Das innere Kind im Horoskop

von Brigitte Hamann


Das innere Kind als Ursprung unseres Lebens

In seiner elementaren Form ist unser inneres Kind die ursprüngliche Motivkraft in uns, die unser persönliches Universum entstehen lässt. Es ist die Kraft in uns, die nach Erfahrungen und nach Sinn sucht, die die Welt gestalten will, der Spieltrieb des Menschen, seine Glücksfähigkeit, die Gabe zu Muße und Schönheit, der Teil, der lieben und geliebt werden will, der vertraut und der immer jung sein kann. Es ist der Forscher, Erfinder und Entdecker in uns, der wissen möchte, wie die Dinge funktionieren oder wie er sie zum Funktionieren bringen kann. Es lässt uns den Zustand von flow erleben: die Versunkenheit in das, was wir gerade tun. Das freie innere Kind lebt aus der Intelligenz seines Herzens, ist auf den Augenblick bezogen und intuitiv und lebt in seiner Welt, in der die Zeit unterschiedlich schnell vergeht, nach eigenen Rhythmen und Gesetzmäßigkeiten. Im Kontakt mit unserem inneren Kind zu sein bedeutet, in Verbindung mit dem Urklang unserer Seele zu sein. Wir stehen an der Quelle unseres Lebens und fühlen das tiefe Glück zu wissen, was wir wirklich wollen und in welche Formen sich dieser Wunsch ergießen kann. Unser inneres Kind als Ursprung, Quelle, Lebensmotiv und Basis unseres Seins teilt sich in zwei Pole auf:

  • das freie innere Kind, das uns durch Freude, Liebe und Erfüllung den Zugang zu unserer Quelle eröffnet.
  • das verletzte innere Kind, das aus der Vergangenheit heraus lebt und die Gegenwart durch den Filter von Erfahrungen des Mangels, der Zurückweisung und Kränkung sieht.

Das innere Kind im Horoskop
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Unsere Kindheit - die Zeit, in der wir ganz offen und am prägbarsten sind - führt uns zu unserem inneren Kind und damit auch zu der Quelle unseres Lebens. Was wir in den ersten Jahren erleben, lässt ein Motiv in uns entstehen, das uns mit großer Kraft, Sehnsucht und einem tiefen Willen erfüllt, etwas Bestimmtes zu tun oder zu erreichen. In dieser Zeit denken wir noch nicht bewusst, wir analysieren und kategorisieren noch nicht auf die Weise, wie wir es später tun können, wenn unsere intellektuellen Fähigkeiten wachsen und wir uns und andere aus einer Distanz betrachten können. Wir sind ganz mit unserem Erleben identifiziert. Daher kennen wir als Erwachsene dieses Urmotiv nicht. Es liegt im vorgedanklichen Bereich und auch seine späteren Ausprägungen durch weitere Erlebnisse in der Kindheit nehmen wir nicht als unsere persönliche Geschichte wahr, sondern als das, was die Welt an sich charakterisiert. So ist die Welt für uns. Entsprechend ist die Frage, die sich mit den Grundfesten unserer Existenz befasst: "Was will ich wirklich in der Tiefe meines Herzens?", die wir auch so stellen können: "Was will mein inneres Kind?"

