Der Mondphasen-Zyklus (4)

Der Mond des ersten Viertels

sirenBei Halbmond, in der Mondphase des ersten Viertels, bin ich nicht sonderlich überrascht, wenn das Wehklagen einer Sirene die Stille unseres ansonsten eher schläfrigen Örtchens durchbricht. Oder wenn die Abendnachrichten von Bombendrohungen, Schießereien, tödlichen Unfällen oder häuslichen Konflikten berichten, die in mörderische Wutanfälle ausgeartet sind. Eigentlich ist zwar der Vollmond für solche Auswüchse berüchtigt, aber bei Halbmond liegt unter Umständen noch viel mehr Spannung in der Luft. Dane Rudhyar nannte den Mond des ersten und des letzten Viertels die „Krisenzeit“.

Krise ist nicht gerade ein fröhliches Wort. Man denkt direkt an einen erschreckenden Augenblick, wenn die Veränderung unausweichlich und bedrohlich vor einem liegt. Zu solchen Zeiten ist es ganz schön, sich bewusst zu machen, dass die chinesische Sprache für die Worte Krise und Gelegenheit das gleiche Schriftzeichen benutzt. Dieser Dualismus gilt auch für den Halbmond: Der Ausgang ist offen. Tragödien ziehen einfach mehr Reporter und Krisenmanager an, auch Astrologiebücher verkaufen sich zu diesen Zeiten besser. Aber ein weiser Astrologe verliert den Überblick nicht. Er oder sie weiß, dass beim Mond des ersten Viertels zwar ein Mann von einem wilden Pferd zu Tode getrampelt werden mag, ein anderer jedoch einen neuen Brunnen gräbt; und dass wieder ein anderer vielleicht seiner Mutter das Herz bricht und in die Welt hinauszieht, auf der Suche nach einem Abenteuer.


"Zum Halbmond entscheiden wir über unsere Zukunft. "Gefangen", so sagte Rudhyar, "im Kreislauf der Veränderung", wenden wir uns der Vollendung oder dem Versagen zu, wie eine einlaufende Welle der Möglichkeiten gegen das Momentum dessen schlägt, was wir bereits kennen."


Wenn eine Krise überwunden ist, können wir besser erkennen, was für eine Art von Wendepunkt sie für unser Leben bedeutete. Darin liegt die Bedeutung des Halbmondes, und das bringt uns auch den Wurzeln des Wortes Krise ein wenig näher. Es stammt von dem griechischen Begriff krinenin ab, "entscheiden oder beschließen". Hippokrates benannte mit Krise das Stadium eines Patienten, wenn sein körperlicher Zustand sich veränderte, wie die Gezeiten der See, Ebbe und Flut. In diesem Stadium konnte ein Arzt sagen, ob die Krankheit einen guten oder schlechten Verlauf nahm.[1]

Zum Halbmond entscheiden wir über unsere Zukunft. "Gefangen", so sagte Rudhyar, "im Kreislauf der Veränderung"[2], wenden wir uns der Vollendung oder dem Versagen zu, wie eine einlaufende Welle der Möglichkeiten gegen das Momentum dessen schlägt, was wir bereits kennen. Diese Kollision erfassen wir astrologisch im Bild des Quadrats, in dem Verhältnis, in dem Sonne und Mond zum Zeitpunkt des Halbmondes zueinander stehen. Ein Quadrat ist das Empfinden von Spannung, ob im Radix, im Transit oder im Sonne-Mond-Zyklus, wenn zwei Körper in einem Winkel von neunzig Grad im Tierkreis zueinander stehen.

Im Quadrat stehen zwei Kräfte in einem Konflikt miteinander. Jeder der beiden Planeten versucht, den Ausdruck des anderen zu verhindern - eine Spannung, die Aktivität fördert. Aus Quadraten kann ein bemerkenswertes Wachstum entstehen, aber dafür gibt es keine Garantie. Während des Sonne-Mond-Quadrats des ersten Viertels können wir uns auf die Vorwärtsbewegung einstellen, wenn wir dem Versprechen auf neue Erkenntnisse zu Vollmond folgen wollen. Oder wir können unter dem Gewicht der Vergangenheit zusammenbrechen, und finden uns dann bei Vollmond nicht weit entfernt von unserem Ausgangspunkt zum Beginn des Zyklus wieder.

