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Die klassischen Würden

von Erik van Slooten


Anmerkung der Redaktion:
In diesem Auszug aus dem Buch "Klassische Horoskopdeutung" macht uns Erik van Slooten mit einigen Prinzipien der Deutungspraxis klassischer Astrologen bekannt. Diese unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der Herangehensweise und Terminologie der psychologischen Astrologie.

Die essenziellen Würden

Die essenziellen Würden beziehen sich auf die Zeichenposition der Planeten und sind wesentliche Bausteine der klassischen Astrologie. Sie liegen dem System der Dispositoren und der gegenseitigen Rezeptionen (auf die wir später im Buch näher eingehen werden) zugrunde und beeinflussen schließlich auch die Aspektdeutung.
Leider werden die Würden in der modernen psychologischen Astrologie kaum noch beachtet und manchmal sogar schroff abgelehnt. Meines Erachtens kann diese Haltung nur auf grobes Unverständnis und einen schlampigen Umgang mit den kostbaren Schätzen der klassischen Astrologie zurückgeführt werden.

Domizil und Erhöhung

Klassische Horoskopdeutung
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' Würde' hat ein Planet, wenn er in einem seiner Domizile oder in seiner Erhöhung steht.
In Abbildung 1 finden Sie im Kreis die Zuordnungen der Domizile der antiken Planeten: Die beiden Lichter Sonne und Mond haben jeweils in Löwe und Krebs ihre Domizile, während die Domizile von Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn sich in der genannten Reihenfolge jeweils links und rechts im Tierkreis gruppieren. Das bedeutet aber: In der klassischen Astrologie herrscht Mars nicht nur über Widder, sondern auch über Skorpion, Jupiter sowohl über Schütze als auch über Fische und Saturn über Steinbock und Wassermann. Im Außenkreis finden Sie die Erhöhungszeichen der antiken Planeten. Auffällig ist, dass Merkur nach der Tradition seine Erhöhung im Zeichen Jungfrau findet, in dem er auch sein Domizil hat.

Ein Planet steht in seinem Domizil oder in seiner Erhöhung recht gut, weil er dort seine besten Eigenschaften entfalten kann. Auch die beiden klassischen 'Übeltäter' Saturn und Mars zeigen sich in ihren Domizilen und ihrer Erhöhung in der Regel freundlicher.
In seinem Domizil ist der Planet zu vergleichen mit einem Herrn, der in seinem eigenen Haus waltet. Im Zeichen seiner Erhöhung ist er wie ein hoch angesehener Gast im Hause eines guten Freundes zu sehen.
Die klasischen Astrologen haben oft eine Punktwertung benutzt, nach der ein Planet in seinem Domizil mit 5 Punkten, in seiner Erhöhung mit 4 Punkten bewertet wurde.

Exil und Fall

Ein Planet steht im Exil, wenn er sich in jenem Zeichen befindet, das dem Zeichen gegenüberliegt, in dem er sein Domizil hat (siehe Abbildung). Mit Ausnahme von den beiden Lichtern Sonne und Mond haben alle antiken Planeten zwei Domizile und damit auch zwei Exile. So hat beispielsweise Mars seine Domizile in Widder und Skorpion und deshalb seine Exile in Waage und Stier.

In Fall steht ein Planet im Zeichen gegenüber dem Zeichen, in dem er erhöht ist (siehe Abbildung). So steht Mars in Steinbock erhöht und deshalb in Krebs in Fall.

Planeten in Exil oder Fall stehen nicht unbedingt schwach! Vielmehr können sie (insbesondere die Übeltäter Saturn und Mars) dort ihre negativeren Eigenschaften entfalten.

Triplizitäten

Nach der Elementenlehre gibt es im Tierkreis die Feuer-, Erde-, Luft- und Wassertriplizität (Triplizität = dreifaches Vorkommen, weil zu jeder Triplizität drei Zeichen gehören), in denen nach alten Regeln bestimmte Planeten herrschen. Für die Bestimmung dieser Triplizitätsherrscher ist es wichtig zu wissen, ob man es mit einem Nacht- oder einem Tageshoroskop zu tun hat. Dieser Unterschied ist sehr einfach:

  • Tageshoroskop: Sonne steht über dem Horizont (oberhalb der AC/DC-Achse)
  • Nachthoroskop: Sonne steht unter dem Horizont (unterhalb der AC/DC-Achse)

Jedes Zeichen hat drei Triplizitätsherrscher: einen Tagesherrscher, einen Nachtherrscher und einen zusätzlicher Herrscher, der sowohl bei Tag als auch bei Nacht regiert.

Triplizität Tagesherrscher Nachtherrscher

2. Herrscher
(Tag und Nacht)

Feuer Sonne Jupiter Saturn
Erde Venus Mond Mars
Luft Saturn Merkur Jupiter
Wasser Venus Mars Mond

Es ist nicht immer sofort verständlich, weshalb bestimmte Planeten bestimmte Triplizitäten beherrschen. Dafür ist es wichtig Folgendes, zu wissen:

  • Tageszeichen: die Feuer- und Luftzeichen
  • Tagplaneten: Sonne, Jupiter, Saturn
  • Nachtzeichen: die Erd- und Wasserzeichen
  • Nachtplaneten: Mond, Venus, Mars
  • Merkur passt sich den Umständen an!

