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Astrologie mit Tarot

von Ernst Ott


Sterne und Karten

Astrologie und Tarot sind beliebte Gesellschaftsspiele.Die Liebenden Die frisch Verliebten freuen sich darüber, wenn sie erfahren, dass ihre "Sternzeichen" gut zueinander passen. Genauso freuen sie sich, dass beim Kartenziehen ein Bild aufgetaucht ist mit der Aufschrift "Nr. 6. Die Liebenden". Um solche angenehmen Erlebnisse zu haben, braucht es keine Vorkenntnisse, ebenso wenig ist theoretisches Verständnis nötig, um sich zu verlieben.

Wer tiefer forscht, merkt allerdings schnell, dass die Astrologie keine guten und schlechten Aspekte kennt, sondern ein recht komplexes System ist und dass hinter den Tarot-Karten mehr steckt als auf den ersten Blick vermutet. Was aber verbindet diese beiden Orakel-Techniken? Beide präsentieren uns Symbole. Doch die Symbole stellen neue Fragen. Sie verlangen eine Übersetzung und müssen gedeutet werden.

Die abstrakten Signaturen auf der Horoskopzeichnung werden in Bilder und Figuren übertragen. Schon die Namen der einzelnen Symbole wie Wassermann, Mars, Venus zeigen, dass es sich um Archetypen handelt, also um innerpsychische Bilder. Die Himmelsrhythmen sind nur ein Gleichnis, der eigentliche Inhalt der Astrologie ist die Psyche des Menschen, einschließlich des Unbewussten, und das Unbewusste spricht nun einmal in Bildern.

Astrologie mit Tarot
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Das Bildhafte verbindet die Astrologie mit dem Tarot. Die geniale Schöpfung der Tarot-Karten präsentiert nämlich keine abstrakten Symbole, die erst in Bilder übersetzt werden müssen, sondern fertig gemalte Bilder unseres Innenlebens. Insofern ist der Tarot einfach eine Hilfe und Ergänzung. Auch hier geht es um das Zeichen- und Symbolhafte. Genau wie in der Astrologie muss gedeutet werden. Der Klient, welcher den Teufel zieht, wird natürlich im Leben nicht ebenfalls dem Teufel mit den Pferdehufen begegnen. Es geht nicht um das Bild an sich, sondern um eine dem Bild ähnliche Figur im Inneren des Fragestellers.

In der praktischen Arbeit ergänzen sich die beiden Systeme ideal. Auf einigen Tarot-Karten hat man den Eindruck, direkt ein astrologisches Symbol abgebildet zu sehen. Dennoch sind sie nie genau deckungsgleich. Die Ähnlichkeit zwischen astrologischem Zeichen und Tarot-Bild ist zwar groß genug, um den Bezug zu erkennen, andererseits sind die Unterschiede deutlich genug, sodass wir jedes Mal neue Anregungen erhalten.

Zwei Beispiele aus der Praxis

Eine meiner Klientinnen, eine 35-jährige Frau, hatte ein starkes Saturn-Thema, das schon in ihrem Geburtshoroskop angelegt war und das in der aktuellen Lebensphase besonders in den Vordergrund trat. Sie hatte sehr viel Stress in ihrem Alltag und mit ihren Kindern, die sie allein erzog. Aufgrund der jetzt zu entwickelnden Saturn-Anlage entnahm sie der Horoskop-Analyse für sich das Motto: "Effizient arbeiten, abgrenzen lernen, Verantwortung übernehmen!" Zuletzt sagte sie: "Ich wünsche mir mehr Reife und Gelassenheit und dass ich ohne Hektik eins nach dem anderen erledige, Schritt für Schritt." Eine schöne Aussage, bestens zu ihrem Saturn passend.

Als ergänzende Tarot-Karte zog sie anschließend den Eremiten.Der Eremit Diese Karte hat tatsächlich große Ähnlichkeit mit Saturn, denn ein weiser alter Eremit geht dort seinen Weg. Das konnte einerseits als Bestätigung der gefundenen Deutung gelten, warf aber gleichzeitig ein neues Licht auf dieses Thema, denn die Frau sagte: "Der Eremit geht ganz allein seinen Weg, ohne Gepäck – wie beneidenswert!" Im darauf folgenden Gespräch bemerkte die Klientin, dass sie selbst zu viel Gepäck herumschleppte, sogar solches, das eigentlich anderen Leuten gehört. Sie hörte nun, wie der Eremit zu ihr sagte: "Trage nur deine eigene Verantwortung, geh’ den eigenen Weg und verliere dich nicht in Alltäglichkeiten!" Diese Deutung war eine wichtige Ergänzung, die man zwar auch aus dem Horoskop hätte lesen können, aber der Tarot drückte es auf der bildhaften Ebene direkt und für die Betroffene unmittelbar verständlich aus. Als beratender Astrologe hatte ich daher die Freude, zu beobachten, wie die Deutung von der Klientin selbst entwickelt wurde, was bei der Astrologie ohne vorhandenes Fachwissen nicht funktionieren könnte.