Die Dinge, nach denen wir streben, sind die Dinge, in denen sich die Sehnsucht kristallisiert, um die es uns in Wahrheit geht. Wir können sie (noch) nicht in ihrer Essenz formulieren, sondern legen sie in Menschen und Dinge hinein, die für das stehen, worum es uns eigentlich geht. Deshalb sollten wir uns fragen - wenn wir uns z.B. ein Boot oder ein Schiff wünschen: "Was will ich wirklich?" "Welches Gefühl glaube ich zu erleben, wenn ich dieses Schiff habe?" Wofür steht der Erfolg, den ich anstrebe? Wofür die Apotheke, die Praxis oder das Haus, das ich mir bauen will? Was steht noch dahinter außer der Frage, dass wir unseren Lebensunterhalt verdienen oder irgendwo wohnen müssen? Und: Was verbinde ich mit der Sehnsucht nach einem bestimmten Menschen, den ich mir als Partner wünsche? Welches tiefere Bedürfnis hoffe ich zu erfüllen? Besonders Partnerschaften leiden oft darunter, dass wir unterbewusst erwarten, dass der andere unsere frühen Defizite ausgleichen und uns erlösen wird. So kann uns jeder Wunsch ebenso wie alles, was wir ablehnen, zu unseren Urmotivationen und damit zu unserem Wesenskern führen.

Das verletzte innere Kind

In uns allen lebt auch ein Teil, in dem die Erfahrungen gespeichert sind, die mit Angst, Zurückweisung, Nichtgenügen, Mangel, Ohnmacht, Kränkung und Demütigung, Frustration und Enttäuschung zu tun haben. Eltern, die ein Verhalten zeigen, das ihrem Kind diese Empfindungen vermittelt, tragen selbst unbewältigte Verletzungen in sich. Sie kompensieren ihre eigenen seelischen Wunden, Schuldgefühle und Ängste und verhalten sich oft so, wie sie es selbst an ihren Eltern erlebt haben. Meist ist ihnen gar nicht bewusst, was sie ihrem Kind antun. Sie verstehen die Welt des Kindes nicht, denn sie haben vergessen, wie sie damals gefühlt, gedacht und erlebt haben.

Eine "genügend gute Mutter" oder Vater zu haben, ist ein großes Glück. Dennoch werden in Familien über Generationen hinweg Themen weitergegeben, und auch die genügend guten Eltern und eine ideale Umwelt bewahren uns nicht davor, Erfahrungen zu machen, die "uns aus dem Paradies vertreiben" und unseren Lebensweg prägen. Ein Bild dafür ist das Leben Buddhas, der, obwohl sorgsam behütet, mit dem Leid der Welt in Berührung kam und so das erfüllte, was als seine Bestimmung betrachtet werden kann. Wichtig ist zu bedenken, dass Buddha die Möglichkeit hatte, die Augen zu schließen und in sein Wohlleben zurückzukehren. Aber etwas in ihm entschloss sich, seinen ganz eigenen Weg zu gehen und das zu tun, was seinem tiefsten Seelenantrieb entsprach.

Was uns verletzte und ängstigte, was für uns zu einem prägenden Schlüsselerlebnis wurde, stellte uns vor Aufgaben, die unser erfinderisches inneres Kind herausforderten, aktiv zu werden. Bei genauer Betrachtung entwickeln Kinder Lösungsstrategien, die innerhalb ihrer Situation optimal sind. Dies gilt sowohl für den Umgang mit den konstruktiven Aspekten ihres Lebens wie auch mit den belastenden. Sie entwickeln angeborene Fähigkeiten, üben sie ein und lernen, was für sie funktioniert und was nicht. In ihrer kindlichen Welt sind sie ausgesprochen erfolgreich. Auch später wendet unser inneres Kind die gleichen Strategien ein wenig modifiziert an.

Weshalb ist der Erwachsene mit diesen Strategien meist weitaus weniger erfolgreich als das Kind?

