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Mit dem Löwen ringen

Von Dana Gerhardt

lion "Bist du der Auserwählte?" Diese Frage steht im Zentrum des Sciencefiction-Actionfilms The Matrix aus dem Jahr 1999. Alle fragen sich, ob der von Keanu Reeves gespielte, schlecht gelaunte Einzelgänger der Auserwählte ist. Tagsüber ist er Thomas Anderson, ein anspruchsloser Programmierer und Angestellter; nachts ist er ein brillianter Computerhacker namens Neo. Die Macht über die Erde haben empfindungsfähige Maschinen übernommen, die die Menschen in eine Parallelwelt entführt haben, wo ihnen Energie aus ihren schlummernden Körpern entzogen wird. Ein paar wenigen ist es gelungen, diesem kollektiven Traum zu entkommen. Als Neo sich dieser Widerstandsbewegung anschliesst, fragen sich die Rebellen, ob er der von einem Orakel prophezeite Held sei? Ob er derjenige sei, auf den die Menschheit gewartet hat? Ist Neo dazu bestimmt, die Menschheit zu retten? Das sind ernsthafte Fragen. Solche Fragen werden bestimmt nur Filmhelden gestellt.

Glücklicherweise lastet das Schicksal der Welt nicht auf unseren Schultern. Wir haben Zeit, ein Tweet über den fantastischen Pastrami zu verfassen, den wir gerade zu Mittag gegessen haben. Nachts im Schlaf werden wir von solchen Gedanken heimgesucht wie unbeantwortete e-Mails, Fussball-Fahrgemeinschaften, unsere schwindenden Pensionsgelder oder wer unsern i-Pod genommen hat. Aber manchmal, wenn vielleicht gerade der Mond auf bestimmte Weise in unser Schlafzimmer scheint, wird unser innerer Held wachgerufen. Antik wie Gilgamesh und mutig wie Herkules stampft er durch unsere Träume. Er ist derjenige Teil unserer Psyche, der entschlossen ist, das Monster zu töten, den verzauberten Baum zu finden, oder das zu tun, was immer es braucht, um das Königreich wiederzubeleben. Tagsüber können wir diesen Teil in unserem Horoskop finden. Sie müssen nur schauen, wo das Zeichen Löwe residiert. Im Löwe-Haus, durch unsere Löwe-Planeten und unsere Sonne, der Herrscherin des Löwezeichens, werden wir zu einer besonderen Bestimmung gerufen, etwas, das nur actor keanu reeveswir vollbringen können. Es ist das Löwezeichen, das uns Hoffnung macht und uns diese Frage stellen lässt: Sind wir der Auserwählte, auf den die Welt gewartet hat?

Im Film The Matrix hat Neo einen Mentor, der an ihn glaubt: Morpheus bringt Neo beinahe auch dazu, dass er an sich glaubt, bis das Orakel den Helden als Bluff bezeichnet. In ihrer Wohnküche schaut die plätzchenbackende und zigarettenrauchende Weise an Neo rauf und runter und nimmt dann seine Hand: "Du weißt bereits, was ich dir gerade erzählen werde..." "Ich bin nicht der Auserwählte," antwortet Neo. Sie nickt mit dem Kopf. "Tut mir leid, mein Lieber. Du hast die Gabe. Aber es scheint, als ob du auf etwas wartest. Vielleicht auf dein nächstes Leben, wer weiss."

Mutig, kreativ, selbstbewusst und stolz sind typische Schlüsselwörter für den Löwen. Unsicher schafft es nie auf die Liste. Aber an seinem Talent zu zweifeln ist genauso ein wesentlicher Bestandteil des Löwewegs wie der Stolz. Wir bevorzugen sonnige Löwetage, an denen wir unsere Füsse vom Ast eines glänzenden Baumes schwingen und von unserer Grossartigkeit träumen und an sie glauben. Aber nach einer gewissen Zeit hat die goldene Löwestrasse Schotter und Schmutz abbekommen. Ziele, die wir nie erreicht haben, Jobs, die uns durch die Lappen gegangen sind, Geliebte, die wir nicht begeistern konnten, und dazu einen tristen Haufen Aufgaben, die jeder erledigen könnte. Vielleicht sind wir also doch nicht so besonders. Wir suchen Hellseher und Astrologen auf, um uns neu zu inspirieren; das heitert uns zwar kurz auf, lässt dann aber wieder nach. Wir sind erneut am Punkt, wo wir uns durchschnittlich fühlen und unheldenhaft. Sowieso: Wozu sollen Wahrsager schon gut sein?

