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Die zwölf Arbeiten des Herkules: Wassermann

Von Dana Gerhardt

Wassermann

Es war offensichtlich, dass Augias der Sohn der Sonne war. Seine fesselnden Augen funkelten mit der göttlichen Verwegenheit seines Vaters. Als lockenköpfiger Prinz, der er war, hatte Augias große Pläne. Angefangen hat er mit einer bescheidenen Rinderherde, aber er plante eine Zukunft, die reicher war, als irgendein Sterblicher es sich vorstellen konnte. Bis zu seinen mittleren Jahren, inzwischen König geworden, hatte er so viele Rinder, Pferde, Ziegen und Schafe angesammelt, dass niemand sie mehr zählen konnte. Wenn König Augias in den Spiegel schaute, sah ihm ein großer Mann entgegen. Dennoch gab es ein paar Kleinigkeiten, die er übersehen hatte. Zum Beispiel hatte er es vernachlässigt, die königlichen Ställe ausmisten zu lassen. Nach Jahrzehnten war der Mist-Gestank so undurchdringlich geworden, dass er die ganze Halbinsel durchströmte. Das Königreich war so überdüngt, dass die Saat schon nicht mehr aufgehen wollte. Hunger und Seuchen überschwemmten das Land. Im Winter seines Lebens musste der König hilflos zusehen, wie sein Vermächtnis dahinschwand.

Wenn der Tierkreis bei Steinbock aufhören und Wassermann nie erreichen würde, ginge die Welt auf diese Weise zugrunde. Steinbock-Könige träumen von Großem. Sie erreichen wichtige Ziele und schaffen eindrückliche Gebilde. Sie machen die Regeln, lenken den Fluss des Handels und erhalten den Status quo. Aber selbst große Baumeister haben ihre blinden Flecken. Da sie die unbeabsichtigten Folgen ihres Lebenswerks nicht wahrnehmen, übersehen sie vielleicht die Abfallprodukte und die Auszehrung ihrer Ländereien, die düstere Trägheit ihres Ehrgeizes und ihrer Gier. Steinbock-Könige bleiben unweigerlich in ihren eigenen Ideen stecken nd können ihre Autorität nicht abtreten. Kreativität ist matt gesetzt. Die Probleme häufen sich. Zum Glück bringen uns die Begrenzungen des einen Zeichens zu den Gaben des nächsten. Also führt uns Steinbock zum Genius des Wassermanns. Selbstlos, fortschrittlich und unkonventionell - so bringt Wassermann den Bewusstseinssprung, der unsere Welt davor bewahrt, hoffnungslos im alten Mist zu versinken.

Für jede seiner zwölf Aufgaben nutzt Herkules die Methoden und Talente des entsprechenden Tierkreiszeichens. Für seine Wassermann-Aufgabe stellt er sich König Augias als Außenseiter vor: ein kühner und ungewöhnlicher Fremder, der begierig darauf ist, das Königreich zu retten. "Ich mache deine Ställe in nur einem Tag sauber", verspricht er. "Zu welchem Preis?" fragt der König wachsam. "Ohne Lohn. Hier stinkt es", sagt unser Held, "und ich bin der Typ Mensch, der die Welt verbessern will." Der König ist misstrauisch. "Niemand arbeitet umsonst. Dennoch ist mir jeder willkommen, der die Aufgabe übernimmt. Ich schlage dir ein Geschäft vor: wenn es dir gelingt, gebe ich dir ein Zehntel meines ganzen Vermögens. Wenn es dir nicht gelingt, liegen dein Leben und Schicksal in meiner Hand."

