Chiron, Pholus & Co.

Am 1. November 1977 entdeckte der amerikanische Astronom Charles Kowal einen Kleinplaneten in einer außergewöhnlichen Bahn und taufte ihn einige Wochen später auf den Namen Chiron. Es gibt zwar hunderte von Planetoiden im Sonnensystem - und viele davon sind größer als dieses neue Objekt mit seinen maximal 160 km Durchmesser -, doch durch die Lage seiner Bahn zwischen Saturn und Uranus ist Chiron einzigartig. Chiron hat eine Umlaufzeit von ca. 50 Jahren und nähert sich immer wieder stark an Saturn und Uranus an. Seine Bahn ist instabil, d.h., sie befindet sich vermutlich erst seit einigen tausend Jahren in dieser Position und wird nur einige weitere tausend Jahre dort verweilen. 1991 wurde Chiron als eingefangener Komet klassifiziert. Die Astronomen sind sich nicht ganz einig, ob Chiron ein Planetoid oder ein Komet ist. Er ist daher sowohl im Kleinplanetenkatalog als auch im kürzlich geschaffenen Kometenkatalog verzeichnet. Seine Position kann im Zeitraum von 1500 v.Chr. bis 4000 n.Chr. gut berechnet werden, außerhalb dieser Zeit ist sie jedoch unsicher.

Als besonders ungewöhnlich gilt die Lage der Bahn Chirons zwischen Saturn und Uranus; ungeachtet der astronomischen Klassifikation als Asteroid bzw. Komet nimmt Chiron daher gewissermaßen die Rolle eines Planeten an. Chiron SymbolZudem ist seine Bahn - ähnlich der des Pluto - stark exzentrisch, so daß Chiron sowohl die Bahn des Saturn als auch die des Uranus gelegentlich kreuzt. Daher gilt er den Astrologen als "Vermittler" zwischen diesen beiden astrologischen Kräften, als Bindeglied zwischen dem "Hüter der Schwelle" (Saturn) und den äußeren Planeten. So werden Chiron in der astrologischen Deutung u.a. sowohl saturnische als auch uranische Eigenschaften beigelegt. Entgegen der heutigen Klassifikation als eingefangener Komet hielt man Chiron ursprünglich für einen verirrten Planetoiden, weitab von der "Herde" der anderen Planetoiden zwischen Mars und Jupiter. Dieser Umstand führte - zusammen mit den Bahneigenschaften - dazu, Chiron als "Maverick" (Einzelgänger, Abtrünniger) zu bezeichnen. Als Symbol für Chiron hat sich mittlerweile das abgebildete, schlüsselförmige Zeichen allgemein durchgesetzt. Auch hierauf greift die astrologische Deutung zurück: Chiron ist der Schlüssel sowohl zu den transsaturnischen Planeten als auch zu jenen Lebens- und Erfahrungsbereichen, die über die klassische Mythologie erschlossen werden.

Kronos und Rhea Dem Mythos zufolge stellte Kronos (Saturn) einst der Nymphe Philyra nach. Mitten im Geschlechtsakt ertappte ihn seine Gattin Rhea, worauf er sich in einen Hengst verwandelte und floh. Aus dieser Vereinigung ging der Kentaur Chiron hervor, ein Wesen, halb Mensch und halb Pferd. Philyra war nach der Geburt über ihr häßliches Kind so entsetzt, daß sie Zeus bat, sie in einen Lindenbaum zu verwandeln. Nach dieser frühen Abweisung durch seine Mutter lebte Chiron in einer Grotte auf dem Berg Pelion als Erzieher von Helden und als Lehrer der Heil-, Jagd- und Kriegskunst sowie der Musik. Seine bekanntesten Schüler waren Achilles und Asklepios. Auch Chirons Ende ist bedeutsam: Unbeabsichtigt wird er von einem Giftpfeil seines Freundes Herakles getroffen. Da Chiron als Halbgott unsterblich ist, muß er mit der unheilbaren Wunde weiterleben. Schließlich bietet er dem Zeus die eigene Unsterblichkeit zur Sühnung des Frevels des Prometheus an und wird damit von seiner Qual erlöst.