Das Orakel im Film The Matrix bringt die Kunst des Wahrsagens auf eine komplett neue Ebene. In der Verneinung von Neos Begabung steckt eine kluge Wendung. Er ist der Auserwählte. Das Orakel weiss aber, dass ihre bestätigenden Worte dieses Talent nicht aus ihm hervorlocken würden. "Der Auserwählte zu sein," sagt das Orakel, "ist wie verliebt zu sein. Niemand braucht dir zu sagen, du bist verliebt; du weißt es einfach, durch und durch, bis auf die Knochen." Die Astrologie geht ähnlich vor, indem sie Liebe und Heldentum dem Löwen zuordnet. Tatsächlich sind Verliebtheitsgefühle und heldenhafte Taten derart ähnliche Energien, dass die Menschen sie oft verwechseln. Sie gehen in Single Bars oder stellen ein kluges Profil auf parship.com, aber was sie wirklich wissen wollen, ist, ob sie auf dieser Welt wichtig sind.

Das Leben spielt mit uns wie die weise Alte mit Neo. Über weite Strecken hält es seine Bestätigung zurück. Es fordert von uns, unsere Heldenreise anzutreten ohne die Gewissheit, ob wir erfolgreich sein werden. Die Gabe von Löwe ist nicht, dass wir furchtlos sind, sondern dass wir trotz unseres Zweifels und unserer Furcht auf jeden Fall vorwärtsgehen. Major Gates sagt in einem anderen feinen Film, "Three Kings": "Zuerst machst du das, wovor du eine Scheissangst hat, und erst danach bekommst du Mut, und nicht umgekehrt." Das ist das Gesetz des feigen Löwen aus "Der Zauberer von Oz", der seinen Mut durch seine zitternde Stimme und die schlotternden Knie beweist. Einer meiner Lieblingsmomente im Film "Kundun" ist, als der junge Dalai Lama sich fragt, ob er wirklich der Dalai Lama sei, während die chinesischen Besatzer gegen Tibet marschieren; vielleicht haben die Mönche ja einen Fehler gemacht. Wir wissen nie mit Sicherheit, ob wir der Auserwählte sind. Aber genau dieser Zweifel zwingt uns dazu, nach innen zu gehen und nach einem der wichtigsten Schätze von Löwe zu suchen: die Kraft unseres Willens. Wenn wir diese Kraft finden, wird eine gewaltige Kreativität freigesetzt.

Das Herz eines Helden

heracleslionDas bringt uns zu unserer Löwe-Aufgabe. Herkules wird beauftragt, den Löwen zu töten, der die Hügel um Nemea herum terrorisiert. Es ist eine schreckliche Bestie, doppelt so gross wie ein Mensch und dreimal so tödlich. Es ist die erste von Herkules' zwölf Aufgaben, und sie fühlt sich an wie eine Bestrafung, was sie auch tatsächlich ist. Vielleicht kennen wir dieses Gefühl. Wie oft sind wir an ein wichtiges Meeting gegangen oder an eine Eröffnung oder irgendwohin, wo wir gedacht haben, dass wir glänzen könnten. Wir waren so gespannt als ob wir ein Exekutionskommando anführten. Von der Kreativität des Löwen denken wir gerne, dass sie aus lauter Spass und Spiel besteht - aber die wärmende und kindliche Freude des Löwen kommt im allgemeinen vorher oder nach seinem heldenhaften Moment. Erwartung und Sieg produzieren Hitze, aber mittendrin kommt die Herausforderung. Das ist die Bedeutung dieses "Ringens mit dem Nemëischen Löwen": Es ist eine Metapher für den kreativen Prozess. Es geht darum, sich offen den kreativen Herausforderungen zu stellen.