Nehmen wir als Beispiel jetzt die Feuer-Triplizität: Dass die Sonne als warmer und trockener Tagesplanet das Feuer beherrscht, ist logisch. Auch der Tagesplanet Jupiter, warm und feucht, Herrscher des Feuerzeichens Schütze, ist in dieser Triplizität nicht fehl am Platz. (Die Nacht ist feucht!) Aber warum steht in der dritten Spalte nicht Mars als Triplizitätsherrscher, wie man vermuten würde? Die Antwort lautet: Weil Mars ein Nachtplanet ist! Deshalb ist Saturn als Tagesplanet der dritte Herrscher über das Feuer. Aus dem gleichen Grund kann Saturn, obwohl er in Steinbock sein Domizil hat, nicht die Triplizität Erde beherrschen, die zur Nacht gehört.

Die Triplizitäten können einem Planeten manchmal einen doppelten Charakter geben: Saturn steht beispielsweise in Widder sowohl in Fall als in Triplizität. Das Gleiche gilt für Venus in Jungfrau (bei Tag), Mond in Skorpion, Mars in Krebs. Ein solcher Planet ist zwar 'schlecht' gestellt, aber zeigt hin und wieder auch seine freundliche Seite.

Die klassischen Astrologen bewerteten die Triplizitätsherrscher mit 3 Punkten, indem sie beispielsweise dem Tages- oder Nachtherrscher 2 Punkte und dem zweiten Herrscher 1 Punkt zuteilten.

Es gibt noch ein zweites System mit nur zwei Triplizitätsherrschern pro Element, das beispielsweise von dem berühmten englischen Astrologen William Lilly (1602–1681) benutzt wurde und in der Stundenastrologie oft Anwendung findet. Es sieht folgendermaßen aus:

Element Tagesherrscher Nachtherrscher
Feuer Sonne Jupiter
Erde Venus Mond
Luft Saturn Merkur
Wasser Mars Mars

Wie man sieht, ist hier für jedes Element der dritte Herrscher weggefallen und Wasser wird sowohl bei Tag als bei Nacht von Mars beherrscht.

Die kleineren Würden

Domizil, Erhöhung und Triplizität sind die wichtigsten Würden. Die kleineren Würden Grenzen (fines) und Dekanate werden allgemein als weniger wichtig betrachtet (und mit 2 bzw. 1 Punkt bewertet). Deshalb fallen sie außerhalb des Rahmens dieses Buches.

Peregrinität

Steht ein Planet weder in seinem Domizil, seiner Erhöhung oder Triplizität noch in seinem Exil oder Fall, so gilt er als 'peregrin' (Latein: 'peregrinus' = fremd). Ein solcher Planet ist meistens geschwächt, weil er seine Kräfte nicht entfalten kann. Nur wenn der peregrine Planet in einer gegenseitigen Rezeption steht, kann der empfangende Planet ihm mehr Kraft verleihen. Mehr dazu im Abschnitt Gegenseitige Rezeption.

Beispiele: Mond steht peregrin in den Feuer- und Luftzeichen, Sonne in den Erd- und Wasserzeichen und im Luftzeichen Zwillinge.

Die akzidentellen Würden

Bei der Feststellung, ob ein Planet seine guten oder eher schlechten Eigenschaften zeigt, werden insbesondere seine essenziellen Würden (Domizil, Erhöhung, Triplizität, Exil, Fall) beachtet. Aber ein Planet in seinem Domizil kann trotzdem geschwächt und umgekehrt in seinem Exil stark sein. Seine Stärke oder Schwäche hängt von seinen akzidentellen Würden ab. Diese werden akzidentell (= 'zufällig') genannt, weil Planeten diese Würden oft nur relativ kurze Zeit besitzen. Es geht hier meistens um

  • die Bewegungsart (direkt oder rückläufig)
  • die Hausstellung: Das 6., 8. und 12. Haus (und teilweise auch das 7. Haus als Haus der öffentlichen Gegner) werden in der Klassik als ungünstig betrachtet Ausnahmen: Mars im 6. und Saturn in 12. Haus, siehe unten
  • die Aspekte: Die Aspektbildung, wozu auch Verbrennung und Casimi gehören, werden im nächsten Kapitel erklärt.

Übrigens wird in der klassischen Astrologie ein Planet, der bis etwa 5° vor der nächsten Häuserspitze steht, schon zu diesem nächsten Haus gerechnet! Nur wenn sich zwischen Planet und Spitze des nachfolgenden Hauses eine Zeichengrenze befindet, rechnet man den Planet noch zum Haus, in dem er 'leiblich' steht.

