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Der Mondphasen-Zyklus (1)

Einführung: Mit dem Mond auf Du und Du

moonkissIch werde oft gefragt, warum ich eigentlich so ein Aufhebens um Mondphasen mache. Anfänglich ging es mir lediglich darum, zu wissen, was alle wissen. Ich dachte damals, alle Astrologen außer mir würden sich damit auskennen. Als kleines Mädchen lernte ich, wenn man den Sichelmond sieht, dann solle man sich etwas wünschen. Ich erfuhr, dass man anhand der Mondphasen günstige Zeiten für Gartenarbeit und Hochzeiten bestimmen kann, und dass bei Vollmond alle Leute durchdrehen. Nach meinen ersten Monaten als Astrologin stellte ich allerdings fest, dass ich wirklich nicht viel mehr wusste als das.

Ich sah meine Sammlung astrologischer Bücher durch. Trotz sechs voller Regale konnte ich nicht mehr als ein Dutzend Seiten zu dem Thema finden. Also ging ich in meinen Lieblingsbuchladen. Inmitten einer ganzen Abteilung von Astrologiebüchern fand ich nichts über die Mondphasen. Nachdem ich vier weitere Buchläden durchstöbert hatte, entdeckte ich endlich das Buch "Der Sonne/Mond-Zyklus" von Dane Rudhyar. Später erfuhr ich dann, dass es das Buch über die Mondphasen überhaupt ist. Fast jeder Astrologe, der heutzutage mit den Mondphasen arbeitet, lehnt sich stark daran an.

Ich fand die Lektüre allerdings alles andere als einfach. Nachdem ich drei Kapitel gelesen hatte, blätterte ich nur noch die Seiten um und verstand gar nichts mehr. Rudhyar hatte sehr interessante Gedanken zum Mond, aber sie schienen mir so weit von meiner persönlichen Erfahrung entfernt zu sein wie diese verschlossene, helle Himmelsscheibe selbst. Doch dann geschah es. Eine Freundin lud mich zu einer Vollmondzeremonie mit einer Gruppe von spirituellen Frauen ein. Endlich würde ich in die Mondmysterien eingeweiht werden!

In der Vollmondnacht fuhren wir in eine kleine Wohnung hinter einer Tankstelle über einem Laden, der Secondhand-Teppiche verkaufte. Als wir hineingingen, fiel mein Blick als erstes auf ein Medizinrad aus Steinen und Kristallen auf dem Boden eines fensterlosen Raumes. So viel also zu meiner Fantasie, nackt im Lichtstrahl des Vollmondes zu tanzen! Stattdessen räucherten wir mit Salbei und Süßgras und setzten uns im Kreis um das Medizinrad herum. Wir sangen, meditierten, unternahmen innere Reisen und erzählten einander davon. Es war ein wunderschöner Abend. Aber als ich später in der Nacht nach oben zu dem weißen Rund blickte, merkte ich, dass ich ihm immer noch kein bisschen näher gekommen war.


"Ich lernte, dass Würmer, Austern, Karotten, Salamander und andere Organismen sich im Gleichklang mit dem Mondrhythmus entwickeln. Aber was war mit uns Menschen?"


Vielleicht würde es einfach nur eine Weile dauern. Ich konnte kaum die nächste Mondzeremonie abwarten, bis ich erfuhr, dass es keine nächste geben würde. Was ich für ein monatliches Ritual gehalten hatte, war lediglich ein einmaliges Ereignis gewesen. Im Laufe des vergangen Jahres hatten die Frauen aus dem Kreis versucht, den Lauf des Mondes weiter zu verfolgen, aber der Alltag war ihnen dazwischengekommen. Die Kinder wurden krank, eine hatte Unterricht an dem Abend, dann fiel der Tag in die Ferien, Autos gingen kaputt, Verwandte kamen zu Besuch. Der Vollmond erwies sich dabei mehr und mehr als letzter Punkt auf der Prioritätenliste.