Planeten, die im Quadrat zueinander stehen, verhalten sich ungefähr so wie der Archetypus des enttäuschten Königs und sein „dummer“ Sohn. Die Erwartungen, Fähigkeiten und Wünsche dieser beiden sind so unterschiedlich, dass ein Widerstand unausweichlich ist. Jeder versucht den anderen einzuschüchtern. Häufig bestimmt der langsamere Planet anfänglich, wo es langgeht, wie der König, der von seinem begriffsstutzigen Sprößling erwartet, dass er endlich zeigt, was in ihm steckt. Er schickt ihn auf eine Reise – um Weisheit zu erlangen, einen Drachen zu töten oder einen magischen Gegenstand wiederzubringen. Der Junge kann mit all dem nichts anfangen und fühlt sich keiner der Aufgaben gewachsen. "Idiot!" bekommt er von seinem verärgerten Vater zu hören. "Ja… Ich muss wohl ein rechter Idiot sein!" murmelt der Zurückgewiesene.

Er fühlt sich in der Falle, verhindert und ist voller Groll. Der Junge (oder der schnellere Planet) kämpft gegen sein Schicksal an. Seine Frustration wächst. Das Moment der Veränderung baut sich allmählich auf. Der schneller laufende Planet der Quadratkonstellation muss sich irgendwie neu orientieren. Er weiß es noch nicht, aber er wird nur erfolgreich sein, wenn er ein brandneues Schloss entdeckt (oder Paradigma). Aber zuerst muss der Druck aus dem Quadrat freigesetzt werden: in einer spannungsgeladenen Konfrontation wendet sich der König von seinem Sohn ab. Das ist die Krise des Quadrats, der Wendepunkt.

Bodiam CastleDer Junge geht in den Wald (in einen Bereich neuer Möglichkeiten) und magische Helfer (die Stimmen der Intuition) versammeln sich um ihn. Endlich frei (der langsamere Planet hat aufgegeben), folgt der schnellere Planet seinem jungen Instinkt, auch wenn er ihn noch nicht ganz versteht. Natürlich gelangt er schon bald in ein Königreich, wo eine Prinzessin geheiratet werden will (eine neue Entwicklungssituation) und er einen Test zu bestehen hat.

Wo eine Unzahl von Freiern bereits versagt hat (was an die vorhergehenden unfruchtbaren Versuche des Quadrats und die wachsende Frustration erinnert), sind die Instinkte des Jungen nun ausgereift, und er ist erstklassig vorbereitet. Er schafft es. Er bringt die Prinzessin zum Lachen, fängt den magischen Vogel und entdeckt das Geheimnis des Zauberers. Der schneller laufende Planet hat zu seiner Kraft gefunden. Der „dumme“ Sohn kann nun endlich die Prinzessin heiraten (Integration), und das Königreich (vielleicht das ganze Horoskop!) füllt sich mit neuem Leben.

Und was das "Und wenn sie nicht gestorben sind…" angeht - Quadrate haben ein sehr langes Leben. Ob nun als Aspekte im Radix oder im Transit oder zweimal monatlich bei Halbmond, ihr Widerspruch will wieder und wieder durchlebt werden. Und das ist im Grunde das Gute an ihnen: Quadrate sind phänomenale Lehrer. Ihre Konflikte können uns helfen, Ausdauer und Unterscheidungsfähigkeit zu entwickeln sowie unser Selbstvertrauen zu stärken. Immer wieder führen sie uns an signifikante Wendepunkte. Quadrate geben uns den richtungsweisenden Impuls, unser ganzes Leben lang zu wachsen.

In der Praxis betrachten die meisten Astrologen transitierende Quadrate jedoch als Ereignisse und fragen sich, welche Krise sie wohl bringen mögen. Wenn der transitierende Saturn beispielsweise im Quadrat zum Radix-Mars zu stehen kommt, hat man vielleicht mit einem Unfall, einer Verletzung oder einer Konfrontation mit einer Autoritätsfigur zu rechnen. Der transitierende Neptun im Quadrat zum Mond kann Leichtgläubigkeit mit sich bringen, eine Depression oder Enttäuschung; man entdeckt Brustkrebs, die Mutter kommt ins Krankenhaus oder Einbrecher steigen bei uns zu Hause ein.

