Der Mondphasen-Zyklus (7)

Der Aussaatmond

volcano cloudIch bin davon überzeugt, dass in unserer Psyche eine kindliche Unschuld ihre Freude verbreitet – gleichgültig, wie zynisch und verdrossen unser Gesichtsausdruck auch sein mag. Jeden Morgen fragt sie sich, ob das wohl der Tag sein mag, auf den wir so lange gewartet haben, der Tag, an dem ein Wunder unser Handy erklingeln lässt. Während der Drucker unsere Transite und Progressionen, unsere Solare und Lunare ausspuckt, greift dieses unschuldige innere Kind schon ungeduldig danach, begierig auf phantastische Neuigkeiten: Oh, eine gut gestellte Venus! Endlich werden wir unserem Seelengefährten begegnen! Oder vielleicht wird ja ein Sack voller 500-Euro-Scheine in einem Mülleimer vergessen und eine schicksalhafte Brise befördert einen der Scheine ganz überraschend und unverhofft in unsere Hände! Unser unschuldiges Selbst glaubt immer noch an die Realität und Machbarkeit von Märchen. Es träumt davon, dass Walt Disney eines Tages unser eigenes Märchen zum Leben erweckt.

Wahrscheinlich inspiriert nichts unser magisches Denken mehr als der Mond. Unsere unschuldige Begeisterung dafür, wie das Verbrennen einer lila Kerze in Form eines Totenkopfes bei zunehmendem Mond unsere Großmutter dazu bringen kann, uns einen kleinen Überraschungsscheck zu schicken. Oder wie wir bei abnehmendem Mond mit einem silbernen Faden, einem Stück Pergamentpapier und etwas Rosenöl bereits von uns gegangene Geister wieder aufwecken können, unsere Feinde lahmlegen oder uns von Warzen befreien können. Ich kann kein Zeugnis darüber ablegen, ob solche Mondrituale tatsächlich funktionieren. Aber ich habe gelernt, dass der Mondzyklus etwas Magisches ist. Wir sind nur darüber enttäuscht, dass seine wahren Mechanismen jenseits unserer naiven Vorstellungen liegen, so dass sie uns anfänglich womöglich eher wie Formeln aus einem Chemiebuch vorkommen, weit entfernt von unserer eigenen Erfahrung - geradezu langweilig. Aber die Macht des Mondzyklus ist tatsächlich real.

Stellen Sie sich einmal den Aussaatmond vor, der drei oder vier Tage nach Vollmond am Himmel zu sehen ist. Dane Rudhyar, der Experte auf dem Gebiet des Mondes, sagt über diese Phase: "Form, in der 'Vollmondphase' jeder zyklischen Beziehung in einem Augenblick scharfer Wahrnehmung offenbart, entlässt ihre Bedeutung (oder ihren Sinn), während der Mond an Licht verliert. Die abnehmende Periode des Mondzyklus' ist also eine Wachstumsperiode der aktiven Kraft des Bewusstseins. Sobald Bewusstsein einmal formuliert ist, kann es anderen mitgeteilt werden und kann so andere aktiv beeinflussen und transformieren."[1]

In der Phase des Aussaatmondes vollbringen wir unsere Magie mit Hilfe des Bewusstseins, mit der Kraft der Bedeutung. Nachdem bei Vollmond etwas enthüllt und sichtbar wurde, absorbieren wir nun die Bedeutung des Geschehenen und senden es hinaus, berühren die Welt damit und verwandeln uns selbst. Ganz magisch! Aber vielleicht ist diese Erklärung nicht schillernd genug für unser inneres unschuldiges Kind...


"In der Phase des Aussaatmondes vollbringen wir unsere Magie mit Hilfe des Bewusstseins, mit der Kraft der Bedeutung. Nachdem bei Vollmond etwas enthüllt und sichtbar wurde, absorbieren wir nun die Bedeutung des Geschehenen und senden es hinaus, berühren die Welt damit und verwandeln uns selbst. Ganz magisch!"


...deswegen will ich es einmal anders versuchen. Die Wochen des zunehmenden Mondes, von Neumond bis Vollmond, sind wie die aufregende Aufwärtsfahrt auf einer Achterbahn. Voller Vorfreude, den Blick himmelwärts gerichtet, fühlen wir, dass uns etwas Großartiges bevorsteht. Der Vollmond schließlich bringt uns in diesen delikaten Augenblick des Stillstandes auf der höchsten Spitze. Wir sehen den ganzen Park unter uns wie wir ihn nie zuvor gesehen haben. Die anderen Menschen dort unten sind winzig und blind; es ist, als wüssten wir etwas, das sie nicht wissen. Dann geht die Fahrt abwärts, und unser Herz schlägt uns bis zum Hals. Einen Augenblick bleibt uns die Luft weg, vor unseren Augen verschwimmt alles. Wir schreien! Und der gesamte Park verwandelt sich durch unseren aussäenden Schrei!