Wieder eine Sackgasse auf meiner Suche nach Mondweisheit. Enttäuscht begann ich mich zu fragen, ob mein Ziel überhaupt einen Wert hatte. Bei so wenig Veröffentlichungen und so großen Schwierigkeiten, sich auf die Mondrhythmen einzulassen, kam in mir der Verdacht auf, dass die Mondphasen vielleicht gar keine Bedeutung haben!

Es wurde Zeit für die Wissenschaft, an die man sich immer wenden kann, wenn man erfahren möchte, ob etwas real existiert oder nicht. Ich las in den Büchern von Gauquelin und anderen Autoren nach und suchte nach statistischen Beweisen für den Einfluss der Mondphasen. Ich lernte dabei, dass Würmer, Austern, Karotten, Salamander und andere Organismen sich im Gleichklang mit dem Mondrhythmus entwickeln. Aber was war mit uns Menschen? Es gehört zum Allgemeinwissen, dass Geburtszahlen, Selbstmorde, Tötungsdelikte, Brandstiftung und Ereignisse häuslicher Gewalt sich zu bestimmten Mondphasen häufen. Aber wissenschaftlich belegt ist davon erstaunlicherweise kaum etwas. Da sich der Glaube an den Mond hartnäckig hält, könnte man meinen, dass Empiriker dieses Problem schon längst gelöst hätten. Aber formelle wissenschaftliche Untersuchungen auf diesem Gebiet sind rar. Auf jeden Menschen, der darauf schwört, dass das menschliche Verhalten mit dem Mond verknüpft ist, kommt einer, der genau das Gegenteil beschwört.

Statistiken sind heikel, bzw. die Wissenschaft ist nicht immer wissenschaftlich. Ein Beispiel dafür ist eine Studie, die scheinbar bewies, dass mehr Unfälle während der Neumond- und Vollmondphasen stattfinden als zu anderen Zeiten. Später stellte sich jedoch heraus, dass im Verlauf der Studie viele der untersuchten Mondphasen auf ein Wochenende fielen, eine Zeit, die auch mit verstärktem Unfallgeschehen korreliert. Als man Ferien und Wochenenden auf ihren statistisch berechtigten Anteil reduzierte, verschwand die Korrelation zwischen Mondphasen und Autounfällen wieder. Eine andere Studie zeigte auf, dass 24 Stunden vor bzw. nach dem Vollmond unverhältnismäßig viele Selbstmorde verübt wurden. Um an dieses Ergebnis zu kommen, wurden die Daten jedoch durch eine Vielzahl von statistischen Tests geschleust, bei denen alle negativen Ergebnisse aussortiert wurden, bis letztlich das gewünschte positive Ergebnis erzielt wurde. Dieses war dann letztlich fast bedeutungslos.[1]


"Das verblüfft mich immer wieder aufs Neue. Die Leute glauben genügend an den Mond, um dies zu sagen, aber nicht genug, um tatsächlich mal nach oben zu schauen und seinem Lauf zu folgen."


Ich habe festgestellt, dass die meisten Mond-Fans an Studien glauben, die ihren Glauben bestätigen, und dass die meisten Wissenschaftlicher an die Studien glauben, die einen Mondeinfluss widerlegen. Ich bin nicht ganz sicher, was ich darüber hinaus aus all den empirischen Untersuchungen gelernt habe. Meine Lieblingsstudie ist übrigens eine nicht offizielle, die ich seit Jahren selbst durchführe. Ich frage Leute einzeln oder in Gruppen danach, ob sie glauben, dass die Mondphasen einen Einfluss auf uns haben. Die Mehrheit antwortet mit ja. Wenn ich dann die gleichen Leute danach frage, ob sie mir sagen können, in welcher Phase der Mond sich gerade befindet, dann haben erstaunlich wenige auch nur eine ungefähre Vorstellung davon.