Manchmal passt die ergänzende Tarot-Karte auf den ersten Blick gar nicht zu der gefundenen Horoskop-Aussage. Wenn man sich Zeit lässt, erweist sie sich jedoch oft als ausgleichender Zusatz-Ratschlag. Mit einer anderen Klientin hatte ich derart intensiv die Pluto-Themen und deren psychologische Hintergründe aufgearbeitet, dass eine gewaltige Intensität in der Luft lag, als die Sitzung dem Ende entgegenging. Drei der KelcheDie Klientin hatte schonungslose und intensivste Arbeit an sich selber geleistet. Doch der Tarot antwortete ergänzend mit der Drei der Kelche, einer Tanzszene von feiernden und jubelnden Frauen.

Das Bild strahlt eine derart unbeschwerte Leichtigkeit aus, dass die Klientin sich zuerst brüskiert fühlte, wie wenn der Tarot ihre leidenschaftliche Bemühung nicht ernst nehmen wollte. Doch bald fanden wir im Gespräch heraus, dass genau diese Leichtigkeit die notwendige Ergänzung ist, und die Klientin nahm sich vor, zwei Freundinnen zu kontaktieren, von denen sie wusste, dass beide keinerlei psychologische Komplexe wälzen würden, sondern feiern und lachen wollten. Jedes Ding zu seiner Zeit! Der Tarot ergänzte und korrigierte hier eine gute, aber etwas einseitige Horoskop-Sitzung.

Die Symbolsprache zweier Orakeltechniken

Das Wissen um die astrologische Symbolik im Tarot ist die Voraussetzung für ein gutes Zusammenspiel der beiden Orakel-Techniken, auch sollte man die Geschichte und Symbolik des Tarot etwas kennen. Diesen Zwecken dient das hier vorgestellte Buch. Außerdem liefert es praktische Hinweise und astrologische Legetechniken.

Sowohl Astrologie als auch Tarot arbeiten mit offenen Bildsymbolen. Beide Künste erfordern Verantwortungsbewusstsein und Geschick des Beraters, um die jeweiligen Gefahren und Chancen zu erkennen. Das große Plus der Tarot-Methode ist jedoch ihre unmittelbare Verständlichkeit. Wenn die Bildfantasie der Klientin oder des Klienten mit einbezogen wird, wie ich es mit diesem Buch anregen möchte, dann können die Betroffenen selbst bei der Deutung mitwirken. Das Ergebnis ist eine Demokratisierung des Erkenntnisprozesses. Die Klienten sind dabei weniger dem Fachwissen einer Autorität ausgeliefert. Unser Leistungsdruck als Astrologen, stets die "richtige Deutung" vorformuliert bereitzuhalten, entspannt sich, wenn wir die Tarot-Karten hinzuziehen. Die Sitzung wird durch ein kreatives Element bereichert und vertieft, denn Bilder sprechen unmittelbar die Seele an.

Auch Bilder aus Träumen können eine ähnliche positive Wirkung entfalten. Wer einmal erlebt hat, wie sehr eine astrologische Sitzung an Prägnanz und persönlicher Betroffenheit gewinnt, sobald die Klientin einen Traum erzählt, der weiß, wie archetypische Bilder wirken. Wenn keine Träume mitgebracht werden, dann haben wir welche zur Hand: Der Tarot enthält nichts anderes als die archetypischen Wahrträume der Menschheit. Die 78 Tarot-Karten fassen die Traummuster aller Menschen zusammen. Schon bevor die Tarot-Arbeit beginnt, kennen wir diese 78 Szenen bereits, denn wir träumen dauernd von diesen Urgestalten, wenn auch manchmal in leicht veränderter Kostümierung. Die Tarot-Karten sind direkt, schonungslos, märchenhaft und trostreich wie unsere Träume, wie unser Innenleben.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

