Mondphasen-Zyklus (9)

Der balsamische Mond

fairy taleDenken Sie einmal an einen besonders anstrengenden Tag zurück. Wissen Sie noch, wie gut es sich anfühlte, sich am Abend müde ins Bett fallen zu lassen, das Licht auszuknipsen und das Geplapper der eigenen Gedanken abzuschalten? Erinnern Sie sich, wie angenehm es am nächsten Morgen war, erfrischt und voll neuer Kraft aufzuwachen? Wie ihre Probleme wieder auf ihre wahre Größe geschrumpft, ihr Optimismus und ihre Hoffnung über Nacht gewachsen waren? Als letzte Phase im Mondzyklus ist die des balsamischen Mondes die "Schlafenszeit". Während der drei oder vier Tage dieser Phase wird die körperliche und geistige Kraft erneuert, um uns für den Neustart in die nächste Neumondphase zu stärken. Nur wenige verzichten auf ihren nächtlichen Schlaf, und dennoch ziehen die meisten Menschen aus der zyklischen Ruhephase des balsamischen Mondes keinen Nutzen. Doch wenn Sie nur eine Mondphase in jedem Mondzyklus beachten können, dann sollte es diese sein.

Der balsamische Mond beginnt mit dem abnehmenden Sonne-Mond-Halbquadrat. Der Mond ist eine schmale Sichel, die 45° hinter der Sonne steht. Der Mond geht in den frühen Morgenstunden vor der Sonne auf, wenn die meisten von uns noch tief schlafen und wir uns im Theater unserer lebhaftesten Träume befinden. Die Prozesse der rechten Gehirnhälfte haben jetzt ihre Hochphase – vom Vollmond angefangen nehmen sie ständig zu. Unser Instinkt und unsere Intuition laufen auf Hochtouren. Ruhe ist absolut notwendig. Selbst in den Wachstunden arbeiten wir in der balsamischen Zeit innerlich fast so intensiv wie in der Traumzeit, wenn das Unbewusste unsere Erfahrungen sortiert und katalogisiert, wenn es gegen widersprüchliche Impulse ankämpft oder sie integriert, unser Reservoir an Gefühlen klärt und Botschaften der inneren Führung entgegennimmt.

Unsere physische Energie ist entsprechend niedrig, und unsere psychische Energie hoch. Wir stehen an der Schwelle zu etwas Neuem, wir beenden den einen Zyklus, während wir den nächsten, der bereits auf uns wartet, schon vorausahnen. Es ist möglich, dass wir in Bewegung kommen wollen, doch unser Körper ist müde. Unsere Klarheit und unser Fokus nehmen ab, wie der Mond selbst, der jeden Morgen dünner und schwächer wird, bis er endlich völlig im Glanz der Sonne verschwindet. Das ist die Zeit des dunklen Mondes. Einen Großteil der Zeit wissen wir nicht, ob wir noch etwas beenden oder uns schon in der Zukunft befinden, ob wir wirklich etwas vorausahnen oder einfach nur träumen. Aus diesem Grund eignet sich diese Zeit besser für die Innenschau als für aktives Handeln. Ohne die winterliche Ruhe können die Samen für den Frühling (oder für den Neumond) nicht heranreifen.

Wenn Sie dieses Übergangsstadium beunruhigend finden, dann stellen Sie sich einmal vor, was es heißen muss, während der Phase des balsamischen Mondes geboren zu werden, in ein Leben, das sich zwischen Abschieden und Neuanfängen bewegt. Wie meine zum balsamischen Mond geborene Freundin, die Astrologin Maria Maggi, sagt: "Für uns balsamische Typen ist es schwierig, die Details der Manifestation wahrzunehmen, weil wir so beschäftigt damit sind, allen durch die Krisen des Loslassens zu helfen. Mein ganzes Leben lang bin ich immer genau dann auf einer Party angekommen, habe einen Job angetreten, eine Beziehung begonnen, bin in eine Nachbarschaft gezogen, habe ein Studium aufgenommen oder was auch immer, wenn dort gerade eine unwiderrufliche Übergangsphase anbrach. Ich dachte früher jedes Mal: 'Warum immer ich?' Aber jetzt nehme ich die Aufgabe einfach an und helfe denen, die daran verzweifeln, einen größeren Überblick über die Gesamtsituation zu bekommen. Und manchmal lasse ich mich einfach mit den Wellen treiben und bin neugierig darauf, wie es sein wird, am Strand zu landen."


