Die Sensibilität des Krebses entfalten

Von Dana Gerhardt

illustration"You can go around me,"
said the Goddess,
twirling on her heels like a bird
darting away,
but just a little away,
"or you can come after me.
This is my forest too,
you can't pretend I'm not here."

The Very Short Sutra on the Meeting
of the Buddha and the Goddess [1]

Sie können nicht so tun, als ob die Göttin nicht da wäre. Das gilt vor allem für Ihr Krebs-Haus. Und das ist auch, was Herkules auf seiner Krebs-Reise lernt. Für seine dritte Aufgabe weist König Eurysteus den Helden an, die Kerynitische Hirschkuh zu fangen (ohne sie zu verletzen). Die rötliche Hirschkuh war das heilige Tier von Artemis, der Mondgöttin. Die bronzefüssige Hirschkuh ist schneller als ein Pfeil und so schwer fassbar wie die Sicherheit, die wir mit unseren Krebs-Planeten suchen. Sie ist so behände und unberechenbar wie unsere Gefühle.

Die Kerynitische Hirschkuh ist weiblich, aber sie hat das goldene Geweih eines Hirsches, welches göttliche Macht und Empfänglichkeit symbolisiert. Das Geweih ist wie eine kosmische Antenne, in welche die Mondgöttin ihre Krebs-Gaben, Intuition und Inspiration, einfliessen lässt. (Das vom Mond beherrschte Krebszeichen ist übrigens oft stark vertreten in Horoskopen von kreativen Menschen wie Künstlern oder Geschäftsleuten, die eine reiche Vorstellungskraft haben, und in Horoskopen von Müttern oder Gärtnern, die mit Freude Dinge zum Gedeihen bringen.) Die Hirschkuh ist eine Achtung gebietende Beute - aber auch sensibel und verletzlich (so wie wir in unsern Krebs-Häusern). Ein Kritiker hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Hirschkuh an Sibyllen und antike Priesterinnen erinnert, die unfähig waren, eine Prophezeihung zu machen, wenn die Umgebung nicht harmonisch war.[2] Ihr feines Zartgefühl brauchte Abgeschiedenheit, um von jeglicher Unerfreulichkeit, Harschheit oder Aufregung geschützt zu sein.

Die sensiblen Kräfte des Krebses zu entfalten, war Herkules' Mission. Das ist nicht einfach. Wenn die Hirschkuh ein Monster gewesen wäre, hätte er seine Keule nehmen und es totschlagen können, aber ein Wild zu fangen, ohne es zu verletzen, war die grössere Herausforderung. Die gerichtete männliche Kraft ist im weiblichen Königreich ein Nachteil. Herkules sieht das Geweih der Hirschkuh in der Sonne glitzern und beginnt frohgemut seine Jagd. Ein Jahr später verfolgt er das Tier immer noch durch Griechenland, Thrakien, Istrien und das Land der Hyperboreer. Die Hirschkuh war nicht zu fassen. Als er sie schliesslich bei einem nahegelegenen Fluss erblickt, ist er entzückt und wütend zugleich. Herkules spannt seinen Bogen und schiesst. "Das ist nur eine kleine Wunde," sagt er zu sich selber. Erleichtert über seinen Sieg, schultert er die verletzte Hirschkuh. Seine Freude ist kurz. Gleich nach der nächsten Baumgruppe trifft er auf die Göttin. Artemis ist wütend. Der Held wird matt unter ihrem Blick.

deerWir können nicht so tun, als ob die Mondgöttin nicht schaut - insbesondere, wenn wir die segensreichen Wirkungen des Krebses suchen. Ob wir nun mehr Zuwendung wünschen, einen sicheren Hafen oder kreative Inspiration, wir müssen nach ihren Regeln spielen. Wenn wir sie ignorieren, ist uns ihr Zorn gewiss. Die Geschichte des "modernen" Herkules, der hoffte, ihre tollen Sachen zu erbeuten, ist ein einschlägiger Fall. Jay Chiat war einer der Top Werbemanager des letzten Vierteljahrhunderts. Als der Ruf seiner Agentur zu schwinden begann, hoffte er, durch radikales Redesign seiner Büros (eine Domäne des Krebses) den Kreativitätsvorsprung wiederzuerlangen. Das war lange vor den mageren Pluto-in-Steinbock Jahren mit ihrem Abbau und Pragmatismus. Es waren die frühen Neunzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts als Pluto sich dem Schützen näherte. Chiat träumte von einem Büro voller überbordender Schütze-Freiheit.