Ein wesentlicher Grund ist, dass die Verbindung zwischen dem inneren Kind und dem inneren Erwachsenen zu wenig ausgebildet ist. Besonders dort, wo wir uns verletzt oder traumatisiert fühlen, verharren wir emotional in der Vergangenheit. Das verletzte innere Kind wächst nicht mit. Anders als das freie innere Kind, das Kind im ursprünglichen schöpferischen Sinn bleibt und doch das richtige Maß an Erwachsen-Sein ausbildet, kreisen die Aufmerksamkeit und Energie des verletzten inneren Kindes um die immer gleichen Erfahrungen. Wie verhext scheint es zu sein, wenn sich auch im Leben des Erwachsenen immer wieder die gleichen Erfahrungen mit neuen Menschen und neuen Situationen wiederholen. Das verletzte innere Kind re-inszeniert, was es nicht bewältigt hat, leidet die gleichen Schmerzen und - wächst dabei. Jede Re-Inszenierung bietet die Chance, bessere Lösungen als die bisherigen zu finden. Was in den Kellerräumen unserer Erfahrung liegt, kann vergessen, aber nicht ignoriert werden. Es kommt uns auch als Erwachsene in unterschiedlichen Formen entgegen, oft so gut verpackt, dass wir es erst nach einiger Zeit erkennen. Der Weg zu innerer Freiheit und Selbstbestimmtheit führt durch das Tor des verletzten inneren Kindes.

Die Auseinandersetzung mit unserem verletzten inneren Kind hat nichts mit einem Herumstochern und permanenten Aufarbeiten früherer Erlebnisse zu tun. Es ist vielmehr ein aktiver, schöpferischer Prozess, bei dem wir den fortlaufenden roten Faden in unserem Leben als das erkennen, was er ist: ein von uns selbst künstlich am Leben erhaltenes altes Theaterstück, das wir selbst an Eckpunkten unseres Lebens geschrieben haben und das wir wieder und wieder aufführen.

Auch unser freies inneres Kind re-inszeniert, was erfolgreich war. Das hat den Vorteil, dass wir auf eingeübte, vorgefertigte Muster zurückgreifen können. Wenn das verletzte innere Kind dies tut, sucht es eine Möglichkeit, schmerzhafte Erfahrungen loszulassen und entwickeltere Formen alter, ehedem funktionstüchtiger Muster zu finden. So kann es sich ebenso aus der Vergangenheit lösen wie aus dem vergeblichen Versuch, alte Bedürfnisse und Sehnsüchte mit den Menschen zu stillen, die heute in sein Leben treten. Ein wichtiger Schritt ist hier, Erfahrungen neu zu deuten - sie in einem anderen Licht zu sehen, also andere Möglichkeiten des Sehens zu finden. Je mehr es uns gelingt, unsere Identifikation mit dem Vergangenen abzulegen oder, anders ausgedrückt, unsere Identität aus der Vergangenheit zu beziehen, desto weiter wird der Raum unserer Möglichkeiten, desto größer unsere Glücksfähigkeit und desto mehr werden wir zu dem Menschen, der wir im Kern sind, dort, wo unser inneres Kind mit seinem ganzen Potenzial auf uns wartet.

Erfahrungen des verletzten inneren Kindes und ihre astrologischen Entsprechungen

Mond / Pluto

(gilt für Skorpion am IC, Pluto im Quadrat zum IC, Pluto im 4. Haus, Mond im Aspekt zu Pluto, Pluto im Aspekt zum Herrscher des 4. Hauses, Pluto im Aspekt zu Planeten im 4. Haus, Mond im Skorpion)

  1. Kontrolle, Unterdrückung
  2. Emotionale Erpressung, unter Druck setzen, sich beklagen oder anklagen, Strafe durch schweigen
  3. Leistungsansprüche, Forderungen, Erwartungen
  4. Macht durch Angst, Leiden, Schuldgefühle, Entsagung
  5. Liebesentzug
  6. Verlangen nicht erfüllbarer Leistungen
  7. Abwerten, ausgrenzen, moralisieren
  8. Ignorieren
  9. Humorlosigkeit

Während des ersten Irak-Krieges wurden amerikanische Luftwaffensoldaten abgeschossen und gefangen genommen. Man zwang sie durch Folter, im Fernsehen aufzutreten und ihren Namen und ihren Dienstgrad zu sagen. Einer von ihnen, ein Pilot, dessen Gesicht deutlich von Misshandlungen gezeichnet war, trat auf und tat, was man von ihm verlangt hatte: Er sagte seinen Namen und seinen Dienstgrad. Nach dieser Übertragung wurden seine Eltern interviewt. Beide waren entsetzt darüber, dass ihr Sohn sich so habe gehen lassen können und dass er nicht "standgehalten" hatte.

