Astrologie Zug um Zug

von Peter Schlapp

Der Horoskop-Kreis – Das Schachbrett

Wenn man den Horoskop-Kreis und das Schachbrett betrachtet, fällt auf, dass beide über kein Mittel-Feld (Haus), sondern nur über einen Mittel-Punkt verfügen. Für die Astrologie bedeutet dies, dass kein Feld oder Haus und damit auch kein Lebensbereich gegenüber allen anderen Häusern oder Lebensbereichen in irgendeiner Weise privilegiert ist. Der in beiden Medien dagegen vorhandene Mittel-Punkt ergibt sich im Schach aus dem Spannungsgefüge von vier Eckpunkten, die in einer Opposition zu einander stehen und als Felder ein Quadrat bilden. In einem Horoskop ergibt sich dieser Mittel-Punkt aus dem Schnittpunkt der Häuserachsen. Er fungiert als der symbolische Ort des Menschen. Dieser Schnittpunkt wird aus mindestens zwei Achsen beziehungsweise vier in wechselseitiger Opposition stehender Punkte (AC-DC, MC-IC) gebildet. Im Gegensatz zum Schach, wo sich dieser Mittel-Punkt nur bis zu einem gleichsam irdischen Quadrat als dem begrenzenden Spielrahmen ausdehnen kann, entfaltet er sich in einem Horoskop zum vollendeten Kreis, als dem Symbol eines nie endenden irdisch-kosmischen Zusammenspiels und weitergehend zu einer aufwärts strebenden Spirale.

Trotz aller schier unbegrenzten spielerischen Freiheit im Zusammenspiel der Figuren im Schach können wir uns mit ihnen nicht über das Quadrat des Spielfeldes erheben. Wir bleiben gleichsam Gefangene unserer irdischen Konditionen. Im Gegensatz dazu verbirgt sich in den Tierkreiszeichen ein evolutionäres Potential, mit dessen Hilfe wir uns in den spiralig aufwärts strebenden und sich verfeinernden Frequenzen in ihrer Abfolge von Widder bis Fische, von Zeichen zu Zeichen zu einer höheren Bewusstheit entwickeln können. Im Schach ringen wir spielerisch mit unseren irdischen Bedingungen. Ob Sieger oder Besiegter, wir bleiben der Erde verhaftet. Im Bild der Tierkreiszeichen eröffnet sich uns dagegen ein Weg in kosmische Dimensionen.

Über die Affinität zwischen der Symbolik und den Funktionen der sieben klassischen Planeten und den einzelnen Figuren im Schach

Schachbrett mit Planetenanalogien

Bevor wir zu einer detaillierten Analyse der Analogien zwischen den Schachfiguren und den sieben alten Planeten kommen, möchte ich die Analogien zwischen den Planeten und den Schachfiguren zunächst einmal tabellarisch vorstellen. Die aufgeführten Vergleiche gelten unterschiedslos sowohl für die wei ßen als auch für die schwarzen Figuren. Es versteht sich von selbst, dass die gefundenen Parallelen nicht den Anspruch einer Alleing ültigkeit erheben.

  • Der König im Schach gleich die Sonne;
  • Die Dame im Schach gleich der Mond;
  • Die 2 Türme im Schach gleich Saturn, Herrscher in Steinbock und Wassermann;
  • Die 2 Läufer im Schach gleich Jupiter, Herrscher in Schütze und Fische;
  • Die 2 Springer im Schach gleich Merkur, Herrscher in Zwillinge und Jungfrau;
  • Die 8 Bauern gleich 4x Venus, Herrscherin in Stier und 4x Venus, Herrscherin in Waage;
  • Das ganze Schachbrett, der Kampfplatz gleich Mars, Herrscher in Widder und Skorpion.