Herkules' Stern war gefallen. Er hatte gleich nach seiner Geburt eine Schlange erwürgt und während seiner ganzen Kindheit die Welt geblendet mit seiner Stärke und seinem Charme. Doch dann kamen die dunklen Jahre. Er wurde wahnsinnig und tötete seine Frau und seine Kinder. Wie konnte er sich je wieder vertrauen? Er bezahlt für sein Verbrechen, und muss sich vor dem König Eurystheus verbeugen, einem kleinen Mann mit einer lauten Stimme, der seine Befehle eingeknickten Dienern zubellt. Wenn der König in seine Hände klatscht, zuckt das ganze Schloss zusammen. Was Herkules nicht weiss, ist, dass Eurystheus eigentlich Angst vor unserm Helden hat und nachts wachliegt und Pläne schmiedet, wie er ihn loswerden kann. Der König gibt Herkules eine solch monumentale Aufgabe, dass dieser daran scheitern muss und anschliessend sterben: perfekt!

Als Herkules das Territorium des Löwen erreicht, übernachtet er im Haus eines armen Arbeiters. Molorchus bietet ihm an, ein rituelles Opfer darzubringen für eine sichere Löwenjagd. Herkules sagt dem Mann, er solle dreissig Tage warten. Falls Herkules mit dem Fell des Löwen zurückkäme, würden sie beide Zeus ein Opfer bringen. Falls Herkules nicht zurückkommen würde, solle Molorchus in seinem Namen opfern. Es macht Sinn, dass der Sieg des Löwen Zeus gewidmet wird. Im besten Fall fühlen sich die Siege des Löwen an wie göttliche Eingriffe; wir gehen über uns hinaus als wären wir von einem Gott besessen. Wie viele Schauspieler haben ihren Oscar geküsst und ihn Gott gewidmet? Aber wenn wir im Zeichen des Löwen verlieren, gehört die Schmach und der Misserfolg ganz allein uns. Angesichts unseres Stolzes, ist dies ein hoher Einsatz.

Herkules hat mehrere Begegnungen mit dem Löwen. Er schiesst mit giftigen Pfeilen auf ihn, diese fallen jedoch von ihm ab, ohne seine Haut zu durchdringen. Er wirft seinen Knüppel, aber der schnellt zurück. Er lässt einen Felsbrocken auf den Löwen fallen; aber der Brocken zerbricht. Herkules fängt zu lernen an: Die Haut des Löwen ist undurchdringbar. Also muss er kreativ werden. Herkules entdeckt das Lager des Löwen und erkundet es, während dieser weg ist. Während Wochen studiert er ihn, verfolgt seine Spur, beobachtet ihn, und wird so vertraut mit seinen Bewegungen und seinem Temperament, dass man sagen könnte, er wird eins mit ihm, so wie ein Schauspieler, der für seine Rolle einen Teil von sich aufgibt. Jegliches Gefühl von Bestraftwerden ist verschwunden.

Um auf diese Weise Löwe leben zu können, müssen wir in unser Herz gehen. Das ist die Quelle und die Bestimmung von Löwe. Wenn unsere Arbeit von unserem Herzen aus verrichtet wird, kommen wir in eine fokussierte und aufregende Zeitlosigkeit - wir sind so präsent im Moment, dass wir spontan agieren können auf natürliche und kreative Weise. Wir können sogar uns selbst überraschen mit unserer Genialität. Herkules hätte nie erwogen, einen Löwen zu erwürgen, der zweimal so gross wie er war. Und doch sieht er sich nun auf die Bestie losstürmen und plötzlich seine Arme um deren Hals legen. Herkules fühlt, wie der Löwe seiner Kraft nachgibt. Es ist ein köstlicher Moment, der Liebe näher als dem Tod. Als er den leblosen Körper des Tieres so sieht, fühlt sich Herkules verpflichtet, ihm die Ehre zu erweisen. Er zieht dem Löwen mit dessen eigenen Pranken das Fell ab und bringt die Tierhaut zurück zu Eurystheus.

Hercules geht ohne Waffen in die Höhle des Löwen. Er nimmt nichts mit ausser sich selber - und betont damit, worum es in diesem Zeichen geht: um Selbst-Ausdruck. Aber wir müssen uns dafür vorbereiten. Wir müssen an unserer Kunst arbeiten, was immer das auch ist. Denn eines Tages, wenn wir unbefangen und echt sind, wird ein Test kommen, welcher die Kundalini des Helden aufsteigen und über ihn hereinbrechen lässt. In diesem Moment werden wir der Auserwählte sein. Es wird sich wie Liebe anfühlen. Es wird sich wie Angst anfühlen. Es wird gross, spontan, kindlich, überschäumend und verletzlich sein. Es wird sich anfühlen wie Löwe, durch und durch, bis auf die Knochen.