Herkules geht an diesem Nachmittag durch die Ställe. Sie sind viel riesiger und schmutziger als er sie sich vorgestellt hatte. Ein mit Leichen hoch beladener Wagen klappert vorbei; in seinem Kopf dreht sich alles von dem Gemisch verderbter Gerüche. Er klettert zu einem nahegelegenen Wasserfall und hält sein Gesicht in das frische Wasser zur Linderung. "Es würde ein Jahr und tausend Männer brauchen, um diese Scheiße wegzuschaffen!" Herkules betrachtet den Himmel, die Ställe darunter, die zwei großen Flüsse, die das Tal umschließen - und plötzlich - lächelt er. "Aha!" Er wird die zwei Flüsse direkt durch die Ställe lenken. Am nächsten Morgen arbeitet er hart daran, die Flüsse ihrem Jahrhunderte alten Lauf zu entreißen. Er rollt Felsbrocken, gräbt Gräben und schlägt Löcher in die Stallwände. Bis zum Nachmittag donnert frisches Wasser durch die stinkende Düsternis. Innerhalb eines einzigen Tages ist der stinkende Mist verschwunden.

Griechisch: Augias"Du hast mich betrogen!" beschwert sich der König am Abend. "Der Fluss verdient den Preis." Das stimmt. Herkules hat geschuftet, aber die Flüsse haben die Aufgabe erfüllt. Das ist lehrreich. Der wassermännische Genius ist auf diese Art opportunistisch. Er stiehlt vom Feld der Möglichkeiten, ordnet die alten Gesetze neu und verändert die bestehenden Denkmuster. Mit einem intuitiven Geistesblitz sieht er einen neuen Weg, um ein altes Problem zu lösen. Die Haltung des Wassermannes ist geprägt von Kühnheit - ein Schlag ins Gesicht der herrschenden Mächte und Strukturen. Seine Gaben sind des Himmels - denn der scheint solchen wie Herkules, die die Wassermann-Aufgabe ordentlich erfüllen, übermenschliche Fähigkeiten zu schenken.

Das Zeichen des Wasserträgers hat eine lange Verbindung mit den Gaben höherer Mächte. Die alten Ägypter stellten fest, dass der Nil immer in den Wochen überflutete, in denen Wassermann bei Sonnenuntergang aufstieg. Sie glaubten, dass Osiris zu der Zeit Liebe mit Isis machte; es war die Art, wie die Götter das Leben unten befruchteten. Die Griechen erzählten eine andere Geschichte, aber brachten das Zeichen ebenfalls mit lebenserneuernden Kräften in Verbindung. Ihr Wasserträger war ein schöner Jüngling namens Ganymed; Zeus erteilte ihm die Aufgabe, die Götter immer mit Ambrosia zu versorgen. Heute neigen wir eher dazu, Radiowellen oder Elektrizität in dem gewellten Wassermann-Symbol zu sehen. Die lebenserneuernden Wasser des Zeichens wurden an seine Lufteigenschaften abgetreten. Wasserman ist jetzt der (Geistes-)Blitz der Inspiration, der der Menschheit - zumindest zeitweilig - erlaubt, zu sehen und zu denken wie die Götter.

Seit Uranus entdeckt und als moderner Herrscher von Wassermann auserwählt wurde (Saturn ist sein klassischer Herrscher), ist das Zeichen immer mehr mit Erfindung, Innovation und Technologie in Verbindung gebracht worden. Wie verarmt wäre unsere Welt ohne ihre wassermännischen Erneuerer! Entfernen wir Edison aus unserer kollektiven Vergangenheit, und es verschwinden tausende moderner Annehmlichkeiten. Streichen wir Franklin Roosevelt aus der US-amerikanischen Präsidentenschaft, und bedeutende soziale Programme sind verloren. Wahrscheinlich war es eine Wassermann-Sonne oder ein Wassermann-Mond, der als erster darauf hinwies "Vielleicht ist diese Tomate nicht giftig" oder "Leder um meinen Fuß könnte das Gehen leichter machen". An wie vielen Orten und zu wie vielen Zeiten haben Wassermänner wohl ihre Gesellschaften radikal verändert, sich mit dem städtischen Ausgestoßenen angefreundet, sich gegen Ungleichheit ausgesprochen oder einfach die übliche Art, Dinge zu tun, in Frage gestellt?

