Der Mondphasen-Zyklus (5)

Der Buckelmond

horseheadDer Mond ist gerade in die Buckelmondphase eingetreten. Auf meiner Autofahrt nach Hause schaltete ich den lokalen Nachrichtensender im Radio an. Die Story des Tages schienen zwei Pferde zu sein, die sich in den Bergen ganz in der Nähe verlaufen hatten. Vielleicht nicht gerade eine weltbewegende Nachricht, aber es ging doch recht hoch her. Die Pferde über die Berge zurückzuführen, erschien wohl zu riskant, deswegen wurde eine Hubschrauberrettung eingeleitet. Gerade als ich meine Autobahnabfahrt erreichte, traf der Hubschrauber ein. Wenige Minuten später wieder eine Nachricht. Der Hubschrauber machte die Pferde scheu – die Berghänge waren steil und man musste aufpassen, dass Pferde und Reiter nicht die Hänge hinunterstürzten.

Eine vertrackte Situation – typisch Buckelmond. Dies ist eine der beiden Mondphasen, in denen es keinen netten Aspekt wie ein Trigon oder ein Sextil zwischen Sonne und Mond gibt.[1] Der Buckelmond führt uns aus der Spannung des ersten Anderthalbquadrats zu der Dissonanz des Quinkunx. Wie sollte es uns da überraschen, wenn wir uns in der Buckelmondphase vorkommen wie im Schraubstock. Es scheint weder vor noch zurück zu gehen.

Insofern sind die meisten bei Buckelmond geborenen Menschen durchaus mit Schwierigkeiten vertraut. Womöglich erinnern sie sich an ihre Kindheit als eine besonders schwierige Zeit. Da diese Mondphase mit Spannungsaspekten zwischen Sonne und Mond verbunden ist, kann dies auch etwas über die Beziehung der Eltern zueinander aussagen. Und natürlich auch etwas über die eigenen Schwierigkeiten damit, Willenskraft und Gefühle aufeinander abzustimmen. So ist es nachvollziehbar, dass einige Menschen mit einem Buckelmond im Horoskop zu sorgenvollen Zeitgenossen werden, für die jedes Glass halb leer ist und das nächste Unglück bereits vor der Tür steht.


"'Buckelmond heißt der Mond, der fast voll ist. Und dieses 'fast' bezeichnet eine Übergangszeit: Wir sind nahe dran, aber noch nicht ganz da."


Doch auch die Phase des Buckelmondes hält ihre Erfolgserlebnisse für uns bereit. Die Pferde, die sich verlaufen hatten, haben es beispielsweise geschafft, die Berge wieder hinabzusteigen. Ihr Rettungsteam führte sie trotz einbrechender Dunkelheit Schrittchen für Schrittchen über die rutschigen Hänge zurück in die Sicherheit. So entwickeln sich viele Menschen, die bei Buckelmond geboren werden, zu begabten Krisenmanagern und Problemlösern, die die Dinge mit erstaunlicher Hartnäckigkeit zu Ende bringen. Ein schwieriges Terrain, wie auch immer es konkret aussehen mag, verlangsamt die Prozesse und erfordert, dass wir uns sehr bewusst konzentrieren. Wenn man in der Klemme steckt, lernt man, auch die Lösungen zu sehen, die sich nicht auf den ersten Blick aufdrängen. Die analytische Fähigkeit des Verstandes schärft sich. Vertrauen und Optimismus können aufgebaut werden.

"Buckelmond" heißt der Mond, der fast voll ist. Und dieses "fast" bezeichnet eine Übergangszeit: Wir sind nahe dran, aber noch nicht ganz da. Die nächste Phase ist der Vollmond, der den Höhepunkt mit sich bringt, die Offenbarung dessen, woran wir in der Phase des zunehmenden Mondes gearbeitet haben, was wir aufgebaut haben. Aber die drei oder vier Tage Buckelmond können sich schon als eine ganz schöne Geduldsprobe erweisen. Aber sie sind auch ein Test dafür, wie solide unsere kreative Arbeit wirklich ist. In dieser Zeit werden wir möglicherweise aufgefordert, noch etwas zu verbessern, etwas zu überarbeiten und Probleme in letzter Minute zu lösen, vor allem solche, die ganz unlösbar scheinen. Manchmal kommt es uns sogar so vor, als würden unsere Bemühungen total blockiert, als würde rein gar nichts Positives passieren, bevor der Augenblick der Enthüllung bei Vollmond eintritt.

