Geschrieben für das Magazin "Appollon"
Wie der Tod und die Steuern, so
ist auch das schlechte Benehmen der Jugend ein Dauerthema. Klagen
über die Mißachtung elterlicher und öffentlicher Autorität finden
sich in der Literatur von Ovid bis Shakespeare. Und das Leben der Medizinstudenten
der Universität von Montpellier im 16. Jahrhundert, artete ebenso
in Krawalle aus wie heutzutage an der Harvard Medical School.
"Die Jugend", sagte schon Oscar Wilde resigniert, "verschwendet
sich an die jungen Leute". Das Phänomen der Generationskonflikte
zeigte sich niemals so deutlich wie in den sechziger Jahren, als
die Kluft zwischen dem Konservatismus dieser Zeit und der Bilderstürmerei
der Jugend schier unüberwindlich schien. Bob Dylan‘s aussagekräftige Balladen beschreiben das sehr präzise,
auch wenn deren Inhalt auf etwas weit Größeres hinweist, als
daß die jüngere Generation der älteren gegenüber nur die Muskeln
spielen läßt:
 |
Come
gather round people
Wherever you roam
And
admit that the waters
Around
you have grown
And
accept it that soon
You‘ll
be drenched to the bone.
If
your time to you
Is
worth savin‘
Then
you better start swimmin‘
Or
you‘ll sink like a stone
For
the times they are a-changin‘
…Come
mothers and fathers
Throughout
the land
And
don‘t critizise
What
you can‘t understand
Your
sons and your daughters
Are
beyond your command
Your
old road is
Rapidly
agein‘.
Please
get out of the new one
If
you can‘t lend a hand
For
the times they are a-changin‘. |
Doch es
wäre zu einfach, nur in Begriffen eines unvermeidlichen Konflikts
zwischen Autorität und Rebellion, Erfahrung und Naivität, Grenzen
und Grenzüberschreitung, Verantwortung und Freiheit zu denken.
Es gibt gewisse biologische Faktoren, die dafür sorgen, daß wir
in der Jugend über mehr körperliche Energie verfügen; psychologisch
gesehen verfügen wir allerdings vermutlich über weniger Abwehr
und Rigidität, uns selbst zum Ausdruck zu bringen, weil das Ego
sich noch nicht auf bestimmte Verhaltensmuster und Abwehrhaltungen
festgelegt hat. Wiederholte Konfrontationen mit weltlichen Grenzen
können manchmal, wenn auch sicher nicht immer, dazu beitragen,
daß wir weniger risikobereit sind, wenn wir älter werden. Die
archetypische Polarität zwischen Senex und dem puer aeternus spiegelt
uns diesen dem Leben eigenen Prozeß wieder. Über diese grundsätzlichen
Faktoren hinaus ist das Bild jedoch komplizierter als es scheinen
mag. Nicht nur Einzelne brechen mit Traditionen, sondern ganze
Generationen. Das Gesicht des Senex kommt in den jungen Menschen
zum Ausdruck, das Gesicht des puer zeigt sich in den Älteren.
Wer die
Fernsehserie "Absolutely Fabulous" gesehen hat, erkennt vielleicht
in der Rolle der Edina eine übertriebene Darstellung der "flower
power"–Generation, die die sozialen Umwälzungen der sechziger
Jahre prägte. Edina ist eine Mutter, die vollständig mit der eher
wild wuchernden Form des puer aeternus identifiziert ist. Sie
raucht Haschisch, trinkt bis zur Bewußtlosigkeit, lebt promiskuitive
und oftmals katastrophale Sexualität, kleidet sich wie jemand
aus einer schlechten Werbung für psychedelische Drogen. Sie denkt
und spricht in einer Weise, die viele Leute normalerweise mit
der Unverantwortlichkeit und Selbstbezogenheit der Adoleszenz
assoziieren würden. Astrologen sehen hier vielleicht das ironische
Porträt des revolutionären Denkens, des unheilbaren Romantizismus
und der skrupellosen Selbstdarstellung der ichbezogenen Nachkriegsgeneration
mit Uranus in Zwillinge, Neptun in Waage und – am allerwichtigsten
– mit Pluto in Löwe. In starkem Widerspruch dazu steht Edina‘s
Tochter Saffron: sie ist prüde, langweilig, fleißig und zutiefst
beschämt über die Eskapaden ihrer ruchlosen Mutter. Saffron rührt
keine Drogen an, lehnt promiskuitive Sexualität rigoros ab, kleidet
sich mehr als bieder und ernährt sich vernünftig. Sie ist durch
und durch eine Realistin, die keinerlei Illusionen über die menschliche
Natur hegt, und sie verschwendet auch keine Zeit damit, darüber
zu phantasieren, wie die Welt wohl sein könnte. Sie ist so bodenständig,
daß sie abgrundtief langweilig wirkt. Astrologen erkennen hierin
vielleicht ein überzogenes Bild des Pragmatismus, Zynismus und
der brutalen Ehrlichkeit der Generation, die mit Neptun in Skorpion
und Uranus und Pluto in Jungfrau geboren wurde.
Diese Mutter-Tochter-Beziehung
bietet uns einen Rollentausch an, der dieser Serie Witz und Schwung
verleiht; und gleichzeitig ist sie, wenn auch auf eine zum Brüllen
übertriebene Weise, ein echtes Porträt einer bestimmten Dynamik
zwischen zwei Generationen in der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts.
Sie sind nicht durch die zeitliche Abfolge ihrer Geburt voneinander
getrennt, sondern durch ihre Einstellungen. Hier ist es die Ältere
und nicht die Jüngere, die die Wertvorstellungen des Alters mit
Füßen tritt. Wenn wir die manchmal unversöhnlichen Konflikte,
die oft zwischen Eltern und Kindern auftauchen, wirklich verstehen
wollen, müssen wir bestimmte Generationsgruppen nicht nur unter
dem Aspekt des Alters, sondern auch unter dem Aspekt von Wertvorstellungen
betrachten. Eine Generation läßt sich nicht ausschließlich über
den Zeitfaktor definieren. Sie umfaßt auch eigene Auffassungen,
Reaktionsmuster, Einstellungen und Bedürfnisse, wodurch sie erst
einmalig wird. Generationen spiegeln die Qualität, nicht die Quantität
der jeweiligen Zeit wieder, in der sie geboren wurden.