Chiron ist ein Wesen zwischen Tier und Mensch, er verbindet die dunkle, naturhafte, instinktive Seite mit der vernunftmäßigen. Astrologisch steht er für Weisheit, Besonnenheit und die Meisterschaft über das innere Dunkel. Wegen seiner unheilbaren Verwundung wird er mit körperlichen und seelischen Leiden in Verbindung gebracht. Außerdem wird ihm die Fähigkeit nachgesagt, aus dem eigenen Leiden Weisheit gewinnen und das Leiden anderer Menschen lindern zu können. Bei der Deutung sollte man beachten, daß Chiron, wie andere Planetoiden, nicht auf der gleichen Ebene wie die klassischen Planeten steht. Er sollte nur bei Bedarf zusätzlich in Betracht gezogen werden. Daher ist Chiron auf den Zeichnungen auch nicht ins Aspektbild integriert.

Pholus und andere neue Planeten

Seit 1992 ist Chiron nicht mehr der einzige Kleinkörper im äußeren Sonnensystem. Es wurden einige weitere Planetoiden im Raum zwischen Saturn und Neptun entdeckt. Der erste von ihnen erhielt nach dem wichtigsten Kentaurenkollegen Chirons den Namen Pholus. Die ganze Gruppe dieser Objekte wird als "Kentauren" bezeichnet. Außer den Kentauren wurde im Bereich von Pluto und jenseits von ihm ein neuer großer Kleinplanetengürtel entdeckt, der vermutlich noch weit mehr Mitglieder besitzt als der Hauptgürtel zwischen Mars und Jupiter. Pluto selbst ist wohl als ein Mitglied dieser Gruppe anzusehen, ist allerdings weit größer als seine neuen Kollegen.

Der Planetoid Pholus berührt an den Extrempunkten seines Weges um die Sonne die Bahnen von Saturn und Neptun. War Chiron ein Schlüsselplanet von Saturn zu Uranus, so ist also Pholus ein Neptunschlüssel. Seine mittlere Sonnendistanz ist ein wenig größer als diejenige von Uranus, seine Umlaufzeit beträgt 92 Jahre. Im Mythos ist Pholus der Verwahrer des Weines der Kentauren, um den der Kampf zwischen Herakles und den Kentauren entbrennt. Wie Chiron wird auch Pholus unabsichtlich in den Kampf verwickelt und kommt durch einen tragischen Unfall ums Leben. Als er einen Giftpfeil des Herakles neugierig untersucht, verletzt er sich tödlich.

Nach ersten Untersuchungen zeigt Pholus astrologisch außergewöhnliche Fähigkeiten auf einem bestimmten Gebiet an oder eine Experimentierfreude, die zu unerwarteten Resulaten führt. In Transiten über die Hauptachsen markiert er oft radikale und unerwartete Veränderungen im Leben der betroffenen Personen, was im Mythos durch den plötzlichen Tod angezeigt wird.

Literatur

Erminie Lantero, The Continuing Discovery of Chiron, Samuel Weiser Inc. (1983), 189 pages, ISBN 0-87728-549-7. Ein ausführliches und fundiertes Deutungsbuch auf der Basis eines symbolisch-archetypischen Ansatzes.

Melanie Reinhart, Chiron - Heiler und Botschafter des Kosmos
Edition Astrodata. Empfehlenswert.
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Robert v. Heeren und Dieter Koch, Pholus. Wandler zwischen Saturn und Neptun, Chiron Verlag, Mössingen 1995.
Ein überaus fundiertes Werk, das u.a. auch näher auf Chiron eingeht. Sehr empfehlenswert.
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