Ich - und mein Schatten

lionofnemeaIch war nicht immer so begeistert von Löwen. Es war in der Tat so, dass ich - noch bevor ich Einblick in die Astrologie hatte - eines wusste: Ich mochte Löwen nicht. Mein Exmann hatte eine Löwe-Sonne, und so verhielten sich viele der kreativen Typen, mit denen wir herumhängten - Tänzer, Musiker und Performancekünstler - grossspurig oder gierig danach, im Mittelpunkt zu stehen. Löwen waren für mich bloss stepptanzende, trampelnde, singende Kinder, die als Erwachsene getarnt waren, immerzu schreiend: "Schau mich an! Schau mich an!"

Sie können sich meine Überraschung vorstellen, als ich Jahre später entdeckte, dass ich selber einen Löwe-Mond hatte. Er war versteckt in meinem 12.-Haus-Kämmerlein, wo das, was die Psyche nicht wahrhaben will, eingeschlossen wird. Ich projizierte auf meine Löwe-Freunde das, was ich an mir selber nicht ertragen konnte, und hasste sie dafür. Vielleicht bin ich in einem früheren Leben zu "königlich" gewesen und muss nun einen hohen Preis dafür bezahlen. Als Kind wollte ich immer unter einen Stein kriechen, wenn ich eine Wahl oder einen Preis in der Schule gewonnen hatte und meine Mutter (eine theatralische Vertreterin meines Löwe-Mondes) "Ohhh" und "Ahh" sagte und mich "Das hohe Tier" nannte. Ich wollte Aufmerksamkeit, aber wenn ich sie bekam, reagierte ich mit Abscheu. So kam es, dass ich Jahre später, wenn andere das Rampenlicht genossen, ihre Vorführungen als peinlich und egoistisch empfand.

Jedes Zeichen hat einen Schatten. Löwen können kindisch, narzisstisch, arrogant, überheblich, und sogar grausam sein. König Eurystheus ist ein gutes Beispiel für diese dunkle Seite des Löwen. Er zeigt den Löwen als Tyrannnen, der sich selber erhöht indem er andere abwertet. Man könnte auch sagen, dass König Eurystheus zu stolz ist, aber eigentlich hat er zuwenig davon. Ein solch übertriebener äusserer Ausdruck zeugt von einem Mangel an innerer Grösse. Ein Ego, das sich äusserlich so gross darstellt, muss sich innerlich arm fühlen. König Eurystheus ist schockiert, als er hört, dass Herkules den Nemëischen Löwen erfolgreich bezwungen hat. Als der Held die Stadt betritt, springt der König in ein grosses Tongefäss und versteckt sich. Herkules erhält für seine restlichen elf Arbeiten Eurystheus' Befehle per Boten, weil dieser unfähig ist, ihm von Aug-zu-Aug zu begegnen.

Der Nemëische Löwe ist ebenfalls ein Ausdruck des Löweschattens. Er repräsentiert den primitiven Antrieb des Ego. Löwe braucht diese Bestie in grosszügigen Portionen, denn nur solch rohe und leidenschaftliche Energie kann seine ehrgeizigen Bestrebungen anheizen. Der königliche Löwe erwartet, der Beste zu sein, was immer er auch tut. So hohe Erwartungen erfordern eine undurchdringliche Haut. Die Pfeile, die am Nemëischen Löwen abprallen, zeigen, wie gut das Ego sich gegen andere verteidigen kann. Doch das Ego kann auch grausam sein, weshalb sich die Menschen oft um ihre Egos sorgen. Wenn ich Klienten ermutige, sich selber zu loben, um etwas Löwestolz über ihre Leistungen auszudrücken, zögern die meisten. Sie wollen keinen eingebildeten Eindruck machen. Aber wir sollten Herkules' Lektion beachten. Beim Ringen mit dem Löwen lernt er, sich selber zu meistern. Herkules' Löwe-Aufgabe ist eine Metapher für den kreativen Prozess - und dafür, wie Löwe seine eigenen kindischen, selbstsüchtigen und ängstlichen Impulse kontrollieren lernen muss. Wenn wir unsere innere Bestie unter Kontrolle bringen, können wir unser Ego vorübergehend als Haut tragen, ohne uns völlig damit zu identifizieren. Wir können die notwendigen Risiken eingehen, ohne uns darüber Sorgen zu machen, was die anderen von uns denken könnten. Wir können sanftmütig, herzlich, charismatisch und grosszügig sein. Dieselbe Botschaft überbringt uns auch die Löwe-Tarotkarte "Kraft", auf welcher eine sanfte Frau das Maul eines Löwen hält.