Eine biologische
Generation umfaßt einen Zeitraum, der zwischen 15 und 80 Jahren
liegt. Wenn wir Generationen auf diese Weise bestimmen wollen,
haben wir es mit den Wechselfällen der Fortpflanzung zu tun. Manche
Menschen sind noch sehr jung, wenn sie Kinder bekommen; andere
warten, bis sie eher im mittleren Alter sind; manche Männer gründen
eine zweite oder gar dritte Familie, sogar noch zwischen sechzig
und siebzig; mit der Entdeckung von Viagra ist das heutzutage
noch mit achtzig möglich; und mit der Möglichkeit, Sperma auf
unbegrenzte Zeit einfrieren zu können, wird es vermutlich keinerlei
Grenzen mehr zwischen den Generationen geben, so daß ein "posthumes"
Kind von einem Vater gezeugt werden könnte, der schon vor Jahrzehnten
verstorben ist. Großeltern können jung oder alt sein und es ist
möglich, wenn man früh genug anfängt, schon mit 45 Jahren Urgroßvater
oder –mutter zu sein. Wenn wir allerdings Generationen unter dem
Aspekt von Qualitäten betrachten, die sie verkörpern, müssen wir
von den tieferen Einsichten der Astrologie Gebrauch machen und
die äußeren Planeten und ihre Zyklen berücksichtigen.
Uranus,
Neptun und Pluto als Verkörperung von Generationen
Uranus,
Neptun und Pluto stellen im Geburtshoroskop drei verschiedene,
sich jedoch überschneidende Generationen dar und reflektieren
fundamentale Bedürfnisse und Sehnsüchte, die der kollektiven Psyche
in dem Zeitraum innewohnen, in dem jeder dieser Planeten durch
ein bestimmtes Tierkreiszeichen transistiert. Jeder von uns gehört
zu einer Uranus-Generation, einer Neptun-Generation und einer
Pluto-Generation. Wir haben mehr gemeinsam mit der Uranus-Generation,
die 84 Jahre vor uns lebte, als mit Menschen, die nur sieben Jahre
vor uns geboren wurden. Wir haben mehr gemeinsam mit der Neptun-Generation,
die 178 Jahre vor uns lebte als mit Menschen, die 14 Jahre vor
uns auf die Welt kamen. Wir haben auch mehr mit der Pluto-Generation
gemein, die 246 Jahre früher als wir geboren wurde als mit derjenigen,
die Pluto im vorhergehenden oder folgenden Zeichen hat. Diese
Planeten geben uns eine komplexe Abbildung der zyklischen Qualität
der Zeit und des Wachstumsmusters der größeren Einheit, zu der
wir alle gehören. Sie erzählen uns auch, was unsere spezielle
Uranus-Generation unter Fortschritt versteht und wie sie dieses
Ziel verfolgt. Sie zeigt uns das, was unsere spezielle Neptun-Generation
als den Weg zur Erlösung idealisiert und wie unsere Pluto-Generation
mobilisiert, wenn das Überleben bedroht ist. Über unser individuelles
Wertesystem und unsere Charakterqualitäten hinaus, gehören wir
alle zu größeren Gruppierungen, die Evolution, Heilung und Transformation
auf unterschiedliche Weise betrachten. Wenn wir nicht als Individuen,
sondern als Einheit in einem Kollektiv reagieren, dann tun wir
das durch die äußeren Planeten in unserem Geburtshoroskop. Diese
Reaktionsweisen können relativ bewußt sein und sich in Übereinstimmung
mit unseren individuellen Wertvorstellungen befinden, abhängig
davon, wie die äußeren Planeten im Geburtshoroskop gestellt sind.
Sie können aber auch relativ unbewußt oder völlig verschieden
von allem sein, woran wir je zu glauben schienen. Wir könnten
überrascht, schockiert und sogar überwältigt werden und daran
zerbrechen, wenn diese tieferen kollektiven Ebenen der Psyche
aktiviert werden.
Wir sollten
uns daran erinnern, daß Bob Dylan während der großen Uranus-Pluto-Konjunktion
in den sechziger Jahren zu einem der prominentesten Propheten
seiner Generation wurde, obwohl er selbst nicht während dieser
Konjunktion zur Welt kam.
1941 geboren, gehörte er zur Generation mit Neptun in Jungfrau
im Trigon zu Uranus in Stier. Die Stellung seiner persönlichen
Planeten wie Mond, Jupiter und Saturn in Stier und Sonne in Zwillinge
in Konjunktion mit Uranus und im Trigon zu Neptun, und Merkur
in Zwillinge im Quadrat zu Neptun, verhalfen ihm dazu, daß er
die Vision seiner Generation in zutiefst persönliche Kreativität
umsetzen konnte. Dieser Zeitpunkt war nicht zufällig; Dylan erreichte
die Phase größter Kreativität und Popularität, während die Uranus-Pluto-Konjunktion
der sechziger Jahre über seinen Neptun lief, ein Trigon zu seinem
Mond, Saturn, Jupiter, Uranus und zu seiner Sonne bildete und
das Potential seiner Geburtskonstellation zum Erblühen brachte.