Es würde keine Arbeitsplätze, keine Wände, nicht einmal mehr Schreibtische geben. Seine zigeunernden Angestellten würden nur einen Laptop, ein tragbares Telefon und ihre tragbaren Visionen haben. Sie würden ihren Arbeitsraum dort improvisieren, wo ihre Inspiration sie gerade hinführte, in einer produktiven Gemeinschaft und in inspiriertem Auf und Ab mit ihren Kollegen. Die befreiten Angestellten erhielten minimalistische Garderobenschränke und ein neues Morgenritual: Sie mussten sich beim Gerätekabäuschen einreihen, um sich ihren Laptop und ihr Telefon abzuholen. Danach waren sie frei und konnten sich in futuristischem Kunstwerk oder auf Sofagruppen verteilen, oder sich mit ihren Kollegen zum Brainstormen in wackligen Autoscooter-Wagen treffen, die aus einem Vergnügungspark gerettet worden waren. Und falls keine Stimmung aufkam, konnten sie ihre Arbeit nach draussen verlagern, in den Park oder zum Bach hin. Chiat schwärmte davon, was derart befreite Körper und Köpfe für kreative Wunder hervorbringen würden!

Chiat behauptet, dass er Input von Angestellten aufgenommen habe, aber gemäss einem Insider folgte er nur seinen eigenen Ideen. Als Angestellte reklamierten, sie bräuchten mehr Privatsphäre, antwortete Chiat, "Ihr bekommt privaten Raum, doch es wird kein persönlicher Raum sein."[3] Eine entscheidende Fehlkalkulation. Private Räume befriedigen die emotionalen Bedürfnisse nicht annähernd so gut wie persönliche. Menschen wollen sich einnisten. Sie brauchen Schreibtische, Platz für Familienfotos. Sie sehnen sich nach der Gemütlichkeit von vertrauten Dingen. Sie haben einen natürlichen Horror davor, zu stark ausgesetzt zu sein. Im Ozean des Lebens will jeder ein sicheres Gehäuse, einen geschützten Ort, den wir unser Eigen nennen können. Wegen diesem universellen Bedürfnis, welches Astrologen "Krebs" nennen, war Chiats kühnes Experiment dem Untergang geweiht.

Chiat kämpfte jedoch hart. Er streifte durch das Gebäude auf der Suche nach "Nesthockern". Wenn er jemanden fand, der zwei Tage lang am selben Ort sass, sagte er ihm, er solle sich bewegen. Er wollte kein Papier in seinem virtuellen Büro. Aber Angestellte begannen, ihre ausgedruckten Kopien heimlich nach draussen zum Parkplatz zu bringen und die Kofferräume ihrer Wagen wie einen Aktenschrank zu füllen. Mindestens eine Angestellte rollte ihre Siebensachen in einem roten Wägelchen herum. Bald hörten die Leute auf, am Ende des Tages ihre Laptops und Telefone abzugeben und versteckten sie in Ecken oder hinter Pflanzen. Hässliche Schilder tauchten bei den Sitzungsräumen für Kunden auf: "Eintritt verboten! Das gehört mir!" Chiats offene Räume füllten sich mit Zank und Murren und schliesslich entstanden Revierkämpfe, die ebenso verbittert geführt wurden wie Kämpfe im antiken Griechenland.