ASTROLOGIE
TAROT
Mehrdeutige Symbole Mehrdeutige Symbole
Abgeleitet aus den Rhythmen der Natur bei der Geburt (Horoskop) Abgelesen aus 78 archetypischen Bildern (Tarot-Karten)
Einzelne Teile der Astrologie sind seit der Vorzeit bekannt Einzelne Bildmotive des Tarot sind seit der Vorzeit bekannt
Heutige Struktur seit dem letzten vorchristlichen Jahrtausend festgelegt Heutige Form hat sich seit der Rennaissance entwickelt
Übersetzung ("Deutung") der Symbole ist nötig Übersetzung ("Deutung") der Symbole ist nötig
Dazu ist Fachwissen erforderlich Teilweise auch ohne Fachwissen möglich (spontane Bildbetrachtung)
Jedes Symbol ist völlig wertfrei. Es enthält jeweils 50% Chancen und 50% Gefahren Es gibt auf den ersten Blick "gute", "schlechte" und neutrale Karten. Jede enthält aber als Möglichkeit auch die andere Polarität
Abstrakteres, dafür differenzierteres System unmittelbar verständliche Bilder
Auch wissenschaftlicher Zugang möglich freies, kreatives System
Empirisches Material aus langer systematischer Deutungstradition vorhanden Schriftliche Quellen zur Interpretation erst seit 100 Jahren
Astrologie ist ein Zeitsystem. Konstellationen können exakt einem Zeitraum zugeordnet werden Zeitloses Bildsystem. Vergangenheit, Gegewart und Zukunft müssen durch Frage- und Legetechniken unterschieden werden

 

Beziehungen zwischen Planeten und Karten

Welche Tarot-Karte entspricht nun welchem Planeten oder Tierkreiszeichen? Jeder Astrologe und jeder Tarot-Spieler hat hier seine Zuordnung, aber leider jeder eine andere! Ich habe bei der Erarbeitung des vorgestellten Buches die einschlägigen Werke noch einmal durchgeschaut: Es gibt keine einzige Tarot-Karte, der sämtliche Experten dasselbe Horoskopsymbol zuordnen. Deshalb habe ich den Weg gewählt, den astrologischen Symbolen immer mehrere Bilder gegenüberzustellen, die jeweils eine andere Seite dieses Symbols illustrieren.

Der MagierEs gibt 22 so genannte Trumpfkarten, die großen Arkanen. Das verführte die Astrologen zu folgender Überlegung: Zur Zeit gibt es zehn bekannte Planeten und zwölf Tierkreiszeichen, das sind zusammen 22 Symbole, also müsste jede Karte genau einem Planeten oder Zeichen entsprechen. Doch es zeigte sich, dass die beiden Systeme nicht eins zu eins kompatibel sind. Das ist nicht sehr verwunderlich, wenn wir bedenken, wie unterschiedlich die Herkunft dieser zwei Orakelmethoden ist: Naturbewegungen begründen die Symbole der Astrologie, von Menschen gemalte Bilder werden zu Symbolen im Tarot.

Wer auf der Gleichsetzung jeweils einer Karte mit einem bestimmten Planeten oder Zeichen bestehen wollte, müsste auch erklären, wie mit weiteren zu entdeckenden Planeten umgegangen werden soll, denn man kann ja nicht einfach Karten dazuerfinden. Der Systematiker müsste darüber hinaus erklären, warum dieses System so bestechend sein soll, obwohl bei Erschaffung des Tarot und in den ersten drei Jahrhunderten der Tarot-Geschichte nur sieben Planeten bekannt waren, die Astrologie demnach zusammen mit den Tierkreiszeichen nur 19 Symbole kannte. So einfach ist also die Zuordnung nicht. Schade! Unser ordnender Verstand hätte zu gerne eine verblüffend logische Eindeutigkeit gehabt!

