Mondphasen-Zyklus (8)

Der Mond des letzten Viertels

night skyDer Mond des letzten Viertels erinnert mich daran, wie ungeschickt ich als Kind war. Beim Rollerskaten schlug ich mir immer die Knie auf. Beim Fahrradfahrenlernen hatte ich ziemliche Schwierigkeiten damit, die Balance zu halten. Ich fiel oft hin, weil ich beim Gehen ohne ersichtlichen Grund einfach umknickte. Mein Körper hatte scheinbar häufig Schwierigkeiten damit, die Situation richtig zu erfassen und geriet außer Takt mit der Umgebung. Selbst heute fühle ich mich noch häufig wie dieses kleine Mädchen, wenn mir zum Mond des letzten Viertels die Lage um mich herum keinen Halt zu geben scheint. Dann fühle ich mich wieder aus dem Takt gekommen, unbeholfen und nicht in Übereinstimmung mit dem Rest der Welt.

Viertelmonde beleben uns weder mit einem Gefühl des Neuanfangs wie der Neumond, noch bringen sie uns erhellende Erkenntnisse wie der Vollmond. Zum Mond des ersten und letzten Viertels befindet sich dieser auf der halben Wegstrecke in der zunehmenden bzw. in der abnehmenden Hälfte des Mondzyklus. Der Mond wird zur Hälfte angestrahlt, das heißt, Sonne und Mond stehen im rechten Winkel zueinander, was wir astrologisch als "Quadrat" bezeichnen. Das ist kein Ort, um sich auszuruhen. Quadrate bedeuten Veränderung – sonst kommen wir aus dem Takt der sich weiter drehenden Welt.

Es ist nicht schwer zu verstehen, warum ich mich zu diesen Zeiten zuweilen haltlos fühle. Wie die meisten Menschen mag ich zwar die Vorstellung von Wachstum, aber wenn es dann um die tatsächliche Veränderung geht, dann gehen meine Nerven mit mir durch. Und genau dieses Territorium hat der Viertelmond für sich erobert. Zu dieser Zeit verändert sich das Tempo, es ist ein Augenblick für weitere Schritte, die uns herausfordern. Wir stolpern noch, kennen den neuen Rhythmus noch nicht und liegen plötzlich auf der Straße. Wir schlagen uns psychologisch gesehen immer wieder die Knie auf.

Von diesen Erlebnissen hatte ich einige. Im Laufe der letzten Jahre hat sich mein Leben von dem eines städtischen Angestelltendaseins in einem großen Unternehmen zu dem eines freiberuflichen Lebens auf dem Lande entwickelt. Ich bin aus meinem kalifornischen Traumhaus in das Haus meines Partners in Oregon gezogen. In ein Haus, dessen Feng Shui äußerst fragwürdig ist und das er mit seiner Exfrau gekauft hat. Ja gut, es ist von einem Hain aus Birnbäumen umgeben, bietet einen fantastischen Ausblick, und mein Hund kann jetzt Kühe jagen, aber es ist eben anders. Mit einem Mann zusammen einkaufen zu gehen, zu kochen, zu putzen und in einem Bett zu schlafen, ist anders. Ganz plötzlich die Stiefmutter für drei Kinder zu sein, zusätzlich zu meinem eigenen Sohn, ist fremd und ungewohnt. Wo ich gehe und stehe, ist alles neu und anders; und ganz besonders an den Viertelmonden bebt der Boden unter meinen Füßen. Dane Rudhyar nannte den Viertelmond "Krisenzeit".


"Die Mondphasen helfen uns dabei, eine weise Entscheidung für den nächsten Schritt zu treffen. Was auch immer zum Viertelmond geschieht, wir sind aufgefordert, es als zwei Kräfte zu betrachten, die im Konflikt miteinander stehen. Etwas möchte sich bewegen; etwas anderes leistet Widerstand. Die Spannung sucht ihre Lösung in der Veränderung, was Auseinandersetzung oder Durchsetzung und entschlossenes Handeln verlangt."