Auch Quadrate im Radix werden häufig in ihren Formen beschrieben, als psychologisch Konstrukte und Persönlichkeitsmerkmale. Wenn Ihr Radix-Saturn im Quadrat zum Radix-Mars steht, dann könnte das bedeuten, dass Ihr Vater sehr autoritär war oder Sie in Ihren persönlichen Bemühungen nicht unterstützt hat. Das Ergebnis davon könnte sein, dass Sie sich und Ihre Wünsche selbst untergraben, dass Sie mit Ihrer Wut nicht umgehen können, dass Sie ein schlechtes Timing haben oder sich bereits geschlagen fühlen, bevor Sie überhaupt einen Kampf begonnen haben. Ein Mond-Neptun-Quadrat im Radix kann entsprechend Suchtprobleme bedeuten, eine verträumte Persönlichkeit oder eine Neigung zu Poesie und Spiritualität.


"Quadrate (und alle anderen Aspekte) sollten vielmehr als Augenblicke im dynamischen Fluss der Zeit betrachtet werden, als Kräfte, nicht als Formen, als ein Tanz innerhalb des Ganzen, und nicht als eine Ansammlung von Teilen. Wenn wir Aspekte zu „statischen Raum-Ereignissen“ einfrieren, wie Rudhyar sagt, dann unterscheiden wir uns nicht von einem Wissenschaftler, der seziert und sterile Laborexperimente durchführt: Wir analysieren den Tod und lassen das Leben entwischen."


Wenn Transit-Quadrate auf uns zukommen, möchten wir gern wissen, was passieren wird. Bei Quadraten im Radix möchten wir wissen, welche Charaktereigenschaften damit verbunden sind. Rudhyar verabscheute solche astrologischen Abkürzungen. Quadrate (und alle anderen Aspekte) sollten vielmehr als Augenblicke im dynamischen Fluss der Zeit betrachtet werden, als Kräfte, nicht als Formen, als ein Tanz innerhalb des Ganzen, und nicht als eine Ansammlung von Teilen. Wenn wir Aspekte zu „statischen Raum-Ereignissen“[3] einfrieren, wie Rudhyar sagt, dann unterscheiden wir uns nicht von einem Wissenschaftler, der seziert und sterile Laborexperimente durchführt: Wir analysieren den Tod und lassen das Leben entwischen.

Eine der besten astrologischen Heilmethoden für dieses Syndrom besteht darin, den Mond zu beobachten. Uns auf die Mondphasen einzustimmen, führt uns zu einer lebendigen Erfahrung des Himmels zurück. Es bringt uns bei, Aspekte stärker als vergängliche Kräfte wertzuschätzen. Wir werden uns ihrer speziellen Rolle in der vollständigen zyklischen Bewegung zwischen zwei Himmelskörpern stärker bewusst. Das können beliebige Planeten sein, nicht nur die Sonne und der Mond. Wir verstehen dann, dass eine gute Interpretation jedes astrologischen Aspekts – ob nun ein Sextil, ein Quadrat, ein Trigon oder ein Quinkunx, ob im Radix oder im Transit – auch das mit einbeziehen muss, was vorher war und was danach kommen kann.

Das führt uns zu einer ganz offensichtlichen, wenn auch selten erwähnten Wahrheit: Einige Mondphase (und Transite) scheinen überhaupt nichts zu bringen. Wenn die Saat nur furchtsam und scheu ausgelegt wurde, wenn kein Kampf stattgefunden hat, wenn sich nur wenig Druck aufgebaut hat, dann kann die Gelegenheit zur Krise des ersten Viertels an uns vorüberziehen. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass beispielsweise alle Neu- und Vollmonde bedeutungsvoll für uns sein müssten, so als hätten wir es mit der Mechanik einer Kuckucksuhr zu tun, die konsequent jede Stunde ihre Töne von sich gibt. Für die meisten von uns ist der Fluss der Zeit wesentlich mysteriöser. Bedeutungsvolle Ereignisse brauchen unter Umständen viele Mondzyklen, um zu reifen.