Natürlich hängt die Abfahrt in der Phase des abnehmenden Mondes davon ab, wie der Aufstieg in den Wochen des zunehmenden Mondes war. In dieser Zeit bauen wir die Schienen auf. Nehmen wir einmal an, unser Sonnenbewusstsein wäre stark, wir wüssten, was wir wollen und unsere Bemühungen wären erfolgreich. Dann werden wir während der Zeit des Aussaatmondes von Enthusiasmus erfüllt. Wir sind dann bereit, unsere Botschaft einer Welt zu vermitteln, die nur darauf wartet, ganz wie eine Priesterin, die von der Macht ihrer Religion durchdrungen ist.

Was aber, wenn wir die Wochen des zunehmenden Mondes nicht gut genutzt haben? Auch dann ist Raum für Magie. Dann entdecken wir eben das Molchsauge und die Krötenzunge, die unser Unbewusstes leise und heimlich herbeigeschafft hat. Dieses Gebräu ist mondiger und spiegelt stärker unsere Gewohnheiten und geheimen Entschlüsse wieder. Und es ist machtvoll. Wenn es sich unserem Bewusstsein enthüllt, dann kann dies eine sehr energetisierende Wirkung haben, regelrecht revolutionär, und aus den Wochen des abnehmenden Mondes eine produktivere Phase machen als ein fleißiger Aufstieg bei zunehmendem Mond.

Weil diese Art von Vollmond-Erkenntnis unerwartet über uns kommt, besteht immer die Gefahr, dass wir sie verpassen oder uns von ihr abwenden, so wie der Pilz, den Tamsin fand, die Heldin eines zeitgenössischen Märchens von Nicholas Stuart Gray.[2]

Nach einem besonders feuchten Vollmond sammelt Tamsin Pilze. 30 schneeweiße Schönheiten befinden sich schon in ihrem Korb, als sie zu ihren Füßen einen ungewöhnlichen Pilz entdeckt. Er hat einen Durchmesser von nahezu einem halben Meter, einen geschwungenen grünen Rand, silberne Ringe auf der Oberfläche, einen orangefarbenen Dorn in der Mitte und einen hellgelben an seiner Unterseite. Er pulsiert, als würde er atmen. Man glaubt es kaum, aber Tamsin beugt sich herab, um ihn zu pflücken.

Was unbeachtet in unserer Psyche heranwächst, kann auf den ersten Blick ganz interessant aussehen, bis uns schließlich klar wird, woran es uns erinnert. Tamsins Pilz ist lebendig und nicht gerade ein netter Zeitgenosse. Er beschuldigt das Mädchen, den Versuch unternommen zu haben, ihm seine Schönheit und seine Magie zu stehlen, indem es ihn abgerieben habe. "Aber du bist doch hässlich!" ruft sie aus. "Du lügst!" schreit er zurück. Sie schnappt sich ihren Korb und marschiert über das Feld. Doch wie eine Entdeckung, die wir am liebsten ignorieren würden, lässt sich auch der Pilz nicht stoppen. Er kreischt und lacht hinter ihr her und ruft warnend: "Wer einmal mit Magie in Berührung gekommen ist, wird nie wieder so sein wie zuvor. Aus dem Dunkeln, aus dem Reich der Schatten, wird jemand deinen Namen rufen!"

Und der hässliche Pilz hat Recht. Aus dem Nichts erhebt sich ein Wind. Der Tag wird ganz plötzlich zur Nacht. Das Antlitz des Mondes überrascht Tamsin aus einem spiegelnden See. Und dann ruft jemand ihren Namen. Es ist ein Besen, der sie drängt, schnell aufzuspringen, um der bösen Hexe zu entkommen, die ihr eng auf den Fersen ist. Doch Tamsin glaubt nicht an Hexen und will damit nichts zu tun haben. "Du hat keine Chance," lässt der Besen verlauten. "Du bist mit Magie in Berührung gekommen. Und nun steckst du drin, bis zu deinen hübschen, kleinen Ohren."