Merkur - die Springer

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Schon bei einem ersten Nachdenken über eine mögliche Affinität zwischen den Merkurkräften und den Spielfunktionen der Springer stößt man auf eine Gemeinsamkeit, die so augenscheinlich ist, dass sie schon fast trivial wirkt. Im Schach gibt es einen gut gemeinten Spielhinweis: Springer am Rand, bringt Schimpf und Schand’. In unmittelbarer Analogie dazu finden wir das merkurische Interesse (lat. inter esse gleich dazwischen sein). Wie die Springer findet auch Merkur seine höchste Entfaltung, wenn er nicht am Rande steht, sondern möglichst nach allen Seiten hin aktiv werden kann. Seine weitgehend dem Rössel-Sprung im Schach vergleichbaren Gedanken-Sprünge verfolgen in erster Linie strategische Ziele. Indem sie den Gesprächs- oder Spielpartner mit ihren gleichsam um die Ecke herum vorgebrachten Argumenten beziehungsweise Kampfansagen verwirren, nutzen sie die Vorteile ihres flexiblen Verstandes am besten. Sowohl die Motive ihres Angriffs als auch ihres Rückzuges gleichen sich insofern, als sie den Gegner dadurch irritieren, dass sie ihn nie direkt von vorne, sondern seitlich angreifen und aus einer sowohl räumlich (Schach) als auch gedanklich (Merkur) nicht unmittelbar nachzuvollziehenden Perspektive ihre Argumente abschießen oder sich zurückziehen. Wo der Springer ein relativ großes räumliches Umfeld strategisch beherrscht, beherrscht Merkur ein nicht minder großes rational-geistiges Umfeld, in das sein operatives Denken unmittelbar einfließt und die Kommunikation aller beteiligten Faktoren – Menschen, Gedanken – nachhaltig befruchtet.

Auffallend ist aber auch, dass der Springer mit jedem seiner Züge die Farbe des jeweiligen Ausgangs- und Zielfeldes wechselt, von schwarz auf weiß oder umgekehrt. In der gleichen Weise ist auch Merkur fähig, bei jeder seiner rationalen Operationen ohne zu zögern die Farbe seiner Meinungen zu ändern. Sowohl die Springer als auch Merkur sind ganz eindeutig dem Element Luft zuzuordnen. Einzig der Springer kann sich bei seinen Zügen über alle anderen Figuren erheben. Er zieht nicht, er springt. Nicht anders Merkur. Auch er springt mit seinen Gedanken und Argumenten. Für den Fall, dass er einmal in argumentative Bedrängnis gerät, kann er sich, wie der Springer, mit einem kühnen Gedankensprung oder Spielzug geschmeidig in Sicherheit bringen. Vergleicht man einmal die Anfangssituation beim Schach mit dem Beginn unseres Lebens, dann stößt man auf eine besondere Affinität zwischen den Springern und den Bauern und zwischen Merkur (Denken) und Venus (Empfindungen). Sie sind die einzigen Figuren im Schach und unsere einzigen Anlagen, mit denen wir aus der Anfangsposition heraus unmittelbar aktiv werden können. Schon unmittelbar nach der Geburt agieren und reagieren wir mittels unserer fünf Sinne (Venus), deren Reize auf einer ersten Verstandesstufe von Merkur neural koordiniert und vermittelt werden.

Die Wirkungsenergie des Merkur lässt sich aber auch noch auf einer anderen Ebene mit der der Springer vergleichen. Beide sind sehr eng mit dem Prinzip der Drei assoziiert. Merkur ist Herr des dritten Zeichens und Hauses. Alle bei einem Menschen wesentlich durch Merkur gesteuerten Handlungs- oder Entscheidungsprozesse folgen dem klassischen Muster des Dreischritts: These, Antithese, Synthese. Im Vergleich dazu zielen alle Züge der Springer trotz aller scheinbaren Umwege doch immer auf ein ganz konkretes, schon vorher avisiertes drittes Feld. Dieses dritte Feld kann der Springer nun aber sowohl in der Breite, (ein Sprung nach vorne, zwei zur Seite) als auch in der Tiefe (zwei Sprünge nach vorne, einen zur Seite) erreichen. Vergleichbar setzt Merkur seine Verstandeskräfte in seiner Zwillings-Frequenz mehr in die Breite gehend, mehr an der Oberfläche der Erscheinungen haftend und in seiner Jungfrau-Frequenz mehr in die Tiefe gehend ein. Insofern jede Synthese auch einem Ordnungs-Prinzip auf einer höheren Ebene gleicht, ergibt sich daraus eine Analogie zum Ausdruck des Merkur in seiner Jungfrau-Frequenz.