"Der balsamische Mond beginnt mit dem abnehmenden Sonne-Mond-Halbquadrat. Der Mond ist eine schmale Sichel, die 45° hinter der Sonne steht. Der Mond geht in den frühen Morgenstunden vor der Sonne auf, wenn die meisten von uns noch tief schlafen und wir uns im Theater unserer lebhaftesten Träume befinden. Die Prozesse der rechten Gehirnhälfte haben jetzt ihre Hochphase – vom Vollmond angefangen nehmen sie ständig zu. Unser Instinkt und unsere Intuition laufen auf Hochtouren. Ruhe ist absolut notwendig. Selbst in den Wachstunden arbeiten wir in der balsamischen Zeit innerlich fast so intensiv wie in der Traumzeit, wenn das Unbewusste unsere Erfahrungen sortiert und katalogisiert, wenn es gegen widersprüchliche Impulse ankämpft oder sie integriert, unser Reservoir an Gefühlen klärt und Botschaften der inneren Führung entgegennimmt."


Einige Astrologen sagen, dass zum balsamischen Mond geborene Menschen karmisch gesehen ein Leben führen, in dem sie einiges zu Ende führen müssen, was in vorherigen Inkarnationen unerledigt geblieben ist. Unter welcher Mondphase auch immer wir geboren werden, wir alle haben die Aufgabe, uns mit vergangenem Karma zu beschäftigen und falsche Fußabdrücke, die wir im Laufe vergangener Leben hinterlassen haben, wieder auszuwischen. Was die Mondphasenexpertin Demetra George über den balsamischen Mond in dieser Hinsicht sagt, überzeugt mich allerdings sehr. Sie sagt, dass Menschen mit diesem Mond häufig eine Reihe von intensiven, kurzlebigen Beziehungen durchlaufen. Dies seien Wiedersehen mit Partnern aus vergangenen Leben, bei denen die karmischen Waagschalen eines Ausgleichs bedürften. Wenn dies dann tatsächlich geschehe, wie nachvollziehbar oder mysteriös auch immer, könne sich die Beziehung so plötzlich auflösen wie sie angefangen habe.

Ich habe meine balsamischen Freunde und Klienten befragt, und viele von Ihnen kennen dieses Muster tatsächlich. Natürlich lautet ihre (im Allgemeinen traurig klingende) Frage dann meist: "Bedeutet das, dass ich niemals eine langfristige Beziehung führen kann?" Ich beruhige sie dann damit, dass ich auch Menschen mit balsamischem Mond kenne, die sehr lange Partnerschaften führen. Anscheinend kann die Lektion des Loslassens, Ausleerens und des Friedenschließens mit der Vergangenheit in vielerlei Kontexten gelernt werden – genau so wie die Macht, eine neue und bessere Zukunft zu erschaffen, sobald das Alte losgelassen ist.

Menschen mit balsamischem Mond haben eine starke Zukunftsorientierung. Sie sind ihrer Zeit häufig voraus, wie ein Kind, das die Skateboardtricks schon lange beherrschte, bevor Tony Hawk sie populär gemacht hat. Das bedeutet nicht, dass Menschen mit balsamischem Mond wissen, was passiert. Sie sind im Allgemeinen noch verwirrter als alle anderen, wenn es darum geht. Wohlmeinende Astrologen könnten auf die Idee verfallen, ihnen mit inspirierender Kristallkugel-Arbeit helfen zu wollen. Aber diese Vorgehensweise untergräbt den mysteriösen Prozess der zum Dunkelmond Geborenen eher.

Die Instinkte dieser Menschen sind wahrscheinlich ohnehin besser als die jedes Astrologen. Doch anstatt die Zukunft zu benennen, müssen sie sie leben und ihren Weg unterwegs erfühlen. Fragen Sie einen Menschen mit einem balsamischen Mond einmal, wie er die größten Veränderungen seines Lebens gemeistert hat, und er wird Ihnen wahrscheinlich sagen: "Es ist einfach passiert" oder "Ich bin da so reingeraten." Sie lassen sich mit den Wellen treiben bis sie am Strand landen. In diesem Zugang liegt jedoch nichts Passives. Es ist eine tiefere Form der Intelligenz, von der der Verstand nichts weiß.