Jesus ChristWenn wir unseren Vollmond-Pilz pflücken, dann folgt in der Aussaatmondphase die Abrechnung. Es hat keinen Sinn, sich davor zu drücken. Wir können zwar behaupten, dass nichts Besonderes passiert ist, und nach zwei Wochen sind wir wieder die Alten. Aber gleichgültig, wie sehr unser sich windendes Denken uns auch etwas anderes einreden will, in den vorhergehenden Tagen hatten wir Macht. Wir haben sie irgendwie benutzt, und nach den zwei Wochen des zunehmenden Mondes stecken wir mitten drin, bis zu unseren Ohren. Zur Phase des Aussaatmondes werden wir gerufen.

Dass wir verantwortlich für das sind, was sich uns zeigt, daran besteht kein Zweifel. Aber um unserem Unschuldskind einen Gefallen zu tun, wollen wir vielleicht noch ein bisschen zetern. Was auch immer passieren mag, der Mond ist nicht schuld. Es ist sicherlich nicht die Aufgabe der Astrologie, uns mit einem Satz neuer Charaktere auszustatten, denen wir dann die Schuld an unserem Schicksal geben können. Das lässt an John Frawleys Antwort an die sorgenvolle Frau denken, die Angst davor hatte, dass Saturns Transit über ihren Aszendenten ihr eine schwierige Zeit bescheren würde. "Nein, wird er nicht," lautete seine Antwort. "Sie werden womöglich eine schwierige Zeit erleben, weil Sie Ihre Hausaufgaben nicht gemacht / Ihre Miete nicht bezahlt / Ihre Zähne nicht geputzt haben. Sie können dafür dem armen Saturn nicht die Schuld geben, der sich einfach nur durch den Kosmos gerollt und sich um seine eigenen Angelegenheiten gekümmert hat. Sein Transit über einige sensible Punkte in Ihrem Horoskop mag wohl den Zeitpunkt anzeigen, zu dem Sie sich diesen unliebsamen Einsichten stellen müssen, aber die Probleme haben Sie sich selbst gemacht, nicht er. Astrologie ist kein Weg, um die Verantwortung für unser Leben abzugeben."[3]

Wir können dies gleich auf unser Verständnis der Aspekte übertragen. Wenn durch einen Transit ein schwieriger Aspekt gebildet wird, dann kann es so aussehen, als hätten wir ausgesprochenes Pech, als wäre unser Raumschiff gerade in ein Gebiet voller Asteroiden gesteuert. Wir neigen dazu, es aus dieser Perspektive zu betrachten, weil wir Aspekte auf Computerbildschirmen und Horoskopausdrucken betrachten. Wir sehen sie als etwas Statisches auf einer Landkarte, als Orte, in die wir hineingeraten und die gutes oder schlechtes kosmisches Feng Shui haben.


"Wenn Sie jemandem mit einem Aussaatmond begegnen und lange genug mit ihm zusammen sind, dann werden Sie ihn irgendwann predigen hören. Seine Augen leuchten vor Enthusiasmus, seine Hände gestikulieren wild und seine Worte fließen, als wäre er Gottes Diktiergerät."


Diese Perspektive unterscheidet sich von der, den Himmel zu beobachten – wodurch das Empfinden einer voranschreitenden Planetenbewegung realer ist, und sich Transite als Teile eines größeren Zyklus offenbaren - unseres Zyklus. Unser Verständnis für Aspekte wächst, wenn wir zum einen verstehen, dass sie nur das bringen, was wir gesät haben, und wenn wir zum anderen unsere Sensibilität für die Position jedes Aspektes im Gesamtzyklus erhöhen.

Beim Mondzyklus wird das besonders klar. Wir können seine Entfaltung auch ohne einen Computer beobachten. Und er ist kompakt genug, dass wir seiner organischen Entwicklung ohne größere Schwierigkeiten folgen können. Neumond und Vollmond sind natürliche Angelpunkte, die das Moment von der äußeren Orientierung und dem Aufbau des zunehmenden Zyklus auf die eher innerliche Orientierung und ein wachsendes Bewusstsein im abnehmenden Zyklus verlagern. Und vor diesem Hintergrund verändert sich unsere Erfahrung der Aspekte. Obwohl ihre Geometrie immer noch die gleiche ist, liegt einem zunehmenden Quadrat eine andere Energie zugrunde als einem abnehmenden.