Beim Versuch, diese Augenblicke vorherzusagen, vergleichen manche Astrologen den Grad kommender Mondphasen mit Platzierungen im Geburtshoroskop. Diese Technik kann erstaunliche Resultate hervorbringen. Sie kann jedoch auch erfolglos bleiben. Doch selbst dieses Sporadische an der Astrologie schreckt mich heutzutage nicht mehr ab, da ich gelernt habe, keine wissenschaftliche Genauigkeit von unserer intuitiven Kunst zu erwarten. Die Intuition stört sich nicht daran, dass das Leben zumindest ein paar seiner Geheimnisse für sich behalten möchte. Mit aufmerksamer und auf Empfang geschalteter Geduld sucht die Intuition nur nach dem, was sie in diesem Augenblick wissen muss. Sie verbindet die Horoskopsymbolik mit dem, "was in der Luft liegt", einer merkwürdigen Abfolge aus Ereignissen, Träumen, einem flüchtigen Gedanken oder einer nebensächlichen Bemerkung, in der die Botschaften zusammenzulaufen scheinen.

Wenn wir Mondzyklus für Mondzyklus auf dieser intuitiven Ebene arbeiten, dann wächst unsere Sensibilität, auch wenn unsere Erwartungen sicherer Vorhersagen abnehmen. Unser eigener Rhythmus stimmt sich immer harmonischer auf den des Mondes ein. Wir spüren die flüchtigen Unterschiede zwischen ab- und zunehmenden Aspekten. Wir bemerken zum Beispiel, dass im Mond des ersten Viertels eine andere Art von Spannung liegt als im Mond des letzten Viertels. Wie ein Strandläufer, der mit geschlossenen Augen in den Wellen steht, fühlen wir, ob das Wasser gerade geht oder kommt.Quarter Moon Wir spüren intuitiv, wann es an der Zeit ist, unsere Sandburg zu bauen... oder eine Flaschenpost loszuschicken und ins Meer zu werfen.

Beim Mond des ersten Viertels fangen wir an, unsere Sandburg zu bauen. Dies ist die halbe Strecke des wachsenden Halbzyklus, eine Zeit des Aufbaus. Seine Krise bringt uns sowohl die Aufregung als auch die Gefahr, erneut aktiv werden zu müssen. Um dabei Erfolg zu haben, müssen wir uns selbst motivieren und anspornen. Unser Projekt ist noch jung. Noch ist die Zeit der Vollendung nicht gekommen, wir bauen jetzt erst die Grundlage, schaffen eine Handlungsbasis, die unsere zukünftigen Bemühungen unterstützen kann. Ohne diese Arbeit sind unsere Erkenntnisse zum Vollmond enttäuschend; die Ergebnislosigkeit vieler Vollmondphasen hat ihren Ursprung in einer Untätigkeit zur Halbzeit.

Der Mond des ersten Viertels kann in uns die Vitalität eines Kindes hervorrufen. Und er kann auch die Unreife eines Kindes in uns entfachen. Unsere Unsicherheiten und Verteidigungsmechanismen werden uns bewusst. Bil Tierney beschreibt einen ganz typischen Fehler, den wir bei Halbmond gern begehen: "Unsere typische Art, Stressmustern zu begegnen, besteht darin, Schutzwälle, Barrieren und Mauern aufzubauen, die den Fokus zwar nach innen lenken, unsere Versuche jeoch, eine dauerhafte, innere Sicherheit zu bekommen, nur noch weiter gefährden."[4] Wir reden uns ein, nichts unternehmen zu müssen. Wir geben etwas oder jemand anderem "da draußen" die Schuld. Wir verbarrikadieren uns gegen die Zukunft und ziehen die illusorische Sicherheit unseres vertrauten Kämmerchens vor. Vielleicht begegnen uns tatsächlich Gegner in der Außenwelt, aber der größere Feind ist oft unsere eigene Ängstlichkeit. Weil sie so tief in unserer Psyche vergraben sitzt, ist die Angst, die die Phase den ersten Viertels begleitet, so schwer zu fassen.