Wassermann ist das Zeichen des vorwärtsgewandten, humanitären Denkens - was die Mythologie seiner zwei Herrscher etwas verwirrend macht. Sowohl Saturn als auch Uranus (oder Kronos und Ouranos) waren schwerfällige Himmelsgötter, die ihre Kinder fraßen, um den Status quo zu erhalten und jegliche Möglichkeit zur Veränderung zu behindern. Das ist wohl kaum wassermännisch! Richard Tarnas argumentiert überzeugend, dass zumindest Uranus falsch benannt wurde. Der Planet hätte "Prometheus" heißen sollen, nach dem schlauen Titanen, der die Menschen aus Lehm geschaffen und dann das göttliche Feuer für uns gestohlen hat, um Leben, Kultur und Wissenschaft in die Menschheit zu tragen.[1] Prometheus scheint eine bessere Gottheit zu sein, die wir um wassermännische Inspiriation anrufen können - um die unabhängigen Gedanken, die rebellische Tat, und vor allem, die Leidenschaft, mit der wir unsere Welt zu einem immer besseren Ort weiterentwickeln wollen.

WasserUm den prometheischen Geist in unsere Wassermann-Häuser und -Planeten zu bringen, sollten wir Herkules Vorgehen bei den Ställen des Augias folgen. Betreten Sie die Bühne als Außenseiter. Überschauen Sie das Gelände und klettern Sie über seine Probleme; seien Sie bereit, die Dinge in einem neuen Licht zu sehen. Sobald Sie eine Eingebung haben, folgen Sie ihr mit dem Selbstvertrauen des Wassers, das durch die Ställe donnert und das Alte wegspült, indem es tut, was nie zuvor getan wurde. Wassermann bietet uns eine besonders gute Art, die Probleme zu lösen, mit denen wir heutzutage konfrontiert sind. Als die Städte bei der vorletzten Jahrhundertwende tatsächlich von Pferdemist überschwemmt waren, brachte nur neues Denken und neue Technologie die Rettung, als Automobile die Pferde auf den Straßen ersetzten. Die heutigen Straßen und Institutionen sind von einem viel heimtückischeren Mist überflutet. Es gibt weit verbreitete Armut, ökologisches Unverständnis und die Abwässer der Gier der Riesenkonzerne. Unser Planet sieht so vielen Katastrophen entgegen - die einzig gute Nachricht ist, dass wir in das Wassermann-Zeitalter eintreten. Möge es uns den großen Prometheischen Sprung bringen, den unsere in Not geratene Welt braucht!

Heiß, kalt - und wassermännisch

Als ich als Astrologieanfängerin erstmals vorsichtig Freunden anbot, das Horoskop zu deuten, waren die Wassermänner die ersten, die sich meldeten. Wassermann-Aszendenten, Wassermann-Sonnen, Wassermann-Monde - alle interessierten sich für die Astrologie. Sie brauchten meine übermäßigen, nervösen Erklärungen nicht, dass ich ihnen nicht die Zukunft vorhersagen könne. Was immer ich Ihnen sagen konnte - sie fanden es faszinierend. Diese frühen Sitzungen brachten mir so viel Bestätigung. Sagte ich zum Beispiel "Du bist ein einzigartiges Individuum - nicht wie der Rest deiner Familie", nickten sie. Sagte ich "Menschen, besonders Freunde, sind dir wichtig", sagten sie "Ja, das stimmt." Wenn ich sagte, "Du bist kreativ und ein bisschen rebellisch", widersprach keiner von ihnen! Ihre bloße Freundlichkeit ließ mich denken, dass ich eine gute Astrologin abgeben würde.