In der Buckelmondphase sieht der Mond krumm und schief aus. Ganz oben in der Ecke ist er noch dunkel. Und genau dieses Bisschen, das noch im Dunkel liegt, verursacht uns Schwierigkeiten. Das ist die Herausforderung des 135°-Winkels, der die Phase einläutet. Dieser Aspekt ist eine Prüfung unserer bewussten gibbousAufmerksamkeit. Und er ist heimtückisch. Unter diesem Aspekt haben kleine, scheinbar unbedeutende Fakten zuweilen große Auswirkungen. Was auch immer wir dort finden, es kann auf uns wie ein Hinterhalt wirken.

Und das gilt bei diesem Aspekt immer, ob es nun ein Aspekt zwischen Sonne und Mond ist, ein Aspekt zwischen anderen Planeten im Horoskop oder ob er durch Transite bzw. Progressionen entsteht. Es erwischt uns kalt. Das ist wie bei der Katze im Hut, die plötzlich vor unserer Haustür auftaucht, als Mama gerade mal nicht da ist. Sie sieht so gutmütig und lustig aus, erzählt uns, dass sie ein paar gute Spiele auf Lager hat und einige neue Tricks, die sie uns beibringen kann. Und sie sagt: "Deine Mutter hat ganz bestimmt nichts dagegen!" Wer kann da schon widerstehen? Eine Katze wird schon keinen großen Ärger machen.

Höchstwahrscheinlich war es eine solche Fehleinschätzung, die die beiden Pferde in die Berge getrieben hat. Probleme bei Buckelmond und zum Anderthalbquadrat haben ihre Ursache im Allgemeinen in Fehltritten, die zu einem früheren Zeitpunkt im kreativen Prozess gemacht worden sind. Sie kommen ans Licht, damit wir die Sache richten können. Aber so schwierig sich solche Anderthalbquadrat-Situationen auch anfühlen können, wir haben doch die Freiheit, sie zu ignorieren. Im Allgemeinen geht das Leben trotzdem weiter. Vielleicht ist das der Grund, warum viele Astrologen dazu neigen, das Anderthalbquadrat als einen "Nebenaspekt" zu betrachten.

Anderthalbquadrate tragen dazu bei, unsere Vorstellungen von "wichtig" und "unwichtig" umzukehren. Alles hängt davon ab, wie wir auf die Reibung in diesem Aspekt reagieren. Die Strategien, die wir wählen, so wie die drei Charaktere in Dr. Seuss Geschichte "Cat in the Hat"[2] ("Die Katze im Hut"), sind entscheidend dafür, ob sich dieser Aspekt für uns als wichtig oder unwichtig herausstellt. Wir können wie die schelmische Katze sein, die zwar Katastrophen verursacht, diese dann aber in ein Spiel verwandelt. Oder wir sind wie der überwältigte kleine Junge, der sich der verrückten Katze in seinem Haus gegenüber völlig hilflos fühlt. Oder wir sind wie die Mutter, die den ganzen Tag in der Stadt verbringt. Wie gehen die drei Charaktere mit der Klemme um, die den Mittelpunkt der Geschichte bildet?


"Probleme bei Buckelmond und zum Anderthalbquadrat haben ihre Ursache im Allgemeinen in Fehltritten, die zu einem früheren Zeitpunkt im kreativen Prozess gemacht worden sind. Sie kommen ans Licht, damit wir die Sache richten können."