Wie mag sich dieser Pilot gefühlt haben, als er wieder nach Hause zurückkehrte und von der Reaktion seiner Eltern erfuhr? In welcher Atmosphäre mag er wohl aufgewachsen sein bei Eltern, die eine derartige Haltung einnehmen? Welche Auswirkungen zeigten sich in seinen Gefühlsbeziehungen und in seinem Identitäts- und Selbstwertgefühl?

Mond / Uranus

(gilt für Wassermann am IC, Uranus im Quadrat zum IC, Uranus im 4. Haus, Mond im Aspekt zu Uranus, Uranus im Aspekt zum Herrscher des 4. Hauses, Uranus im Aspekt zu Planeten im 4. Haus, Mond im Wassermann)

  1. Überbehütendes und überfürsorgliches Verhalten
  2. Überbetonung der Besonderheit des Kindes
  3. Grenzüberschreitung, Übergriffe
  4. Desorientierung durch irrationales Verhalten, Uneindeutigkeit, Widersprüchlichkeit (double-bind Botschaften), Mangel an klarer Ausrichtung
  5. Auftrag, die Vermittler- und Pufferrolle zu übernehmen
  6. Die erwartungsvolle Haltung: das Kind als Hoffnungsträger
  7. Emotionale Kälte (die "Glaswand"), plötzlicher Abbruch von Nähe

Birgits Mutter geht putzen, um ihrer 14-jährigen Tochter eine Karriere als Tennischampion zu ermöglichen. Jeden Abend und am Wochenende sind sie beide auf dem Tennisplatz, wo Birgit trainiert. Wenn sie zu Ausscheidungen fährt, ist die Mutter dabei. Sie richtet die Wäsche, achtet darauf, dass Birgit regelmäßig isst und schläft, spricht mit den Trainern. Birgit gilt als hoffnungsvoller Jungstar.

Auf dem Tennisplatz trifft Birgit am Wochenende häufig ein Ehepaar und ihre kleine Tochter, mit der sie sich gut versteht. Die Kleine ist sechs und Birgit wird wieder ein wenig zum Kind, lacht und tollt herum. Die Eltern suchen für gelegentliche Abende einen Babysitter und fragen Birgit, die ganz in ihrer Nähe wohnt. Sie sagt begeistert ja, und schon ist auch die Mutter zur Stelle und meint: "Für so etwas hat Birgit keine Zeit. Sie muss trainieren und das ist auch das, was sie will."

Wie viel Schuldgefühle empfand Birgit einer so liebevollen Mutter gegenüber, die immer nur ihr Bestes wollte? Wie groß war ihr Recht auf eine unabhängige, eigenständige Entscheidung? Wie sehr durfte sie leben, was ihrem eigenen Rhythmus und ihren eigenen Bedürfnissen entsprach? Rilke formuliert in seinem Spätgedicht "Dauer der Kindheit" die Erfahrung seines Vater mit folgenden Worten:

". Liebe umkreist die besitzende,
das immer heimlich verratene Kind
und verspricht es der Zukunft; nicht seiner."

Mond / Neptun

(gilt für Fische am IC, Neptun im Quadrat zum IC, Neptun im 4. Haus, Mond im Aspekt zu Neptun, Neptun im Aspekt zum Herrscher des 4. Hauses, Neptun im Aspekt zu Planeten im 4. Haus, Mond in den Fischen)

  1. Vernachlässigung
  2. Desinteresse, vergessen, übersehen
  3. Verwirrung, Unklarheit, Desorientierung
  4. Verlust
  5. Haltlosigkeit, Ängste
  6. Fehlende Persönlichkeitsprofilierung eines Elternteils

Sandras Mutter starb, als sie zwei Jahre alt war. Der Vater, der einen Bauernhof und noch weitere vier Kinder hatte, heiratete wieder. Als Sandra sechs Jahre alt war, starb auch diese Frau. Der Vater heiratete ein drittes Mal und seine dritte Frau starb, als Sandra 12 war.