Die Phase des Aussaatmondes wird durch das abnehmende Anderthalbquadrat eingeläutet; der Mond steht 135 Grad hinter der Sonne. Dies ist ein unbequemer Aspekt, aber nicht so voller Spannung wie das zunehmende Anderthalbquadrat aus den Tagen des Buckelmondes. Betrachten wir einmal beide Positionen im Zyklus. Der Buckelmond kommt direkt vor dem Vollmond. Hier waltet noch das zunehmende Moment, der Aufbau des Höhepunktes zu Vollmond. Die Frustration, auf ein Hindernis zu treffen, führt in diesem Stadium häufig zu einer übertriebenen emotionalen Reaktion auf die Schwierigkeiten – was uns entweder in die Niederlage zwingt oder uns zu siegreichem Vorgehen antreibt. Auf jeden Fall müssen wir bei Buckelmond etwas tun, gleichgültig, wie ungeduldig wir sein mögen oder wie eng sich die Schlinge scheinbar um unseren Hals legt.

Nach dem Vollmond hingegen ist das ganz anders. Wir hatten eine Erkenntnis, eine "Erleuchtung". So etwas wie die Wahrheit sitzt auf unserem Schoß. Die Aufruhr, die wir zum Zeitpunkt des abnehmenden Anderthalbquadrats verspüren, gilt dem, was wir nun mit dieser Erkenntnis anfangen. Wir möchten in der Aussaatphase etwas sagen, auch wenn unsere Botschaft noch unreif ist. Wir fühlen uns wie ein Eingeweihter, der einen Berg nach einem Gipfelerlebnis herabsteigt. Was dort oben auf dem Gipfel der Erkenntnis noch so klar war, beginnt sich schon aufzulösen und an Klarheit zu verlieren. In unserem Versuch, es zurückzubekommen, fängt es schon an, sich zu verändern, und das, was wir letztlich sagen, ist vielleicht gar nicht mehr das, was die Götter uns aufgetragen haben.


"Aussaatmond-Menschen sind von Natur aus die Geschichtenerzähler und Lehrer einer Gesellschaft. Die wohlbedachte Erzählung ihrer Erfahrungen hilft dem Kollektiv, sich zu reorganisieren, die eigene Mission von Neuem inspirieren zu lassen. In einem gewissen Maße wird das von uns allen in dieser Mondphase verlangt."


Auch das Anderthalbquadrat der abnehmenden Hälfte kann eine übertriebene emotionale Reaktion hervorrufen. Bei diesem Aspekt manifestiert sich das häufiger als Drang zu predigen. Wenn Sie jemandem mit einem Aussaatmond begegnen und lange genug mit ihm zusammen sind, dann werden Sie ihn irgendwann predigen hören. Seine Augen leuchten vor Enthusiasmus, seine Hände gestikulieren wild und seine Worte fließen, als wäre er Gottes Diktiergerät. Wenn ein Mensch mit Aussaatmond über ein Thema spricht, schreibt, etwas malt oder photographiert, wovon er etwas versteht und wofür er eine gewisse Leidenschaft empfindet, dann ist das durchaus des Zuhörens, Lesens oder Anschauens wert.

Aussaatmond-Menschen sind von Natur aus die Geschichtenerzähler und Lehrer einer Gesellschaft. Die wohlbedachte Erzählung ihrer Erfahrungen hilft dem Kollektiv, sich zu reorganisieren, die eigene Mission von Neuem inspirieren zu lassen. In einem gewissen Maße wird das von uns allen in dieser Mondphase verlangt. Das Persönliche überschneidet sich mit dem Sozialen und Familiären an den Tagen des Aussaatmondes. So wie der Besen Tamsin in ein Abenteuer mitnimmt, ruft uns jetzt die Welt. Sie verlangt unsere Teilnahme. Sie verlangt nach der Magie der zyklischen Erneuerung durch frische Bedeutung.

Und dann gibt es da noch die Schattenseite dieser Mondphase (es gibt ja immer eine Schattenseite). Manchmal ist das Ergebnis einfach nur Lärm. Ich erinnere mich an eine Aussaatmond-Phase, in der ich zum ersten Mal sah, was mir mittlerweile eine vertrauter Anblick ist: Ein Auto vor einer Klinik, in der Abtreibungen vorgenommen werden, im Auto, das sich langsam durch eine aufgebrachte Menge bewegte, eine Schwangere. Vertreter beider Seiten der Abtreibungsdebatte brüllten ihre Slogans, während sie versuchten, Flyer und Pamphlete durch die schmalen Schlitze des Fensters in das Auto zu werfen. Die schwangere Frau, die im Auto saß, war in Tränen aufgelöst.