Büros werden von Krebs regiert. Ebenso Nester, Labyrinthe und Kabäuschen; Wiegen, Mutterschösse, Brunnen und Boote; auch Parkplätze, Wolkenkratzer und Städte. Wir beurteilen diese Krebs-Orte danach, wie sie sich für uns anfühlen. Menschliche Wesen sind territorial veranlagt, wir lieben das Gefühl von Geborgenheit in den Armen der Mutter, genährt, angenehm und sicher. So sicher wie Herkules mit Artemis zusammengestossen ist, so geriet Chiat in Konflikt mit der Mondgöttin. Sie reagierte mit Zorn und beschwörte eine Armee von egozentrischen Jammerern herauf. Sie verbitterte die Arbeiter und verwandelte sie in einen zurückschlagenden, manipulierenden Mob. Die Kreativität litt. Chiat gab auf. Er verkaufte seine Firma und verliess das Gebäude. Die neuen Besitzer unterteilten den offenen Gang in Computerbildschirmarbeitsplätze ("Nester" genannt). Höhlenartige Büros wurden der Wand entlang installiert ("Höhlenwohnungen"). Die Lektionen wurden gelernt. Die Göttin kehrte in ihren Himmel zurück. Jeder bekam irgendwie einen persönlichen Raum.

Sternzeichen KrebsDie Himmelskonstellation von Krebs besteht aus einem matten Fleck von Sternen, der "Praesepe" heisst (was Futterkrippe bedeutet); die antiken Griechen sahen in Krebs eine Krippe, aus welcher zwei benachbarte Sterne (Esel) frassen. "Bienenstock" ist ein anderer traditioneller Name für diese Sternengruppe, weil ihre runde, krause Erscheinung ausschaut wie ein Bienenstock Beide Bilder entsprechen gleicherweise dem Krebs. Weder heldenhaft noch umwerfend, beschreiben beide einfache Haltestellen für Bienen oder Vieh, wo sie sich von den Waren der Göttin ernähren, von Honig und Getreide. Heute sehen wir in dieser Konstellation einen Krebs. Die Babylonier sahen in ihr eine Schildkröte, die Ägypter einen Skarabäus. Wie ähnlich sich diese Kreaturen sind! Jede trägt ein hartes Gehäuse mit sich herum, und damit die Wertmassstäbe der Göttin: ihre Sorge um die niederen, verletzlichen (sogar unheimlichen) Dinge.

Die Astronomen weisen schnell darauf hin, dass Krebs eine unauffällige Konstellation sei. Diese Nachricht wird im allgemeinen mit einem Anstrich von Triumph verbreitet - als ob die matten Sterne ein Beweis für die Ignoranz von Astrologen seien, denn sie würden bestätigen, dass praktizierende Astrologen nicht viel vom wirklichen Himmel verstünden. Krebs mag keine spektakulär anzuschauende Konstellation sein. Aber dass diese kleine Ansammlung von Sternen bei uns eine ähnliche Wahrnehmung hervorruft ist vielleicht selber spektakulär - wieder und wieder erinnert uns dieses Stück Himmel an die Werte der Göttin.

Die Krebs-Taktiken

Ich weiss, was ich gerne in meinem Krebs-Haus erleben möchte - so etwas wie das verträumte Gebärmutter-Gefühl, das ich in der lokalen Thermalquelle jeweils Montags (dem Tag des Mondes) bekomme bei der Ladies Night, wenn der Pool unter freiem Himmel gefüllt ist mit nackten Brüsten, Babies, Gelächter und gurrender Ermutigung, und das alles unter dem wissenden Blick des Mondes. Wenn Ärzte Rezepte für dieses Gefühl verschreiben könnten, würden sie uns Oxytocin geben, das "Kuschelhormon". Es wird natürlich produziert von stillenden Müttern, es ist aber auch der bei beiden Geschlechtern aktive Stoff bei Liebesverbindungen. Es ist Oxytocin, das Sex in Liebe umwandelt. Emotionale Unterstützung - Fürsorge, Mitgefühl, beruhigende Berührung, Verständnis - erhöht den Oxytocin Spiegel. Offenherzigkeit ist der beste Weg, um diese Tugend in Ihr Krebs-Haus und zu Ihren Krebs-Planeten zu bringen. Warum also ist das Symbol für das Tierkreiszeichen Krebs ein hartschaliger, scherentragender Krebs?