Mit anderen Worten: die kollektiven Bedürfnisse der sechziger
Jahre stimmten hervorragend mit den kollektiven Werten der Generation
von Bob Dylan überein. Darum wurden seine Musik und seine Poesie
zum Sprachrohr für beide Generationen. Dieses bemerkenswerte Trigon
zwischen Uranus und Neptun in den frühen vierziger Jahren, unter
dem auch John Lennon, Paul McCartney und Mick Jagger geboren sind, spiegelt
eine Vision von Fortschritt, die nicht nur politische und soziale
Veränderungen, sondern auch hohe spirituelle Ziele umfaßte. Daß
diese Kombination sich von einem Erd- in ein Luftzeichen bewegend,
auch nahezu die gesamte Periode des 2. Weltkrieges beherrschte,
mag uns im Licht der Verkündung von Frieden, Gleichheit und Spiritualität
durch die Propheten dieser Generation, insbesondere durch John
Lennon mit seinem Song "Imagine", eher merkwürdig erscheinen.
Aber Hitler‘s Reich war auch eine Spiegelung einer Vision von
politischer und sozialer Veränderung, kombiniert mit spirituellen
Zielen, allerdings einer bösartigen und verzerrten Vision. Jagger,
mit Sonne in Konjunktion zu Pluto ist vielleicht den dunkleren
Elementen dieser Generation ein Stück näher, wie sich in seinem
Song "Sympathy for the devil" ausdrückt.
Auf der
grundlegendsten Ebene teilen diese generationsbedingten Ikonen
vielleicht die Stellung von Pluto in Löwe. Als Pluto von Krebs
in Löwe wechselte, geschah eine bedeutende Veränderung in den
Überlebensmechanismen des Kollektivs. Dieser Planetenwechsel ist
vielleicht der astrologische Signifikator par excellence für den
unvermeidlichen Zusammenstoß von Eltern-Kind-Generationen. Diejenigen,
die mit Pluto in Krebs geboren wurden, betrachten auf instinktmäßiger
Ebene Überleben in Abhängigkeit von Familie, Gemeinschaft und
nationalen Bindungen, die ein Gefühl emotionaler Zugehörigkeit,
Kontinuität und Sicherheit vermitteln können. Das waren die Menschen,
die darauf vorbereitet waren, in den Krieg zu ziehen und für Heimatland
und König zu sterben, selbst wenn ihnen persönlich der Krieg sinnlos
erschien. Diejenigen mit Pluto in Löwe sehen ihr Überleben als
abhängig von ausgeprägter Individualität und entschlossenem Selbstausdruck,
selbst angesichts von Widerstand. Unter ihnen befinden sich die
Menschen, die ihre eigenen Entscheidungen über ihr persönliches
Schicksal trafen und sich weigerten, in Vietnam zu kämpfen, ob
nun aufgrund überheblicher Egozentrizität oder einer intuitiven
Wahrnehmung der Macht des Einzelnen, eine andere Realität erschaffen
zu können.
Äußere Planetenkonfigurationen zwischen Eltern und Kindern
Wenn wir die Muster astrologischer
Generationsgruppen erforschen, zeigt uns das viele Sphären zwischenmenschlicher
Interaktion auf. Ein einziger Aufsatz kann unmöglich der Tiefe
und Komplexität dieses Themas gerecht werden. Ich werde hier einen
der wertvollsten Erkenntnisbereiche berühren, die die Perspektive
der astrologischen Generationsgruppen zu bieten hat: nämlich die
Interaktionen, die sich durch den Einfluß äußerer Planeten über
zwei Geburtshoroskope in Eltern-Kind-Beziehungen zeigen. So können
einige schwierige Themen zwischen Eltern und Kindern durch widersprüchliche
Aspekte zwischen den persönlichen Planeten aufgezeigt werden,
die uns starke Gegensätze zwischen persönlichen Einstellungen
und Werten aufzeigen. So könnte der in Opposition zum Mond des
Vaters stehende Mars eines Jungen zu starken Machtkonflikten führen,
und in manchen Fällen vielleicht sogar zu Gewalt. Solche Konflikte
beziehen sich aber nur auf die beiden Persönlichkeiten selbst
und nicht auf tiefere kollektive Kräfte. Wenn der Vater begreift,
daß der Sohn ein einzigartiges Individuum mit einem eigenen Durchsetzungsvermögen
ist, das sich von seinem eigenen unterscheidet und wenn der Junge,
wenn er erwachsener ist, die gleiche Objektivität bezüglich der
emotionalen Bedürfnisse seines Vaters entwickeln kann, ist hier
sogar eine Konfliktlösung möglich.
Andere
schwierige Themen zwischen Eltern und Kindern können mit Aspekten
zwischen Saturn und Chiron zusammenhängen. Die erste beschriebene
Aspektverbindung beschreibt eine Dynamik, die in persönlichen
Abwehrmechanismen wurzelt; Die zweite beschriebene Verbindung
zeigt sich auch durch eine persönliche Abwehrhaltung gegen Schmerz
und Verletzung, auch wenn kollektive Themen angedeutet werden.
Der Mond eines Mädchens im Quadrat zum Saturn der Mutter kann
deutliche Kühle anzeigen, wodurch die emotionale Beziehung gedämpft
wird. Aber auch hier kann es einen Ausweg geben, wenn nämlich
die Mutter ihre unbewußten Gefühle von Angst und Neid erkennt,
die das Kind in ihr auslöst, und wenn das Mädchen, wenn es reifer
ist, über seine Gefühle von Verweigerung hinaus, auch die tiefere
Bedeutung der offenbar unerfüllbaren Erwartungen ihrer Mutter
erkennen kann. Die Sonne eines Jungen in Konjunktion mit dem Chiron
seines Vaters könnte gegenseitige Verletzungen und Mißverständnisse
anzeigen; Auch hier ist eine Lösung denkbar, wenn der Vater seine
eigenen Gefühle von Verletztsein und Unzulänglichkeit akzeptieren
kann und der Junge, wenn er reifer ist, in der Lage ist, seinen
Vater als einen gewöhnlichen und auch fehlerhaften Menschen zu
erkennen, dessen Wunden auch durch die Welt und nicht nur durch
seine Familie entstanden sind.