Wie funktioniert diese Intelligenz aber nun? Wir könnten einen Hinweis aus einer Studie erhalten, die kürzlich durchgeführt wurde.[1] Die Teilnehmer wurden gebeten, das Wetter in einer computersimulierten Welt vorherzusagen, als Grundlage diente die Kombination einiger Hinweise. Nach 50 Versuchen mit Feedback zur Richtigkeit der Ergebnisse sollten die Versuchsteilnehmer bestimmen, ob ein bestimmtes Trio von Zeichen Regen oder Sonnenschein bedeutet. Die Forscher hatten das Programm dergestalt entwickelt, dass die Vorhersagen bestimmten Regeln folgen, allerdings mit so komplexen Wahrscheinlichkeitsfunktionen, dass selbst die cleversten Versuchsteilnehmer es nicht durch Logik allein herleiten konnten. Dennoch lagen die meisten Versuchsteilnehmer in 70 Prozent aller Fälle richtig. Keiner konnte erklären, wie sie es machten. Sie "wussten es einfach", hatten ein Gefühl für die Szenarien entwickelt und lösten das Rätsel jenseits der Begrenzungen gewöhnlichen Denkens.

Balsamische Intelligenz funktioniert möglicherweise ähnlich. Wenn zum balsamischen Mond geborene Menschen tatsächlich "alte Seelen" sind, die die losen Enden von mehreren Leben miteinander vertäuen, dann verfügen sie womöglich über eine so beeindruckende Datenbank von Erfahrungen aus vergangenen Leben in ihrer unbewussten Erinnerung, dass sie sich sicher geführt fühlen, wenn auch auf eine Art und Weise, die sie nicht erklären können. Eine andere Möglichkeit, die vielleicht rational schwerer zu erfassen, doch nicht weniger plausibel ist, besteht darin, dass die Nähe zur Zukunft diesen Menschen einen ausgeprägteren Sinn dafür verleiht. So treffen sie vielleicht instinktiv Entscheidungen oder ziehen Gelegenheiten an, die in die richtige Richtung führen. Ob es nun das Wissen über die Vergangenheit oder die Zukunft ist oder gar beides – Menschen mit balsamischem Mond haben ein Talent, im Dunkeln zu arbeiten.

RapunzelAuch Künstler können auf diese Art und Weise arbeiten. Wie Justin Spring über die Kunst des Malens schreibt: "Ich denke, es ist unmöglich, nicht irgendeine Art von Form zu erhalten, wenn man nicht darüber nachdenkt. Wenn man darüber nachdenkt, kommt möglicherweise etwas Chaotisches dabei heraus. Wenn man aber nicht darüber nachdenkt, erhält man eine Form."[2]

Das ist auch das Geheimnis für die Tage des balsamischen Mondes. Um dem kommenden Mondzyklus eine Form zu verleihen, sollte man während des Dunkelmondes nicht zuviel denken oder tun, sondern sich lieber ausruhen und träumen. Überlassen Sie Ihrer Intuition die Führung. Die Belohnung ist eine Erneuerung Ihrer Kreativität – so sicher wie der Sonnenaufgang.

Rapunzels Traum
"Wann ist es vorbei?", so lautet immer die erste Frage von jemandem, der erfährt, dass er sich in der Progression in der balsamischen Mondphase befindet. Gleichgültig, wie farbenfroh ich die Vorteile dieser Phase beschreibe, die Klienten sehen darin eine kahle Landschaft, eine drei- bis vierjährige Gefängnisstrafe, in der man alles verliert und nichts gewinnt. Ich kann es an ihren Augen erkennen: Ganz plötzlich bin ich die Hexe, die Rapunzel zu einem Turm ohne Tür und Treppe entführt, wo nichts weiter wachsen kann als das Haar. Ich sage ihnen jedes Mal, dass dies die spirituell reichste Zeit ist. Und ich sage ihnen auch, dass ich am Ende meiner progressiven balsamischen Phase mit einer Art Nostalgie darauf zurückgeblickt habe. Ich spreche ihnen gut zu: "Das wird Ihnen auch so gehen", doch es ist ein schweres Brot, dies zu vermitteln.