Als ich damit angefangen habe, den Mond zu beobachten, erschien es mir logischer, nach Mondeinflüssen in der Außenwelt Ausschau zu halten anstatt in der Innenwelt. Ich machte eine Studie daraus. Während der Zyklen, die ich beobachtete, fiel der Mond des letzten Viertels immer auf ein Wochenende. Am Montag darauf wurde dann von rekordverdächtigen Mordraten am Wochenende in meinem Bezirk gesprochen, die nahe an die Zahlen herankamen, von denen 1992 bei den Unruhen in Los Angeles die Rede war.

Zu den Zeiten des Erstviertelmondes fand ich ähnlich beunruhigende Ereignisse – gewalttätige Auseinandersetzungen, Verfolgungsjagden, Bombendrohungen, Autounfälle, Zugunglücke und Flugzeugabstürze. Das überraschte mich nicht. Ich hatte mit traumatischen Ereignissen zum Sonne-Mond-Quadrat gerechnet. Quadrate bringen nun einmal Konflikt, Spannung und Kollision mit sich. Und da war es eben – live im Fernsehen.

Ich verlor allerdings meinen Enthusiasmus für die weltlichen Entsprechungen zu den Mondphasen ein wenig, als ich feststellte, dass die Abendnachrichten zu allen Mondphasen über Morde, Bombendrohungen und Verfolgungsjagden berichteten. Ich halte meine Forschungen im Nachhinein für trügerisch. Ich habe eben das herausgefunden, was ich herausfinden wollte. Um zu beweisen, dass die Welt zum Viertelmond wirklich unbeständiger und gefährlicher ist als sonst, muss man sich mit der Neutralität eines Statistikers daran setzen und eine feste Anzahl von solchen Ereignissen über alle Mondphasen hinweg daraufhin untersuchen, ob es zum Viertelmond tatsächlich Spitzen gibt.

In der Welt der Statistik ist das, was nicht passiert, ebenso signifikant wie das, was tatsächlich passiert. Deswegen müsste eine gut durchdachte Studie auch all die besonnenen Bürger berücksichtigen, die zum Viertelmond nicht gewalttätig sind. Wenn es den Einfluss des Mondes wirklich gibt, warum verleitet er dann nicht uns alle dazu, uns einen Hammer zu schnappen und Fensterscheiben einzuschlagen?

Nun bin ich von Natur aus keine Statistikerin. Und mir scheint, dass es vielen meiner Kolleginnen und Kollegen genauso geht. Einige wenige wissenschaftlich orientierte Seelen haben versucht, Entsprechungen zu den Mondphasen nachzuweisen, aber die Ergebnisse waren nicht wirklich überzeugend.[1] Bis dem so ist, sollten wir lieber vorsichtig sein, bevor wir vorhersagen, welche Art von Ereignissen jede Mondphase mit sich bringt.

moonlightAber was machen wir jetzt mit den Sonne-Mond-Quadraten? Ich finde es mittlerweile realistischer und wertvoller, die Mondzyklen nicht als eine Ursache für Ereignisse zu betrachten, sondern als einen Kontext für deren Verständnis. Denn da trägt uns die Astrologie in eine unsichtbare Welt, an einen Ort, an dem sich die meisten Astrologen recht wohl und zu Hause fühlen. Hier sind wir eingeladen, den Prozess und die Motivation zu verstehen, und weniger, äußere Ergebnisse zu messen. Und wir können diese Information auf jeden anwenden, der sie benötigt, nicht nur auf diejenigen, die auf sie so reagieren wie erwartet. Das offeriert uns eine Perspektive, die dem Schicksal und seinen verschlungenen Wegen mehr Bedeutung verleihen kann, selbst denen, die ansonsten unergründlich und scheinbar zufällig sind. Die Mondphasen helfen uns dabei, eine weise Entscheidung für den nächsten Schritt zu treffen.