Wenden wir uns zuerst dem Offensichtlichen zu: die abwehrende Schale signalisiert, dass Krebs-Planeten nach innen gekehrt sein können, verschlossen und sich selbst schützend. Merkur in Krebs ist ein exzellenter Zuhörer und hat eine feine Intuition, aber er kann auch zu schüchtern sein, um zu zeigen, was er weiss. Die sanfte Venus in Krebs kann leidenschaftlich ihre Sicherheit abwägen und dann einen Schmollmund machen oder eine stille Show abziehen, um die Liebe zu bekommen, nach der sie sich sehnt. Ein zorniger Krebsmars könnte behaupten, dass nichts falsch ist, während er innerlich grübelt und schäumt. Was schlägt der Krebs sonst noch vor? Seine verästelten Glieder geben ihm eine bemerkenswerte Beweglichkeit auf Steinen und in Gezeitenwasserbecken. Aber auf glattem Sand wirkt sein trippelnder seitlicher Gang merkwürdig. So ähnlich können auch Krebs-Planeten herumtrippeln, sich eher schräg als frontal Zielen annähern. Ich arbeitete einmal mit zwei Frauen, die beide den Mars in Krebs hatten. Sie standen oft zusammen und flüsterten miteinander, ich vermute, sie waren am Ränke schmieden. Und sie überraschten mich immer wieder mit neuen Richtungen, die sie einschlugen, sie blieben nie besonders lange auf demselben Kurs. Jupiter in Krebs lässt sich ebenfalls sehr leicht ablenken, er dehnt lieber seine Sentimentalität und Masslosigkeit aus, als das Glück, das ihm seine erhöhte Stellung bringen kann. Wenn sie jedoch provoziert werden, können Krebs-Planeten ziemlich fokussiert sein. Wenn ein Krebs seine Scheren zur Attacke ausfährt, ist er pointiert und hartnäckig. Ebenso wehrt sich ein Krebsmond mit aller Macht, wenn er eine Bedrohung gegen sich oder einen Liebsten spürt.

Krebse sind Aasfresser. Sie klauben Fische und Schellfisch Kadaver aus dem Seetang oder aus dem, was sonst noch so an den Strand gespült wird, und reissen es auseinander mit ihren starken Klauen. Ihre Arbeit schafft Nahrung für kleinere Tiere, was im Einklang steht mit dem mütterlichen Nahrungsbusiness. Krebs-Planeten sind für mich normalerweise keine "Aasfresser". Aber sie kauen an der Vergangenheit. (Und wir könnten uns fragen, welche Nahrung ihre abgeknabberten Erinnerungen für uns bereithalten.) Der Krebs war natürlich ein Liebling der Göttin Hera. Sie war eine Zerlegungskünstlerin. Denken Sie an die Art und Weise, wie sie Zeus zu Fall gebracht hat. Wie wagemutig von ihr, dem Gott aller Götter nachzustellen! Sie stellte sich ihm jedoch nicht so, wie ein Held dies tun würde in einem fairen Kampf, von Auge zu Auge. Sie zerrte von der Seitenlinie aus an ihm, bis er zurückkroch, sich duckte und versteckte.

14th Dalai LamaEbenso können sich Krebs-Planeten mit grösseren Feinden anlegen, indem sie ihre Macht durch Nörgelei oder Manipulation ausüben. Passive Aggression und passiver Widerstand sind ziemlich gebräuchliche Krebs-Strategien. Der 14. Dalai Lama und Ghandi wurden für ihren passiven Widerstand sehr verehrt, sie haben Krebs am Aszendenten respektive am MC. Ihre Persona und ihr Weltruf legitimiert sie als Krebs-Ikonen, als Verkörperungen von mütterlicher Barmherzigkeit und Schutz. Ihre Karrieren strahlen die grosse, geduldige Kraft von Krebs aus: eine Position so lange zu halten, bis die Welt darum herum nachgibt.