Sich balsamisch zu verhalten, entspricht nicht unserem kulturellen Hintergrund. Wir haben Angst vor Verlust. Alles, was nicht endloses Wachstum ist, erscheint uns unvorteilhaft. Der Abwärtsbogen von Zyklen ist in der Tat schwierig. Doch sich vor der balsamischen Phase zu fürchten, bedeutet, die Arznei abzulehnen, die uns beim Gesundwerden helfen kann. Diese Mondphase ist eine tiefe Initiation in das Verstehen von Zyklen, ähnlich wie Menstruationshütten oder Mondhütten, wie sie vor langer Zeit existierten, als Frauen zum Dunkelmond menstruierten und sich für diese Zeit aus dem Alltag ihres Stammes zurückzogen. Im Schutz und Schoß der Hütte gaben sie sich ihren Visionen hin, erneuerten ihre Kräfte und kehrten dann inspiriert zu ihrem Stamm zurück, ausgestattet mit der Fähigkeit, auch andere zu inspirieren. Heutzutage jedoch wird die Menstruation oft als "Fluch" betrachtet. Und das Gleiche gilt dann auch für die balsamische Phase.

Sowohl der Menstruationszyklus als auch der Mondzyklus regulieren unsere Kreativität. Ein menstruierendes Mädchen wird in ihre weibliche, kreative Kraft initiiert, in ihre Fähigkeit, Leben zu schenken. Und auf eine ähnliche Art ermöglicht uns der Dunkelmond künftige Kreativität. Wenn wir auf die unglückliche Rapunzel zurückkommen, die zum Zeitpunkt ihrer ersten Menstruation mit zwölf Jahren isoliert in ihrem Turm sitzt, dann werden wir sehen, dass uns ihre Geschichte Einblicke in diese zyklischen Mysterien verleiht. Immer wenn ein Märchen mit einem kinderlosen Ehepaar beginnt, so wie dieses, dann können wir davon ausgehen, dass wir etwas Geheimnisvolles darüber erfahren, wie es zu Wachstum kommt.

witch stampIn dieser Geschichte lebt ein kinderloses Paar in der Nachbarschaft einer mächtigen und von allen gefürchteten Hexe. Ihr Garten ist jedoch unglaublich grün, dort wachsen Zuckererbsen, Sonnenblumen, Bohnen und Rapunzel, eine leckerer weißer Salat, der nach Walnüssen schmeckt. Die Frau des Ehepaares entwickelt einen solchen Appetit auf diesen Salat, dass ihr Mann ihr erst eine handvoll, später mehr davon stiehlt. Die Hexe erwartet ihn schon. "Ein Diebstahl bedingt den anderen. Nimm dir so viele Rapunzeln wie du willst. Ich jedoch werde mir das Kind nehmen, das deine Frau unter ihrem Herzen trägt und von dem sie noch nichts weiß."

Die erste Regel ist ganz offensichtlich: Bleib in deinem eigenen Garten, gleichgültig wie unfruchtbar er dir erscheinen mag. Wenn die Kreativität in den Untergrund abtaucht, das Verlangen jedoch noch blüht, dann möchten wir uns davonstehlen in eine reizvollere, aufregendere Welt. Menschen, die sich in der progressiven balsamischen Phase befinden, werden häufig von Teilnahmslosigkeit geplagt. Sie haben keine spannenden Pläne, an deren Umsetzung sie arbeiten können. Sie sagen möglicherweise, dass sie das Interesse an allem verloren haben. Sie haben Appetit auf etwas Leckeres aus dem Garten von jemand anderem. Sich jedoch von dem eigenen Grund und Boden abzuwenden, wäre ein Verstoß gegen einen tiefer liegenden Wunsch – die Geburt, die zwar noch nicht sichtbar, aber doch schon auf mysteriöse Art und Weise in die Wege geleitet ist.