Wassermann ist das netteste Zeichen des Tierkreises. Wenn Sie einen Raum voller Fremder betreten und sich unwohl und schüchtern fühlen, wird höchstwahrscheinlich ein Wassermann auf Sie zukommen und Sie willkommen heißen. Er wird sich ebenso sehr über den neuen Gast freuen wie über einen alten Freund. Dieses Zeichen hat eine echte neugierige und unprätentiöse Art. Kein Wunder, dass Wassermann-Geborene jeden im Raum zu kennen scheinen. Und wenn sich ihre Augen auf Sie richten, können Sie sich plötzlich so interessant fühlen. Denken Sie an Oprah Winfrey - die wassermännische Talkshow-Moderatorin - deren übersprudelnde Art, mit ihren Gästen und dem Publikum zu plaudern, gibt den Zuschauern das Gefühl, sie sei eine gute Freundin.

Doch so einladend Wassermann auch sein kann - irgendwann werden Sie feststellen, dass seine Wärme unbeständig ist. Dieses Wohlwollen kann ohne Vorwarnung verschwinden. Sie gehen auf Ihre Wassermann-Freundin zu und bekommen kein entgegenkommendes Lächeln, weil ihre Augen geradewegs durch Sie hindurchsehen. Dieser krasse Kontrast zu ihrem früheren Verhalten lässt es noch verletzender erscheinen. Haben Sie etwas Falsches gesagt oder getan? Düster erinnern Sie sich daran, was manchmal über Wassermänner gesagt wird: "Sie lieben die Menschheit, nur die Leute können sie nicht leiden." Einer der vielen Widersprüchlichkeiten dieses freundlichen Zeichens ist, wie unfreundlich es erscheinen kann.

Wassermänner können eben so bunt wie kalt sein, wie eine meiner Freundinnen über ihren Wasssermann-Chef moserte: "Er stellt immer unmögliche Forderungen und hat keine Ahnung, dass er uns durch die Hölle jagt. Er ist genial, aber er lebt auf einem anderen Planeten als der Rest der Menschheit." Einmal hatten ihr Chef und ihre Kollegen in der Kantine Spaß mit einem Persönlichkeitstest in einer Zeitschrift. Als der Wassermann seine beste Eigenschaft nennen sollte, sagte er allen Ernstes "Meine Empfindsamkeit". Die Mädels in der Kantine konnten es kaum fassen. Der Chef meiner Freundin hatte oft keine Ahnung, wie es seinen Leuten ging, aber seine Firma war extrem erfolgreich: aufgrund des großen sozialen Netzwerks, das er im ganzen Land aufgebaut und gepflegt hatte. In jeder Stadt, die er besuchte, gab es einen Klienten, Kollegen oder Freund, der liebend gerne mit ihm Essen ging.

Einmal beschwerte sich eine Skorpion-Klientin: "Ich finde Wassermänner wirklich sehr schwierig. Meine Schwiegertochter, zum Beispiel ... sie ist so abgehoben, immer macht sie was für alle anderen. Mein Enkel hat sich am Gartentor der Kita verletzt. Ich war wutentbrannt. Am liebsten wäre ich hingefahren und hätte gedroht, ihn aus der Einrichtung zu nehmen, wenn sie das nicht sofort reparieren würden. Aber stattdessen packt meine Schwiegertochter den Werkzeugkoffer und die ganze Familie ein, fährt zur Kita und repariert das Tor selbst. 'So kann sich niemand anders mehr verletzen', erklärt sie meinem Enkel. Können Sie sich das vorstellen?" Sie schüttelte den Kopf. Das Wasserzeichen Skorpion ist so tief emotional, dass es die kühle Effizienz des Wassermannes entgleisen lassen kann.