Mama hat gar keine Ahnung, dass es überhaupt ein Problem gibt. Der Junge ist mal in heller Aufruhr, dann wieder einfach nur verblüfft, aber letztlich doch machtlos, als sein Haus von der Katze mit dem gestreiften Hut in Schutt und Asche gelegt wird. Die Katze ist zwar verdutzt, akzeptiert aber auch ihre Verantwortung. Sie begegnet dem, was sie da angerichtet hat, mit der größtmöglichen Kreativität. Nachdem Ding Eins und Ding Zwei im ganzen Haus Amok laufen, mit Kuchen, Gartengeräten, Büchern, Schiffen, Fischen und Seilen um sich werfen, erschafft sie einen speziellen Saugautomaten, der all diese Dinge aufsaugen kann. Die Katze ist einfallsreich. Und Einfallsreichtum ist ein bedeutendes Ergebnis, das dieser sogenannte Nebenaspekt hervorbringen kann.

Wenn wir uns des Anderthalbquadrats allerdings nicht bewusst sind, dann bemerken wir die kreative Gelegenheit, die es mit sich bringt, womöglich gar nicht. Einem Astrologen springt dieser Aspekt unter Umständen nicht so leicht ins Auge wie einer der sogenannten Hauptaspekte – Konjunktion, Quadrat, Opposition, Sextil und Trigon. Doch ein Astrologe mit ein wenig Erfahrung und Übung entdeckt auch Anderthalbquadrate auf einen Blick. Das Anderthalbquadrat entzieht sich uns ein wenig, wie eine Erfahrung, die wir am liebsten ignorieren oder von uns weisen möchten.

Ob das Anderthalbquadrat uns nun in der Buckelmondphase begegnet, im Radix oder im Transit – wenn wir wie Mama nach Hause kommen, sehen, dass das Aquarium woanders steht, und einfach nur unseren Kopf schütteln und zur Tagesordnung übergehen, dann bleibt es ein nebensächliches Ereignis. Wenn wir wie das Kind sind und das Chaos um uns herum betrachten, dann registrieren wir immerhin schon das energetische Potential dieser Zeit, auch wenn die Intensität und unsere Gefühle der Hilflosigkeit uns anfangs lahm legen. Ich werde nie vergessen, was meine Astrologielehrerin immer auf die ihr eigene leidenschaftliche Art über das Anderthalbquadrat zu sagen pflegte: "135° - Das ist ein Quadrat mit einem halben Quadrat obendrauf! Denken Sie, das fühlt sich unwichtig an?!!"

Wie fühlt es sich an? Auch wenn ich Gefahr laufe, diesen Aspekt scheinbar noch weiter zu trivialisieren, will ich Ihnen mitteilen, wie sich 135° für mich anfühlen: Ich halte auf dem Weg von der Arbeit nach Hause im Supermarkt. Es ist viel los. Ich werfe einen Blick auf die Kassen und setze mich in Bewegung. Zielstrebig bewege ich mich durch die Menge, wie ein Faden, der von einer erfahrenen Näherin in eine Nadelöhr eingefädelt wird. Ich stelle mich an der kürzesten Schlange an. Die Kundin, deren Einkäufe bereits in Tüten gepackt sind, greift langsam zu ihrem Scheckheft. Ihr Kugelschreiber gibt seinen Geist auf. Der nächste Kunde reklamiert den Preis einer Packung Mikrowellen-Popkorn und ein Mitarbeiter läuft durch den ganzen Laden bis in den Gang, wo das Popkorn steht, um nachzuschauen. Dann kommt der Geschäftsstellenleiter. Er weist die Kassiererin an, ihre Kasse vorübergehend zu schließen, um etwas zu überprüfen. "Es dauert nur eine Minute," versichert er lächelnd.

Die Schlangen an den anderen Kassen sind mittlerweile ganz schön lang geworden. Die Einkäufer, die ich überholen wollte, die sich eine langsame Schlange ausgesucht haben, sind längst schon wieder zu Hause und genießen ihr Essen. Völlig entnervt frage ich die Götter: "Warum ist jede Schlange, die ich mir aussuche, einfach jede, immer die längste!" Der unbändige Wunsch steigt in mir auf, mir einen Revolver zu besorgen und den Laden zusammenzuschießen. Verrückt? ...Ja!!