Ich habe vor kurzem einen Ausflug mit der Bahn entlang der Pazifikküste gemacht. Mir fiel der lebhafte Unterschied der Häuser entlang der Bahnstrecke ins Auge. Viele waren sehr ordentlich, frisch gestrichen, mit grünen Gärten voller Blumen. Aber viele hatten auch Höfe voll von Altwaren, rostigen Schubkarren und zerbrochenen Fensterscheiben. Andere waren völlig verlassen. Als ich aus dem Fenster meines Schlafwagens schaute, erblickte ich den balsamischen Mond, eine helle Sichel am Himmel, kurz vor der Dämmerung. Vielleicht war es ihr Einfluss, der mich zu meinem nächsten Gedanken führte: Was die schönen Gärten so üppig machte, war nicht etwa der treibende Wunsch ihrer Inhaber nach unablässigem Wachstum. Es war eher so etwas wie reife Weisheit, die darum wusste, wann man es langsam angehen und loslassen muss, wann man aufhören muss, Neues anzulegen und das zu pflegen, was da ist.


"Sich balsamisch zu verhalten, entspricht nicht unserem kulturellen Hintergrund. Wir haben Angst vor Verlust. Alles, was nicht endloses Wachstum ist, erscheint uns unvorteilhaft. Der Abwärtsbogen von Zyklen ist in der Tat schwierig. Doch sich vor der balsamischen Phase zu fürchten, bedeutet, die Arznei abzulehnen, die uns beim Gesundwerden helfen kann. Diese Mondphase ist eine tiefe Initiation in das Verstehen von Zyklen, ähnlich wie Menstruationshütten oder Mondhütten, wie sie vor langer Zeit existierten, als Frauen zum Dunkelmond menstruierten und sich für diese Zeit aus dem Alltag ihres Stammes zurückzogen."


Ohne dieses Wissen erschöpft sich das Leben und kann nicht weitergehen. Das führt dann zu Verwahrlosung, übermäßigem Wachstum, zu Nutzlosigkeit oder zum Zerfall. Bei den Eigentümern der zerfallenen oder verwahrlosten Häuser hatte ich eher das Gefühl, dass sie zuviel hatten als dass es ihnen an Ehrgeiz gefehlt hätte. Sie haben sich übernommen. Sie kannten das Geheimnis des Dunkelmondes nicht, wie unsere Hexe es kennt. Sich immer etwas zu wünschen, ist unnatürlich.

Die Hexe bringt die Dinge einfach nur ins Lot. Die Mutter muss mit ihrer Vergangenheit aufräumen; Rapunzel ist die Erneuerung, die auf sich warten lässt. Jeden Monat lässt eine menstruierende Frau die Auskleidung ihrer Gebärmutter los, die das beim letzten Eisprung erzeugte Ei nähren sollte. Eine parallele Vorgehensweise für den monatlichen Dunkelmond würde bedeuten, Schubladen und Schränke durchzugehen und alles wegzuwerfen, was nicht länger gebraucht wird, sich von den eigenen Anhaftungen zu lösen und Raum für das Wachstum eines neuen Selbst zu machen. Dabei kann durchaus Trauer hochkommen – wenn man ein altes Paar Schuhe wegwirft oder einen Pullover, den man einmal günstig erworben und nie getragen hat. Noch schwieriger ist es mit alten Fehlern abzurechnen, mit verlorenen Hoffnungen oder Liebe, die nie wahr wurde. Wir müssen diesen Schmerz fühlen. Blockierter Kummer ist eine Energie, die unser Körper festhält und die sich dann als Krankheit manifestiert und den Tod schneller herbeiruft. Der Boden mag uns zwar karg erscheinen, doch wir schaffen erneut ein fruchtbares Feld. Und wir üben uns in Geduld und in Mut.

Wie schwierig es auch sein mag, diese Arbeit hat auch etwas Anziehendes. Es werden häufig neue Ideen und ein neuer Enthusiasmus geboren, wie der Prinz, der seine Hände nicht von Rapunzel lassen kann, die so einladend in ihrem Turm im Wald sitzt. Sie treffen sich heimlich, immer wieder. Doch die Hexe findet es heraus: "Es ist zwar eine Zeit der Träume – aber du hast es übertrieben!" Sie schneidet Rapunzels Haar ab und verbannt die Schwangere in die Wildnis. Der Prinz springt vor Kummer von Rapunzels Turm herunter und erblindet durch einen Brombeerstrauch. Doch die beiden treffen sich wieder – nach einer langen Zeit traurigen Umherwanderns.