Merkur als reine Energie

Merkur fungiert in seinem reinen Ausdruck als astrologischer Indikator unserer Fähigkeit zu denken. Während wir über den Mond ausschließlich subjektiv fühlen und über die Venus objektiv empfinden, hilft uns Merkur, Zusammenhängen unserer Lebenswirklichkeit mit unserem Verstand sowohl subjektiv als auch objektiv zu erfassen. Es geht zunächst einzig darum, mit Hilfe unseres Denkens die materiellen und immateriellen Bedingungen der Welt in dem Sinne zu verstehen, dass wir sie messen, analysieren, werten und darüber einen informellen Austausch herbeiführen und diesen in unserem Hirn in ein neurales Netzwerk einbinden. Um zu einem daraus abgeleiteten Verständnis unserer körperlichen, seelischen und geistigen Umwelt zu gelangen, benutzen wir Worte, Sprache, Zahlen, Begriffe und Symbole. Sie helfen uns, die Zuständlichkeit der Welt und unsere mit ihr gemachten Erfahrungen zu benennen und damit greifbar und begreifbar und wieder abrufbar zu machen. Nach Schopenhauer dient unser Verstand ausschließlich dazu, uns die Gesetze der Materie, der Zeit, des Raumes und der Kausalität erkennen zu lassen. Über Merkur wird alleine die in uns angelegte mental-rational-intellektuelle Ebene angesprochen. Unsere über sie gesteuerte Orientierung in der Welt erfolgt, indem wir zählen, teilen, ordnen, urteilen, erkennen und vergleichen. Um zu für uns wichtigen Erkenntnissen zu kommen, können wir uns betreffende Sachverhalte nur im Rahmen von Polaritäten – richtig-falsch, rechts-links, hinten-vorne, oben-unten, vorher-nachher, deutlich-undeutlich, klar-unklar, sinnvoll-sinnlos, usw. – wahrnehmen und definieren. Mit unserem Denken können wir jedoch auch zu für uns eindeutigen Beurteilungen kommen, indem wir wahlweise induktiv vorgehen, das heißt vom Kleineren auf das Größere oder deduktiv, vom Größeren auf das Kleinere schließen.

MercurUnter dem Einfluss des Merkur gilt unser höchstes Streben der Absicht, mit unserem Denken die objektive Wahrheit eines Sachverhaltes herauszufinden. Beim Versuch eines absolut objektiven Erkennens bleiben wir jedoch in unserem individuellen, subjektiven Bezug zu einer möglichen objektiven Wahrheit stecken. Nicht zuletzt die Ergebnisse der Forschungen der Quantenphysik haben ergeben, dass es für den Menschen keine objektiv zu erkennende Wahrheit geben kann, da wir in die von uns untersuchten Sachverhalte als deren Beobachter unlösbar einbezogen sind. Die einzige uns mögliche Annäherung an eine objektive Wahrheit besteht in deren intersubjektiver Betrachtung und Bewertung. Mit unserem Denken vermögen wir also nicht die Wirklichkeit, sondern nur die Realität, das heißt unsere Art der Wahrnehmung der Wirklichkeit – die Landkarte ist nicht die Landschaft – zu erfassen.

