei Sabine Bends erhältlich.

Zur deutschen Ausgabe von Moonprints

Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Bends

 

 

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