Am aussagekräftigsten ist aber vielleicht der Ort, wo Krebse leben. Krebse leben am Ufer, einem Übergangsort zwischen dem strudelnden Ozean und der festen Erde. Er ist turbulent und veränderlich, zwischen Felsen und Sand, mit Gezeiten, die herein- und hinausstürzen. Warum haben Krebse sich nicht so entwickelt, dass sie für immer im endlosen, formlosen Wasser schwimmen konnten, wie ein Tintenfisch oder Fische? Warum rennen sie nicht auf festem Boden wie Löwen? Krebse lieben - oder brauchen - wohl beides, die Form und die Formlosigkeit. Über den weiten Ozean in ihrem Rücken sind sie immer noch in Berührung mit den Rhythmen der grossen Schöpferkraft, während ihr Körper sich an der verankernden Gegenwart des festen Bodens klammern und auf ihm manövrieren kann. Zwischen dem Meer und dem Land pendelnd, schaffen sie es, an diesem turbulenten Treffpunkt zu gedeihen. Dieser Lebensraum erklärt am besten die schützende Hülle, die Seitwärtsgänge und die packenden Scheren. Krebse suchen im Wesentlichen Sicherheit, weil die Welt, die sie kennen, sich konstant verändert.

Das ist eine nützliche Information über Ihr Krebs-Haus. Ob es das 7. Haus der Beziehungen regiert, oder das 2. Haus des Geldes und der Ressourcen oder das 11. Haus der Freunde und Zukunftsträume, stellen Sie sich in diesen Bereichen ein symbolisches Ufer vor, einen Übergangsort zwischen zwei empfänglichen Elementen, Erde und Wasser. Wasser ist das Medium mütterlichen Nährens, die allererste Heimat. Es bindet die Psyche an unsichtbare Kräfte, an Dinge, die gefühlt aber nicht gesehen werden: Intuition, Erinnerung, Gefühle. Sie haben eine besondere Sensibilität für diesen Bereich Ihres Lebens, der von Krebs regiert wird, eine Achtsamkeit, die mehr bemerkt als das Offensichtliche. Dort sind auch Zyklen aktiv, ein Rhythmus, der sich unserer bewussten Kontrolle entzieht. Sie müssen sich entweder einstimmen und mitfliessen - oder gegen die Gezeiten kämpfen. Sie brauchen auch festen Boden unter den Füssen in diesem Haus, das Gefühl, dass sie verankert und sicher sind. Ihre Krebs-Planeten sehnen sich nach Sicherheit, sinnlichen Formen, der Freude an einem Dach, und der verzwickten Schönheit unterschiedlicher Gelände. Krebs bringt die Behaglichkeit von vertrautem Besitz - ebenso wie Kollisionen mit allem, was hart und widerständig ist. In Anbetracht der wechselnden Sogwirkungen von Wasser und Erde versteht man gut, welche tiefen Ängste dieses Haus bergen kann. Phasenweise kann Ihr Krebs-Haus ein unbehaglicher, unsicherer Ort sein.

Wie gut Sie mit diesem Haus umgehen können, hängt vom Rest Ihres Horoskops ab. Mit einem belasteten Mond und vielen Stellungen in Wasserzeichen, kann der chaotische Gefühlsstrudel innerhalb und ausserhalb von Ihnen Sie so verwirren, dass Sie unfähig sind, Ihre Bemühungen zu erden, und vergeblich nach Sicherheit und Form greifen. Wenn Sie zuwenig Wasser haben, könnten Sie Ihre Sensitivität verleugnen und Ihre Gefühle vor sich selber geheim halten. Die Verleugnung ist eine Möglichkeit, das Sichtbare unsichtbar zu machen und die Realität formlos. Nichtwissen kehrt das Geschenk der Göttin, die Intuition, um. Wenn Sie den Kontakt zu den Zyklen verlieren, können Sie diese unbewusst durch Launenhaftigkeit ausdrücken; sie fühlen sich hilflos gegenüber den wechselnden Umständen in sich selber. (Derjenige, der diese Gezeiten verursacht, ist sehr oft Ihr eigener Mond).