Das verblüfft mich immer wieder aufs Neue. Die Leute glauben also genügend an den Mond, um dies zu sagen, aber nicht genug, um tatsächlich mal nach oben zu schauen und seinem Lauf zu folgen. Zu dem Zeitpunkt hatte die Mondproblematik an sich mich bereits in ihren Bann gezogen. Das Thema reizte mich und machte mich gereizt. Ich versuchte, die Lücke zwischen Volksweisheit und Tatsachen zu schließen, zwischen Mondlegenden und meiner eigenen Erfahrung, zwischen meinem Wunsch, die Geheimnisse des Mondes zu enthüllen und meiner Angst, dass es vielleicht gar keine Geheimnisse gäbe.

rudhyarZu dem Zeitpunkt gewann Dane Rudhyar ziemlich an Attraktion für mich. Also machte ich mich an die Entdeckung des Mondphasenwissens innerhalb seines Konzeptes. Und ich empfand es als genauso lohnenswert wie jede andere gute astrologische Technik. Rudhyar verbindet die acht Phasen des Mondzyklus mit einem sich entfaltenden organischen Prozess.

In Rudhyars Modell findet zum Zeitpunkt des Neumondes eine Befruchtung statt, ein graduelles Wachstum und eine Verwurzelung beim Sichelmond, eine Krise in Bezug auf die eigene Verbindlichkeit beim Mond des ersten Viertels und notwendige Anpassungen und der Kampf ums Überleben in der Phase des Buckelmondes. Beim Vollmond kommt es zur Erleuchtung bzw. zur Blüte, während in der Phase des Aussaatmondes die Blüte ihre Pollen verteilt, also eine Verteilung des Wissens unterstützt wird. Während des letzten Viertels erleben wir eine Glaubenskrise, denn jetzt wird bereits der Samen für den nächsten Zyklus vorbereitet. Der balsamische Mond schließlich bringt Zerfall und Loslassen mit sich, denn er setzt den Samen für die nächste Runde frei.

Rudhyars Konzept ist sehr bodenständig und erstaunlich vielseitig. Es dient dem Verständnis des monatlichen Mondzyklus von einem Neumond zum nächsten. Es funktioniert aber auch zur Beschreibung eines Radixtypus, dessen Mondphase zu seiner Geburt uns Auskunft über seinen Lebenssinn und seine Persönlichkeit gibt. Es funktioniert außerordentlich gut bei Sekundärprogressionen: Die Betrachtung der Entwicklung der progressiven Mondphasen über einen Zeitraum von 30 Jahren enthüllt ein starkes Abbild unseres Lebens. Als ich mir mit dieser Technik zum ersten Mal mein eigenes Horoskop anschaute, erlebte ich einen dieser Augenblicke als Astrologin, wo es einem heiße und kalte Schauer über den Rücken jagt: "Mein Gott, das funktioniert ja wirklich!"


"Die Betrachtung der Entwicklung der progressiven Mondphasen über einen Zeitraum von 30 Jahren enthüllt ein starkes Abbild unseres Lebens. Als ich mir mit dieser Technik zum ersten Mal mein eigenes Horoskop anschaute, erlebte ich einen dieser Augenblicke als Astrologin, wo es einem heiße und kalte Schauer über den Rücken jagt: 'Mein Gott, das funktioniert ja wirklich!'."


Rudhyars Lehre über den Mond funktioniert auch für andere Planeten, die einen Aspekt zueinander bilden. Wenn man beispielsweise die Phase des ersten Viertels wirklich gut versteht, dann kann einem das ein ganz neues Verständnis für jedes beliebige Planetenpaar eröffnen, die in einem zunehmenden Quadrat zueinander stehen, oder auch für einen transitierenden Planeten, der sein erstes Quadrat zu einem Radixplaneten bildet. Rudhyars Konzept eröffnet eine ganz neue Perspektive, nicht nur auf den Mond, sondern auf das ganze Horoskop. So verleiht es der Bemerkung des Buddhisten Shunryu Suzuki eine neue Bedeutung: "Wenn man eine Sache durch und durch versteht, dann kann man alles verstehen."