Wie gesagt,
einige Themen sind umfassender und tiefgreifender als die individuelle
persönliche Interaktion, und eine Problemlösung wird hier von
einer viel breiteren Perspektive abhängen. So erscheint ein Kind
einem Elternteil z.B. nicht als Individuum, sondern als Vertreter
einer großen kollektiven Macht, die sich zutiefst beängstigend
auf die fundamentalen individuellen Überzeugungen und Glaubensmuster
dieses Elternteils auswirken kann. Und wenn der Elternteil die
Macht und Vision einer ganzen Generation verkörpert, kann sich
das Kind beängstigt und überwältigt fühlen. Eltern und Kinder
können auch durch das Medium äußerer Planetenaspekte mit anderen
äußeren Planetentransiten aufeinander einwirken. In solchen Fällen
stehen beide für die kollektive Macht ihrer Generationsgruppe
und könnten Probleme damit haben, sich gegenseitig als Individuen
wahrzunehmen, es sei denn, daß auch persönliche Planeten an der
Konfiguration beteiligt sind. Jeder, der sich die Geburtshoroskope
aufeinanderfolgener Generationen innerhalb einer Familie sorgfältig
ansieht, wird die Häufigkeit enger Verbindungen zwischen äußeren
und persönlichen Planeten in den Geburtshoroskopen feststellen,
ganz besonders bei den "harten" Aspekten. Diese Übereinstimmungen
befinden sich häufig innerhalb eines Orbis von 1º. Man bekommt
leicht das Gefühl, daß diese kosmische Verrücktheit Methode hat,
und daß bei diesen Verbindungen, die zwischen Eltern und Kindern
oder Eltern und Enkeln auftauchen, ein tieferes evolutionäres
Muster am Werk ist, das sowohl das Individuum als auch die
Gruppe betrifft. Eine Psychologie, die auf das Individuelle reduziert
bleibt, kann womöglich die Bedeutung der Reaktionen, die hier
aktiviert werden, nicht ergründen, so daß wir womöglich unsere
psychologischen Modelle erweitern müssen, um zu verstehen, was
hier geschieht.
Die
individuelle Dimension
Natürlich
haben diese Verbindungen auch eine individuelle Dimension. Aspekte
zwischen den äußeren Planeten im ersten Horoskop und den persönlichen
Planeten des zweiten Geburtshoroskops können teils mithilfe von
Grundprinzipien der Synastrie verstanden werden. Wenn beispielsweise
der Uranus eines Mädchens in Konjunktion zur Sonne ihres Vaters
in Zwillinge steht, dann wird seine lebendige, rastlose und intellektuell
neugierige Natur den Geist von Fortschritt und Einfallsreichtum
in ihr aktivieren – nicht immer auf angenehme Weise – während
sie sich umgekehrt – auch nicht unbedingt auf angenehme Weise
– für ihn als eine Quelle potentiellen kreativen Erwachens erweist.
Die beunruhigende, elektrisierende Energie dieser Verbindung wäre
schon von früher Kindheit an spürbar. Ein solcher Aspekt zwischen
Vater und Tochter kann sich als enorm kreativ und intellektuell
anregend erweisen aber auch genauso gut zu einer Entfremdung zwischen
beiden beitragen. Oder aber: wenn der Mars der Mutter in Waage
steht und mit dem Pluto ihrer Tochter in Konjunktion steht, könnte
die Mutter den Starrsinn und die emotionale Hartnäckigkeit ihrer
Tochter als verwirrend, frustrierend und manchmal auch als äußerst
ärgerlich empfinden, während die Tochter sich womöglich zutiefst
bedroht fühlt durch das, was sie als Aggression der Mutter wahrnimmt.
Die explosive Energie dieser Aspektverbindung würde vermutlich
auch von früher Kindheit an sichtbar werden. Auch Machtkonflikte
zwischen Mutter und Tochter wären vermutlich unvermeidlich, obwohl
sich beide, mit einem gewissen Bewußtsein, auch gegenseitig helfen
könnten, ehrlicher mit emotionalen Wünschen und Bedürfnissen umzugehen.
Solche
Aspektverbindungen auf diese Art und Weise zu interpretieren,
ist sicher nützlich und wertvoll, allerdings nicht tiefgreifend
genug. Es geschieht hier mehr, als daß eine Person auf eine andere
einwirkt. Eine der Personen interagiert mit einer ganzen Generation,
die durch das Individuum mit dem äußeren Planeten repräsentiert
wird, der bei der Aspektverbindung beteiligt ist. Die Tochter,
deren Uranus in Zwillinge in Konjunktion mit der Sonne ihres Vaters
steht, wird ihn aufrütteln und dafür sorgen, daß er eine andere
Einstellung zum Leben gewinnt, nicht einfach, weil er sie als
neugierig und rebellisch erlebt, sondern weil sie für ihn die
enorme Macht einer Generationsgruppe verkörpert, für die menschliche
Evolution bedeutet, die Rigidität alter und überholter intellektueller
Strukturen niederzureißen. Die Mutter, deren Mars in Waage in
Konjunktion mit dem Pluto ihrer Tochter steht, kann sich überwältigt
fühlen und dazu neigen, zurückzuschlagen, nicht nur weil sie ihre
Tochter als äußerst intensiv und inflexibel erlebt, sondern weil
dieses Kind, wie eine unsichtbare Armee, seine ganze Generation
hinter sich hat. Eine Generation, deren Überleben davon abhängt,
zwischenmenschlichen Beziehungen ganz bestimmte Ideale von Fairneß
und Gerechtigkeit aufzuerlegen. Der erbarmungslose Druck von Pluto
reflektiert nicht das persönliche Machtstreben des Kindes, sondern
die grundsätzlichen Notwendigkeiten eines Kollektivs, das keinerlei
Abweichungen von seiner Vision dessen tolerieren kann, was notwendig
ist, um ein Aussterben zu vermeiden.
Wir werden im folgenden kurz ein
Beispiel einer solchen Eltern-Kind Generationsdynamik demonstrieren.