Im besten Fall kann Ihr Krebs-Haus ein enorm kreativer Bereich sein. Mit Geduld und Geschick können Sie das Unsichtbare auf unzählige Weise in eine Form locken. Sie können die zitternde, flatternde Bewegung des Geistes fühlen und in ein Gedicht packen, das für die Ewigkeit gemacht scheint. Sie könnten ganz banal spüren, dass jemand Trost braucht, und ihn anbieten. Sie könnten inuitiv eine ideale Gesellschaft erahnen und fest daran glauben, so dass die Welt sich schliesslich Schritt für Schritt danach richtet, wie bei Ghandi oder dem Dalai Lama. Was immer Ihre Vision oder Berufung auch ist, Sie haben die Fähigkeit, wahre Lebensprozesse zu kultivieren und zu nähren. Sie sind der Vogel, der weiss, dass ein Leben kommt und deshalb ein Nest zu bauen beginnt, Sie sind die Mutter, die Raum in Ihrem Bauch schafft.

Der wahre Krebs-Schatz

mourning doveKürzlich schickte mir ein Freund eine E-Mail, die eine so grosse Traurigkeit bei mir auslöste, dass ich eine Stunde Arbeitszeit verlor. Eine Sequenz von Fotografien zeigte eine Rötelschwalbe, die bei ihrem Flug über eine Strasse von einem Auto angefahren wurde. Der Gefährte der Schwalbe versuchte, sie aufzuheben und zu retten; schliesslich wurde ihm klar, dass seine Gefährtin tot war. Der Vogel trauerte. Wenn Pluto in den kommenden Jahren (Anm. der Red.: von 2008 bis 2024) in Opposition zu Planeten in Krebs steht, werden wir nicht nur bizarre Krebsgeschichten von achtfachen Müttern und 13-jährigen Vätern sehen, sondern noch viel mehr herzzerreissende Geschichten von Verlust, Obdachlosigkeit, Kindsmissbrauch und Hunger. Wir werden viele Gelegenheiten haben für Trauer und Kummer.

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind eine Krebssonne-Nation. Wir mögen es, uns als mitfühlende Beschützer der Welt zu sehen (lassen wir den Irak mal weg). Wir sind einfühlsam und sentimental. Hollywood weiss das und überlegt es sich gut, uns ein Happy End zu versagen. Es weiss, dass wir es hassen, unser Herz einem Menschen zu schenken, dem böse Dinge geschehen. Wir mögen es, das Kino in fröhlicher, triumphierender Stimmung zu verlassen. Der Dichter Robert Bly erklärte, dass Amerika die zweifelhafte Ehre erlangt habe, "die erste Kultur der konsequenten Verneinung in der Moderne" zu sein. Verneinung, sagt er, "ist die Unfähigkeit, die harten Tatsachen des Lebens zu sehen."[4]

Es wäre Verdrängung, wenn wir Krebs analysierten, ohne danach zu fragen, was mit dem unvermeidlichen Schmerz geschieht, den wir durch unsere Einfühlsamkeit erfahren. Nicht alle unserer Vorstellungen erfahren eine glanzvolle Geburt. Wie gross unsere Liebe auch sein mag, wir können nicht alles, was wir liebevoll umsorgen, beschützen. Auch was unter unserem Schutz gedeiht, wird an einem bestimmten Punkt über uns hinauswachsen. Wir selber mögen uns schmerzlich daran erinnern, jung und schutzlos gewesen zu sein unter den Fittichen von Eltern, die uns fachmännischer hätten lieben sollen (oder so ähnlich würden es Therapeuten sagen). Schlimme Dinge können geschehen und manchmal sind wir es selber, die schlimme Dinge machen. Nester können voller Alpträume sein. Alpträume sind die unerbittliche Kehrseite von krebsiger Abhängigkeit, von Bemuttertwerden und Bemuttern. Es ist der Schmerz, den der Dichter Andrei Voznesensky als "Dunkelmutterschrei" bezeichnete. "Dunkelmutterschrei ist.../ein Schrei aus dem Gefängnis oder ein Ruf um Hilfe... / Dunkelmutterschrei ist... /die Originalsprache der Muttersprachen... /Vergiss nicht - Rom fiel/es hatte den Dunkelmutterschrei nicht verstanden."[5]