Zumindest wusste ich jetzt mehr über den Mond als als Kind. Als Astrologin hatte ich mich daran gewöhnt, Rudhyars Erkenntnisse zu verwerten. Ich brachte sie in meine Beratungen mit ein. Ich sprach auf Konferenzen über den Mondzyklus. Ich war inspiriert, meine Horoskopanalyse namens Moonprints auf dieser Basis zu entwickeln. Und ich fuhr mit meinen Erkundungen von Rudhyars Konzept weiter fort, indem ich die erste Version dieser Serie über die Mondphasen schrieb, die bereits vor neun Jahren in The Mountain Astrologer veröffentlicht wurde. Man könnte meinen, ich hätte nun endlich mein Glück in meiner Suche nach Mondweisheit gefunden.

MondmenschenAber weit gefehlt. In vielen Nächten kam mir der Mond immer noch wie ein Fremder vor. Und, wie der Sand, der nach einem Spaziergang am Strand noch in den Schuhen steckt, gab es immer noch Gedanken, die mich beunruhigten. Rudhyar war gut, aber warum neigten die meisten Astrologen, mich selbst eingeschlossen, dazu, einfach nur seine Sätze wiederzukäuen, anstatt etwas auf ihnen aufzubauen, sie weiterzuentwickeln? Und warum wurde meine Erwartung zu bestimmten Mondphasen manchmal enttäuscht? Einige Viertelmondphasen waren beispielsweise, genau wie Rudhyar sagte, erstaunlich krisenhaft, andere verliefen hingegen ruhig.

Es gibt Fragen, mit denen man jahrelang leben muss, und so ging es mir auch mit meinen Fragen über den Mond. Manchmal liegt der Grund dafür, dass eine seit langem gestellte Frage nicht beantwortet werden kann, darin, dass man sie völlig falsch gestellt hat. Das war auch der Fall mit meinem ungelösten Mond-Rätsel. Wie meist bei meinen astrologischen Studien hatte ich nach Informationen gesucht, nach einem Wissen, das mich zum Himmelsexperte machen würde. Doch Information und Wissen allein ist es nicht, was einen guten Astrologen ausmacht. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, dass ein großer Unterschied dazwischen besteht, sich Horoskoptechniken anzueignen und selbst eine aktive Beziehung mit einem lebendigen Kosmos einzugehen.


"Von all meinen Wanderungen bin ich also immer wieder dorthin zurückgekehrt, wo ich begonnen hatte, mit dem Mond als Mysterium. Obwohl ich auf meinem Weg durchaus einen wichtigen Schleier zur Seite geschoben hatte. Aber es war nicht der Schleier des Mondes. Es war mein eigener. Mein Zugang war völlig falsch gewesen: als Astrologin, als Verehrerin der Göttin, die in einem zeremoniellen Kreis tanzt, als Empirikerin, als Historikerin, als eine möchtegern-weise Frau, die nach Mondpflanzen und geheimen Heilmitteln sucht. Ich hatte das bedeutendste Element im Wissen um den Mond vergessen: Den Aspekt der Beziehung. Ich brauchte einen persönlichen Zugang zum Mond."


Ich habe häufig über das nachgedacht, was Thomas Moore in seinem Buch The Living Planets schreibt. Er verleiht darin seiner Ansicht Ausdruck, dass mit dem Einzug der Wissenschaft und der Astronomie auch etwas weniger Schönes seines Einzug hielt: der fortschreitende Verlust der Vertrautheit mit dem Himmel. Unsere analytische und mathematische Intelligenz führte eine Art Ausrottung der lebendigen Verbindung durch die Technik herbei, die möglicherweise am 20. Juli 1969 ihren Höhepunkt erlebte, als, wie Moore sagte, "wir alle durch das allwissende Auge des Fernsehens den Staub von Luna sehen konnten, den Abdruck eines menschlichen Fußes, natürlich mit Absatz, und später dann einen Golfclub, der sein Spiel auf einem Himmelskörper eröffnete, der einstmals ein Daimon war, ein Gott, ein himmlischer Statthalter. In diesem Augenblick", so argumentiert Moore, "wurden zutiefst empfundene Bande mit den Planeten durchtrennt."[2]