"Ich werde nie vergessen, was meine Astrologielehrerin immer auf die ihr eigene leidenschaftliche Art über das Anderthalbquadrat zu sagen pflegte: '135° - Das ist ein Quadrat mit einem halben Quadrat obendrauf! Denken Sie, das fühlt sich unwichtig an?!!'"


Bil Tierney schreibt zum Anderthalbquadrat: "Wir neigen dazu, auf kleinere Konflikte übertrieben heftig zu reagieren, was die gesamte Situation aus dem Gleichgewicht bringt bzw. ihr übermäßig Gewicht verleiht. Hier bringt uns eine unverhoffte Wendung der Ereignisse, die nicht in unserer Kontrolle liegt, leicht aus der Fassung und versetzt uns in emotionale Aufruhr. Situationen, die diesem Aspekt unterliegen, nehmen häufig in der letzten Minute eine unerwartete Wendung oder zerschlagen sich, was uns in dem Augenblick völlig verstört und durcheinanderbringt."[3]

Das wirft ein neues Licht auf unsere Schwierigkeiten mit Anderthalbquadraten: Vielleicht fühlt sich die Situation lediglich viel katastrophaler an als sie eigentlich ist. Wir machen eine negative Erfahrung (das Quadrat in dem Aspekt); sie kommt völlig unerwartet und liegt scheinbar jenseits unserer Kontrolle. Aber wir sollten in Betracht ziehen, dass wir sie möglicherweise auf irgend eine Art und Weise hervorgerufen haben, durch ein Versehen, eine falsche Sicht der Dinge, eine Fehlkalkulation. Unter Umständen ist das nicht so leicht zu erkennen, weil womöglich eine dicke emotionale Staubwolke (das Halbquadrat auf dem Quadrat) aufgewirbelt wird, die die wahre Ursache und den wirklichen Umfang des Problems verdeckt. Und anstatt wirklich hinzuschauen, schimpfen wir einfach nur frustriert über die ganze Welt.

leoTierney bringt das Anderthalbquadrat mit dem Feuerzeichen Löwe in Verbindung. Die Assoziation zum Feuer ist unverkennbar: Wir können es in unserem Ärger fühlen! Und, was dem Löwen ebenfalls entspricht, die Emotionen, die wir zeigen, sind häufig kindisch und egoistisch. Wir agieren aus dem Zentrum unserer kleinen Welt heraus und weigern uns, mit den Dingen zu kooperieren wie sie nun einmal sind. Wir benehmen uns wie ein trotziges, quengeliges Kind. Astrologische Ratschläge sind da für die Katz – alles, was wir höchstwahrscheinlich brauchen, ist ein Nickerchen!

Die Versuchung ist groß, woanders hinzuschauen, wenn unser kindisches Inneres hinter der erwachsenen Fassade durchscheint. Ganz besonders, wenn die Auslöser so unbedeutend scheinen. Wir wüten dann so lange herum, bis unsere Wut verraucht ist. Vor allem bei einem solchen Aspekt im Radix liegt es nahe, dass wir das wieder und wieder erleben, so lange, bis wir endlich merken, was da abläuft. Wenn wir uns während der monatlichen oder unserer drei- bis vierjährigen progressiven Buckelmondphase irritiert fühlen, oder wenn ein transitierender Planet gerade ein Anderthalbquadrat zu einem Punkt in unserem Radix bildet, dann sollten wir besonders wachsam sein und uns selbst in den Arm kneifen. Denn zu diesen Zeiten, wenn da ein Problem aus dem Nichts auftaucht, haben wir die Gelegenheit etwas Tiefsitzendes zu lösen.