Ob wir nun von Geburt an einen Aussaatmond haben oder lediglich eine Transit- oder Progressionsphase erleben, manchmal spüren wir den Drang, unsere Gedanken einer völlig ahnungslosen Welt aufzudrücken. Doch es ist weise, sich daran zu erinnern, dass die wirkliche Arbeit in dieser Phase darin besteht, dass wir uns selbst größeres Bewusstsein erwerben. In der Aussaatphase stellen wir uns von der Orientierung nach außen während der Zeit des zunehmenden Mondes auf eine Orientierung nach innen um. So wie die Opposition bei Vollmond, die dieser Phase vorangeht, kann sich auch das abnehmende Anderthalbquadrat in Konfliktsituationen und Projektionen verkehren. Wenn wir das Gefühl haben, unsere Botschaft stößt auf taube Ohren, wenn wir merken, dass wir uns darüber beklagen, wie dumm oder wie unfähig andere sind, wirklich zuzuhören, dann ist es durchaus möglich, dass wir im Grunde unsere eigene Unfähigkeit, die Wahrheit zu erkennen, auf andere projizieren. Wenn wir uns zu sehr aufdrängen müssen, dann ist es wahrscheinlich noch zu früh für die Aussaat.

JesusDas abnehmende Anderthalbquadrat ist ein Aspekt der Abrechnung, und zwar weniger mit anderen als mit uns selbst. Wir werden aufgefordert, unsere Situation zu überdenken; warum wir da stehen, wo wir stehen, anstatt da, wo wir gern stehen würden; wofür wir stehen; was wir gelernt haben; wie wir etwas zur Welt beitragen könnten. Darum geht es bei all der Spannung – sie bringt eine Reinigung. Wenn wir es aus einer inneren Sicht betrachten, dann können unsere Kämpfe in der Aussaatphase uns helfen, Unklarheiten zu beseitigen, die uns ansonsten von einer stärkeren Bewusstseinserweiterungen in den kommenden Phasen abhalten würden.

Auf das abnehmende Anderthalbquadrat folgt das abnehmende Trigon, bei dem der Mond 120 Grad hinter der Sonne steht. Trigone bringen Entspannung. Sie setzen Stress frei. Wie Bil Tierney schreibt: "Das Trigon ist ein Aspekt der Entspannung, des Friedens, der harmonischen Aufnahme und angenehmen Reaktion."[4]

Wir ernten die günstigen Umstände, für die wir gearbeitet haben. Das abnehmende Trigon steht für einen leichten Fluss der Inspiration und des Idealismus, während wir unseren Segen mit anderen teilen. Dieser Aspekt neigt dazu, sich über kollektive Kanäle auszudrücken.

Seine Qualität unterscheidet sich von dem zunehmenden Trigon, das dem Sonne-Mond-Quadrat in der Phase des ersten Viertels folgt. Das zunehmende Trigon ist "mehr auf kreativen Selbstausdruck und Vergnügen ausgerichtet und hat etwas Exhibitionistisches," schreibt Tierney.[5] Nach der Herausforderung und dem Kampf des Quadrates fühlen wir uns in der Phase des zunehmenden Trigons wahrscheinlich zuversichtlicher und mehr von uns selbst erfüllt, erleichtert darüber, dass der Kampf nun vorüber ist. Natürlich verändern sich die Dinge im Laufe des Zyklus nochmals, wenn dann das zunehmende Anderthalbquadrat folgt.

Die Aspekte klar auseinander zu halten mag einem zu Beginn schwierig erscheinen. Und das ist genau das Problem daran, wenn man versucht, den Mond mithilfe von Theorien zu entdecken. So viele Menschen sind vom Mond fasziniert und wollen mehr über ihn lernen – ganz instinktiv erkennen sie seine Bedeutung. Wenn sie dann von der Theorie der Mondzyklen hören, sind sie für den Augenblick zufrieden – ja, er bedeutet also wirklich etwas! Aber im Allgemeinen verflüchtigt sich diese Erkenntnis auch wieder, und der Mond bleibt auch weiterhin ein Teil außerhalb ihres Lebens, der mit ihnen nicht viel zu tun hat.


"Ob wir nun von Geburt an einen Aussaatmond haben oder lediglich eine Transit- oder Progressionsphase erleben, manchmal spüren wir den Drang, unsere Gedanken einer völlig ahnungslosen Welt aufzudrücken. Doch es ist weise, sich daran zu erinnern, dass die wirkliche Arbeit in dieser Phase darin besteht, dass wir uns selbst größeres Bewusstsein erwerben. In der Aussaatphase stellen wir uns von der Orientierung nach außen während der Zeit des zunehmenden Mondes auf eine Orientierung nach innen um."