Ich habe mir deswegen für diese Phase Folgendes angewöhnt: Ich versuche zumindest eine bewusste mutige Tat zu vollbringen. Ich tue etwas, das mir Angst macht. Und während ich all meinen Mut zusammennehme, um vorwärts zu kommen, stelle ich mir die Frau im Mond vor, wie sie mir zu meiner positiven Einstellung applaudiert und mein Zeitgefühl lobt, meine Halbmond-Fähigkeiten. Ich koche in meiner Alchemistenküche meine Absicht, aus meinem Kokon herauszukrabbeln. Versuchen Sie es einmal zum nächsten Mond des ersten Viertels, und schauen Sie, wie sich das anfühlt. Rufen Sie so lange in der Personalabteilung an, bis Sie eine ehrliche Zusammenfassung Ihrer Beurteilungen bekommen. Seien Sie offen und verletzlich... gestehen Sie jemandem Ihre Liebe. Schreiben Sie den ersten Satz des Romans, den Sie schon so lange schreiben wollen.

Natürlich ist dies im Grunde ein Ritual, eine Übung: Es ist eine Art Fingerübung am Klavier anstelle des eigentlichen Konzerts. Denn nur wenige von uns suchen sich zum Erstviertelmond die Handlung aus, die für unsere Entwicklung wirklich notwendig wäre. Gleichgültig, wie sehr wir uns selbst fordern: Was wir uns bewusst aussuchen, ist häufig viel mehr Selbstschutz als das, was das Schicksal für uns bereithält. Als Faustregel gilt: Je einfacher und leichter es Ihnen fällt, umso weniger bringt es Sie voran.


"Zum Neumond und zum Sichelmond werden wir möglicherweise noch von den Geistern der Vergangenheit heimgesucht, von unseren Gewohnheiten, den Gedankenmustern und den Familienerwartungen. Zum Mond des ersten Viertels werden wir aufgefordert, all das aktiv über Bord zu werfen und auf unseren eigenen Beinen zu stehen."


In den meisten Fällen trifft uns die wahre Herausforderung völlig überraschend. Wenn es lediglich eine subtile Einladung ist, selbst eine aufregende, dann rühren wir uns möglicherweise gar nicht von der Stelle und bleiben unserer gewohnten Trägheit verhaftet. Deswegen haben wir mehr Glück, wenn es uns als Konflikt begegnet. Ich erinnere mich an ein Interview mit Joan Lunden, einer sehr bekannten amerikanischen TV-Moderatorn, in einer Phase des Erstviertelmondes. In dieser Woche musste sie sich ganz intensiv mit der Regenbogenpresse herumschlagen. Sie hat sich erstklassig behauptet und Haltung bewiesen. Sie war richtig wütend: "Ich bin eigentlich keine Kämpfernatur", so sagte sie. "Aber es gibt Zeiten im Leben, wo man einfach zu seinen Waffen greifen muss!"

Wenn Sie sich beim Mond des ersten Viertels mit dem Rücken zur Wand wiederfinden, dann danken Sie der Wand dafür und dem Ereignis, dem Sie es verdanken, dort zu stehen. Widerstand ist absolut notwendig für den kreativen Prozess. Das ist wie beim Pfannkuchenbacken – ohne Pfanne wird kein Kuchen daraus, dann läuft der Teig nur über den ganzen Herd. Widerstand hilft uns dabei, unsere Wünsche in Form zu bringen, dieses formlose Etwas, das wir zwischen Neumond und Sichelmond in uns angesammelt haben. Je größer unser Wunsch in den vorhergehenden zwei Phasen wird, umso stärker scheinen wir die notwendige Krise bei Halbmond anzuziehen. Und wenn uns das einen Konflikt beschert, dann bringt uns unsere leidenschaftliche Vorwärtsbewegung womöglich endlich zum entscheidenden Durchbruch.

Zum Neumond und zum Sichelmond werden wir möglicherweise noch von den Geistern der Vergangenheit heimgesucht, von unseren Gewohnheiten, den Gedankenmustern und den Familienerwartungen. Zum Mond des ersten Viertels werden wir aufgefordert, all das aktiv über Bord zu werfen und auf unseren eigenen Beinen zu stehen. Aber das ist kein einzelnes Ereignis, das sich jeden Halbmond wiederholt; es ist ein allmählicher Prozess. In allen Erstviertelmondphasen trifft unsere Vergangenheit auf unsere Zukunft, doch jedes Mal hat diese Begegnung ein anderes Gesicht. Widerstand, ein Versuch, die Kontrolle über die Entwicklung zu übernehmen, kann eines davon sein.