Yoko OnoYoko Ono ist ein weiteres Beispiel für einen missverstandenen Wassermann. Stellen Sie sie sich als Zwölfjährige vor, wie sie mit ihrer Mutter und zwei jüngeren Geschwistern in einem Bombenkeller in Tokio zusammengekauert saß, während Tausende von amerikanischen B29-Raketen Zerstörung herunterregneten in einem der größten Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs auf eine japanische Stadt. Dreiundachtzigtausend Menschen starben.Yoko floh zu Fuß mit ihrer Familie aus den brennenden Trümmern; wochenlang suchten sie auf dem Land nach Nahrung. Yoko ist eine exzentrische Künstlerin (manche würden sagen fürchterlich, andere brilliant), doch sie hat ihr Leben der Förderung des Friedens in der Welt gewidmet. Dennoch ist sie am bekanntesten als die Drachenfrau, die die Beatles auseinandergebracht hat - eine Anschuldigung, die Eingeweihte für ungerecht halten. Selbst Paul McCartney bemerkte, "Ich dachte, sie sei eine kalte Frau. Ich glaube, das stimmt nicht. Sie ist das genaue Gegenteil. Ich glaube, sie ist entschlossener als die meisten Leute, sich selbst zu sein." [2]

"Sie sind unsensibel und gleichgültig" ist nichts, das wir Wassermännern in einer Beratung sagen würden, aber wir würden sie anderen vielleicht so beschreiben. Über die Jahre habe ich gelernt, ihre Kühle nicht persönlich zu nehmen. Wenn meine Wassermann-Freunde distanziert oder abgehoben erschienen, hakte ich nach und fand heraus, dass sie normalerweise keine Ahnung davon haben, wie sie rüberkommen. So geschickt dieses Zeichen in Beziehungen auch sein kann, so abgestumpft kann es eben dort auch sein. Vielleicht ist "ahnungslos" ein besseres Wort als "gleichgültig". Sie ahnen oft nicht, dass ihre Freunde sich Nähe wünschen, ahnen nicht, dass sie jemanden verletzen, sind ahnungslos sogar in diesen exzentrischen Augenblicken, in denen sie aus den gesellschaftlichen Normen herausgleiten. Sie mögen sehr im Einklang mit der größeren Gemeinschaft sein, Möglichkeiten und Veränderungen sehen, die andere verpassen, aber sie oft blind für die Feinheiten zwischenmenschlicher Bedürfnisse.

Der evolutionäre Vorteil dieser Distanziertheit ist leicht zu erkennen. Um so offen für neue Möglichkeiten zu sein, müssen Wassermänner die Türen ebenso leicht wieder schließen können, wie sie sie öffnen. Es hilft, dass ihre Füße nicht im klebrigen Sumpf der Erwartungen anderer Leute feststecken. Und es ist leichter, unkonventionell zu sein, wenn es einem nicht bewusst ist. Branden, mein Wassermann-Sohn, war der einzige Zweitklässler, der sein Haar grün färbte - nicht weil er "anders" sein wollte, sondern weil er dachte, alle fänden es cool.

Aber Distanziertheit bietet keinen Schutz. Wassermänner bluten tatsächlich auch aus ihren zwischenmenschlichen Wunden. Das erfuhr ich zum ersten Mal von meiner guten Freundin Molly. Mit ihrem Wassermann-Mond ist sie eine Weltbürgerin. Wo immer wir auch hingehen - ins Restaurant, zu einem Treffen oder auf eine Wanderung durch den Wald - immer treffen wir jemanden, den sie kennt. Ganz getreu der exzentrischen und egalitären Art des Wassermanns verbinden sie ihre vielseitigen Interessen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Leute. Molly kennt Motorradfahrer, klassische Musiker, Drogenabhängige und genesende Alkoholiker; auch Reitsportler, abtrünnige Christen, die zum Glauben zurückgekehrt sind, indianische Traditionalisten, ganzheitliche Heilpraktiker, Hundezüchter und viele mehr. Und doch war soziale Zurückweisung immer wieder ein Thema für sie.