In meinen monatlichen Workshops, die ich "Die zwölf Monde" nenne, hatte ich das Privileg, etwas ganz anderes erleben zu dürfen. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf der Beobachtung, auf dem Erspüren, auf der Entwicklung einer Sensibilität für den natürlichen Fluss unserer eigenen Erfahrung. Die Theorie der Mondzyklen ist dabei sekundär, wie ein Hund, der an der Leine gehalten werden muss. Und diese Art, den Mond zu erspüren, führt zu einer aufregenden Entdeckung: Der Mondzyklus wirkt tatsächlich! Unser Leben folgt seinem Fluss. Und dies geschieht seit eh und je ohne unsere mentale Beteiligung. Es ist ein organischer Prozess. Zyklus um Zyklus folgen unsere Wünsche, unsere Enttäuschungen, unsere Begegnungen und unsere Erkenntnisse dem Rhythmus des Mondes.

Verständlich, dass uns das nicht vorher aufgefallen ist. Die Ereignisse und Gefühle, die uns mit dem Mond synchronisieren, sind ganz alltägliche Regungen, die uns sehr vertraut sind. Der Mond herrscht über den Alltag. Und so muss unser unschuldiges inneres Kind wohl oder übel einsehen, dass etwas ganz und gar Phantastisches und das große Glück so häufig unter der Signatur des Mondes geschehen wie im Verhältnis zu unserem Alltag: selten. Wenn wir aber den spirituellen Traditionen Glauben schenken, dann sind es gerade unsere alltäglichen Entscheidungen und Reaktionen, die besonders entscheidend sind, und nicht unsere einmaligen Beförderungen oder Lotteriegewinne. Aus unserem täglichen Handeln und unseren täglichen Gedanken wird unser Schicksal gemacht. Sie bestimmen das spirituelle Maß unseres Lebens. Ein Zyklus, der uns für dieses alltägliche Tun trainiert – der uns in kleinen Schritten antreibt oder uns zur Reflektion anhält, wenn nötig – ist äußerst wertvoll.

Vieles im heutigen Lebensalltag wirkt dem Mondrhythmus entgegen. Um sich der subtilen Hinweise, die er für uns bereit hält, bewusst zu werden, muss man bereit sein, das eigene Tempo zu drosseln und ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Und was das angeht, so können die Theorien zum Mondzyklus uns sehr wohl dabei helfen, dieses Bewusstsein zu trainieren, auch wenn wir zum Mond selbst viel leichter Zugang durch unsere Gefühle, unsere Intuition oder Körperwahrnehmungen bekommen als über Konzepte und Theorien. Ich habe von Gärtnern, die nach dem Mond arbeiten, erfahren, dass der Erfolg dieser Art des Gärtners bei chemisch behandelten Pflanzen nicht so groß ist wie bei ökologisch gezogenen. Vielleicht gilt das Gleiche auch für uns, so verwirrt wie wir durch äußere Einflüsse und Ablenkungen sind. Aber dennoch liegt der Mondrhythmus in unserer Natur. Wenn wir uns enger an ihn anlehnen, dann kommen wir einem naturgemäßen Lebensstil näher.

Aber es ergeben sich auch Probleme durch den Mond. Zeitliche Genauigkeit ist eines. Wie mein Freund, der Experte für natürliche Zeitrhythmen, Samten Williams sagt: "Der Impuls geht dem Mond häufig voraus." Wir können zuweilen schon fühlen, dass wir in eine bestimmte Mondphase geraten, noch bevor sie tatsächlich eintrifft.

Revere's RideDie Geschichte bietet dafür ein gutes Beispiel. Paul Reveres Ritt ist ein wunderbares Bild für den Aussaatmond – als ein Silberschmied in nur wenigen Stunden, mit wenigen Worten ("Die Briten kommen!") einen ganzen Landstrich zu den Waffen rief. Die Kraft der Aussaatphase in jener Nacht war sehr stark: Man hörte Trommeln und Kirchenglocken. Am Morgen marschierten die nichtsahnenden britischen Truppen geradewegs in einen vehementen, gut organisierten Widerstand. Revere begann seinen Ritt kurz vor Mitternacht am 18. April 1775. Der Mond ging jedoch erst am 19. um fünf Uhr morgens in die Aussaatphase, als Revere gerade die letzten Dörfer erreichte[6].