Wie diese kleine Ecke des Buckelmondes, die man nicht sehen kann, verbarg sich hinter meinem Gefühlschaos, das beim Warten an der Kasse in mir ausbrach, ein viel tiefsitzenderes Problem im Umgang mit Zeit, das ich habe. Das war die Dunkelheit, die zwischen mir und meiner Vollendung stand. Ein scheinbar unschuldiger Einkauf im Supermarkt war in der Lage, meine Dämonen zum Vorschein zu bringen: meine Ungeduld, mein Bedürfnis, gewinnen zu müssen, immer pünktlich oder gar überpünktlich zu sein, selbst dann, wenn es überhaupt keinen Termin gibt. Wie konnte ich lernen, mehr im Fluss zu sein? Ich brauchte dazu neue Tricks, neue Spiele, ein wenig mehr Kreativität. Ich musste beim Einkaufen alberner sein. Der Tag, an dem es mir endlich nichts mehr ausmachte, in der langsamsten Schlange zu stehen, war großartig. So wie die Katze im Hut mit einem schelmischen Augenzwinkern gesagt hätte: "Jetzt wirst du etwas Neues kennenlernen!"

Was auch immer uns bei dem Anderthalbquadrat scheinbar verhindert, zeigt uns eigentlich ein großes Geheimnis, das wir vor uns selbst versteckt gehalten haben: einen blinden Fleck aus Verwirrung und Hilflosigkeit, der ganz knapp unter unserem Oberflächenbewusstsein liegt. Wir erkennen daran, wo wir noch ungeschult sind, wo wir noch nicht in der Lage sind, das Leben zu seinen Bedingungen zu akzeptieren. Wir können die Energie und Reibungshitze des Aspekts dazu benutzen, unsere Unreife im Feuer neu zu schmieden. Wir können lernen, ein bisschen mehr wie die Katze im Hut zu sein: ungezähmt kreativ (Löwe). Wir können darüber lachen, wie ernst wir uns genommen haben. Wir können den kleinen, unbedeutenden Vorfall in einen großen Schritt in unserer persönlichen Entwicklung verwandeln (auch Löwe). Dann wird auch den dramatischen Gefühlen wieder etwas von ihrer Bedeutung genommen.

Vielleicht überrascht es Sie nicht, zu hören, dass Menschen, die unter dem Buckelmond geboren worden sind, häufig Unmengen von Literatur zur Selbsthilfe und Persönlichkeitsentwicklung in ihren Regalen stehen haben. Auch der zweite Aspekt zwischen Sonne und Mond in dieser Phase, das Quinkunx, weist in diese Richtung. Obwohl er energetisch anders ist als das Anderthalbquadrat, beruht auch er auf dem Moment der Spannung. Es ist frustrierend. Gleichgültig, was wir versuchen, das gewünschte Ergebnis bleibt immer außerhalb unserer Reichweite – bis wir lernen, dass wir selbst es immer wieder wegschicken.


" Wenn wir uns während der monatlichen oder unserer drei- bis vierjährigen progressiven Buckelmondphase irritiert fühlen, oder wenn ein transitierender Planet gerade ein Anderthalbquadrat zu einem Punkt in unserem Radix bildet, dann sollten wir besonders wachsam sein und uns selbst in den Arm kneifen. Denn zu diesen Zeiten, wenn da ein Problem aus dem Nichts auftaucht, haben wir die Gelegenheit etwas Tiefsitzendes zu lösen."


In dem Horoskop einer Klientin mit einem Buckelmond stehen die Sonne (als Stellvertreter für ihren Vater) und der Mond (als Stellvertreter für ihre Mutter) im Quinkunx. Sie erzählte mir, dass ihr Vater ihre Mutter häufig schlug, was in ihr einen tiefen Hass ihm gegenüber erzeugte. Als sie und ihre Mutter jedoch wegliefen und ihre Identität veränderten, damit er sie nicht wiederfinden konnte, entwickelte meine Klientin ein neues Bild ihres Vaters und begann, ein Idol aus ihm zu machen. Jetzt war ihre Mutter schuld. So oder so fühlte sie sich schlecht. Sie wollte natürlich am liebsten ein sicheres und glückliches Zuhause, aber dies endlich für sich zu schaffen, kostete sie viele Jahre und viel innere Arbeit.