In dem Märchen der Gebrüder Grimm, "Die drei Sprachen" spielt ein schweizerischer Graf die wichtige Rolle der "Pfanne" für die Entwicklung seines Sohnes. Er hält seinen Sohn für einen Dummkopf und schickt ihn aus diesem Grund für ein Jahr in die Lehre zu einem berühmten Meister. Am Jahresende fragt er seinen Sohn, was er gelernt hat. "Vater, ich habe gelernt, was die Hunde bellen." Der Graf schäumt vor Wut! Er schickt ihn zu einem anderen bekannten Meister in einer anderen Stadt, aber nach Ablauf des Jahres hat sein Sohn nur gelernt, was die Vögel sprechen.

OdinDie Sprache der Vögel und der Hunde zu erlernen, ist für die Zukunft des Jungen wichtiger als alles andere, was sein Vater ihm gern beigebracht sehen würde. Doch hätte sein Vater nicht für die Lehraufenthalte gesorgt, hätte der Junge womöglich niemals seine seltsamen und scheinbar nutzlosen Fähigkeiten entwickelt. Wenn der Widerstand wirkt, wenn wir es dem, was unserem Wachstum im Wege zu stehen scheint, recht zu machen versuchen, dann ist auch das eine legitime Erfahrung für diese Mondphase. Die Unerträglichkeit der Forderung kann unsere Unterscheidungskraft stärken. Wir werden uns stärker darüber klar, was wir nicht wollen, während ganz still und leise in uns eine neue Fähigkeit heranreift. Wenn wir den Weg ein Stück weiter gehen, wird sich diese Fähigkeit als Gegenpol zu dem erweisen, dem wir jetzt noch verzweifelt gerecht werden wollen, aber noch ist es nicht so weit.

Als der schneller laufende Planet kann der Mondstand des Erstviertelmondes in seinem Zeichen und Haus in unserem Horoskop ein Hinweis darauf sein, welche Veränderung zum Vorschein kommen möchte. Das Zeichen und die Hausposition der Sonne hingegen kann das Gewicht der Vergangenheit symbolisieren, den kreativen Widerstand. Wenn wir die Zeichen der Zeit jedoch intuitiv deuten, dann nutzen wir die Botschaften, die uns in unserem Leben selbst begegnen. Erst wenn das Leben zu verwirrend wird, ist es weise (und macht es Spaß!), das Horoskop zu Rate zu ziehen.

Nach einem dritten Jahr mit einem dritten Meister kehrt der Sohn des Grafen wieder Heim. Er hat nun gelernt, was die Frösche quaken. Sein Wunsch, seine Talente zu entwickeln und der Widerstand seines Vaters sind gleichermaßen gewachsen: Es ist an der Zeit, ein Ventil für das Quadrat zu finden. Der zornige Graf befiehlt, dass seinem Sohn das Leben genommen werden soll.

Bei den stärkeren Krisen zu Halbmond mag es uns so vorkommen, als stehe unser Leben auf dem Spiel. Wenn der Augenblick da ist, müssen wir entweder an der Herausforderung wachsen oder sterben. Wir fühlen uns nicht immer stark oder heldenhaft genug, um der Herausforderung zu begegnen; manchmal müssen wir uns regelrecht selbst überraschen. In dem Märchen haben die Diener des Grafen Mitleid mit dem Jungen und lassen ihn im Wald laufen. Der Junge ist unvorbereitet, verwirrt und verläuft sich. Das sind häufig die Gefühle, die unserer Neuorientierung vorausgehen.