Rein technisch gesehen war Reveres Ritt also ein Vollmondgeschehen, kein Aussaatereignis. Die Nachricht von einer britischen Invasion passt zu unseren Erwartungen, die wir an eine Erkenntnis zu Vollmond stellen. Am Nachmittag des 18. April hörte ein Stalljunge zufällig die Bemerkung eines britischen Offiziers und übermittelte diese an Revere. Aber Revere war eindeutig derjenige, der sie weiter aussäte, so wie diejenigen, die ihm zuhörten. Ihre Nachrichten verbreiteten sich wie ein Lauffeuer. Welche Mondphase müssen wir jetzt also für diesen berühmten Ritt verantwortlich machen?

Als ich dieses Jahr die Entwicklung der Birnbäume auf den Obstplantagen beobachtet habe, die an mein Haus angrenzen, fiel mir auf, dass einige von ihnen etwas früher in Blüte standen als alle anderen. War nun ihr Erblühen weniger ein Frühlingsimpuls als der ihrer Gefährten, die sich genauer an den Kalender hielten? Wie G. K. Chesterton schreibt: "Die wahre Schwierigkeit, der wir in unserer Welt begegnen, ist nicht dass sie nicht verlässlich wäre, noch nicht einmal, dass sie verlässlich ist. Das häufigste Problem ist, dass sie halbwegs verlässlich ist, aber doch nicht so ganz. Das Leben ist nicht unlogisch; aber dennoch ist es eine Falle für Logiker. Es sieht ein bisschen mathematischer und zuverlässiger aus als es ist; seine Genauigkeit ist offensichtlich, doch seine Ungenauigkeit liegt verborgen; seine Ungezähmtheit liegt auf der Lauer."[7]

Diese ungezähmte Wildheit ist mir beim Mond schon häufig begegnet. Aber das ist jetzt keine Entschuldigung dafür, ungenau in Bezug auf Orben und Häuserspitzen zu werden. Das gibt uns trotz allem nicht die Erlaubnis zu sagen: "Der Computer sagt zwar, dass Sie bei Vollmond geboren wurden, aber mir kommen Sie mehr wie ein Aussaatmond vor, deswegen nenne ich Sie jetzt so." Wenn wir das Ritual einer Horoskopsitzung durchführen, dann arbeiten wir mit präzisen Informationen und klaren Regeln. Wir müssen uns an die richtigen Aspekte und Traditionen halten. Aber im Fluss unseres alltäglichen Lebens, wenn wir uns auf den Mond einstimmen, dann sollten wir genau dann handeln, wenn der Impuls am stärksten ist. Und da sollten wir dann nicht nach dem Mondkalender gehen, um den richtigen Augenblick zu bestimmen.

Die Geschichte von Revere stellt uns aber noch ein anderes Problem. In The Tipping Point[8], einer Studie über die Dynamik brillanter Ideen und warum sich einige davon geradezu epidemisch verbreiten und andere nicht, weist uns der Autor Malcolm Gladwell auf etwas hin, das nur wenige wissen: Revere hatte einen Partner. Ein Gerber namens William Dawes ritt ebenfalls in dieser Nacht über die Dörfer, unter dem gleichen Mond, durch genauso viele Dörfer, genauso viele Meilen wie Revere. Doch bei ihm waren die Leute nicht Feuer und Flamme. Einer der größeren Orte, die er durchritt, organisierte einen solch schwachen Widerstand, dass die Historiker jahrelang glaubten, dieses Dorf sei pro-britisch gewesen, was überhaupt nicht stimmte. Obwohl Dawes die gleiche Botschaft verbreitete und wahrscheinlich von der gleichen Leidenschaft getrieben wurde, mit Menschen sprach, die genauso interessiert an seinen Worten waren, war er einfach nicht so erfolgreich wie Revere bei der Verbreitung seiner Nachricht.


"Wenn wir das Ritual einer Horoskopsitzung durchführen, dann arbeiten wir mit präzisen Informationen und klaren Regeln. Wir müssen uns an die richtigen Aspekte und Traditionen halten. Aber im Fluss unseres alltäglichen Lebens, wenn wir uns auf den Mond einstimmen, dann sollten wir genau dann handeln, wenn der Impuls am stärksten ist. Und da sollten wir dann nicht nach dem Mondkalender gehen, um den richtigen Augenblick zu bestimment."


Gladwell ist der Meinung, dass eine Nachricht sich nur dann wie eine Epidemie ausbreitet, wenn bestimmte Aspekte gegeben sind, und dazu gehört auch, dass sie jemand verbreitet, der sympathisch genug und so sozial eingebunden ist, dass er auch erhört wird. Revere war einfach der bessere Verkäufer. Wir bedienen uns in der Astrologie einer ähnlichen Logik, indem wir sagen, dass Geburtshoroskope unser Gesamtpotential beschreiben und dass bedeutende Ereignisse niemals von einem Faktor allein ausgelöst werden. Lediglich die richtige Mondphase auszuwählen, macht uns noch nicht erfolgreich. (Ich würde Ihnen empfehlen, Ihrem inneren Kind die Ohren zuzuhalten, wenn es nicht schon bereits weghört.)