Um zu ermessen, wie weit wir in unserem Verhältnis zum Mond gekommen sind, sollten wir einmal zurückdenken an die Zeit vor jeglicher Aufzeichnung, als der Mond uns noch als Kalender diente, und Landwirtschaft, Völkerwanderungen und letztlich die Zivilisation an sich erst möglich machte. Den richtigen Zeitpunkt für etwas zu bestimmen, war damals eine ernsthafte Angelegenheit. Wenn die Pflanze nicht zur rechten Zeit in den Boden kam, war die Ernte von der Zerstörung durch Frost bedroht. Dies konnte man damals vermeiden, wenn man damit bis fünf Monde nach der Wintersonnenwende wartete, ein einfacheres Zeitmaß als 148 Tage. Der Mond half außerdem dabei, Wild zu jagen, war ein Maß für zurückgelegte Entfernungen und machte die Bestimmung von Zeitpunkten möglich, an denen ein Volk oder Stamm weiterwandern musste. Der Mond war ein Partner, der ganz eng in den Lauf des damaligen Lebens eingebunden war.

MondliebeVor der Erfindung der Elektrizität half Freund Mond dabei, die Wochen voneinander zu unterscheiden. Bestimmte Aktivitäten waren zu bestimmten Phasen einfach angebrachter als zu anderen Zeiten. Während der Phase des zunehmenden Mondes wurde es beispielsweise jeden Abend und jede Nacht etwas heller. Ohne große Mystik fällt es uns ganz leicht zu verstehen, dass diese Zeit mit dem Aufbau assoziiert wurde, damit, Projekte in dieser größeren Fülle nutzbarer Zeit zur Vollendung zu bringen. Es leuchtet ein, dass der Vollmond eine sehr lebendige, intensive Phase war, wo die Menschen zusammenkamen und auch nach Sonnenuntergang noch gemeinsam feierten, oder wo Liebende sich heimlich im Wald zu einem Stelldichein im Mondenschein treffen konnten. Die weiblichen Hormone reagieren scheinbar stärker auf die Hormone anderer Frauen als auf den Mond, aber es ergibt natürlich einen Sinn, dass alle Frauen in einem Dorf dann einen gemeinsamen Eisprung haben, wenn die Zeit für Liebende günstig ist.

Selbst als die praktische Notwendigkeit für die Beobachtung des Mondes nicht mehr gegeben war, waren die Menschen doch immer noch von dem Mysterium des Mondes fasziniert. Als der Adler dort landete und Neil Armstrong seinen Riesenschritt stellvertretend für die ganze Menschheit tat, stieß unser Vertrauensverhältnis zum Mond wohl auf seine letzte Grenze. Die mysteriöse Luna war entzaubert. Ihre Verführungs- und Verzauberungskraft, der die Fantasie von Liebenden, Seglern und Gärtnern galt, und nicht zu vergessen, des Dichters in jedem von uns, löste sich in grauem Fels und Gesteinsstaub auf. Jetzt war er unseren Blicken gnadenlos ausgeliefert, der stille Satellit, der steinige Wanderer. Und so verschwand er aus unserer inneren Landschaft.

Was passiert, wenn ein ehemals als göttlich verehrter Himmelskörper auf den Boden der Tatsachen stürzt? Vielleicht zersplittert seine Göttlichkeit, und diese kleinen Splitter bleiben in unserer Psyche als Aberglaube oder als eine Art nostalgische Faszination hängen. Überall sieht man phantasievolle Bilder des Mondes, in der Werbung, auf Karten, als Kettenanhänger, Ohrringe, Geschenkpapier, Bettwäsche und Küchenhandtücher. Wir haben die Mondin noch nicht ganz losgelassen. Doch unsere Verehrung und unsere Sehnsucht haben sich in Konsum verwandelt, unsere ganz persönlichen Vorstellungsbilder sind geliehenen Bildern gewichen, von denen wir im Grunde wissen, dass sie nicht ganz "echt" sind.