Der Eremit - mehr als Saturn

Gerade diese Unschärfe ist in der Praxis jedoch sehr nützlich. Nehmen wir dazu nochmals das Beispiel aus dem ersten Kapitel. Saturn ist im Tarot der Eremit. Aber eben nicht hundertprozentig. Typisch saturnisch ist an dieser Gestalt zwar der gemessene Schritt, der Anklang an den Archetypus des alten Weisen, saturnisch ist auch die schützende Kleidung und vieles anderes. Aber vielleicht sehen wir eines Tages plötzlich, dass er ganz allein seinen Weg geht, einsam wie ein Mystiker – dann haben wir den neptunischen Unterton entdeckt, der in diesem Eremiten steckt. Oder uns fällt das Licht mit der Flamme auf, vielleicht auch sein starker Stab – jetzt sehen wir den feurigen Anteil. Wie fast alle Bilder ist auch der Eremit ein mehrdeutiges Symbol, das verschiedene astrologische Funktionen gleichzeitig in sich trägt, die sich zu einer Gesamtszene verbinden.

Wenn unserer Klientin also die mystische Einsamkeit des Eremiten auffallen sollte, dann hätte dies auch eine individuelle Bedeutung. Fast immer kann in solchen Fällen im persönlichen Geburtshoroskop abgelesen werden, dass sich der betreffende Archetypus mit einem anderen verbindet. Hier liegt vielleicht ein Aspekt des Saturn zu Neptun vor oder eine Saturnstellung im Bereich Fische oder 12. Haus. Bei dieser Betrachtung ist es unsere Absicht, aus dem Eremiten nicht nur den allgemein menschlichen Saturn herauszulesen, sondern die individuelle Färbung, die er in einem bestimmten Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt angenommen hat. Die subjektive Wahrnehmung der Klientin: "Der Eremit ist so schrecklich einsam!" hilft uns außerdem, mit ihr zusammen konstruktive Sichtweisen zu erarbeiten. Wir könnten ihr Fragen stellen, wie etwa die folgenden: "Was ist konkret schrecklich an der Einsamkeit? Welche Stärken gewinnt der Eremit dadurch? Könnten Sie sich ein befriedigendes Alleinsein vorstellen?" usw.

Vieldeutige Beziehungen

Nicht nur die Symbole als solche sind mehrdeutig, nicht nur die Beziehung zwischen Karten und Planeten sind vieldeutig: Vieldeutig ist vor allem unsere Sichtweise der Welt. Es ist erstaunlich, wie verschiedene Menschen ein und dasselbe Tarot-Bild völlig unterschiedlich sehen und verstehen können. Das ist ein entscheidender Punkt, denn wir wissen ja, dass aus unterschiedlicher Sicht unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten entstehen. Und tatsächlich haben wir Menschen die Wahlfreiheit, das vorgegebene Symbol auf unterschiedlichen Wegen ins Leben zu übertragen. Wir können aus unserem Saturn Leid oder Lust machen, Misserfolg oder Erfolg. Astrologie und Tarot sind zwei unterschiedliche Methoden, die aber beide dasselbe wollen, nämlich dass wir umdenken. Dass wir immer wieder scheinbar Negatives umdeuten, uminterpretieren, drehen und wenden, bis es sein Gesicht verändert. Etwas tritt zuerst als Problem auf, doch nach und nach wird daraus ein Anlass für Erkenntnis, für Befreiung, für eine eigenverantwortliche Antwort auf das so genannte Schicksal.

Ich verstehe Astrologie und Tarot nicht in erster Linie als Methoden zur Beschreibung von Ist-Zuständen, sondern eher als Werkzeug der Verwandlung. Sie können uns helfen, im Leid eine Bedeutung zu erkennen, im Problem eine Herausforderung, im Glück eine Botschaft. Wenn wir eine Methode besäßen, die eindeutige Wahrheiten enthielte, welche Licht und Schatten logisch sauber trennte, dann wäre diese Methode wertlos auf dem Weg der Selbsterkenntnis und Selbstbefreiung.

In den Praxiskapiteln werden wir aus dieser fehlenden Eindeutigkeit beider Symbolsysteme noch einigen Nutzen schlagen können. Voraussetzung dazu ist allerdings, dass wir uns nicht als allwissende Tarot-Experten aufspielen, sondern die Betroffenen nach ihren Eindrücken befragen und sie in die Interpretation mit einbeziehen.

In den Kapiteln 4 und 5 werden die Tarot-Karten vorgestellt. Das darauf folgende Kapitel "Die Planeten und ihre Karten" zeigt bei jedem Planeten eine Hauptkarte, die – nach meiner persönlichen Erfahrung – das Planetenprinzip am deutlichsten ausdrückt, aber auch mehrere Nebenkarten, die einzelne Teilaspekte desselben Planeten illustrieren.