Applaus, Applaus

Das Bedürfnis des Löwen nach Bestätigung ist sowohl ein Fluch als auch ein Segen. In gewisser Weise ist es ein Vorteil in der Evolution. Ein Kind, das Aufmerksamkeit erhält, ist ein Kind, das überleben wird. Aber was passiert mit Kindern, die aufwachsen, in die Arbeitswelt eintreten und verlangen, dass ihre Arbeitgeber und Mitarbeiter sie beachten und anerkennen? Als ich in Konzernen arbeitete, wirkten die Angestellten oft wie ein Haufen launischer Kinder, denen ein blosser Gehaltscheck nie genügen würde. Sie verlangten von der Firma auch Liebe, Zuneigung und Applaus. Ich konmedalnte an einem beliebigen Tag durch die Flure ziehen und fand immer jemanden, der mürrisch vor seinem Computer sass. Deren Arbeit war offensichtlich unbefriedigend, doch am meisten wurmte sie, wie ich später erfuhr, dass niemand Notiz von ihrer Arbeit zu nehmen schien.

Das ist nicht nur ein Problem von Firmen. Der weise Afrikaner Malidoma Somé hat beobachtet: "Ob sie nun in der indigenen oder in der modernen Welt aufgewachsen sind, es gibt zwei Dinge, nach denen Menschen streben: danach, ihre eigenen Fähigkeiten voll zu entfalten, und dass diese Talente anerkannt, bestätigt und bekräftigt werden."[1] Folgende Einsicht möchte ich also zu den Lehren des Orakels hinzufügen. Zunächst müssen wir unsere Begabung erkennen und an sie glauben. Dann brauchen wir eine Bestätigung von der äussern Welt. Das ist sozusagen die Heldenreise nach Joseph Campbell in Kurzform. Wir werden gerufen, beraten und getestet, von Geistern unterstützt und noch einmal getestet; wir beweisen uns in einer grössern Zerreissprobe und werden danach von der Gemeinschaft, der wir unsere Gabe anbieten, ehrenvoll aufgenommen.

Das ist der Grund, weshalb das Zeichen Wassermann, das für Gemeinschaft steht, im astrologischen Tierkreis die Ergänzung zum Löwen ist. Die beiden brauchen einander. Die Gemeinschaft braucht ihre Helden, und Helden brauchen ihre Gemeinschaft. Sonst würden wir nirgendwo hingehen können mit unseren Schätzen nach unseren Heldenaufgaben und Prüfungen. Nochmals Malidoma Somé: "Unsere eigene Bestätigung und Anerkennung genügt nicht. Das Bedürfnis, von der Gesellschaft anerkannt zu werden, ist so grundlegend, dass Menschen fortgehen und danach suchen, wenn sie es in ihrem Dorf, ihrer Stadt oder in ihrer Nachbarschaft nicht bekommen."[2]

Um ihre Leute vom Auswandern abzuhalten, haben Urvölker eine solche Anerkennung oft institutionalisiert in Initiationsritualen oder indem sie spirituelle Namen vergaben, um das einzigartige Geschenk eines jeden Individuums zu bezeugen. Doch die ritualisierte Anerkennung ist in unserer modernen Kultur zu allgemein, als dass sie unser Verlangen stillen könnte. Wir mögen wohl einen Hochschulabschluss oder ein Zertifikat erlangen, sehr viel Geld verdienen, oder ein paar Titel sammeln, aber diese Dinge können uns nicht rückmelden, warum wir hier und jetzt geboren sind. Dies mag der Grund sein, warum unsere Kultur so fasziniert ist von berühmten Persönlichkeiten und Ruhm. Die Leere in unseren unbeachteten Seelen ist so gross geworden, dass nur noch Megastars unsern kollektiven Schatten übernehmen können. Vielleicht würde unser Wahn nach Berühmtheit geringer, wenn wir unsere Heldenfantasien durch mehr Training in unserer Gemeinde ausgleichen könnten. Wo sind die Stossstangenaufkleber mit den Worten: "Haben Sie heute schon die Gaben Ihres Nachbarn begrüsst?"