Was auch immer zum Viertelmond geschieht, wir sind aufgefordert, es als zwei Kräfte zu betrachten, die im Konflikt miteinander stehen. Etwas möchte sich bewegen; etwas anderes leistet Widerstand. Die Spannung sucht ihre Lösung in der Veränderung, was Auseinandersetzung oder Durchsetzung und entschlossenes Handeln verlangt. Die Kräfte, die im Quadrat zueinander stehen, arbeiten nicht reibungslos zusammen. Die eine blockiert oder verhindert die andere; die andere muss ihre Richtung neu bestimmen, um das zu bekommen, was sie will. Quadrate bringen Stress mit sich – und einen mächtigen Energieschub, der notwendige Veränderung möglich macht.

Welche Art von Veränderung dabei vorzuziehen ist, darüber erteilt uns die zunehmende oder abnehmende Phase Auskunft. Während des zunehmenden Quadrats des ersten Viertels werden wir dazu motiviert, etwas aufzubauen, eine neue Struktur zu errichten. Wir müssen uns auf die Hindernisse in der Außenwelt einstellen, auf etwas, das eine neue Handlungsweise von uns verlangt. Während des abnehmenden Quadrats des letzten Viertels hingegen werden wir dazu angetrieben, eine neue Richtung einzuschlagen. Das, was "falsch" läuft, befindet sich im Allgemeinen in uns, und die erforderliche Veränderung besteht in einer mentalen Anpassung, einer Veränderung in unserem Denken, in unseren Absichten oder unseren Überzeugungen. Rudhyar nannte das zunehmende Quadrat eine "Handlungskrise" und das abnehmende eine "Bewusstseinskrise".

Wenn Ihnen der Klang des Wortes "Krise" nicht gefällt, dann beruhigt es Sie vielleicht, was die Astrologin Sylvia Carroll über Quadrate zu sagen hat: "Ein Quadrat fühlt sich erst unangenehm an, wenn sich die Energie darin anstaut. Die Spannung kann sich hingegen sehr anregend anfühlen, solange die Energie aktiv im Fluss ist und sich nicht anstaut. Das Quadrat wird erst dann frustrierend, wenn man kein Ventil für die Spannung findet."[2]

Angemessene Ventile zu finden ist in der Phase des Letztviertelmondes besonders diffizil. Ein Fallbeispiel dazu: Während einer Schießerei in der Innenstadt wurde während eines Letztviertelmondes eine 19-jährige Frau in einem Rollstuhl erschossen. Der Grund? Ihr Angreifer hatte sich verlaufen – eine passende Metapher für eine Bewusstseinskrise. Er hatte sie angehalten und nach dem Weg gefragt; als sie ihm nicht weiterhelfen konnte, erschoss er sie. Wir neigen dazu, unsere Außenwelt ständig in unseren inneren Morast hineinzuziehen, insbesondere zur Zeit der Mondphase des letzten Viertels.


"Während des Mondes des letzten Viertels müssen wir unsere Wahrnehmung reinigen. Unser Feld liegt voller Überreste aus dem Zyklus des zunehmenden Mondes. Da diese Phase weniger verinnerlicht und nachdenklich ist, zieht der zunehmende Mond unmäßige Wünsche, falsche Werturteile und fehlgeleiteten Ehrgeiz nach sich. Da wir so auf die Außenwelt eingestimmt waren, haben wir uns vielleicht so verhalten, dass wir Anerkennung von außen bekommen haben, aber zugleich hat uns das von uns selbst entfremdet. 'Ist das alles, was es gibt?' so mögen wir uns fragen. Dem liegt der Wunsch zugrunde, uns wieder mit unserem ureigenen Wesen zu verbinden."