Obwohl die Geburtshoroskope der Britischen Königsfamilie schon
bis zur Erschöpfung erklärt wurden, erweisen sie sich immer wieder
als nützlich, weil die Geburtszeiten bekannt sind und die Kontinuität
auf viele Generationen zurückgeht. Selbstverständlich müssen wir
auch ausgiebig mit den Geburtshoroskopen unserer eigenen Familie
arbeiten, um eine klarere Vorstellung der generationsbedingten
Dynamik zu bekommen, weil die tieferen Muster der Generationsgruppen
durch direkte persönliche Erfahrungen und familiärer Überlieferungen
sichtbar werden.
Generationsbedingte Muster in der Königlichen Familie
Mächtige
generationsbedingte Aspekte treten nicht allein zwischen einem Elternteil
und einem Kind auf, sondern auch zwischen einem Elternteil und dem
Menschen, den das Kind als erwachsene Person heiratet. Die
Familienpsyche
neigt instinktiv dazu, sich das, was ihr fehlt, durch Heirat anzueignen,
so daß sich ihre Mythen und Komplexe entfalten können und über viele
Generationen hinweg durchgearbeitet werden können. Es ist daher
beim Erforschen von Familienhoroskopen wichtig, nicht nur die direkte
Blutsverwandtschaft einzubeziehen, sondern auch die Ehepartner.
Sowohl um der Klarheit als auch um der Kürze willen, werde ich hier
nur die relevanten Planetenstellungen einiger Mitglieder der Königlichen
Familie aufzeigen und nicht die vollständigen Geburtshoroskope.
Die Königliche Familie
|
König George VI
Pluto 11º 34‘ Zwillinge
Neptun 16º 30‘ Zwillinge
Uranus 22º 07‘ Skorpion
Mond 24º 51‘ Skorpion
|
Königin Elisabeth (Königinmutter)
Pluto 17º 21‘ Zwillinge
Neptun 28º 20‘ Zwillinge
Uranus 8º 31‘ Schütze
Mond 20º 24‘ Skorpion |
Königin Elisabeth II
Pluto 12º 42‘ Krebs
Neptun 22º 02‘ Löwe
Uranus 27º 21‘ Fische
Saturn 24º 26‘ Skorpion
MC 25º 33‘ Skorpion |
|
Prinz
Charles
Pluto 16º 33‘ Löwe
Neptun 14º 07‘ Waage
Uranus 29º 55‘ Zwillinge
Sonne 22º 25‘ Skorpion
Chiron 28º 13‘ Skorpion
|
Prinzessin
Diana
Pluto 6º 02‘ Jungfrau
Neptun 8º 38‘ Skorpion
Uranus 23º 20‘ Löwe
Mond 25º 02‘ Wassermann
Venus 24º 23‘ Stier |
Prinz
William
Pluto 24º 09‘ Waage
Neptun 25º 32‘ Schütze
Uranus 1º 29‘ Schütze
Chiron 25º 39‘ Stier
Venus 25º 39‘ Stier
Aszendent 27º 30‘ Schütze
|
|
Hier
bestehen zwangsläufig Verbindungen, welche die äußeren Planeten
im Geburtshoroskop der Königin und deren Vater, König George VI
betreffen; König George hatte eine Konjunktion von Uranus (22º
07‘) und Mond in Skorpion (24º 51‘), und diese Konjunktion steht
im Quadrat zum Neptun der Königin in 22º 02‘ Löwe. Bei ihr steht
Saturn in Skorpion (24º26‘) am MC in Skorpion (25º 33‘) und beide
in Konjunktion mit dem Uranus des Vaters. Wir können über die
persönlichen Themen spekulieren, die in dieser Saturn-MC-Mond-Verbindung
beschrieben werden und vermuten, daß die emotionale Beziehung
zwischen der Königin und ihrem Vater zwar kühl, aber unzerstörbar
war. Es bestand ein starkes und mächtiges, wenn auch unausgesprochenes
Band von Verantwortungsgefühl und sozialem Pflichtgefühl zwischen
ihnen, das spontanen Gefühlsaustausch und Zuneigung ersetzte.
Aber wir haben es hier auch mit zwei äußeren Planeten zutun, die
im Quadrat zueinander stehen. Das ist etwas schwieriger und kaum
mit wenigen Worten zu erklären. Im Geburtshoroskop von König George
steht Uranus im exakten Quadrat zum Neptun des Geburtshoroskops
von Königin Elisabeth. Die Vision von Fortschritt für die Generation
mit Uranus in Skorpion, findet ihren Ausdruck in zwanghaftem Zerstören
und Wiederaufbauen. Sie zeigt sich auch in der Mobilisierung von
Überlebensinstinkten und dem Mut, in die Schlacht zu ziehen. Wenn
es keine Schlacht gibt, wird eine kreiert. Für den König gab es
genügend Kriege in der Welt, um die Vision von Uranus in Skorpion,
Fortschritt durch Krise, zu befriedigen. Im starken Kontrast dazu
steht der Traum von Erlösung für die Menschen mit Neptun in Löwe.
In deren Phantasiewelt ist alles schön und hell und das eigene
Leben ist sowohl eine Opfergabe wie auch ein Symbol göttlicher
Autorität für andere Neptun-bestimmte Menschen, die nach Erlösung
von ihrem eintönigen Leben suchen. Die Königin teilt und verkörpert
die mythischen Sehnsüchte ihrer eigenen Generationsgruppe. Es
ist nicht überraschend, daß sie nicht bereit ist, sich davon zu
lösen.