Im Vergleich mit den Planetenenergien – Mars-wollen, Venus-empfinden und Mond-fühlen – eröffnet Merkur uns jedoch eine völlig neue Dimension. Mit Mond, Venus und Mars können wir nur unsere reale körperlich-seelisch-geistige Befindlichkeit erfassen. Merkur eröffnet uns dagegen die vielfältigsten Perspektiven auf die Welt des Irrealen und des Imaginären. Wir können uns zwar auch Töne, Licht, Farben, Freude, Trauer, einen besonderen Duft oder Geschmack vorstellen, sie wirklich sinnlich zu erfahren, ist uns jedoch solange versagt, bis wir ihre Wirkungen am eigenen Leib erfahren. Ganz anders mit Merkur. In unserem Denken können wir uns gleichsam unserer Körperlichkeit entledigen und unser eigener Zuschauer sein. Mit unserem merkurischen Verstand und unseren Gedanken können wir spielen. Mit seiner Hilfe können wir aus uns heraustreten. Wir können, ohne uns festzulegen, gleichsam probeweise denken. Im Gegensatz dazu sind wir selbst dann, wenn wir mit unserem Fühlen, Empfinden und Wollen nur spielen, uns selbst gegenüber verantwortlich.

Denken oder Vorstellungen entwickeln können wir dagegen völlig unverantwortlich. Die Gedanken sind frei. Unsere Gefühle, unsere Empfindungen und unser Wollen sind es nicht. Wenn wir fühlen, empfinden und wollen stehen wir selbst auf dem Spiel. Wir sind gleichsam unser eigener Spieleinsatz, um den wir auch selbst würfeln. Alleine mit unserem Denken können wir die Zeit sprengen. Mühelos können unsere Gedanken aus der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft überwechseln. In unserem Denken können wir leicht an das vor- oder zurückdenken, an was wir einmal gedacht haben oder einmal denken werden.

Alle diese Fähigkeiten unseres Denkens nähren den Anschein, dass wir uns mit unserer Fähigkeit zu denken, endgültig über die Instinktebene unserer Anlagen erhoben haben. Nicht zufällig definieren wir unser Mensch- und nicht mehr Tier-Sein mit der Feststellung: cogito, ergo sum, ich denke, also bin ich. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir uns kraft unseres Denkens und unserer Vernunft zur Krönung der Schöpfung aufgeschwungen haben. Dass es sich dabei in Wahrheit um eine sowohl individuelle als auch kollektive Projektion handelt und es sich dabei eigentlich nur um eine durch nichts begründeten Hybris handelt, muss nicht näher erläutert werden. Wenn wir versuchen, die allgemeine und für jedermann sicht- und erfahrbare Befindlichkeit der Welt und der Menschheit, wie sie sich seit Menschengedenken in ihren schrecklichsten Szenarien als Krieg, Hunger, Verfolgung, Mord, Folter, Vergewaltigung und vielfältigste Not darstellt, auch nur für einen Augenblick objektiv zu betrachten, dann kann das alles nicht auf Vernunft gegründet sein. Das, was wir heute Vernunft nennen, kann im besten Falle eine rudimentäre Vorstufe wahrer Vernunft sein.

Die Astrologie bewertet die Aussagekraft des Merkur traditionell als neutral. Angesichts der Übermacht unseres Denkens über eigentlich alle anderen Lebensäußerungen stellt dies zunächst einmal einen Euphemismus dar, denn unser Denken mischt sich eigentlich überall ein. Ungeachtet dessen entspricht diese Zuordnung jedoch der üblichen Wirkungsweise des Merkur. Seine Stärke liegt in der Anpassung an und in der Vermittlung zwischen den unterschiedlichen Ausdrucksweisen der übrigen Planeten. Wir können unser Denken, unseren Verstand und unseren Intellekt auf alles richten. Genauso wenig wie sich der mythische Götterbote Merkur um den Inhalt seiner Botschaften kümmerte, kümmert sich unser Verstand um die Inhalte dessen, was wir denken. Er dient uns ausschließlich zur quantitativen Vermittlung und mischt sich nicht in deren Qualität ein. Unsere sich mit dem Denken verbindenden moralischen und ethischen Wertvorstellungen, das heißt die Qualität unseres Denkens entspringen nicht unserem Verstand, sondern unserem Bewusstsein und unserem Gewissen. Nur unser Gewissen kann uns sagen, ob eine von Merkur vermittelte Quantität einer Information auch über eine dem Menschen zuträgliche Qualität verfügt. Unser Denken ist sich nicht zu schade dafür, stets wechselnde und sich auch widersprechende Allianzen einzugehen, um zwischen uns und – pauschal – der Welt verstandesmäßige Korrelationen herzustellen.