Ein Bild, das mir zum Letztviertelmond immer wieder einfällt, ist der Autounfall ohne äußere Einflüsse. Ich sehe das Bild eines einsamen Autos vor mir, das auf dem Dach oder auf der Seite am Straßenrand liegt, ohne dass es einen Zusammenstoß gegeben hat. Ein mysteriöser Anblick. Man fragt sich, was da wohl passiert sein mag... Was brachte den Fahrer dazu, auf die Bremse zu gehen, was riss ihm das Steuerrad aus der Hand? Es gibt eine Art Wiederkennen, das beim Anblick einer solchen Szene entgegen unserer naiven Hoffnung in uns aufsteigt, dass die Straßen, auf denen wir unterwegs sind, immer sicher sein werden: Die Seele fährt eine unsichtbare Straße entlang, die ganz plötzlich von der sichtbaren Straße abweichen kann, und zwar genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Und so ist es auch mit dem letzten Viertel – ganz urplötzlich sind wir unglücklich, vielleicht sogar verzweifelt, völlig von innen nach außen gekehrt, und wissen nicht, warum.

Etwas in uns möchte sich neu ausrichten, möchte unseren Kurs zum Mond des letzten Viertels verändern. Das ist die Spannung. Wir können uns freiwillig in die neue Richtung bewegen oder uns zurückziehen. Wenn das Auto ganz plötzlich ins Schleudern gerät, dann treten die meisten Menschen instinktiv auf die Bremse und steuern dagegen. Doch Experten raten genau zum Gegenteil: nicht zu bremsen. Der Richtung des Schleuderns mit dem Lenkrad zu folgen. Und das gilt auch für den Impuls des abnehmenden Mondzyklus. Die Dinge ändern sich. Halten Sie nicht dagegen.

Beim Mond des letzten Viertels sind wir dem kommenden Neumond schon näher als dem alten, der den laufenden Zyklus in Gang gesetzt hat. Was auch immer wir versucht haben, in den Wochen der zunehmenden Phase aufzubauen, wir haben es entweder bereits erreicht oder neue Informationen erhalten, die unseren zukünftigen Weg verändern können. Aber die Zukunft ist noch nicht da. Es ist eine Zeit des Übergangs. Es gibt noch etwas zu tun, bevor der neue Zyklus anbricht. Meist geht es darum, etwas loszulassen. Menschen, Orte oder Dinge loszulassen, die nicht mehr hilfreich für uns sind, Träume, Einstellungen oder ein Verhalten, die uns fehlgeleitet haben – was auch immer es ist, das uns noch zurückhält.

Nur wenige Menschen mögen es, wenn man ihnen sagt, sie sollen loslassen. In meiner Tätigkeit als beratende Astrologin sind das die Augenblicke, in denen ich das Gefühl habe, jemandem einen Schluck Rizinusöl anzubieten. "Nun kommen Sie schon, das ist gut für Sie! Sie werden sich hinterher besser fühlen, gelöster, nicht mehr so belastet, viel fitter und wacher. Lassen Sie es einfach los, und Sie werden sich stärker fühlen!" Dieser Rat kommt vielleicht nicht völlig unerwartet, aber keiner hört ihn besonders gern. Denn schließlich bekommen wir ihn nur dann zu hören, wenn wir noch festhalten.

volga river"Dein Geist möchte den Veränderungen, die geschehen, in den weiten Raum folgen, den er kennt," schreibt Rumi.[3] "Dort ist die Landschaft immer wieder neu, ein hellsichtiger Fluss der Bilder, schöner als jeder hier auf Erden." Zum Mond des letzten Viertels befinden wir uns zwischen den Welten. Die der Erde, die uns gerade entgleitet – und die mögliche neue, die uns ruft, viel heller und schöner, wenn wir nur Raum für sie schaffen würden. Wenn wir es nicht tun, so warnt uns Rumi, dann füllt sich die Welt mit Menschen an, die uns auf unser Problem aufmerksam machen, "so wie man glaubt, die Welt würde sich drehen, während man selbst sich dreht." Diebe sehen nur Diebe, Hoffnungslosigkeit stößt auf mehr Hoffnungslosigkeit, die Wahrheit flieht vor dem Lügner.