Hier kollidieren zwei Generationen
miteinander: die ältere, die zwei Weltkriege durchlebte, aus denen
sie eine Ideologie machen mußte und sich mit der harten Wirklichkeit
konfrontiert sah, auf den Trümmern der Zerstörung Neues aufbauen
zu müssen. Auf der anderen Seite steht die jüngere Generation,
die es vorzieht, der blanken Härte der Welt den Rücken zuzukehren
und einer Märchen-Vision vom Prunk und dem göttlichen Recht der
Könige nachzujagen. Ein solches Quadrat zwischen einem Elternteil
und einem Kind muß nicht unbedingt in persönlichen Konflikten
zum Tragen kommen, außer, wenn es durch die Stellung persönlicher
Planeten verstärkt wird, wie es hier der Fall ist. Der Mond des
Königs steht im Quadrat zum Neptun seiner Tochter, und sein Uranus
steht in Konjunktion mit ihrem Saturn. Sie muß ihn als emotional
unberechenbar und zwanghaft depressiv erlebt haben. Sie wiederum
wird ihm als unbegreiflich erschienen sein – vielleicht aber
auch ihrer Mutter, die auch den Mond in Skorpion hatte, denn die
Königin trägt all die grandiosen, ritterlichen Träume einer ganzen
Generation in sich. Diese Generation ist sich ihrer besonderen
spirituellen Rolle sicher: ihrer Liebe zum Kodex von Ehre und
Grandiosität, die zwar nobel und wunderbar erscheint, aber von
der Mühsal des Alltags und den Gleichheitsbestrebungen der gegenwärtigen
Uranus- und Neptun-Transite durch Wassermann allzu weit entfernt
ist. Als Neptun durch Löwe transistierte, sehnte sich die Welt
nach Glanz und Glamour und brauchte strahlende Vorbilder. Das
war die Ära der großen Hollywood Filmstars. König George fand
seine Tochter vielleicht befremdlich arrogant und weltfremd, nicht
wegen eines speziellen Charakterfehlers, sondern weil etwas Durchdringendes,
Mächtiges und Universelles durch ihren ihr eigenen Realismus und
die Hartnäckigkeit ihrer Stier-Sonne und ihres Steinbock-Aszendenten
hindurch schimmerte.
Es scheint etwas außerordentlich
Intelligentes in Familienmustern am Werk zu sein, bei denen äußere
Planetenverbindungen beteiligt sind. Prinz Charles wurde mit Sonne
in Skorpion (22º 25‘) in Konjunktion mit Chiron in Skorpion geboren.
Seine Sonne steht in Konjunktion mit dem Mond seiner Großmutter,
was ihre emotionale Nähe zueinander aufzeigt. Die Konjunktion
zwischen seiner Sonne und dem Saturn seiner Mutter spiegelt den
großen Druck ihrer Erwartungen wieder, die er von ihrer Seite
aus spürt, und das Maß, in dem das sein Schicksal begrenzt und
bestimmt. Aber Prinz Charles hat auch eine mächtige Verbindung
äußerer Planeten zu seinem Großvater, den er nur während seiner
Kindheit kannte. Charles‘ Sonne steht in exakter Konjunktion mit
Uranus von König George. Charles verkörpert als Individuum jene
Suche nach der verborgenen Wahrheit, die die Uranus-Generation
des Königs als eine kollektive Vision von Fortschritt verfolgte.
Er ist in gewisser Weise als Individuum der Kulminationspunkt
der Bestrebungen der Generation seines Großvaters. Aber Charles‘
Sonne-Chiron-Konjunktion steht auch im Quadrat zum Neptun der
Königin. Es ist daher nicht im mindesten überraschend, daß Charles
bestrebt war, seine eigene Entwicklung in intellektueller, emotionaler
und sexueller Hinsicht auf eine Weise zu verfolgen, die für den
neptunischen Traum seiner Mutter ausgesprochen bedrohlich erscheinen
mußte.
Charles muß sich im Gegenzug durch
seine Mutter verwirrt, im Stich gelassen und subtil manipuliert
gefühlt haben. Durch ihre Hartnäckigkeit, an einem Ideal festzuhalten,
das für ihn keine Gültigkeit mehr in der Welt hat, die er um sich
herum wahrnimmt, muß er zutiefst irritiert gewesen sein. Die Königin
gehört einer Generation an, die äußerst stark von der glanzvollen
Vision von Würde und Ehre geprägt ist. Bei Charles steht auch
Pluto in Löwe (16º 33‘). Dies ist zwar keine exakte Konjunktion
mit dem Neptun seiner Mutter, aber es ist immerhin eine Konjunktion.
Charles hat etwas, das er mit seiner Pluto-Generation teilt: einen
Überlebensinstinkt, der auf einem inneren Gefühl von Besonderheit
und der tiefen Überzeugung beruht, das die Stimme jedes Einzelnen
zählt. In dieser Hinsicht fühlt er instinktiv das, was auch seine
Mutter fühlt, allerdings nicht als romantisches Ideal, sondern
als Notwendigkeit – obwohl das Quadrat zwischen seinem Pluto und
seiner Sonne auch nahelegt, daß er sich mit seiner eigenen Generation
und auch der seiner Mutter im Konflikt befindet. Er hat mehr mit
seinem Großvater gemein, als mit Menschen seines Alters.
Vielleicht
hatte Charles auf einer tieferen und unbewußten Ebene das Gefühl,
dieser Neptun in Löwe-Vision "Adel verpflichtet", nicht gewachsen
zu sein. Sein Pluto bringt ihn in Kollision mit dieser Vision.
So wählte er für sich eine Partnerin, deren planetarisches Muster
seinem eigenen genügend Zündstoff gab, um den generationsbedingten
Traum, der durch den Neptun seiner Mutter beschrieben wird, in
Frage zu stellen. Prinzessin Diana‘s Uranus in Löwe (23º 20‘)
steht in Konjunktion zum Neptun der Königin. Dies zeigt, daß es
in gewisser Weise unvermeidlich war, daß diese beiden Frauen als
Vertreterinnen ihrer jeweiligen Generation polarisieren würden
und sich gegenseitig als Feindinnen erleben mußten. Neptun in
Löwe träumt von Erlösung. Seine leidenschaftliche Vision gilt
einer besseren und nobleren Welt. Für Uranus in Löwe besteht menschlicher
Fortschritt in der Fähigkeit des Einzelnen, bestehende autoritäre
Strukturen niederzureißen, um das Potential an Kreativität für
die Gemeinschaft freizusetzen. Diana‘s Mond in Wassermann (25º)
und ihre Venus in Stier (24º23‘) beschreiben ihren eigenen inneren
Konflikt mit dem eigenwilligen Ideal ihrer Uranus-Generation.