Merkur auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge: Denken

MercurAuf der Bewusstseinsstufe Zwillinge richtet der Native seinen besonderen Fokus darauf, seinen Verstand und sein Denken gleichsam um ihrer selbst willen zu gebrauchen. Unter dem Einfluss des männlichen Prinzips tut er dies zeugend und sich verausgabenden. Natürlich ist auch er an den Ergebnissen seines Denkens interessiert. Wesentlich bedeutsamer sind für ihn jedoch die verstandesmäßig-intellektuellen Wege, auf denen er zu seinen Handlungen und Entscheidungen kommt. Der Native liebt das Spiel mit seinen Gedanken, den flexiblen, erfinderischen und originellen Umgang mit seinem Verstand. Der Zweifel, theoretische und abstrakte Überlegungen und sophistisch-dialektische Wortspielereien sind die bevorzugten Mittel, mit denen er sich mit der Welt der Subjekte und Objekte auseinandersetzt. Die zentrale Motivation seines Wirkens erfüllt sich im Interesse. In diesem zu jeder Zeit und auf alles bezogenen Interesse, liegen sowohl die Stärken als auch die Schwächen dieses merkurischen Ausdrucks. Sein Bedürfnis, am liebsten immer dazwischen zu sein (Interesse = lat. inter esse = dazwischen sein) schätzt im übertragenen Sinne den Weg höher als das Ziel. Seine Überlebensstrategien orientieren sich vornehmlich daran, sich selbst und möglichst viele alternative Möglichkeiten immer offen und in ständiger und die Richtung wechselnder Bewegung zu halten. Nicht zuletzt dient ihm dieses Verhalten auch dazu, verstandesmäßige Fluchtwege zu nutzen. Die besondere Stärke des Merkur-Lebensausdrucks auf der Zwillings-Stufe liegt nicht so sehr im Denken selbst, sondern vielmehr in der Kommunikation des selbst oder von anderen Gedachten.

Für den Nativen bedeutet dies, dass sich sein Verstand vor allem in der Kunst übt, in Gegensätzen zu denken. Zu denken ist ihm eine gleichsam sportliche Übung. Selbst die trivialste Gedanken-Münze hat für ihn – mindestens – zwei Seiten. Um das Überleben zu sichern, flieht er in die Bewegung, ins schnelle und übergangslose gedankliche Neubewerten, in die blitzschnelle und flexible verstandesmäßige Umorientierung gegenüber scheinbar ein für alle Mal festgelegten Tatsachen. Die dem Merkur eigene Fähigkeit, Erkenntnisse des Denkens sowohl subjektiv als auch objektiv wahrzunehmen und interpretieren zu können, stellt den Betroffenen immer wieder vor das Problem, ob eine gefundene Wahrheit nun, vice versa, nur subjektiv oder auch objektiv für ihn die Richtige ist. Aus Furcht vor endgültigen Festlegungen sucht er sein Heil in einer Vermittlung der Gegensätze. Ins Bild übersetzt heißt dies, er verweigert das Ziel und besteht auf dem Weg zum Ziel.