Während des Mondes des letzten Viertels müssen wir unsere Wahrnehmung reinigen. Unser Feld liegt voller Überreste aus dem Zyklus des zunehmenden Mondes. Da diese Phase weniger verinnerlicht und nachdenklich ist, zieht der zunehmende Mond unmäßige Wünsche, falsche Werturteile und fehlgeleiteten Ehrgeiz nach sich. Da wir so auf die Außenwelt eingestimmt waren, haben wir uns vielleicht so verhalten, dass wir Anerkennung von außen bekommen haben, aber zugleich hat uns das von uns selbst entfremdet. "Ist das alles, was es gibt?" so mögen wir uns fragen. Dem liegt der Wunsch zugrunde, uns wieder mit unserem ureigenen Wesen zu verbinden. Indem wir die unerwünschten Nebenprodukte der Phase des zunehmenden Mondes verbrennen, erschaffen wir eine irdische Version dieses weiten Raumes, den unser Geist kennt. Wir beschenken uns selbst mit dem nötigen Raum, um zum nächsten Neumond von vorne anzufangen.

Zum Mond des letzten Viertels müssen wir die Essenz herauskristallisieren und näher an unseren Kern herankommen. Das, so lautete Sylvia Carrolls Empfehlung, ist ein positives Ventil für den Stress des Quadrats. Unserem Geist treu zu bleiben, macht mehr Freude als einfach nur loszulassen. All das hinwegzufegen, was nicht zu uns passt, fühlt sich gut an. Diese Einstellung ist besonders während der drei bis vier Jahre langen Phase des progressiven Letztviertelmondes sehr tröstlich. Wir bewegen uns weiter voran. Aber natürlich ist diese psychische Erneuerung auch jeden Monat in dieser Phase einen Versuch wert, in welcher progressiven Mondphase auch immer wir uns gerade befinden.


"Menschen mit dieser Mondphase sind wichtige Schlüsselfiguren für die Gesellschaft, die uns helfen, tote Strukturen ausfindig zu machen, die wir niederreißen müssen, und die auf die schöne neue Welt zeigen, die gleich um die Ecke auf uns wartet. Es sind die geborenen Revolutionäre, die im Clinch mit jeder sinnlosen Autorität liegen. Diese Menschen kommen schon vor dem fünfzehnten Lebensjahr in ihre progressive Neumondphase. Sie sind also jünger als alle anderen, außer denen, die in der balsamischen Phase geboren werden, und sehen die Welt womöglich mit jüngeren Augen, fühlen sich inspiriert, soziale Normen hinter sich zu lassen und haben früher eine eigene Meinung als die meisten ihrer Altersgenossen. Sie sind ihrer Zeit voraus."


Das erfordert viel Vertrauen. Und so lebt uns der Mond diese Zyklen immer wieder geduldig vor. Er nimmt Licht und Form an, dann lässt er sie wieder los. Er wächst, zieht sich zurück und wächst wieder von neuem. Zyklen sind fließend, veränderlich und natürlich – im Gegensatz zu dem, was als Standard immer wieder gleich im Kalender steht. Wenn wir dem Mond folgen, dann erspüren wir schließlich jeden Zyklus so wie ein Tier in der Wildnis die Zeit, wie Umstände, die diese oder jene Tätigkeit begünstigen oder bremsen. Wenn wir uns diesem Fluss überlassen, dann mögen andere den Eindruck haben, wir seien besonders zufrieden oder hätten gar besonders viel Glück, aber das einzige, was wir im Grunde tun, ist, uns in Harmonie mit der Zeit zu bewegen.

Immer wenn wir uns in einer Situation wiederfinden, die keinen Nutzen mehr für uns hat, dann können wir die Lektion des Mondes des letzten Viertels anwenden. Auch in einer fallenden Konjunktur können wir uns lebensfroh und voller Hoffnung fühlen, wenn wir die Lektion des Mondes gelernt haben: Wir können unser Leben vereinfachen, es auf das reduzieren, was wirklich wichtig ist. Alles Überflüssige können wir ablegen. Wir können unseren Geist unbeschwerter zu diesem wunderschönen Ort ziehen lassen, der vor uns liegt.