Nimmt man jedoch die explosive Kombination von Charles‘ Planeten
in Skorpion und Diana‘s T-Kreuz hinzu, die den Neptun der Königin
in Frage stellen, dann verändert sich die Besetzung des Dramas.
Für die Königin muß diese Heirat den Zerfall ihrer liebsten Erlösungsphantasien
angekündigt haben. Diana‘s Generationsgruppe muß im Gegenzug wie
eine Guerilla-Armee gewirkt haben, die dazu bestimmt ist, das
Spiel zu verderben und die letzten Spuren königlicher Privilegien
und Ehren zu zerstören.
Prinz William
wird dieses generationsbedingte Muster unvermeidlich fortsetzen,
das auf einen langen und langsamen Entwicklungsprozeß hindeutet,
der sich seinen Weg durch die Jahrhunderte bahnt. Die äußeren
Planeten von William stehen in enger Verbindung mit den persönlichen
Planeten seiner Eltern: seine Konjunktion von Neptun (25º32‘)
und Aszendent (27º30‘) in Schütze steht in Konjunktion mit der
Mars-Jupiter-Konjunktion seines Vaters und dem Aszendenten seiner
Mutter. Es scheint, daß seine Eltern auf einer persönlichen Ebene
jene Sehnsucht nach spiritueller Erleuchtung und den Hunger nach
Bedeutsamkeit verkörpern, der für den Erlösungstraum der Generation
mit Neptun in Schütze wichtig ist. Die "New Age"- Aktivitäten
von Charles und Diana passen daher zweifellos sehr gut zur Generationsgruppe
ihres Sohns. Aber William hat auch eine exakte Venus-Chiron-Konjunktion
in Stier (25º) und seine persönlichen Werte, die sich teils aufgrund
von Verletzungen und Schmerz entwickeln, stimmen weder mit der
kollektiven romantischen Vision seiner Großmutter, noch mit dem
starken kollektiven Bedürfnis nach dem Selbstausdruck seiner Mutter
oder dem zwanghaften kollektiven Überlebensinstinkt seines Vater
überein. William‘s Neptun in Schütze steht im Trigon zum Neptun
in Löwe der Königin, daher teilen sie beide den Traum der Feuerzeichen
von einer besseren und edleren Welt. Für William kann diese Welt
jedoch nur durch ein moralisch ausgerichtetes und spirituelles
Streben gefunden werden und nicht durch eine Bestätigung seiner
persönlichen Außergewöhnlichkeit.
Sich mit den äußeren Planeten anfreunden
In früheren
Zeiten betrachteten Astrologen die äußeren Planeten als unerheblich
für die Deutung eines Geburtshoroskops. Sie waren ganz einfach
unwichtig und wurden als bedeutungslos für das Leben eines einzelnen
Individuums angesehen. Heute wissen wir es besser, und diejenigen
Astrologen, die sich mit kollektiven Trends befassen, wissen,
wie mächtig sich die Stimme der kollektiven Psyche im individuellen
Schicksal zum Ausdruck bringt. Wenn die äußeren Planeten starke
Verbindungen zu den persönlichen Planeten im Geburtshoroskop aufweisen,
dann ist dieser Mensch, mehr als andere Menschen seiner Generation,
ein Sprachrohr des Kollektivs. Eine solche Person muß in der Lage
sein, ein angemessenes Medium für diese kollektive Vision zu erschaffen
und muß gleichzeitig individuelle Integrität und ein starkes Ego
entwickeln, das kollektive Energien durch persönliche Werte, Talente
und Erfahrungen zum Ausdruck bringen kann. Ein Kind, dessen Ego
dies nicht gelingt, wird vielleicht von den Kräften, die den Zeitgeist
widerspiegeln, in dem es geboren ist, überwältigt. Das kann entweder
zu einer großartigen kreativen Ausdruckskraft führen oder aber
in einer Psychose enden – allerdings ist auch beides möglich.
Das Kind, das gegen seine Generationsgruppe kämpft und versucht,
die größere Entität, zu der es gehört, zu unterdrücken, kann auf
ähnliche Weise leiden. Ein Gefühl tiefer Einsamkeit könnte ein
Nebenprodukt sein. Auch mächtige innere und äußere Eruptionen
sind möglich, wodurch sich das Individuum, aufgrund der Wucht
von Veränderungen, äußerst machtlos fühlt. Verbindungen zwischen
Eltern und Kind legen nahe, daß sie sich gegenseitig helfen können,
die Geschenke und Wahrnehmungen ihrer jeweiligen Generationsgruppe
zu erkennen, wodurch sie vielleicht auf positivere Weise zu einem
Entwicklungsprozeß beitragen können, an dem beide mitzuwirken
aufgefordert sind, ob sie nun wollen oder nicht.
Verlust der Individualität durch Generationskonflikte
Leider
enden solche Beziehungen aber oft in einem erbitterten Kampf,
der auf persönliche Faktoren zurückgeführt wird. Vielleicht war
es von der Königin völlig unangemessen, Diana persönlich die Schuld
für deren Rebellion gegen den königlichen Status quo zuzuweisen.
Diana diente als Sprachrohr für ihre Generation mit Uranus in
Löwe, die nicht dazu neigt, an neptunische Träume zu glauben.