Indem der Betroffene sein Denken mit der Bedeutung der Worte und Begriffe spielen lässt, eröffnet er seinem Verstand eine intellektuelle Spielwiese, auf der die Denk-Bälle dann nur so hin und her fliegen. Seine Stärke liegt im produktiven Gebrauch des Zweifels. Er liebt das eher oberflächliche Gedankenspiel mit Thesen und Antithesen. An einer in einer Synthese möglicherweise liegenden geistig-intellektuellen Tiefe ist er weniger interessiert. Im wesentlichen verhält sich der Native in seinem Denken in dem Sinne opportunistisch, dass er es dem jeweils damit verfolgten Zweck unterordnet. Die Ergebnisse seines Denkens bewegen sich immer im Rahmen einer relativ weitgesteckten Toleranz, innerhalb derer im Einzelfall auch die List und nicht zuletzt die betrügerische Manipulation ihren Platz finden können. Auf dieser Entwicklungsstufe ist die Wissbegierde schier grenzenlos. Sie dient alleine dem Zweck, den Verstand mit so vielen Informationen wie möglich zu füttern. Die Fülle dieser Informationen dient wiederum dazu, die anlagebedingte Fähigkeit zum Zweifel produktiv zu machen. Seine wohl bedeutsamste Eigenschaft besteht darin, seinen Verstand vorurteilsfrei zu benutzen. Der Native weiß, dass es keine ewig währenden und bedingungslosen Antworten auf die Fragen der Welt gibt. Entsprechend flexibel gestaltet er die Art und Weise seiner Aussteuerung gegenüber seiner Umwelt. Seine Überlebensstrategien vertrauen auf einen wohl begründeten, der unmittelbaren Existenzsicherung dienenden Konsens, von dem er auch weiß, dass ein solcher Konsens von heute vielleicht schon morgen einer Korrektur bedarf, um den gleichen oder einen veränderten Zweck zu erfüllen. Seine rasche und unprätentiöse Auffassungsgabe erlaubt es dem Nativen, neuen Gedanken gegenüber immer offen zu sein.

Solange nun ein Mensch seinen Merkur auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge zum Ausdruck bringt, überträgt er diese Erlebensmuster seines Denkens auf alle Zeichen, dies jedoch gemäß deren unterschiedlicher Färbungen, in denen sein Merkur individuell in seinem Horoskop steht. Bei einem erlösten Ausdruck ergeben sich daraus im einzelnen folgende Verhaltensmuster:

Individueller Merkur in Widder konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner Handlung und Entscheidungen und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Stier konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner Empfindungen und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Zwillinge konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seines Denkens und dessen Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Krebs konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner Gefühle und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Löwe konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner Ich-Darstellung und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Jungfrau konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner alltäglichen Orientierung und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Waage konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner Begegnungen und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Skorpion konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner Vorstellungen und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Schütze konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner Sinnsuche und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Steinbock konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise, wie er zu Formen und Strukturen findet und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Wassermann konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner freien persönlichen Entfaltung und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Fische konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seines Seins und dessen Austausch mit anderen.

Bei einem noch weitgehend unerlösten Ausdruck des Denkens auf der Stufe Zwillinge ändert sich an dessen grundsätzlicher Orientierung nichts. Es findet eigentlich nur zu viel gedankliche und nervliche Bewegung statt. Aus der sich aus dem Zeichen und dem Element ergebenden Überbetonung des Faktors Luft artikuliert sich das Denken des Nativen nicht in erfrischenden, wohltemperierten geistigen Brisen, sondern gefällt sich in unvermittelten Böen gleich Gedankensprüngen, stets wechselnden Winden gleich wechselnden Meinungen oder heftigen Stürmen gleich alles niederreißenden Zweifeln. Die im männlichen Ausdruck begr ündete Tendenz zur Verausgabung gewinnt die Übermacht.

Wenn wir nach Analogien zu Merkur auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge im Schach suchen, stoßen wir über die bereits gemachten Aussagen hinaus auf ein Phänomen, mit dem wir erfahrungsgemäß auch in unserem Leben immer wieder zu kämpfen haben. Wenn sich der Springer in der Eröffnungsphase des Spiels mit seinen Spiel-Sprüngen nicht zurückhält, blockiert er wahlweise die Bauern auf den Feldern a2, c2, f2 und h2 beziehungsweise a7, c7, f7 und h7 daran, selbst aktiv zu werden und gezogen zu werden. Für Merkur auf der Zwillingsstufe heißt dies: Wenn er sich mit seinen Gedanken-Sprüngen nicht zurückhält, blockiert er unsere in den Bauern symbolisierten Empfindungen. Seine verstandesmäßig-intellektuelle Voreiligkeit verhindert damit, dass wir zunächst einmal eine mit unseren Empfindungen objektiv verbindliche Prüfung einer Lebenssituation vornehmen können. Er besetzt damit ein Erfahrungsfeld unserer physischen oder psychischen Umwelt, über das wir dann zwar über rein verstandesmäßige aber über noch keine sinnlich erfahrenen Informationen besitzen. Wir erheben uns mit unserem Verstand über unsere Empfindungen. Auf diese Weise können unsere Empfindungen nicht zu einem bewussten Denken führen. Stattdessen müssen wir gleichsam unseren Verstand darüber befragen, was wir wohl gerade empfinden.