Selbst die Volksweisheit und der Aberglaube beruhen auf geliehenen Vorstellungen. Der Glaube existiert zwar noch, aber ein wirkliches Bewusstsein ist verloren gegangen. Wenn alles verrückt spielt und sich jemand fragt, ob wir wohl Vollmond haben, dann nicken zwar viele, aber nur wenige werfen wirklich einen Blick nach oben. Das vierte Spiel der Baseball Weltmeisterschaft 1993 beispielsweise war so wild und unvorhersagbar, dass der Fernsehkommentator ausrief "Wir müssen wohl Vollmond haben!" Der Mond befand sich kurz vor der Phase des ersten Viertels, wie jeder unschwer hätte erkennen können. Diesem Fehler wurde natürlich in den Fernseh-Annalen weiter keine Beachtung geschenkt.[3]

Man möge uns vergeben - der Vollmond hat sicherlich seine praktische Bedeutung für uns verloren. Und immerhin ist Denkfaulheit ein Charakteristikum unser Spezies. Wir nehmen lieber das wahr, was unseren Glauben bestätigt; Widersprüchliches entzieht sich oft einfach unserer Aufmerksamkeit. Für Astrologen, die sich mit vielen Details in ihrem Beruf befassen, ist dies allerdings kein guter Rat. Als ich Lebensereignisse mit den Mondphasen verglich, fand ich heraus, dass viel (Aber)Glaube um den Mond und auch viele astrologische Interpretationen einfach nicht stimmen. Waren die Informationen unsinnig? Oder bedeutete es, dass der Einfluss des Mondes eben nicht mit der mechanischen Regelmäßigkeit einer Uhr funktioniert? Oder steckte noch etwas anderes dahinter?

Ich denke wieder zurück an Moores Kommentar bezüglich der Vertrautheit. Was ist, wenn das stimmt, was so viele spirituelle Traditionen behaupten, dass der Kosmos wirklich ein lebendiges Wesen ist? Wenn wir das als wahr annehmen, dann liegt auch der Umgang mit dem Problem klar auf der Hand: Wir müssen den Mond als lebendiges Wesen betrachten und auch so an ihn herantreten. Das ist sicher leichter gesagt als getan, vor allem bei unserer heutigen Neigung, alles (einschließlich uns selbst) als eine Maschine zu betrachten, die aus Einzelteilen besteht, die entweder funktionieren, repariert oder ausgetauscht werden müssen. Die Alternative besteht darin, Luna als einen Einfluss zu betrachten, der weder kontrolliert noch kontrollierbar ist, sondern vorhersehbar und kapriziös zugleich, abwechselnd sprechend und schweigend, der sich uns zuwendet und sich wieder von uns abwendet, den wir kennen lernen können, aber doch niemals ganz, ein Wesen also, das sich verändert. Sich auf diese Art und Weise mit dem Mond in Verbindung zu setzen, verlangt unsere Bereitschaft, über die rein astrologische Information hinaus in die Fähigkeitsbereiche der Empfänglichkeit und der Intuition, der Leere und der Vorstellungskraft zu treten. Es setzt einen erneuten Respekt für das Mysterium des Mondes voraus, ein Wort, das Moore nicht als unlösbares Rätsel definiert, sondern "im religiösen Sinne: unergründlich, jenseits der Manipulation, etwas, das Spuren von Gottes Hand aufweist."[4]


"Dem Lauf des Mondes zu folgen, bedeutet, Geheimnisse zu mögen und für all die Lebendigkeit um uns herum, auf der Erde und am Himmel, empfänglich zu sein. Während sich die Mondphasen jeden Monat entfalten, gibt es immer wieder Augenblicke, in denen wir tatsächlich wissend sein können, so wie Rudhyar und andere, und von der Ebene unseres Intellekts aus funktionieren. Zu anderen Zeiten haben wir vielleicht das Bedürfnis, ein liebender Mensch zu sein, der die Stimmung der Zeit mit seinem Herzen erfühlt."