Ein bewährtes astrologisches Prinzip besagt, dass Transite und Progressionen (und daher auch Mondphasen) nichts mit sich bringen können, was nicht im Geburtshoroskop bereits angelegt ist. Ich habe die Geburtsdaten von Revere und Dawes, wenn auch ohne Uhrzeit[9]. Keiner von den beiden wurde bei Aussaatmond geboren, aber wir können ungefähr auf die Phase ihres progressiven Mondes zurückschließen, wenn wir für beide eine Geburt um die Mittagsstunde annehmen. Und da könnte man schon sagen, dass es unsere Theorie bestätigt, wenn wir entdecken, dass Revere sich kurz vor oder in seiner progressiven Aussaatmondphase befand, während Dawes gerade in seiner progressiven Neumondphase war. Und das ist auch wirklich interessant. Die aktuelle progressive Mondphase, in der man sich gerade befindet, kann die entsprechende monatliche Mondphase durchaus stärker betonen.

Aber das erklärt noch lange nicht alles. Progressive Mondphasen sind ein spannender Einfluss, aber jemand mit einem schwachen Merkur oder einem introvertierten Temperament wird niemals zu einem Paul Revere, gleichgültig, an wie vielen Aussaatmonden er während seiner progressiven Aussaatmondphase hinaus reitet. Und doch wird etwas dem Einzelnen und der Phase Entsprechendes passieren. Dieser Mensch wird etwas verbreiten, aber das Geheimnis, das Ungezähmte, ist das, was wir nicht wissen: wie das genau passieren wird. Und das ist genau das, was mich an den Mondphasen so fasziniert und was ich so spannend finde, dass ich immer wieder gern darüber schreibe und spreche – mit dem Eifer einer Priesterin.

Okay, ich kann es jetzt ja ruhig zugeben: Ich wurde zum Aussaatmond geboren!


  1. Dane Rudhyar, The Lunation Cycle: A Key to the Understanding of Personality, Santa Fe, New Mexico: Aurora Press, 1967, p. 44.
  2. Nicholas Stuart Gray, "A Wind from Nowhere Blows", in The Faber Book of Modern Fairy Tales, Sara & Stephen Corrin, editors, London: Faber and Faber, 1981, pp. 201-219.
  3. John Frawley, The Real Astrology, London: Apprentice Books, 2001,
    p. 1851. Dane Rudhyar, The Lunation Cycle: A Key to the Understanding of Personality, Santa Fe, New Mexico: Aurora Press, 1967, p. 44.
  4. Bil Tierney, Dynamics of Aspect Analysis, Reno, Nevada: CRCS Publications, 1983, p. 27.
  5. Ibid, p. 28.
  6. Ich zitiere aus Dr. J Lee Lehmans Buch, Classical Astrology for Modern Living, Atglen, PA: Whitford Press, p. 112
  7. Malcolm Gladwell, The Tipping Point, Boston, NY: Little, Brown and Company, 2000.
  8. Aus: American National Biography, General Editors, John A. Garrity and Mark C. Caines, NY: Oxford University Press, 1999), Paul Revere 1/1/1735 and William Dawes 4/6/1745.

MOONPRINTS von Dana Gerhardt

Die Leser der amerikanischen Astrologiezeitschrift "The Mountain Astrologer" schätzen diese wunderbare Deutung schon seit über 20 Jahren. Moonprints beschäftigt sich tiefgehend mit den Hintergründen Ihres Gefühlslebens. Sie erhalten neue Einblicke in den Mond des Geburtshoroskops - seine Phase, das Zeichen, Aspekte und sein Haus. Entdecken Sie Ihren Lebenssinn, versteckte Talente und Gefahrenzonen durch die Mondknoten. Nutzen Sie den Mond, um sich selbst in den Rhythmen der Zeit zu verankern - durch Transite zum Mond, Ihre progressiven Mondzeichen und -häuser, Daten für zwei progressive Mondzyklen, plus einen Jahreslauf der Neu- und Vollmonde durch Ihr ganzes Horoskop. Sie werden jede Seite dieser Deutung lesen wollen, die sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Astrologielernende anspricht. Die Deutung ist auch in einer deutschen Übersetzung bei Sabine Bends erhältlich.

Zur deutschen Ausgabe von Moonprints

Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Bends

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