Während eines der letzten Monde des letzten Viertels rief mich Linn an. Sie hatte gerade einen schrecklichen Streit mit ihrer Mutter gehabt. Mit Pluto im zehnten Haus als Herrscher ihres Aszendenten hatte Linn schon viele Machtkämpfe mit ihrer Mutter – über ihr Äußeres, über ihre sexuellen Vorlieben (Linn ist lesbisch), darüber, was sie aus ihrem Leben macht, darüber, ob sie ihre Mutter genügend liebt. Linn wurde als Kind sexuell missbraucht und hat dies vor kurzem öffentlich gemacht. Zuerst brachte ihre Mutter ihr Mitgefühl entgegen, doch in dem besagten Streit tat sie genau das, wovor Linn sich die ganze Zeit so gefürchtet hatte: Sie gab ihr, Linn, die Schuld an dem Missbrauch, und nicht den Tätern.

Die meisten Themen kommen zur passenden Mondphase zum Vorschein. Wenn uns eine Klientin anruft, so kann es zuweilen hilfreich sein, die Mondphase zu berücksichtigen, die gerade herrscht, noch bevor man sich den Transiten oder Progressionen des individuellen Horoskops zuwendet. Da sich diese Krise zur Phase des letzten Viertels ereignete, stellte sich die Frage, ob es jetzt an der Zeit für Linn war, sich durchzusetzen, den Konflikt auszutragen und zu versuchen, das Verständnis ihrer Mutter zu bekommen, was sie schon seit Jahren versucht hatte.

newborn starsIch gab ihr den gleichen Rat, wie ihre Therapeutin. Der Mond des letzten Viertels ist eine Zeit zum Loslassen, dafür, sein Leben mit den Dingen in Übereinstimmung zu bringen, von denen man zutiefst weiß, dass sie wahr sind. Linn musst endlich zugeben, dass sie dieses Verständnis von ihrer Mutter wohl niemals bekommen würde, auch wenn es ihr womöglich zustünde. Es war an der Zeit, diese Phantasie loszulassen und der Wahrheit ihrer Beziehung ins Auge zu sehen. Es war schmerzhaft, ja, aber es setzte psychische Energie frei, schaffte Raum für Erneuerung und Macht. Der Geist der Ablehnung durch ihre Mutter hatte Linn den Großteil ihres Lebens verfolgt. Der Mond des letzten Viertels brachte eine phantastische Gelegenheit mit sich, diesen endgültig auszutreiben.

Linn wurde in dieser Mondphase geboren. Diese Menschen sind wichtige Schlüsselfiguren für die Gesellschaft, die uns helfen, tote Strukturen ausfindig zu machen, die wir niederreißen müssen, und die auf die schöne neue Welt zeigen, die gleich um die Ecke auf uns wartet. Es sind die geborenen Revolutionäre, die im Clinch mit jeder sinnlosen Autorität liegen. Diese Menschen kommen schon vor dem fünfzehnten Lebensjahr in ihre progressive Neumondphase. Sie sind also jünger als alle anderen, außer denen, die in der balsamischen Phase geboren werden, und sehen die Welt womöglich mit jüngeren Augen, fühlen sich inspiriert, soziale Normen hinter sich zu lassen und haben früher eine eigene Meinung als die meisten ihrer Altersgenossen. Sie sind ihrer Zeit voraus. Kein Wunder, dass sie sich auch genauso leicht von allem entfremden.

Unflexibilität ist der Segen und der Fluch der unter dem Letztviertelmond Geborenen. Rudhyar nennt sie den "Samen" der zukünftigen Ordnung. "Samen sind an der Oberfläche hart, und ihr wesentliches Merkmal ist die Unveränderlichkeit. Sie bauen auf das Prinzip der blossen Notwendigkeit und der unbeirrten Kraft der Fortpflanzung."[4] Diese eiserne Entschlossenheit ist zwar hilfreich, wenn wir eine grüne Zukunft erblicken, obwohl die Welt noch ganz in Brauntöne gehüllt ist, doch wir machen uns damit nicht unbedingt beliebt. Der Mythologe Joseph Campbell empfiehlt, zuweilen den Satz: "Was denken die anderen wohl von mir?" dem Glück zuliebe beiseite zu legen."[5]