Wie in jedem guten Märchen gelangt der Junge nach kurzer Zeit in ein Königreich, das unter dem Bann eines bösen Zauberers liegt; nur jemand, der die Sprache der Hunde, der Vögel und der Frösche versteht, kann diesen Zauber aufheben. Und da liegt nun endlich die Ernte all der harten Arbeit des Quadrates vor ihm! Astrologisch gesehen steht der zweite Hauptaspekt der Viertelmondphase für diesen Augenblick: Das Trigon der zunehmenden Hälfte, wenn der Mond der Sonne 120° voraus läuft. In diesem Augenblick kommen all unsere Fähigkeiten zusammen. Der Pfannkuchen ist fertig. Was anderen womöglich schwer fällt, fällt uns leicht. Das Trigon ist die Belohnung für all das Leiden und all den Kampf. Es ist der Augenblick des Triumphs in unserer Entwicklung: der kreative Ausdruck in ausgereifter Form.


"Bei den stärkeren Krisen zu Halbmond mag es uns so vorkommen, als stehe unser Leben auf dem Spiel. Wenn der Augenblick da ist, müssen wir entweder an der Herausforderung wachsen oder sterben. Wir fühlen uns nicht immer stark oder heldenhaft genug, um der Herausforderung zu begegnen; manchmal müssen wir uns regelrecht selbst überraschen."


Wenn wir Aspekte generell als temporäre Kräfte betrachten, dann könnten wir daraus schließen, dass wir uns Trigone in der zunehmenden Hälfte im Radix aus den Anstrengungen vergangener Leben verdient haben. Wenn man aber die Schwierigkeiten betrachtet, die dem Trigon wiederum folgen (das Anderthalbquadrat der Buckelmondphase), dann hat auch dieses Geschenk seine Nachteile. So schön es auch ist, in einem Trigon liegt einfach nicht die Motivation oder die Dringlichkeit des Quadrats. Wenn der Kampf um das Erreichen des Trigons erst einmal nachlässt, dann suchen wir nicht mehr so sehr nach seinem Ausdruck in der Welt. Wir wissen dann vielleicht ganz genau, was Frösche quaken, sogar in zehn verschiedenen Dialekten, aber (gähn) wer hat schon Lust zum Teich zu gehen...

Trigone lieben die Bequemlichkeit und den Weg des geringsten Widerstandes. Im Verlauf der monatlichen Viertelmondphase, beschert uns diese Zeit eine wunderbare Entspannung und Ermutigung. Wir erfahren dies nicht in jedem Zyklus. Das Trigon der Erstviertelmondphase ist so etwas wie ein Fenster. Ob die Gardinen vorgezogen bleiben oder das Fenster aufgeht, hängt ganz davon ab, was wir vorher getan haben oder nicht.

WidderLeidenschaftliches Handeln ist eine absolut notwendige Voraussetzung für den Erfolg bei Halbmond. Das sind sehr marsische Worte. Und wenn wir ständig Ärger mit dieser Mondphase haben, dann sollten wir einen Blick auf unseren Mars werfen. Er könnte eine mögliche Quelle dafür sein, und ganz besonders in den Horoskopen derer, die zur Phase des Erstviertelmondes geboren werden.

Als Macher, Erbauer und Kämpfer brauchen diese Menschen die Mars-Energie, um mit all dem fertig zu werden, was sie möglicherweise zurückhält. In diesem Leben geht es darum, eine bessere Unterscheidungskraft und einen stärkeren Willen zu entwickeln. Aus ihren Niederlagen lernen sie mehr und mehr über die Macht des Unbewussten und wie sie damit umgehen können.

Viele Horoskopeigner in meiner Datenbank, die in dieser Mondphase geboren wurden, haben eine eigene Firma aufgebaut, viele sogar mehr als eine. Es kommt mir so vor, als würden sie immer wieder die Erfahrung des Neuanfangs suchen, weil dort ihr wirklicher Kampf stattfindet. Sie möchten etwas auf die Beine stellen. Wenn eine Unternehmung erst einmal erfolgreich ist und gut läuft, dann wird es ihnen langweilig und sie sind schon wieder auf der Suche nach neuem Gelände, wo sie ihren alten Dämonen begegnen können.