Merkur auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Vernunft

Rufen wir uns zunächst einmal ins Gedächtnis zurück: Gleichgültig in welchem Zeichen oder Haus Merkur zum symbolischen Signifikator unserer Fähigkeit zu denken steht, rein quantitativ können wir nicht mehr als denken. Die Qualität unseres Denkens bleibt durch die Stellung des Merkur unbeeinflusst. Sie resultiert einzig und allein aus der Höhe unserer ethischen, moralischen und sozialen Wertvorstellungen und aus dem, was unser Herz und unser Gewissen für wahr und gerecht halten. Auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau beginnen, sich unsere verstandesmäßige Aussteuerung, unser Verständnis des Gesetzes der Kausalität, des Zusammenhanges zwischen Ursache und Wirkung und unsere zwischenmenschliche Verständigung dienenden mental-geistigen Anlagen zunehmend zu verfeinern. Wir vermögen jetzt nicht nur zu denken, sondern auch projektiv zu denken. In Gestalt der dem Zeichen Jungfrau eigenen und immer wieder zu Unrecht geschmähten Anlage zur Vor-Sicht werden wir nun in die Lage versetzt, die Gesetze der Kausalität dahingehend zu verstehen und nun auch zu meistern, dass wir mit Hilfe eben dieser Vorsicht lernen, erst in der Zukunft zu erwartende Wirkungen auf vorausgegangene Ursachen im Hinblick auf einen damit erstrebten Nutzen beziehungsweise der Abwendung eines möglichen Schadens vernünftig abzuschätzen. Wir lernen, zu planen und das für die Jungfrau-Schwingung typische voraus-schauende Organisationstalent zu entwickeln.

Unsere bisher nur überwiegend auf die Gegenwart ausgerichtete mentale Anlage wird um den Faktor Zeit bereichert und dadurch auf eine höhere Bewusstseinsstufe erhoben. Die Fähigkeit, sich im Leben existenzsichernd zu orientieren, überschreitet die Grenzen von aktueller Zeit und aktuellem Raum in Richtung auf eine kurz- oder längerfristig orientierte Sinn-Suche und Sinn-Findung, wie sie endgültig jedoch erst im Schützen erreicht werden kann. Diese neue, durch die Jungfrau-Schwingung ausgelöste Dimension unseres Denkens lässt sich am besten mit dem französischen Begriff clarté, Klarheit, Helle, Licht umschreiben. Diese neue Art der Aussteuerung gegenüber der Umwelt zeichnet sich dadurch aus, dass es nun nicht mehr alleine um die Befriedigung der Vielfalt von Interessen, sondern auch um eine zu schaffende Ordnung, in der es nicht nur um eine richtige, sondern vor allem um eine rechte Lösung aller Lebensfragen geht. Im weitesten Sinne strebt der Native nun danach, die Forderungen des Kant’schen Imperativs – Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne – zu erfüllen. Im besten Falle spricht dann aus allen Ergebnissen seines Denkens das Bewusstsein einer praktischen Vernunft. Er legt Wert darauf, die Erkenntnisse seines Denkens nicht nur in den eigenen, sondern auch in den Dienst anderer zu stellen. Bei einem erlösten Ausdruck ist sein Verstand fähig, vor allem methodisch gut zu organisieren, sich nicht zu verzetteln, sondern Fragestellungen auf den Punkt zu bringen. Er hat gelernt, klug und ökonomisch zu denken. Die neue Art seines Denkens verleiht allen Handlungen und Entscheidungen eine gewisse Reinheit. Als vielleicht bedeutendste neue Eigenschaft kommt eine geradezu buddhistisch anmutende, auf den Augenblick und die anstehende Aufgabe unmittelbar bezogene Achtsamkeit hinzu. An diesem Sachverhalt wird auch deutlich, dass wir das Zeichen Jungfrau und das sechste Haus mit Recht in Analogie zu Fragen unserer Gesundheit sehen. Die im Äußeren angestrebte clarté, Ordnung und Helle stehen in Resonanz mit unserem Körper. Nur wenn auch dort Ordnung herrscht, sind wir gesund. Sobald nun ein Mensch gelernt hat, seinen Merkur auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau zum Ausdruck zu bringen, überträgt er diese Erlebensmuster seines Denkens auf alle Zeichen, in denen sein Merkur in seinem Horoskop individuell steht, dies jedoch gemäß deren unterschiedlicher Färbungen. Bei einem erlösten Ausdruck ergeben sich daraus im einzelnen folgende Verhaltensmuster:

Individueller Merkur in Widder auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit aller Handlungen und Entscheidungen;
Individueller Merkur in Stier auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit der Empfindungen;
Individueller Merkur in Zwillinge auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit eines Austauschs mit der Umwelt;
Individueller Merkur in Krebs auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit der Gefühle.
Individueller Merkur in Löwe auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit der Ich-Darstellung.
Individueller Merkur in Jungfrau auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit der gesamten Lebens-Orientierung.
Individueller Merkur in Waage auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit der Begegnungen mit dem Du.
Individueller Merkur in Skorpion auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit der Vorstellungen.
Individueller Merkur in Schütze auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit von Sinn-Fragen.
Individueller Merkur in Steinbock auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit aller Formen und Strukturen.
Individueller Merkur in Wassermann auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit der persönlichen Entfaltungsfreiheit.
Individueller Merkur in Fische auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vern ünftigkeit des allgemeinen Seins.

Bei einem noch weitgehend unerlösten Ausdruck des Denkens auf dieser Bewusstseinsstufe ändert sich an dessen grundsätzlicher Orientierung nichts. Übergroße Vorsicht und Ängstlichkeit, mit seinem Verstande die rechte Lösung zu verpassen, können den Betroffenen jedoch zur Sophisterei, Rechthaberei, zur zwanghaften Pedanterie und einem kaum stillbaren Verlangen nach Perfektion verführen. Da es erst im Zeichen Jungfrau zu einer bewussten Begegnung mit der Vernunft kommt, ist der selbstverständliche Umgang mit ihr noch erfahrungsbedürftig und mit entsprechenden Unsicherheiten verbunden. Ein dann möglicher Zwang zur Perfektion kann im schlechtesten Falle zu dem f ühren, was man wenig schmeichelhaft einen Fachidioten nennt.

Wenn wir im Vergleich zwischen Merkur auf der Zwillings-Bewusstseinsstufe und dem Springer von einer unangemessenen Übereilung gesprochen haben, so kommt nun in der Analogie dazu die schon fast sprichwörtliche jungfräuliche Vorsicht ins Spiel. Auf dieser Bewusstseinsebene gewährt der Springer im Schach den Bauern die nötige Zeit, um sich selbst zu entwickeln. Analog dazu lässt nun unser Verstand unseren Empfindungen eine angemessene Zeit, damit wir uns mittels unserer fünf Sinne zunächst einmal objektiv über einen Sachverhalt oder eine zwischenmenschliche Beziehung orientieren können. Wir denken dann nicht erst bevor wir sehen, hören, riechen, schmecken und tasten, sondern machen uns erst dann Gedanken, wenn wir auf eine zuverlässige Art und Weise gesehen, gehört, gerochen, geschmeckt und ertastet haben.

 

Entnommen aus:
Peter Schlapp:
Astrologie Zug um Zug.
Analogien zwischen den Planeten und den Figuren im Schach.
astronova, 2007.

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