Die Feinfühligkeit des Krebses ist herzzerbrechend - oder präziser gesagt, sie bricht unsere Herzen auf. Das Geschenk unseres dunkeln Schreis ist Mitgefühl, das die Welt verändern kann. Das ist die ultimative Bestimmung und Aufgabe des Krebses. Sie verlangt eine neue Beziehung zwischen männlich und weiblich - oder zwischen Intellekt und Gefühl. Herkules' Aufgabe mit der Kerynitischen Hirschkuh dient uns als Fahrplan für diesen Prozess. (Dass Herkules überhaupt seine Aufgaben erfüllen muss ist das Resultat seines eigenen Dunkelmutterschreis. Hera hatte ihn so wahnsinnig gemacht, dass er seine Frau und seine Kinder umbrachte; mit den 12 Arbeiten leistet er Abbitte für sein Verbrechen.) Herkules' Intellekt muss lernen zuzuhören. Das Jahr, das er mit dem Verfolgen der Hirschkuh verbringt, ist ein Training in Aufnahmefähigkeit. Auch wir müssen unsern Geist trainieren, damit er unsern Gefühlen und den unterschiedlichen Bewegungen unseres Herzens ohne Einmischung folgt, wohin sie auch immer führen.

Herakles VasenbildAber den Gefühlen nachzujagen ist nicht genug. An einem gewissen Punkt wird der Intellekt entführt. Er kreist um dieselben Geschichten, gefangen in alten Ängsten und Groll. Um diesen Bann zu brechen, muss das Tier sich fangen lassen. Es muss in seiner Verletzlichkeit dastehen und sich durchbohren lassen. Wir vermeiden unsere eigenen Verletzungen oft durch zweitrangige Gefühle wie Ärger oder Selbstmitleid. Aber uns unserem Ursprungsschmerz zu öffnen, ist ein entscheidender Schritt zu emotionaler Meisterschaft. Der Psychologe John Welwood schreibt:

"Wenn wir uns zum ersten Mal unserem Schmerz öffnen, fühlt es sich an, als ob wir bluten würden. Doch diese Art von emotionalem Bluten hilft uns, unser Herz zu wecken und unsere vitalen Energien, die geronnen sind, wieder zu zirkulieren zu lassen. Um unsern Schmerz auf diese heilende Art bewegen zu können, brauchen wir Bewusstsein, Mut und Behutsamkeit - um mit dem Schmerz zu sein und nicht den Schauergeschichten unseres Verstandes, wohin der Schmerz uns führen könnte, zu glauben." [6]

Wir müssen uns im Geist des Kriegers mit unserm Schmerz verbinden; das wird in dem Bild reflektiert, wo Herkules das verletzte Tier auf seinen Schultern trägt. Natürlich stösst er schnell auf Artemis. Etwas Göttliches wird geschehen. Er stammelt eine Erklärung. Er erzählt der wütenden Göttin von seinem Wahnsinn, seiner Frau und Kindern, den Aufgaben des Königs Eurytheus. Artemis ist berührt. Ihr Herz verströmt Sympathie und Mitgefühl. Sie heilt das Tier und lässt den Helden seine Aufgabe vollenden. Sie führt Einfühlungsvermögen vor - eine göttliche Kraft, die wir erwecken, wenn wir Zugang zu unserem Schmerz haben. Empathie ist der wahre Schatz unseres Krebs-Hauses. Ich vermute, dass wir eine Menge davon brauchen werden in den uns bevorstehenden Jahren der Umgestaltung.


  1. by Rick Fields; see http://www.dzogchen.org/teachings/www/20000606.htm
  2. Harriett Augusta Curtiss, "The Twelve Labors of Hercules According To Occultism," excerpted from Key of Destiny (Kessinger Publishing's Rare Reprints).
  3. Warren Berger, "Lost in Space," Wired, February 1999, S. 76 - 81.
  4. Robert Bly, in The Rag and Bone Shop of the Heart, A Poetry Anthology, Robert Bly, James Hillman and Michael Meade, editors, HarperPerennial 1993, S. 195
  5. Andrei Voznesensky, "Darkmotherscream," translated by Robert Bly and Vera Dunham, in The Rag and Bone Shop of the Heart, A Poetry Anthology, S. 208.
  6. John Welwood, Journey of the Heart (HarperCollins, 1990), S. 82.

Übersetzt aus dem Englischen von Trudy Baumann

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