Als 150°-Aspekt verbindet das Quinkunx zwei planetarische Energien inkompatibler Elemente und Qualitäten miteinander. Ein Feuerzeichen und ein Wasserzeichen, ein Erd- und ein Luftzeichen. Ein fixer Planet muss sich mit einem kardinalen auseinandersetzen, ein flexibler mit einem fixen. Das Quinkunx zeigt Energien auf, die nicht so leicht miteinander zu koordinieren sind. Man gibt sich zwar Mühe, aber das scheint wenig Früchte zu tragen. Wir agieren von dem einen Ende des Aspekts aus und das erzeugt Unruhe auf der anderen Seite. Situationen fühlen sich immer wieder ungleichgewichtig an. Es ist so, als würde man uns auffordern, Unversöhnliches miteinander zu versöhnen. Wir fühlen uns hoffnungslos und erschöpft.

Ein Quinkunx führt im Allgemeinen keine Krise herbei, wie das z. B ein Quadrat tut, es führt auch nicht zur Konfrontation wie eine Opposition. Es ist mehr wie ein scheinbar unlösbares Puzzle. Im Radix weist ein Quinkunx häufig auf ein nagendes Problem hin, das unser Leben durchzieht, etwas, das wir niemals ganz lösen können. Wenn ein Quinkunx sich über einen Transit oder eine Progression nähert, dann kann es als kleines Ärgernis beginnen und sich langsam aufbauen. Oder alles scheint gleich zu Beginn schief zu laufen. Es ist, als ob die Zeit ein negatives Moment hätte und als ob die Jagd nach der Lösung unsere Frustration nur vergrößern würde.

catinthehatDas ist so ungefähr wie die Folge von "Die Katze im Hut", die "Die Katze im Hut kommt zurück" heißt. Die Katze nimmt ein Bad im Haus des kleinen Jungen und hinterlässt einen pinkfarbenen Streifen um die Badewanne. Oh nein! Die Katze wischt den Streifen mit dem weißen Kleid der Mutter ab – jetzt ist der Fleck auf dem Kleid. Oh nein! Die Katze schleudert den Fleck an die Wand. Aber das geht auch nicht!

Daraufhin wischt sie die Wand mit Vaters neuen Schuhen ab. Und so geht es immer weiter, bis der pinkfarbene Fleck vom Teppich aufs Bett hüpft, von dort aus dem Fenster und die ganze Schneelandschaft pinkfarbene Punkte hat.

Aber die Katze ist eine clevere Problemlöserin. Sie nimmt ihren Hut ab und zaubert ein Team Verbündeter hervor, 26 immer kleiner werdende Katzen-in-Hüten, die jede den Namen eines Buchstabens aus dem Alphabet trägt. Zusammen machen sie sauber. Und diese Beschreibung passt auch gut darauf, wie wir mit Quinkunx-Situationen umgehen können, nämlich mit der Intelligenz unter unserem Hut. Wir müssen unsere Instinkte in immer feinere Punkte zergliedern und eine immer genauere Wahl treffen, wann wir welchen davon einsetzen. Durch Analyse machen wir aus dissonanten Energien eine brillant koordinierte, wesentlich produktivere Reaktion.


"Mit ihrem Anderthalbquadrat und ihrem Quinkunx verlangt die Buckelmondphase uns eine ganze Menge ab. Aber sie verspricht uns auch einiges. Wenn wir uns fragen, 'was zu dieser Zeit wohl passieren mag', dann müssen wir uns womöglich auf Irritationen und Schwierigkeiten gefasst machen. Wenn wir diese Phase jedoch als eine geeignete Zeit für kreatives Handeln betrachten, wenn wir uns fragen, was wir tun können, dann vollbringen wir womöglich Großes."