Mit 19 heiratete Sandra einen ehemaligen Mönch, der sehr viel älter war als sie und den sie veranlasste, aus dem Kloster auszutreten. Sie begann, als Krankenschwester zu arbeiten. Die Ehe hielt zehn Jahre, dann erkrankte sie schwer und musste fast ein Jahr im Krankenhaus verbringen. Danach begann sie eine Ausbildung als Therapeutin und eine Beziehung zu einem sehr viel jüngeren Mann, der ebenfalls als Therapeut mit ihr in einer Praxis arbeitete. Die Beziehung war von vielen Höhen und Tiefen gekennzeichnet, und nach jeder Krise sprach Sandra davon, dass sie ihre Beziehung auf ein höheres spirituelles Niveau transformiert hätten. Ihr Partner hatte weiterhin Beziehungen zu anderen Frauen, und schließlich verließ er sie endgültig.

In dieser Zeit veränderte sich Sandra gravierend. Aus einer sehr begabten, realitätsbezogenen Körpertherapeutin wurde eine Frau, die Eingebungen und Hilfe von ihren geistigen Freunden, die immer um sie herum waren, bekam. Sie betrieb nur noch spirituelle Therapie und ihre gutgehende Praxis nahm immer mehr ab. Sandra entwickelte Fantasien über ein spirituelles Wohngemeinschaftsprojekt, das die UNO, so hatte es ihr die geistige Welt gesagt, finanzieren würde. Als sie ein Geländeareal mit Häusern "kaufen" wollte und weder ein UNO-Beauftragter aus heiterem Himmel erschien noch der Besitzer Anstalten machte, das Gelände kostenlos zur Verfügung zu stellen, erlitt sie einen der schlimmsten Zusammenbrüche ihres Lebens. Nach ein paar Tagen eines "reality crash" (Sturz in die Realität) war sie wieder sicher, dass die geistige Welt sich um ihr Projekt kümmern würde und sie gar nichts zu tun bräuchte.

Welche tief sitzenden und umfassenden Ängste entwickelte dieses Kind, für das Alleinsein schon immer beängstigend gewesen war, beim Verlust seiner Mütter? Was hatte es für Sandra bedeutet, dass der Vater ganz auf seine Arbeit konzentriert und seine Kinder nicht wirklich Teil seiner Aufmerksamkeit waren? Welchen inneren Fall ins Bodenlose hatten der Mönch durch seine absolute Verbindlichkeit und die geistigen Freunde durch ihre immer gegenwärtige Präsenz verhindert?

Mond / Saturn

(gilt für Steinbock am IC, Saturn im Quadrat zum IC, Saturn im 4. Haus, Mond im Aspekt zu Saturn, Saturn im Aspekt zum Herrscher des 4. Hauses, Saturn im Aspekt zu Planeten im 4. Haus, Mond im Steinbock)

  1. Strenge Gebote und Verbote, überzogene Grenzsetzung, Beengung
  2. Gleichmachende Gerechtigkeit, die dem Kind selbst nicht gerecht wird
  3. Distanziertheit, Kühle, Zurückweisung
  4. Überforderung durch frühe Aufgaben
  5. Gesellschaftliche Ambitionen und Ängste, "man"
  6. Ablehnen und Verneinen der Besonderheit des Kindes
  7. Depression, überzogene Ernsthaftigkeit