Ihr Schicksal hält eine Warnung für uns bereit: Wer die Zyklen ignoriert, tut dies auf eigene Gefahr. Wenn man zum falschen Zeitpunkt handelt, dauert alles länger. Ich kenne Geschichten von Freunden und Klienten, die sich geweigert haben, auf ihre progressive balsamische Phase Rücksicht zu nehmen. "Langsamer machen? Dazu habe ich zu viel zu tun!" Und dann zogen sie sich völlig unerwartet eine ernsthafte Krankheit zu oder wurden in einen Unfall verwickelt, was sie dazu zwang, innezuhalten und eine Weile gar nichts zu tun. Das ist die Hexe, die alles wieder ins Lot bringt.

Was das alte Weib uns lehrt
Die Hexe im Märchen ist generell unbeliebt. Und so ergeht es auch Menschen mit magischen Kräften häufig, wie die Magier in verschiedenen Stämmen, die tagsüber um Hilfe gebeten werden, während man ihnen nachts nachsagt, sie würden ihre heilenden Zauberkräfte wieder rückgängig machen. Weise Menschen leben oft abseits von denen, denen sie helfen, im Herzen des Waldes. Sie leben im Einklang mit den Rhythmen der Natur, in einem gewissen Abstand von der gesellschaftlichen Welt. Ihre Mystik sagt etwas über unsere Unwissenheit aus. Im modernen Sprachgebrauch wird die weise alte Frau immer noch als "alte Hexe" bezeichnet – es ist immer noch die gleiche Angst. "Das schlimmste am Altwerden," meinte kürzlich meine Freundin, die sich schon jenseits der Menopause befindet, "ist, dass einen niemand mehr anschaut. Wenn ich durch den Supermarkt gehe, ist es, als wäre ich gar nicht da."

wise womanDie Phasen des Mondes werden häufig mit den Phasen im Leben einer Frau verbunden. Der abnehmende Mond, insbesondere die balsamische Phase, gehört zur alten Frau, zum alten Weib. Wir sollten sie lieber verehren anstatt sie als nicht existent zu betrachten. Sie vergießt ihr Blut nicht länger, sondern behält ihre Kraft bei sich. Sie hat mehr Zeit für sich selbst, etwas sehr Wertvolles. Frei von den Verpflichtungen der Jahre ihrer Kindererziehung kann sie es sich jetzt aussuchen, wen sie wann nähren will. Ihre Weisheit und ihre Erfahrung sind Geschenke - wenn wir ihr nur zuhören würden.

Was möchte die alte Frau uns lehren? Was erzählte sie Rapunzel täglich, wenn sie zu ihr nach oben geklettert war? In keiner Version des Märchens, die ich je gelesen habe, steht viel darüber geschrieben. Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund, warum viele spirituelle Traditionen nicht ihre gesamte Esoterik veröffentlichen. Die höchste Lehre muss von Person zu Person übermittelt werden, vom Meister zum Lernenden, an einem geheimen Ort. Wir müssen richtig eingeweiht werden. Und was ein Lernender zu hören bekommt, kann für einen anderen ganz anders ausfallen. Ein Teil jeder Reise zur Weisheit ist notwendigerweise sehr persönlich.

Nachdem ich durch meine eigene progressive Phase des balsamischen Mondes gegangen bin, kann ich die Logik erkennen, die darin liegt, dass seine Lehre ein Mysterium bleibt. Es war eine sehr tiefe Erfahrung, aber es hört sich seltsam an, darüber zu sprechen, fast schon trivial. Das ist wie diese Geschichten von Eingeweihten, die einen erleuchteten Meister aufsuchen, dafür Berge erklimmen und unglaubliche Härten aushalten, nur um dann die Höhle des Meisters zu erreichen, der ihnen sagt: "Im Leben geht es darum, jeden Abend seine Socken zu waschen."

Was habe ich in meiner balsamischen Phase gelernt? Ich habe gelernt, was es wert ist, im Bett zu bleiben und mir die Decke über den Kopf zu ziehen. Ich habe gelernt, Dinge auf ineffiziente Art und Weise zu erledigen, geradezu lächerliche Umwege zu machen, nur damit schließlich alles ganz einfach und leicht vonstatten geht. Ich habe gelernt, dass sich mein altes Selbst schneller entwirrt, wenn ich mich langsamer bewege. Ich habe jetzt eine Ahnung davon, warum ein guter Geschichtenerzähler nichts darüber sagt, was Rapunzel von dem alten Weib gelernt hat!