Als jüngste und einziges Mädchen in einer Familie von Jungs hat sich Molly oft aus- und zurückgelassen gefühlt. In der Schule trug sie Kleider, die sie von allen anderen unterschieden. Es fällt mir schwer, dieser beliebten, kontaktfreudigen Frau zu glauben, wenn sie behauptet, sie sei die meiste Zeit ihres Lebens eine Ausgestoßene gewesen - aber ich glaube sehr wohl, dass sie sich oft so gefühlt hat, weil sie extrem sensibel dafür war "dazuzuhören". In einer ihrer frühesten und schmerzhaftesten Erinnerungen steht sie in ihrem Laufstall und weint bitterlich, während der Rest der Familie ein Spiel auf dem Boden spielt und sie vollkommen ignoriert. Als Kinder haben viele von uns die Zurückweisung des "Stammes" erfahren. Was wir aus diesen frühen Erfahrungen machen, prägt (oder ist geprägt durch) unser Wesen. Manche beschließen, dass die Welt feindlich und unzuverlässig ist; andere meinen "Ich bin nicht wichtig". Doch die Prägung beim Wassermann scheint die Bindung an den Stamm noch zu vertiefen - als ob der Schmerz der Zurückweisung einen Raum aushöhlt, der sich mit ewiger Bindung und Liebe für die Gruppe füllt.

Durch meine Beratungen mit Wassermännern über die Jahre habe ich gelernt, diese typische Wassermann-Frage zu stellen: "Gab es Zeiten, in denen Sie sich wie ein Außenseiter gefühlt haben?" Die Antwort ist immer ja. Die Erfahrung ist meist noch schmerzhafter, weil sie es nicht vorher geahnt haben. Es überrascht nicht, dass der Begriff "Minderwertigkeitskomplex" von einem Wassermann erfunden wurde. Der österreichische Psychologe Alfred Adler wusste, wie es war, ausgeschlossen und verkannt zu sein. Ein Lehrer wollte ihn von der Schule ausschließen, weil er nicht gescheit genug sei; stattdessen solle er doch eine Schumacherlehre machen. Das tat weh. Aber es war auch motivierend. Adler strengte sich an und stieg zur Klassenspitze auf. Später wurde er der Vater der Selbsthilfetherapie. Als typischer unabhängiger Wassermann brach er mit der dominierenden Freudschen Schule und erklärte, dass Menschen von psychologischen Einsichten profitieren könnten, auch ohne von einem Therapeuten abhängig zu sein. Er hat als Erster ausgesprochen, was heute allgemein anerkannt ist: dass gesellschaflicher Druck - wie andere uns sehen - uns zutiefst verwunden und Gefühle von Hilflosigkeit und Unzulänglichkeit auslösen kann.

Mein freundlicher Wassermann-Sohn hat ein sehr feines Gespür dafür, was es braucht, um dazuzugehören. Manchmal ist er mittendrin und überall beliebt, manchmal hält er sich abseits. Er ist auch mitfühlend und freundlich mit denen, die von den anderen ausgeschlossen werden. Aus der Sekundarschule kam er manchmal mit einem Herz voll Trauer nach Hause und dachte an die Kinder, die heute nicht mit ihm gespielt hatten. Nichts was ich sagte, tröstete ihn wirklich. Doch eines Tages entdeckte er seine eigene Medizin, einen Spruch, den er von einem komischen Kauz im Fernsehen aufgeschnappt hatte: "Wenn jemand mich nicht mag, juckt mich das nicht, weil ich weiß, dass es immer irgendwo jemanden gibt, der mich mag." Und tatsächlich, jetzt in der Oberstufe, wenn er sich lange Zeit nicht mit seinen Freunden aus der Gegend trifft, ist er online und schreibt oder spielt Videospiele mit Leuten, die er rund um die Welt kennengelernt hat.

Ausgestoßen zu sein ist eine wassermännische Erfahrung, die letztlich eine urmenschliche ist. Wir alle stehen gelegentlich außerhalb. Vielleicht können wir von den Wassermann-Geborenen lernen, optimistisch darauf zu reagieren und unser Herz dadurch zu stärken, anstatt es zu verschließen. Die Fähigkeit, verletzt zu werden und dennoch offen zu bleiben, Sympathie mit Außenseitern zu haben, ist zweifellos der Grund, weshalb Wassermänner - sogar mehr als die mitfühlenden Fische oder die dienstbeflissene Jungfrau - mit toleranten, selbstlosen und humanitären Zielen in Verbindung gebracht wird.