Die letzte und cleverste kleine Katze der großen Katze ist die Katze Z. So klein, dass man sie kaum sieht, und doch unglaublich mächtig ist sie. Das könnte eine gute Beschreibung für die Lösung von Quinkunx-Problemen sein. Es ist die knifflige Lösung, auf die wir nie gekommen wären, ohne all die Vorarbeit zu leisten. Kätzchen Z hat etwas namens VOOM. "Voom zu kriegen ist nicht leicht – es ist beinahe unerreicht." Voom ist Einfallsreichtum, zu dem das Quinkunx uns motiviert. Es ist der Zaubertrank, den wir so lange mischen, bis wir die richtige Mischung gefunden haben, die den Zauber bewirkt.

Mit ihrem Anderthalbquadrat und ihrem Quinkunx verlangt die Buckelmondphase uns eine ganze Menge ab. Aber sie verspricht uns auch einiges. Wenn wir uns fragen, "was zu dieser Zeit wohl passieren mag", dann müssen wir uns womöglich auf Irritationen und Schwierigkeiten gefasst machen. Wenn wir diese Phase jedoch als eine geeignete Zeit für kreatives Handeln betrachten, wenn wir uns fragen, was wir tun können, dann vollbringen wir womöglich Großes. Die Phase des Buckelmondes bietet uns eine hervorragende Gelegenheit, unser wackliges Fundament zu stärken und die Ecken und Kanten glatt zu schleifen.

Das ist auch die Betrachtungsweise in der tibetischen Astrologie. Die Tibeter unterteilen den Mondzyklus in 30 Mondtage mit jeweils 12°. Die zwei Tage des Anderthalbquadrats und des Quinkunx gelten beide als glückverheißend. Der Tag des Anderthalbquadrats, so schreibt Pilippe Cornu, "ist ein Tag der Weisheit". Und der Tag des Quinkunx "ist der Tag der Geschwindigkeit, der Geschicklichkeit und Intelligenz. Geschickte Handlungen bringen jetzt Erfolg."[4]

astronautsIch erinnere mich an einen Buckelmond vor einigen Jahren, als drei Astronauten aus dem Space-Shuttle Endeavor einen gewagten und unerprobten Plan umsetzten, der Rettung in der letzten Sekunde für einen Satelliten bedeuten sollte. Es war wahrlich ein zündender Einfall kurz vor zwölf. In der 31-jährigen Geschichte der NASA waren noch niemals drei Astronauten gleichzeitig außerhalb ihres Raumschiffs gewesen. Die Operation erforderte außerordentliches Feingefühl, denn die Astronauten mussten den Satelliten berühren, und schon die kleinste Bewegung konnte den Treibstoff entzünden. Sie leisteten bewundernswerte Arbeit. Die Crew bewies Durchhaltevermögen und Einfallsreichtum und zeigte den Buckelmond von seiner besten Seite.

Der beste Rat, den man bei Buckelmond erteilen kann, ist, sich auf das Unerwartete einzustellen. Und das bedeutet auch, unsere Vorstellungen darüber zu verändern, was astrologisch betrachtet wichtig bzw. unwichtig ist. Als Neptun im Quadrat zu meinem Mars stand (einer der sogenannten Hauptaspekte) war das bemerkenswerteste Ereignis das, dass eine meiner Schuhschnallen nicht mehr hielt. Tagelang schlurfte ich mit verhaltenem Schritt in einer kaputten Sandale herum (Neptun, der über Schuhe herrscht und meine auflöste, wodurch ich in meiner marsischen Vorwärtsbewegung behindert war).

Als jedoch der transitierende Saturn in einem "Buckelverhältnis" über die Sonne einer meiner Klientinnen lief, begann für sie eine recht schwierige Zeit. Sie war unglücklich über ihre Arbeit und hatte seit mehreren Monaten ohne Erfolg Ausschau nach einer neuen Stelle gehalten. Aber es tat sich nichts. Sie ging zu einigen Bewerbungsgesprächen und bemühte sich sehr, eine positive Einstellung aufrecht zu halten. Es gab auch einige erfolgversprechende Gelegenheiten, aber sie erhielt kein Angebot. Sie überarbeitete ihre Bewerbungsunterlagen, sie feilte an ihrem Aussehen herum, sie lernte Techniken für Bewerbungsgespräche. Immer noch nichts. Als sie zu mir kam, war sie völlig verzweifelt und wollte wissen, was sie falsch macht.