Es sind mittlerweile schon ein paar Jahre vergangen, und ich bin jetzt in der Phase meines progressiven Erstviertelmondes. Wie Rapunzel, deren Wanderjahre nun vorüber sind, die ihre Kinder aufzieht und für ihren Prinzen kocht, so ist auch das, was ich einst verstanden hatte, wieder aus meinem Blickfeld verschwunden. Vielleicht kommt es zurück, wenn ich selbst eine alte Frau bin. Während der Phase meines progressiven balsamischen Mondes war es irgendwie einfacher, ganz im Moment zu sein, das Heilige in den Kleinigkeiten wahrzunehmen. Ich habe dies nie von meinen Großmüttern gelernt. Beide starben, noch bevor ich fünf Jahre alt wurde. Wie so viele andere muss ich meine alten Frauen dort finden, wo ich kann; und diese Gelegenheiten sind selten. Vielleicht ist das der Grund, warum die nun folgende kurze Begegnung zum Zeitpunkt des balsamischen Mondes mir immer in Erinnerung bleibt.


"Ich habe mir häufig gewünscht, eine alte Frau zu haben, die mir etwas über die Mondphasen beibringt. Ich habe ein paar Fakten in Büchern gefunden, doch es dauerte Jahre, bis ich diese paar Sätze wirklich begriff. Ich will einiges von dem, was ich gelesen habe, mit Ihnen teilen, auch wenn es trivial klingt, so wie der Zenspruch: "Hacke Holz und hole Wasser." Laut der alten Zen Parabel ist es das, was wir vor der Erleuchtung tun. Und es ist das, was wir danach tun. Mit anderen Worten: Erleuchtung ist nichts Umwerfendes. Der Mond will uns womöglich genau das Gleiche sagen."


Ich stand draußen an einem großen Obststand bei den Kirschen und suchte mir gerade meine Kirschen entsprechend meines Jungfrau-Aszendenten aus, jede einzeln, als ich eine Großmutter mit ihrer Enkelin wahrnahm. Die alte Frau hatte wildes, weißes Haar, das wahrscheinlich mit einem Besen gebürstet worden war. Sie trug ein Kleid mit riesigen Blumen auf ihren breiten Hüften und ihrem runden Bauch. Sie hielt ihre Enkelin an der Hand und sagte ihr: "Schau einmal, so geht das. Nimm dir eine Handvoll, ganz locker, und dann schüttel deine Hand vor und zurück. Siehst du, nur die reifen Kirschen bleiben drin liegen." Ich versuchte es. Es funktionierte. Nur die süßesten, reifsten Kirschen blieben in meiner Hand. Ich hatte in diesem Augenblick nicht nur den Wunsch, den beiden über den ganzen Obststand zu folgen, um mehr zu lernen, sondern ich hatte auch Tränen in meinen Augen.

Ich habe mir häufig gewünscht, eine alte Frau zu haben, die mir etwas über die Mondphasen beibringt. Ich habe ein paar Fakten in Büchern gefunden, doch es dauerte Jahre, bis ich diese paar Sätze wirklich begriff. Ich will einiges von dem, was ich gelesen habe, mit Ihnen teilen, auch wenn es trivial klingt, so wie der Zenspruch: "Hacke Holz und hole Wasser." Laut der alten Zen Parabel ist es das, was wir vor der Erleuchtung tun. Und es ist das, was wir danach tun. Mit anderen Worten: Erleuchtung ist nichts Umwerfendes. Der Mond will uns womöglich genau das Gleiche sagen.

Beim abnehmenden Mond: Hacke Holz. Das ist wörtlich zu nehmen. Holz, das nicht brennt, ist zu feucht und wurde zur falschen Mondphase geschlagen. Wenn der Mond abnimmt, geht die Lebenskraft in den Untergrund, die Wurzeln, in die Erde. Die Säfte ziehen sich zurück. Das Holz der Bäume ist dann trockener und eignet sich besser zum Brennen. Früchte sind weniger saftig, nicht so geschmackvoll, aber eignen sich gut zum Einkochen; sie verderben dann nicht so schnell. Auch unser Körper ist zu dieser Zeit trockener, hält weniger Flüssigkeit zurück. Es ist eine gute Zeit, zu entgiften. Deshalb: Hole Wasser. Und trinke es!