Und das ist eine knifflige Angelegenheit. Ob wir nun in der Phase des letzten Viertels geboren werden oder uns gerade in der Progression oder im Transit in einer solchen Phase befinden - es ist weise, unsere Unflexibilität selbstkritisch aufzuweichen. Halten wir an einer zwingenden Wahrheit fest – oder einfach nur an einer Gewohnheit, die längst ausgedient hat? Reagieren wir auf einen visionären Ruf, stark wie ein Samenkorn, oder widersetzen wir uns einfach nur der Veränderung?

Sie kennen vielleicht die Geschichte der frommen Gläubigen, die in eine Überschwemmung geriet. Sie war fest davon überzeugt, dass Gott sie retten würde. Sie ignorierte die Aufforderung zur Evakuierung und winkte ab, als ein Rettungsboot und schließlich ein Helikopter sie aufnehmen wollten, so sicher war sie sich Gottes Unterstützung. Doch sie ertrank und war mehr als verärgert, als sie im Himmel ankam. "Warum hast du mich nicht gerettet?" Gott antwortete ihr: "Ich habe dir ein Evakuierungsteam geschickt, ein Rettungsboot und einen Helikopter!" Sie selbst hatte ihren Tod herbeigeführt. Ihr Glaube an Gott brauchte eine Neuorientierung und Erweiterung. Da sie sich dieser Neuorientierung nicht öffnen konnte, erlebte sie ihren Tod statt des nächsten Neumonds.

Zyklen bringen uns immer wieder auf vertrauten Boden zurück, so dass wir erneut kreativ tätig werden können. Wir erhalten unzählige Gelegenheiten, uns zu verändern. Besonders in Lebensphasen, in denen wir große Entwicklungsschritte machen können, ist es ratsam, sich die Viertelmondphasen zu merken. Sie sind die Durchgangspforten zu der Veränderung, die wir herbeiführen wollen. Ich habe im vergangenen Jahr viele Viertelmondphasen beobachtet und jedes Mal geschaut, wie der Kampf zwischen meinem Widerstand und meiner Ausrichtung in die Zukunft ausging. Es war nicht einfach. Aber ich habe einige Prinzipien entdeckt, die mir hilfreich erscheinen, wenn ich auch befürchte, dass ich im nächsten Jahr noch einige andere werde finden müssen. Unterdessen lasse ich Sie an dem teilhaben, was ich bisher herausgefunden habe, wie eine Pilgerin, die ihre Erlebnisse mit den anderen Pilgern teilt.

star ceilingVeränderungen zum Viertelmond sind in den seltensten Fällen das, was man erwartet. Vergessen Sie alle guten Vorsätze. Sie sind höchstwahrscheinlich doch nur eine leicht verkleidete Version dessen, was Sie ohnehin die ganze Zeit tun. Und wenn Sie vielleicht glauben, der Mond wolle eigentlich jemand anderen verändern, dann vergessen Sie auch diese Erwartung. Wenn Sie jedoch einer extrem unangenehmen Situation gegenüberstehen, die nicht im Entferntesten so ist wie sie geglaubt haben, dann: Überraschung! Dies ist der nächste Schritt, den es zu gehen gilt.

Viertelmonde manifestieren sich nur selten als dramatische Ereignisse. In der Hinsicht verhalten sie sich sehr schlau. Sie marschieren nicht mit großem Tamtam auf. Sie schlüpfen weich wie Mondlicht in unser Leben und verändern unser Lebenstempo mit ganz subtilen Mitteln. Suchen Sie nach dem neuen Rhythmus in Menschen, die sich als wenig kooperativ erweisen oder die sehr kritisch sind, in Dingen, die nicht klappen, oder Ereignissen, die Ihnen das Gefühl geben, einsam, ärgerlich oder traurig zu sein. Diese Augenblicke auch wirklich als Möglichkeit zu persönlicher Veränderung wahrzunehmen, ist nicht ganz leicht. Deswegen fühlen wir uns meist auch einfach nur unwohl zum Mond des letzten Viertels und fragen uns, warum uns das Gleiche wieder und wieder geschieht.