Wenn Mars in einem Horoskop mit einem Erstviertelmond schwierig gestellt ist, dann mag der Kampf, etwas auf die Beine zu stellen, anfänglich besonders anstrengend und das Hauptthema des Lebens sein. Ein Freund von mir, der in dieser Mondphase geboren wurde, hat einen solchen Mars: Er steht in Skorpion, ist rückläufig (also stärker nach innen als nach außen gewandt), steht im zwölften Haus (kein leichter Zugang) in einem Quinkunx zur Sonne (was eine ständige Anpassung des Willens erfordert). In seinem Traumleben wimmelt es nur so von wutentbrannten, gewalttätigen Szenarien, wohingegen er in seinem Alltagsleben ein sanfter und fügsamer Mann ist, dem es schwer fällt, um etwas zu bitten, was er haben möchte. Er hat seine eigene Softwarefirma aufgebaut und zwei einzigartige Produkte entwickelt, aber hat sich furchtbar schwer damit getan, diese Produkte an den Mann zu bringen. Ganz entsprechend der Stellung seines Marses im Horoskop hat er sich häufig machtlos und in der Rolle des Opfers gefühlt.

Vor Jahren rief er mich in der Phase des Erstviertelmondes an, völlig aufgeregt und außer Atem. Rudhyar nennt die monatliche Wiederkehr der eigenen Mondphase den Mondphasen-Geburtstag, und dieser ruft häufig das persönliche Radixthema auf den Plan. "Ich bin gerade unerlaubterweise politisch aktiv geworden!" ließ er mich wissen. Im Schutz der nächtlichen Dunkelheit (Mars im zwölften Haus in Skorpion) hatte er politische Plakate abgerissen, die sich gegen Maßnahmen für ein langsames Wachstum in seiner Gemeinde richteten. Die gewaltigen Baumaßnahmen in seinem Wohngebiet hatten ihn wütend gemacht, und sein eigener Mut, etwas – wenn auch Illegales – dagegen zu tun, verlieh ihm noch mehr Antrieb. Er ging in der gleichen Nacht noch mal raus und riss weitere Plakate ab. Ironischerweise war er dann schlussendlich doch machtlos, weil er vergessen hatte, sich für die bevorstehende Kommunalwahl registrieren zu lassen. So konnte er keine gültige Stimme abgeben.

Die Maßnahmen für ein langsames Wachstum kamen zwar nicht durch, aber mein Freund unternahm beim nächsten Erstviertelmond einen Schritt in die richtige Richtung. Er ließ sich für die Wahl registrieren. Und in den kommenden Jahren gewann er an Stärke und Geschick in seinem politischen Ausdruck. Er hat seitdem viele leidenschaftliche Leserbriefe an Zeitungen geschrieben, die veröffentlicht wurden. Er hat sich einer politischen Gruppierung angeschlossen, die wirklich etwas in der Welt ausrichtet. Wenn ich ihn so darüber sprechen höre, was er alles erreicht hat, dann kommt er mir so glücklich vor wie nie zuvor. Sein Mond des ersten Viertels hat ein neues Königreich gefunden.


  1. Robert Hendrickson, The Facts on File Encyclopedia of Word and Phrase Origins," (New York: Checkmark Books, 2000), S. 178ff.

  2. Dane Rudhyar, The Lunation Cycle, (Santa Fe: Aurora Press, 1967),
    S. 28.

  3. ebd. S. 35.

  4. Bil Tierney, Dynamics of Aspect Analysis, (Reno: CRCS Publications, 1983), S. 24.

MOONPRINTS von Dana Gerhardt

Die Leser der amerikanischen Astrologiezeitschrift "The Mountain Astrologer" schätzen diese wunderbare Deutung schon seit über 20 Jahren. Moonprints beschäftigt sich tiefgehend mit den Hintergründen Ihres Gefühlslebens. Sie erhalten neue Einblicke in den Mond des Geburtshoroskops - seine Phase, das Zeichen, Aspekte und sein Haus. Entdecken Sie Ihren Lebenssinn, versteckte Talente und Gefahrenzonen durch die Mondknoten. Nutzen Sie den Mond, um sich selbst in den Rhythmen der Zeit zu verankern - durch Transite zum Mond, Ihre progressiven Mondzeichen und -häuser, Daten für zwei progressive Mondzyklen, plus einen Jahreslauf der Neu- und Vollmonde durch Ihr ganzes Horoskop. Sie werden jede Seite dieser Deutung lesen wollen, die sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Astrologielernende anspricht. Die Deutung ist auch in einer deutschen Übersetzung bei Sabine Bends erhältlich.

Zur deutschen Ausgabe von Moonprints

Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Bends

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