Fünfundzwanzig Jahre war Anita verheiratet, und in dieser Zeit hatte sie immer genau darauf geachtet, sich so zu verhalten, dass sie in den Augen der anderen eine anständige Frau mit einer ordentlichen Ehe und gut erzogenen Kindern war. Sie stand früh morgens auf, kümmerte sich um ihre Kinder, brachte sie zur Schule und bereitete dann in dem Betrieb ihres Mannes alles für seine Ankunft vor. Tagsüber machte sie Büroarbeiten und kochte mittags für alle ein Essen. Abends wusch und bügelte sie und pflegte ihre Mutter, als diese eine langwierige Krankheit hatte. Ihr Mann sprach mit ihr oder auch nicht und gelegentlich hatte sie blaue Flecke an Armen und Beinen und auch einmal im Gesicht. Ihr Mutter ignorierte diese Verfärbungen. Lob bekam Anita, soweit sie sich erinnern kann, nie. Schließlich gelang es ihr, den Entschluss zur Trennung zu fassen. Sie zog im Sommer aus und nahm eine eigene Wohnung.

Weihnachten war ein Fest, das in all diesen Jahren immer bei ihrer Mutter gefeiert wurde - mit der ganzen Familie, Anita, ihr Mann und ihre Kinder. An diesem Weihnachtstag wollte Anita wie üblich mit ihren inzwischen erwachsenen Kindern zu ihrer Mutter gehen, aber ohne ihren Mann. "Das geht nicht," antwortete die Mutter, die die Trennung geheim hielt. "Was sagen denn die Leute, wenn du ohne deinen Mann kommst!"

Welche Botschaften hat Anita von einer Frau empfangen, die aus Angst vor gesellschaftlicher Ablehnung alles ausblendete, was ihr nicht konform erschien? Welchen Eindruck von ihrem Wert als individuelles, fühlendes Wesen hat sie gewonnen? Wie viel Platz darf sie sich nehmen, wie sehr sich ausbreiten und Fülle und Leichtigkeit in ihr Leben bringen?

Das Geschenk aus den Erfahrungen

Jede der in den Geschichten genannten Personen hatte die Möglichkeit, ein Geschenk aus ihren Erfahrungen zu empfangen: Vielleicht wurde der amerikanische Soldat zu einem Menschen, dem die Wurzel von Grausamkeit und Unverständnis besonders deutlich vor Augen stand und der erkannte, dass wir diese Dinge nur verändern können, wenn wir uns des verletzten inneren Kindes im anderen bewusst werden. Birgit hatte die Chance, Liebe und Förderung von Überlagerung und Selbstbedienung zu unterscheiden und zu erkennen, dass der Weg zur persönlichen Freiheit und Individualität über die Bereitschaft führt, auch Menschen zu konfrontieren, die uns durch Fürsorglichkeit und ihre besten Wünsche "verdrehen". Wer diesen Weg gegangen ist, wird zum Symbol von Freiheit für andere. Sandra war eine sensible, einfühlsame, hochbegabte Therapeutin geworden, die sich dann in ihren eigenen ungelösten Themen verfing. Vielleicht ist es ihr inzwischen gelungen, ihr Bedürfnis nach Gemeinschaft und Halt auf eine lebensnahere Art zu stillen und zu einer Therapeutin zu werden, die anderen auf sinnvolle und vorsichtige Weise zeigen kann, wie sie Geborgenheit im nicht konkret Fassbaren gewinnen können. Auf Anitas Weg geht es um das tiefe, schmerzvolle Erfahren von lebensfernen Vorstellungen (hier kommt zusätzlich Mond/Pluto ins Spiel) und um die Konfrontation mit den ungeschriebenen Gesetzen der Gesellschaft und ihrer Relativität, die sie auch anderen vermitteln könnte.

Entnommen aus:
Brigitte Hamann:
Das innere Kind im Horoskop.
Die Entwicklung des Lebenskerns aus astrologischer Sicht.

Chiron Verlag, Tübingen, 2006.

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