"Der Buckelmond lehrt uns, nicht voranzudrängen, sondern weiter durchzuhalten."


Es ist schwer, solche Zeiten nicht persönlich zu nehmen. Saturntransite drehen sich immer um eine realistische Betrachtungsweise. Aber ganz besonders bei den Buckelmond-Aspekten fordert uns Saturn auf, realistisch mit den Rhythmen der Zeit umzugehen. Es ist nicht immer unser großer Augenblick. Ich glaube nicht, dass meine Klientin irgendetwas falsch machte. Es war einfach noch nicht an der Zeit. Der große Fluss der Entwicklung hat auch seine Ampelphasen. Einige von uns bekommen rotes Licht, um innezuhalten, andere haben grünes Licht und können loslegen. Wenn sich etwas für uns nicht verwirklicht, dann ist es vielleicht gerade Zeit für jemand anderen, seinen Augenblick im Rampenlicht zu genießen. Oder vielleicht müssen wir darauf warten, dass der Rest der Welt uns einholt. Oder vielleicht gibt es auch einfach gar keinen Grund.

Der Buckelmond lehrt uns, nicht voranzudrängen, sondern weiter durchzuhalten. Als sich Saturn aus dem Quinkunx entfernte, bekam meine Klientin ein Jobangebot – zu einem höheren Gehalt und für eine höhere Position als sie ursprünglich zu träumen gewagt hatte. Und darüber hinaus erlangte sie beträchtliche innere Reife während dieser Zeit des Wartens. Ihre Fähigkeit, mit dem Leben zu seinen Bedingungen zurechtzukommen, wuchs unglaublich. Möge das Gleiche auch für Sie gelten!!


  1. Die andere Mondphase ist die Balsamische, die ein Halbquadrat und ein Halbsextil beinhaltet.
  2. Aus: Dr. Seuss, The Cat in the Hat, (New York: Random House, 1957).
  3. Das Quadrat umfasst 90 Grad, das Halbquadrat 45. Zusammen ergeben sie die 135 Grade des Anderthalbquadrats.
  4. Bil Tierney, Dynamics of Aspect Analysis, (Rene: CRCS, 1983), S. 32.
  5. Dr. Seuss, The Cat in the Hat Comes Back, (New York: Random House, 1958), S. 57.
  6. Philippe Cornu, Tibetan Astrology, trans. Hamish Gregor, Boston, MA: Shambhala Publications, 1997, S. 181.

MOONPRINTS von Dana Gerhardt

Die Leser der amerikanischen Astrologiezeitschrift "The Mountain Astrologer" schätzen diese wunderbare Deutung schon seit über 20 Jahren. Moonprints beschäftigt sich tiefgehend mit den Hintergründen Ihres Gefühlslebens. Sie erhalten neue Einblicke in den Mond des Geburtshoroskops - seine Phase, das Zeichen, Aspekte und sein Haus. Entdecken Sie Ihren Lebenssinn, versteckte Talente und Gefahrenzonen durch die Mondknoten. Nutzen Sie den Mond, um sich selbst in den Rhythmen der Zeit zu verankern - durch Transite zum Mond, Ihre progressiven Mondzeichen und -häuser, Daten für zwei progressive Mondzyklen, plus einen Jahreslauf der Neu- und Vollmonde durch Ihr ganzes Horoskop. Sie werden jede Seite dieser Deutung lesen wollen, die sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Astrologielernende anspricht. Die Deutung ist auch in einer deutschen Übersetzung bei Sabine Bends erhältlich.

Zur deutschen Ausgabe von Moonprints

Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Bends

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