Beim Viertelmond hat man die Wahl: zu handeln oder sich zurückzuhalten. Es ist ganz einfach. Entweder muss man etwas tun, was man noch niemals vorher getan hat, oder etwas lassen, was man sonst immer getan hat. Als generelle Regel gilt, dass man zur Phase des ersten Viertels etwas Neues tut und zur Phase des letzten Viertels innehält und seine Handlungen nochmals überdenkt. Aber da wir hier von Veränderungen sprechen, stellen Sie sich lieber nicht zu sehr auf allgemeine Regeln ein.

Machen Sie sich Ihren Widerstand und Ihre Angst zum Freund. Maurice Sendak erzählt eine wunderbare Geschichte von einem Jungen, in dessen Kleiderschrank sich ein Monster verbirgt. Nachts stellt der Junge seine Kommode vor die Schranktür, baut seine Armee dort auf, stellt seine Spielzeuggewehre, seine Stofftiere und seine Taschenlampe dort hin. Dann wacht er zitternd die ganze Nacht, Nacht für Nacht, bis er endlich völlig erschöpft die Schranktür öffnet. Das Monster brüllt zuerst noch schwach, dann fängt es an zu winseln. Zitternd krabbelt es in das Bett des Jungen, und alle Beteiligten fallen in einen tiefen Schlaf.

Immer wenn eine Veränderung ansteht, treffen wir auf Monster des Widerstands und der Ängste. Begrüßen Sie sie. Lernen Sie sie kennen. Nehmen Sie sie mit ins Bett, bis sie einschlafen. Und ihre Macht, Ihr Wachstum aufzuhalten, wird verschwinden. Und Ihre Letztviertelmonde werden unglaublich produktiv sein.


  1. Eine kritische Evaluation verschiedener Mondphasen-Studien liefert der Artikel: "The Moon Was Full and Nothing Happened" in The Outer Edge, Nickell, Karr and Genoni, editors, (New York: CSICOP, 1996), pp. 16-35.
  2. Zitiert aus: Bil Tierney, Dynamics of Aspect Analysis (Reno, Nevada: CRCS Publications, 1983), p 23.
  3. "Questions about Devastation", by Rumi, from One-Handed Basket Weaving, Translated by Coleman Barks, (Athens, GA: MAYPOP, 1991),
    p. 47.
  4. Dane Rudhyar, The Lunation Cycle, (Santa Fe, NM: Aurora Press, 1967),
    p. 47.
  5. Zitiert aus: Marshall B. Rosenberg, Ph.D., Nonviolent Communication: A Language of Compassion, (Encinitas, CA: PuddleDancer Press, 1999),
    p. 107.

MOONPRINTS von Dana Gerhardt

Die Leser der amerikanischen Astrologiezeitschrift "The Mountain Astrologer" schätzen diese wunderbare Deutung schon seit über 20 Jahren. Moonprints beschäftigt sich tiefgehend mit den Hintergründen Ihres Gefühlslebens. Sie erhalten neue Einblicke in den Mond des Geburtshoroskops - seine Phase, das Zeichen, Aspekte und sein Haus. Entdecken Sie Ihren Lebenssinn, versteckte Talente und Gefahrenzonen durch die Mondknoten. Nutzen Sie den Mond, um sich selbst in den Rhythmen der Zeit zu verankern - durch Transite zum Mond, Ihre progressiven Mondzeichen und -häuser, Daten für zwei progressive Mondzyklen, plus einen Jahreslauf der Neu- und Vollmonde durch Ihr ganzes Horoskop. Sie werden jede Seite dieser Deutung lesen wollen, die sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Astrologielernende anspricht. Die Deutung ist auch in einer deutschen Übersetzung bei Sabine Bends erhältlich.

Zur deutschen Ausgabe von Moonprints

Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Bends

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