Während eines Sommers in meiner Zeit als Angestellte rumorte es wegen fehlender Anerkennung so laut im Betrieb, dass wir eine Untersuchungskommission einberiefen, die Strategien zur Steigerung der Belegschaftsmoral vorschlagen sollte. Bücher wie "1000 Wege, wie Sie Ihre Angestellten wertschätzen können" wurden konsultiert. Am Ende hatte jeder eine andere Meinung darüber, wie es funktionieren könnte; schliesslich löste sich die Gruppe auf, ohne ein klares Resultat hervorgebracht zu haben. Einige wenige Manager lösten das Problem, indem sie "Toll gemacht!"-Listen unterhielten, um sicher zu stellen, dass sie ihre mürrischsten Teammitglieder regelmässig lobten. Ich erinnere mich an eine frustrierte Managerin, die mit einer griesgrämigen Angestellten konfrontiert war. Diese sagte ihr nur gerade einen Tag, nachdem sie ihr fünf "Toller Job!"-Wertungen gegeben hatte, "Sie sagen nie etwas Positives."

Wir waren alle überrascht, wie die schlechte Stimmung schliesslich überwunden werden konnte. Wir ignorierten einfach die Jammerer und begannen, die Gewinner zu fördern. Die boomenden Verkaufszahlen unserer Firma bedeuteten, dass die Arbeit in unserer Abteilung zu schwerfällig wurde; wir konnten nicht darauf zählen, dass sich die Arbeitslast unter den Einzelnen gleich verteilte. Deshalb schufen wir Verantwortlichkeitsstufen und griffen die Topleute heraus. Einige Angestellte gegenüber den Kolleginnen und Kollegen höher zu stellen, beunruhigte zwar einige Manager, die befürchteten, dass dies neue Reibungen verursachen und Unmut schüren könnte. Doch stattdessen wurden die Beförderungen mit einem kollektiven Seufzer der Erleichterung begrüsst. Die Arbeitsmoral verbesserte sich auf allen Stufen.

Rückblickend denke ich, lag es daran, weil wir der Heldenreise gebührende Beachtung geschenkt haben. Leuten Wertschätzung zu schenken, die keine sinnvolle Herausforderung zu meistern haben, ist so wie ihnen Fastfood zu essen zu geben: Eine Stunde später sind sie wieder hungrig. Doch nun hatten wir eine Bedeutung um diejenigen gewoben, die eine spezielle Aufgabe erfüllten. Abteilungen hatten nun speziell markierte Wege - für Geschäfte, Beratungen, Prüfungen und Auszeichnungen - ; sie suggerierten die zukünftigen Heldenreisen derjenigen, die gewillt waren, dem Ruf zu folgen. Und diejenigen, die weniger motiviert waren oder vielleicht sogar ängstlich, genossen den Schutz ihrer neuen Helden der Abteilung. Die ganze Gemeinschaft profitierte.

Alltagshelden

baobab treeAls mein Sohn sechs Jahre alt war, sagte er eines Nachts: "Mama, beweg dich nicht und schrei nicht. In der Küche liegt der Kopf einer Maus. Schau nicht hin, ich werde sauber machen." Branden wusste, dass ich ausrasten würde beim Anblick einer halbgefressenen oder halbtoten Feldmaus, die die Katze hereingebracht hatte. Normalerweise hatte er genauso Angst wie ich. Diesmal jedoch holte er ganz alleine den Besen aus der Garage, griff sich eine leere Einkaufstüte und fegte den Mauskopf hinein. Etwas war jedoch eigenartig. Ich war die ganze letzte Stunde in der Küche gewesen und hatte Abendessen gekocht - man sollte meinen, dass ich die Maus hätte bemerkt haben müssen. Die Katze war ausgesperrt; sie konnte die Maus nicht hereingebracht haben. Ich fragte Branden, wie der Kopf der Maus denn ausgesehen hätte. Er beschrieb die kleinen Augen, Ohren und Knochen, die aus dem Hals geschaut hätten. "Bist du sicher, dass es eine Maus war?", fragte ich. "Ja ... oder vielleicht war es Salat, es war dunkel. Nein - es war definitiv eine Maus." Ah, es war wahrscheinlich ein Radicchio-Salatblatt von unserem Abendessen, das auf den Boden gefallen war.