Planeten stehen akzidentell stark, wenn sie

  • sich an den Achsen oder in einem Eckhaus befinden
  • gute Aspekte empfangen, insbesondere von den Wohltätern Jupiter und Venus
  • in Casimi ('im Herzen der Sonne') stehen
  • in ihrem eigenen Licht stehen, das heißt ein Tagesplanet in einem Tageshoroskop über dem Horizont, ein Nachtplanet in einem Nachthoroskop über (nicht unter!) dem Horizont
  • in ihren Freuden stehen (siehe unten)

Planeten stehen akzidentell schwach, wenn sie

  • rückläufig sind
  • von der Sonne verbrannt werden (sich innerhalb 6°– 8° von der Sonne befinden)
  • im 6., 8. oder 12. Haus stehen
  • sich zwischen den Übeltätern Mars und Saturn (in 'Belagerung') befinden oder/und schlechte Aspekte empfangen, insbesondere von Mars und Saturn
  • im Leerlauf sind.

Planeten in ihren «Freuden»

Nach der klassischen Tradition haben die sieben antiken Planeten alle in einem bestimmten Haus ihre 'Freude': In diesem Haus fühlen sie sich wohl und können sie ihren Aufgaben gerecht werden:

Planet Freude in:
Sonne 9. Haus
Mond 3. Haus
Merkur 1. Haus
Venus 5. Haus
Mars 6. Haus
Jupiter 11. Haus
Saturn 12. Haus

Den Freuden der Planeten liegt eine gewisse Systematik zugrunde. In meinem Buch Stundenastrologie in der Praxis schreibe ich dazu (S. 83–84):
"Die Tagplaneten Sonne, Jupiter und Saturn haben ihre Freuden in Häusern über dem Horizont, die Nachtplaneten Mond, Venus und Mars in Häusern unter dem Horizont. Die beiden Lichter Sonne und Mond haben ihre Freuden in oppositionellen Häusern, wie auch die beiden Wohltäter Jupiter und Venus und die beiden Übeltäter Saturn und Mars. Der doppelgeschlechtige Merkur hat seine Freude im 1. Haus, das an der Grenze zwischen Tag und Nacht liegt. Die Sonne hat ihre Freude im 9. Haus, weil sie, wenn sie sich dort (kurz nach der Mittagsstunde) befindet, ihre größte Wärme ausstrahlen kann. Als schnellster Himmelskörper hat der Mond seine Freude im 3. Haus: dem Haus der Bewegung. Venus hat ihre Freude im 5. Haus, welches u.a. das Liebesleben regiert. Jupiter hat seine Freude im 11. Haus, das von alters her mit Glück und Hoffnung verbunden wurde. Die beiden Übeltäter Mars und Saturn haben ihre Freuden in den Unglückshäusern 6 und 12."

Meiner Meinung nach sind die 'Freuden' der Planeten völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten und sollten auch in der Radixdeutung wieder beachtet werden.

Planeten, Würden und Tierkreiszeichen

In der modernen Astrologie ist die inhaltliche Beschreibung der Tierkreiszeichen universell, das heißt unabhängig von den einzelnen Horoskopen. In der klassischen Astrologie dagegen hängt der Charakter eines Zeichens stark vom Zustand seines Herrschers im Horoskop ab. Weil diese Herrscher in jedem Horoskop wieder anders stehen, muss auch die Bedeutung der Zeichen in jedem Horoskop neu analysiert werden. Ein Beispiel: Nach der klassischen Auffassung hängt also die Bedeutung des Zeichens Widder in einzelnen Horoskopen vom Zustand seines Herrschers Mars ab; steht dieser gut und stark, beispielsweise in seinem eigenen Zeichen Widder im 1. Haus, können die positiven Bedeutungen des Widders zur Geltung kommen. Steht er aber schlecht und schwach, beispielsweise in seinem Exil Stier im 8. Haus, werden vor allem die schlechten Eigenschaften des Widders hervortreten.

Der niederländische klassische Astrologe Martien Hermes vergleicht diese Abhängigkeit der Zeichen von ihren Herrschern sehr schön mit der Lage einer Firma: Das Zeichen ist die Firma, sein Herrscher der Manager. Ist der Manager schlecht, geht es der Firma meistens auch nicht blendend!

Vergessen wir auch nicht, dass die Hauptbedeutungen der Zeichen aus denen der Planeten und deren Würden entstanden sind! Warum ist beispielsweise Wassermann allergisch gegen Autoritäten? Weil die Sonne (= Autoritäten) in Wassermann in ihrem Exil steht! Mit Uranus hat das (klassisch gesehen) nichts zu tun!

Entnommen aus
Erik van Slooten:
Klassische Horoskopdeutung.
Chiron Verlag, Tübingen, 2005.

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Aktuelle Planetenstände
23-Okt-2014, 00:20 Weltzeit
Sonne29Waage31' 5"
Mond19Waage4'20"
Merkur17Waage29'42"r
Venus28Waage55'41"
Mars27Schütze28'26"
Jupiter19Löwe18'57"
Saturn22Skorpion50'36"
Uranus13Widder54'37"r
Neptun4Fische57'38"r
Pluto11Steinbock13'32"
Mondkn.(w)19Waage18' 8"
Chiron13Fische34'12"r
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