Wer dennoch für sich ein System eindeutiger Zuordnung entwickeln möchte, orientiere sich an den Vorschlägen in der Literatur. Es gibt dabei allerdings extrem unterschiedliche Vorschläge, wobei einige vom Standpunkt der heutigen psychologischen Astrologie aus nur schwer nachvollziehbar sind. Hajo Banzhaf [1] hat in einer übersichtlichen Tabelle die Zuordnungen der wichtigsten Experten zusammengestellt.

Männliche und weibliche Symbole

Hier noch eine Anmerkung zur Verteilung der männlichen und weiblichen Symbole. Grundsätzlich bedeutet eine männliche Figur in beiden Systemen primär einen männlichen Seelenanteil in uns, gleichgültig, ob wir selber Mann oder Frau sind. Dasselbe gilt für weibliche Gestalten oder Planetengötter. Erst in zweiter Linie kann eine weibliche Figur – sozusagen in der Projektion – auch darauf hinweisen, dass sich die Fragesteller mit einer weiblichen Person in ihrem Umkreis auseinander setzen sollten.

Mann und Frau stecken also in jedem von uns. Dennoch denken wir natürlich angesichts eines Kriegers oder Königs zuerst automatisch eher an einen Mann als an eine Frau. Berater sollten deshalb immer auf die ergänzende Sichtweise hinweisen (das Männliche in der Psyche einer Frau usw.).

Der Tarot ist eines der seltenen Poseidon - Neptunabendländischen Systeme ohne den üblichen patriarchalen Männerüberhang. Zum Vergleich: Selbst in einem so vollkommenen System wie der Astrologie gibt es mehr männliche als weibliche Planetenfiguren. So ist etwa Poseidon-Neptun ein männlicher Gott, obwohl der astrologische Neptun mit Sicherheit ein weibliches Prinzip repräsentiert. Die 22 Karten des Tarot enthalten jedoch etwa gleich viele männliche wie weibliche Archetypen. Die vielen starken und mächtigen Frauenfiguren auf den Karten waren auch ein Hauptgrund dafür, weshalb sich der Tarot immer wieder im Untergrund verstecken musste, denn die Herren Priester, Zensoren, Wissenschaftler und Geheimdienstler hatten stets den Verdacht, dass die Tarot-Spieler die traditionellen Autoritäten in Frage stellen könnten. Der Verdacht war übrigens oftmals berechtigt.

Ein anderer Grund zur Skepsis der Mächtigen war die Tatsache, dass auch einfache Leute den Tarot verstehen konnten, denn er bestand ja aus Bildern und nicht aus schriftlichen Informationen und erforderte keine komplizierten Berechnungen. Erinnern wir uns, dass die allgemeine Volksschule in Europa noch nicht einmal seit 200 Jahren wirklich funktioniert. Vorher waren Schrift und Bildung einer kleinen, meist männlichen Elite vorbehalten. Bildung hat öfter die Folge, dass die Leute dazu tendieren, frech und frei zu werden. Dabei erweist sich die Bildung über Bilder als besonders machtvoll, denn sie erfasst den Menschen ganzheitlich.

Auf dem Hintergrund dieser demokratischen und frauenfreundlichen Tradition des Tarot ist es allerdings zu bedauern, dass im 20. Jahrhundert die beiden berühmtesten Tarot-Decks nicht nach ihren Malerinnen benannt wurden, sondern nach jenen Herren, die Idee und Auftrag vergeben haben. Rider und Waite haben keinen Strich an "ihren" Karten gemacht, sondern Pamela Colman Smith hat sie gemalt. Und wie viele Ideen oder Anregungen Meister Crowley auch gegeben haben mag, Schöpferin des "Crowley-Tarot" ist die Malerin Frieda Harris. Ein Vergleich kann uns bewusst machen, welche Ungerechtigkeit das gegenüber den Urheberinnen darstellt: Wir müssten dann nämlich Vincent van Goghs berühmtes Sonnenblumen-Gemälde künftig als "Sonnenblumen von Claude" bezeichnen, falls sich etwa herausstellen sollte, dass Herr Claude, der Nachbar, gesagt hat: "Ach, Monsieur Vincent, malen Sie mir doch mal ein paar schöne fette Sonnenblumen!"

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[1Hajo Banzhaf, Tarot, Kreuzlingen/München 2002, S. 80 f..
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Entnommen aus:
Ernst Ott:
Astrologie mit Tarot.
Chiron Verlag, Tübingen, 2005.

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