Das Tao des Andersartigen

Die heutige Welt braucht so viel Heilung, dass es nicht überrascht, dass sich so viele Leute zu "Schamanen" berufen fühlen. Doch ursprünglich musste dieser Titel verdient werden. Man war ein Schamane, weil die Gemeinschaft seine Heilkräfte benötigte. Wassermann muss auch darauf hören, was die Gesellschaft von ihm braucht. Das ist eine Beschreibung von Altruismus - doch an diesem Punkt rebellierte einer meiner Wassermann-Klienten. "So wie die Astrologiebücher geschrieben sind, klingt das, als solle ich mein Leben aufgeben, um die Wale zu retten oder verhungernde Kinder in Afrika zu füttern. Aber das will ich nicht." Die Wale retten oder die Hungrigen füttern sind konventionelle Vorstellungen von einer humanitären Einstellung. Und während Wassermänner zwar oft Aktivisten und große Unterstützer guter Taten sind, sind sie alles andere als konventionell. Ihre erste Verantwortung ist es, auf ihre eigenen Träume zu hören und dem eigenen, eigentümlichen Pfad ihrer Leidenschaften zu folgen.

Als Robert Darwin seinen Wassermann-Sohn Charles betrachtete, sah er einen Jungen, der in der Schule faul und zuhause ein Störenfried war. Er war sicher, dass dieser langsame Lerner zur Schande der Familie würde. Der junge Charles liebte es, in der Wildnis zu spielen und zu wandern. Blumen und Vögel faszinierten ihn. Doch als junger Mann fand er sein Medizinstudium so langweilig, dass er die meisten Veranstaltungen schwänzte. Darwin verbrachte lieber viele Stunden beim Präparator der Schule, dessen Geschichten vom Südamerikanischen Urwald strahlend in seine Träume einsickerten. Darwin brach sein Medizinstudium ab. Er probierte es mit der Geistlichkeit, aber auch das langweilte ihn bald wieder. Dann war er völlig in ein neues Hobby versunken: Käfer sammeln. Wer hätte gedacht, dass dieser Pfad durch heiße und kalte Interessen ihn eines Tages zu den Galapagos Inseln und Darwins Theorie der Evolution führen würde? Erst wenn wir auf ein Leben zurückschauen, erkennen wir den Weg des Genius.

Das trifft besonders auf Wassermann-Geborene zu. Ihre Stimmungen und Entwicklungen können sich so sehr von denen Gleichaltriger unterscheiden. Der Wassermann-Sohn meines Partners erfreut sich jetzt an Schul-Musicals, aber mit zwölf war er ein Einzelgänger und kam fast ins Gefängnis, weil er drohte, die Schule in die Luft zu sprengen. Der Wassermann-Sohn einer Freundin war ein Teufelsanbeter und Schulabbrecher bevor er Buddhistischer Therapeut wurde. Für Wassermann-Geborene gibt es keine Regel, außer dieser: Lass dich nicht einkeilen. Wassermänner brauchen Raum, um ihren unterschiedlichen Rhythmen zu folgen. Sie mögen, wie Yoko Ono, so avantgardistisch und kontrovers sein, dass nur wenige sie verstehen. Oder wie Charles Darwin, dessen Arbeit noch hunderte Jahre nach seinem Tod, Kontroversen auslöst. Vielleicht wie James Joyce, dessen Werk im eigenen Land verboten wurde. Aber die Welt kommt schließlich irgendwann hinterher. Im verführerischsten Satz in der Geschichte des Romans - Molly Blooms Monolog an ihren Liebsten - zeigt uns Joyce, wie wir uns alle dem eigentümlichen Pfad des Wassermann-Genius in unseren Horoskopen hingeben können: ja sagte ich ja ich werde Ja.

 


  1. Richard Tarnas, Uranus und Prometheus (Astrodienst Verlag, 1996)
  2. Biographie für Paul McCartney

Übersetzt aus dem Englischen von Karin Hoffmann

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