Von all meinen Wanderungen bin ich also immer wieder dorthin zurückgekehrt, wo ich begonnen hatte, mit dem Mond als Mysterium. Obwohl ich auf meinem Weg durchaus einen wichtigen Schleier zur Seite geschoben hatte. Aber es war nicht der Schleier des Mondes. Es war mein eigener. Mein Zugang war völlig falsch gewesen: als Astrologin, als Verehrerin der Göttin, die in einem zeremoniellen Kreis tanzt, als Empirikerin, als Historikerin, als eine Möchtegern-weise Frau, die nach Mondpflanzen und geheimen Heilmitteln sucht. Ich hatte das bedeutendste Element im Wissen um den Mond vergessen: Den Aspekt der Beziehung. Ich brauchte einen persönlichen Zugang zum Mond. Und der musste viel dynamischer sein als irgendein unveränderliches Konzept je sein kann. Mit dem Mond in Beziehung zu stehen, ist eine ebenso herausfordernde und lohnende Erfahrung wie jede Beziehung - voller Leidenschaft, voll Erfahrungen des Lernens und der Freude, wachsender Unzufriedenheit und Frustration, Reibung, Langeweile und Überraschung.

Beziehung war noch nie meine starke Seite. Es passt jedoch ausgezeichnet, dass ich diesen Aspekt des Mondes jetzt entdecke. Ich bin kürzlich von Kalifornien nach Oregon umgezogen. Zum dritten Mal in meinem Leben lasse ich mich auf das Abenteuer einer verbindlichen Beziehung ein. Ich habe mein geliebtes Haus verkauft, den Job aufgegeben, den ich 16 Jahre lang mit viel Freude gemacht habe, meinen Sohn entwurzelt - um einen Mann zu heiraten, den ich seit 31 Jahren kenne und schätze. Die meiste Zeit über fühle ich mich über alle Maßen gesegnet. Aber an manchen Tagen frage ich mich, was ich da eigentlich getan habe! Ich frage mich, ob ich meine Bereitschaft zu einer Partnerschaft mit einem Mann wesentlich größer ist als die zu einer Beziehung mit dem Mond.

MondrittIntimität und Vertrautheit, ob mit einem Menschen oder dem Himmel, verlangt von uns die Akzeptanz vieler Geheimnisse, unserer eigenen eingeschlossen, oder gerade dieser vielleicht besonders. Es verlangt Wachsamkeit für diesen interaktiven Tanz, der uns alle umfasst. Am Ende müssen wir vielleicht zugeben, dass der Mond oder unser geliebter Partner weniger die Ursache für das ist, was uns geschieht, als vielmehr ein Wesen, mit dem wir zusammenarbeiten. Wir müssen eine größere Unvorhersehbarkeit unserer Bemühungen akzeptieren und die Tatsache, dass wir genauso viel mit den sichtbaren Ergebnissen zu tun haben wie jedes andere menschliche oder himmlische Wesen. Eine solche Sicht der Dinge mag uns anfänglich verunsichern. Aber sie bringt auch eine ganz neue Energie in die Situation mit ein, eröffnet uns einen größeren Spielraum. Es ist ein Weg, unsere Glaubenssätze im Laufe der Zeit auf einen neuen Stand zu bringen, ein Geschenk, das jede Beziehung frisch halten kann, auch unsere Beziehung zur Astrologie.