towerEine Gärtnerweisheit besagt, dass sich die Erde bei abnehmenden Mond zurückzieht, die Energie in sich zurücknimmt, fort von den Dingen, die sich über der Erde befinden. Nach dem Neumond beginnt die lange Phase des Ausatmens, wo sie Energie aussendet, um alles zu stärken, was wächst. Doch jetzt geht sie eben nach innen, das Gleichgewicht zwischen Ausatmen und Einatmen. Um ihrem Rhythmus zu folgen, sollten wir unsere Projekte nach dem Vollmond zu Ende bringen und es vermeiden, neue Dinge vor dem Beginn des nächsten Zyklus anzufangen.

Ich habe bereits gesagt, dass wir zum Dunkelmond ausruhen sollten. Doch im Allgemeinen tun wir das nicht. Aus diesem Grund nennt ein Astrologe und Freund von mir diese Phase den "Jammermond". Wann gibt es schon einmal eine Zeit, wo uns kein Projekt ruft? Was sollen wir mit uns anfangen, wenn es keine Zeit ist, um zu wachsen und etwas aufzubauen? Wie können wir in unserem ruhelosen Streben innehalten?

Wir könnten damit anfangen zu erkennen, dass es einige Dinge gibt, von denen wir gar nicht wollen, dass sie wachsen. Mähen Sie Ihren Rasen doch einmal bei balsamischem Mond, und er wird nicht so schnell wieder wachsen. Das Gleiche gilt für Unkraut und Fingernägel. Wenn Sie wollen, dass Ihr Haarschnitt länger hält, legen Sie Ihren Friseurtermin ebenfalls auf den abnehmenden Mond – auch das Haar wächst danach langsamer. Sie können auch Ihre Bäume und Büsche zurückschneiden. Da die Säfte nicht in den Zweigen stecken, verlieren die Pflanzen dabei auch weniger Energie. Chirurgische Eingriffe sind weniger traumatisch, der Blutverlust geringer – zur Neumondphase beschleunigt sich die Heilung.

Ich denke, der abnehmende Mond hat sich den Morgenhimmel aus gutem Grund ausgesucht. Von dort aus kann er schauen, wie wir unseren Tag beginnen – dann, wenn wir am meisten der Ermutigung bedürfen, das zu tun, was ansteht. Hacke Holz, sagt er dann, oder hol Wasser. Mach eine Krimskramschublade leer, räum eine Ecke deiner Garage aus. Finde dich selbst in den kleinen Details. Geh nach innen. Achte auf dich.


  1. Die von den Forschern Barbara Knowlton, Jennifer Mangels und Larry Squire durchgeführte Studie wird diskutiert in: A General Theory of Love by Thomas Lewis, Fari Amini, and Richard Lannon (New York: Vintage Books, 2001), S. 107-108.
  2. Zitat aus: Gail Sher, The Intuitive Writer, (New York: Penguin Compass, 2002), S. 64.

MOONPRINTS von Dana Gerhardt

Die Leser der amerikanischen Astrologiezeitschrift "The Mountain Astrologer" schätzen diese wunderbare Deutung schon seit über 20 Jahren. Moonprints beschäftigt sich tiefgehend mit den Hintergründen Ihres Gefühlslebens. Sie erhalten neue Einblicke in den Mond des Geburtshoroskops - seine Phase, das Zeichen, Aspekte und sein Haus. Entdecken Sie Ihren Lebenssinn, versteckte Talente und Gefahrenzonen durch die Mondknoten. Nutzen Sie den Mond, um sich selbst in den Rhythmen der Zeit zu verankern - durch Transite zum Mond, Ihre progressiven Mondzeichen und -häuser, Daten für zwei progressive Mondzyklen, plus einen Jahreslauf der Neu- und Vollmonde durch Ihr ganzes Horoskop. Sie werden jede Seite dieser Deutung lesen wollen, die sowohl Anfänger als auch fortgeschrittene Astrologielernende anspricht. Die Deutung ist auch in einer deutschen Übersetzung bei Sabine Bends erhältlich.

Zur deutschen Ausgabe von Moonprints

Übersetzt aus dem Englischen von Sabine Bends

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