Beiden mag zwar die kreative Vision des Löwen gemeinsam sein;
Allerdings sind diese beiden äußeren Planeten von gegensätzlicher
Bedeutung und spiegeln intellektuelle beziehungsweise emotionale
Wahrnehmungen der gleichen Dimension des Lebens wieder. Neptun
sucht Vereinigung mit einer höheren Einheit durch Idealisierung
und Selbstaufopferung; Uranus sucht Fortschritt durch das Schaffen
neuer Idealvorstellungen. Wenn solche Verbindungen zwischen zwei
Geburtshoroskopen bestehen und ein Elternteil dem Kind helfen
möchte, ist es sehr wichtig, nicht nur die Individualität des
Kindes anzuerkennen, sondern auch das, wofür das Kind als Repräsentant
einer ganzen Generation steht. Kluge Eltern werden ihr Kind eher
dazu ermutigen, angemessene Wege zu finden, um kollektive Bedürfnisse
und Träume individuell auszudrücken, als blind auf das zu reagieren,
was als Bedrohung oder als Apotheose der eigenen generationsbedingten
Träume wahrgenommen wird. Ein gutes Beispiel für diese letztgenannte
Dynamik ist die Verbindung zwischen der Konjunktion von Neptun
und Pluto in Zwillinge von Joseph P. Kennedy und der Sonne in
Zwillinge seines Sohnes. John F. Kennedy war für seinen Vater
die lebende Inkarnation von Papa Joe's generationsbedingter Vision
von Erlösung und Kontinuität durch Bildung, soziale Mobilität
und politische Macht. Die unvermeidliche Folge war, daß John F.
Kennedy niemals die Chance hatte, wirklich John F. Kennedy als
er selbst zu werden, außer im Kontext mit den Ambitionen seines
Vaters – nicht persönlicher Ambitionen, sondern derjenigen einer
ganzen Generation.
Kollektive Strömungen und Schicksal
Es ist
noch sehr viel Forschungsarbeit notwendig, um die großen kollektiven
Strömungen des Schicksals genauer zu beschreiben, die durch die
Generationen fließen, und die mithilfe von Verbindungen äußerer
Planeten in Familienhoroskopen beschrieben werden können. Das
Geburtshoroskop ist aber noch nicht das Ende der Geschichte. Signifikatoren
von Generationen verbinden sich nicht nur in den Geburtshoroskopen
von Eltern und Kindern; sie werden auch zu bestimmten Zeiten durch
Transite der äußeren Planeten mobilisiert, wenn die miteinander
verbundenen Zyklen von zwei oder drei äußeren Planeten eine kritische
Verbindung miteinander eingehen. Dazu ein Beispiel: Als Prinz
Charles und Prinzessin Diana den Zusammenbruch ihrer Ehe erlebten,
transistierte Pluto durch Skorpion und aktivierte nicht nur ihre
persönlichen Planeten, sondern auch den Neptun der Königin. Für
die ganze Generation der Königin war dies eine Zeit von Krise
und Desillusionierung. Die Fähigkeit von Pluto in Skorpion, "im
Dreck zu wühlen", und all das aufzudecken, was durch emotionale
Unaufrichtigkeit das Überleben bedroht, sorgte dafür, daß die
unter der rettenden Vision von Neptun in Löwe Geborenen gezwungen
wurden, sich schließlich mit der unmöglichen Spaltung zwischen
ihrer Vision und der Realität der sexuellen und emotionalen Natur
des Menschen zu konfrontieren.
Als Individuen
können wir solche enormen kollektiven Bewegungen weder kontrollieren
noch verdammen. Wir sind daran beteiligt, ob wir nun wollen oder
nicht. Aber wir können uns entscheiden, ob wir auf kreative oder
destruktive Weise mitwirken wollen. Wir könnten uns als unfreiwilliges
Opfer boshafter äußerer Kräfte erleben. Wir könnten uns mit kollektiven
Träumen aufplustern und damit beruhigen, daß wir die Verkörperung
göttlich inspirierter Veränderungen sind. Wir können uns aber
auch mit der bescheideneren und schwierigeren Aufgabe beschäftigen,
unseren Charakter und unsere Begabungen zu verfeinern, um als
Vermittler agieren zu können und damit auf die bestmögliche Weise
zur positiven Entfaltung dessen beizutragen, was eine tiefere
menschliche Notwendigkeit ist. Wir müssen uns wirklich bewußt
machen, wo unsere individuelle Persönlichkeit in etwas Größeres
mündet, damit wir aus unseren generationsbedingten Bedürfnissen
und Zwängen heraus etwas Gültiges und Wertvolles für das Leben
erschaffen. Wir müssen auch unseren Kindern genügend Weisheit
und Halt anbieten, um ihre generationsbedingten Träume, die von
den unsrigen sehr verschieden sind, wirklich achten zu können.
Als Astrologen passen wir vielleicht am besten zu den Klienten,
deren äußere Planeten mit den unsrigen eine harmonische Verbindung
aufweisen. Wenn wir selbst Pluto im Löwen haben, passen wir vielleicht
besser zu den jungen Leuten mit Pluto in Waage als zu denjenigen
mit Pluto in Jungfrau. Es könnte uns aber sehr schwer fallen,
mit der Gruppe, die Pluto im Skorpion hat, zu sympathisieren.
Diese Gruppe dürften wir sogar als recht bedrohlich erleben. Neptun
in Waage paßt besser zu Neptun in Schütze als zu Neptun in Skorpion,
und Neptun in Skorpion paßt besser zu Neptun in Steinbock als
zu Neptun in Schütze. Ob wir nun Eltern oder Astrologen sind –
oder beides – es wird auch weiterhin Generationskonflikte geben,
nicht weil sich Alter und Jugend in unausweichlicher Disharmonie
befinden, sondern weil die großen kollektiven Zyklen zu unterschiedlichen
Zeiten verschiedene Visionen brauchen. Selbst wenn wir persönlich
die Visionen anderer Generationsgruppen niemals teilen mögen,
so können wir doch zumindest erkennen, daß sie ein wichtiger Bestandteil
einer umfassenden Entfaltung des Lebens an sich sind.
Übersetzung:
Christine
Ruf / Brigitte Talke