Gestern hatten wir Krebs-Neumond. Schon Tage zuvor hatte ich das Horoskop ausgedruckt und mich darin vertieft. Ich stellte mir Fragen zu den Krebsthemen des Nährens und Bemutterns, des Absicherns und Festhaltens und dachte über die wundersame elementare Grundlage dieses Zeichens nach, das lebensspendende Wasser. Ich meditierte ein wenig über die Opposition von Pluto/Mars und Venus/Saturn, und am Tag des Neumondes warf ich mich kopfüber in das ganze Mysterium. Bei Sonnenuntergang ging ich raus in unseren Vorgarten. Ich fing an, Steine für einen zeremoniellen Kreis zu sammeln, direkt über unserem Brunnen, der - wie viele andere in unserem Tal - vom Austrocknen bedroht ist. Aus dem Nichts tauchte mein Sohn auf und wir vollendeten das Werk gemeinsam. Wir dachten dabei an den toten kleinen Frosch, den wir morgens gefunden hatten, und legten ihn in die Mitte des Kreises. Unser spontanes Ritual berührte mich zutiefst, obwohl ich dabei weniger astrologische Expertin oder zeremonielle Künstlerin war als vielmehr schlicht und einfach eine Spielkameradin des Neumondes. Vielleicht ist das einzige, was wirklich passiert ist, das, dass der Tag sich nun gegen die anderen Tage abhob und wir ihn als Maßstab für die kommenden Wochen ansehen konnten. Aber vielleicht war auch noch etwas Unergründliches, etwas jenseits aller Manipulation, etwas voller Göttlichkeit, mit am Werk.

Dem Lauf des Mondes zu folgen, bedeutet, Geheimnisse zu mögen und für all die Lebendigkeit um uns herum, auf der Erde und am Himmel, empfänglich zu sein. Während sich die Mondphasen jeden Monat entfalten, gibt es immer wieder Augenblicke, in denen wir tatsächlich wissend sein können, so wie Rudhyar und andere, und von der Ebene unseres Intellekts aus funktionieren. Zu anderen Zeiten haben wir vielleicht das Bedürfnis, ein liebender Mensch zu sein, der die Stimmung der Zeit mit seinem Herzen erfühlt. Und dann mag es immer wieder Momente geben, in denen wir Jäger sind, nach Nahrung hungern und den Geheimnissen des Mondes auf die Spur kommen wollen.

Ich freue mich darauf, diese Serie über die Mondzyklen noch einmal zu schreiben und bewusster zu versuchen, den Weg der Jägerin, der Liebenden und der Weisen zu gehen und dabei mein astrologisches Wissen und eine gewisse romantische Vorstellung mit Ihnen zu teilen. In den folgenden acht Artikeln, einer für jede Mondphase, können wir die alten Ideen und Konzepte aufgreifen und sie neu konstruieren, wenn dies notwendig ist. Lassen Sie uns gemeinsam dem zyklischen Rhythmus lauschen. Lassen Sie uns gemeinsam auf Mondreise gehen.


  1. Siehe I.W. Kelly, James Rotton, und Roger Culver, "The Moon Was Full and Nothing Happened", The Outer Edge, Classic Investigations of the Paranormal, herausgegeben von Joe Nickell, Barry Karr und Tom Genoni, CSICOP (NY: 1996).
  2. Thomas Moore, The Planets Within, Lindisfarne Press (NY: 1990),
    S. 17-18.
  3. Siehe Kelly, Rotton, Culver, op cit, S. 27-28.
  4. Thomas Moore, Soul Mates, HarperCollins (NY, 1994), S. xi.

MOONPRINTS von Dana Gerhardt

Die Leser der amerikanischen Astrologiezeitschrift "The Mountain Astrologer" schätzen diese wunderbare Deutung schon seit über 20 Jahren. Moonprints beschäftigt sich tiefgehend mit den Hintergründen Ihres Gefühlslebens. Sie erhalten neue Einblicke in den Mond des Geburtshoroskops - seine Phase, das Zeichen, Aspekte und sein Haus. Entdecken Sie Ihren Lebenssinn, versteckte Talente und Gefahrenzonen durch die Mondknoten. Nutzen Sie den Mond, um sich selbst in den Rhythmen der Zeit zu verankern - durch Transite zum Mond, Ihre progressiven Mondzeichen und -häuser, Daten für zwei progressive Mondzyklen, plus einen Jahreslauf der Neu- und Vollmonde durch Ihr ganzes Horoskop. Sie werden jede Seite dieser Deutung lesen wollen, die sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Astrologielernende anspricht. Die Deutung ist auch in einer deutschen Übersetzung bei Sabine Bends erhältlich.

Zur deutschen Ausgabe von Moonprints

Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Bends

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