Ob Maus oder Salat, Branden war auf jeden Fall mein Held. Im realen Leben finden die meisten dieser Momente, in denen wir mit dem Löwen ringen, genau so statt. Filme, Mythen, Geschichten tendieren dazu, das Leben eines Helden in einen einzigen kolossalen Akt zu brechen - als ob ein einziger grosser Moment genügen würde, uns zu erlösen oder all unsere Gaben, die wir für dieses Leben bekommen haben, auszudrücken. Steht einem Kämpfer nur ein Sieg zu? Wird ein einziger kreativer Akt, egal wie gross der ist, den Hunger des Löwen nach Selbstausdruck ausschöpfen? Das reale Leben bringt eine Fülle an Höhepunkten für Helden. Sie mögen gewöhnlich erscheinen gemessen am Massstab fiktiver Helden, aber unsere realen Herzen klopfen dennoch. Eine Herausforderung bleibt eine Herausforderung.

Manchmal bleibt die Anerkennung auch aus, obwohl wir unser Bestes gegeben haben. Wenn meine Katze mich mit einer Maus beschenkt, ist das eine Geste der Zuneigung und des Heldenmuts. Sie erwartet von mir, dass ich beeindruckt bin; stattdessen schreie ich und jage sie von der Maus weg. Der Held arbeitet, um Anerkennung zu bekommen, er hat jedoch keinen Einfluss darauf, wann oder warum sie gewährt wird. Manchmal ist auch unsere mangelnde Fähigkeit der Grund, weshalb uns unser Lohn vorenthalten wird. Manchmal liegt's auch am Timing. Glänzende Bücher können es auf die Bestseller-Liste schaffen, aber es gibt auch viele lausige Bücher dort. Und dann gibt es exzellente Bücher, die nicht publiziert werden. Wie viele grosse Künstler wurden ignoriert und verarmten zu Lebzeiten? Bewunderung und Applaus sind ein Rätsel. Obwohl Löwe danach strebt, sind sie aber nicht das beste Motiv für authentische Kreativität. Lesen Sie dazu die folgende Geschichte über einen ungewöhnlichen chinesischen Baum.

Auf dem Berg Shang entdeckt ein Mann einen gewaltigen Baum, der tausend Pferden Schatten spenden könnte, wenn sie Schutz bei ihm suchen würden. Der Mann fragt sich: "Was für ein Baum ist das? Er muss einen aussergewöhnlichen Nutzen haben." Als er hinaufblickt, sieht er, dass seine Äste verdreht und schmal sind, unbrauchbar zur Möbelverarbeitung oder zum Hausbau. Als er hinunterschaut, sieht er, dass der Stamm vernarbt und brüchig ist, unbrauchbar zur Zimmerung von Särgen. Er lutscht an einem Blatt; es wirft Blasen in seinem Mund. Er riecht am Baum. Sein Geruch ist widerlich. Er verlässt den Baum wieder und geht seines Wegs.

Natürlich hat seine Nutzlosigkeit dem Baum erlaubt, so jungfräulich zu wachsen und eine majestätische Form und Grösse anzunehmen. Aber vielleicht birgt der Baum ja noch andere Geheimnisse, und irgendwann wird sein tieferer Sinn enthüllt. Vielleicht ist er ja eines Tages "der Auserwählte". In der Zwischenzeit bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich selbst zu sein. Wir sind wie dieser Baum. Wir alle haben eine Seele, die aussergewöhnlich und rar ist. Es ist die einzige Gabe, die wir anzubieten haben. Und sie ist unsere einzige Chance, der/die Auserwählte zu sein, ob nun der Rest der Welt zustimmt oder nicht.


  1. Malidoma Patrice Somé, The Healing Wisdom of Africa, Tarcher Putnam, 1999, S. 27.
  2. Ibid.

Übersetzt aus dem Englischen von Trudy Baumann

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