Ein Planet kommt selten allein

von Jessie Adler Gral

Astrologiebücher sind selten unterhaltsam. Jene von Jessie Adler Gral bilden die Ausnahme. Die Diplomsoziologin und erfahrene Astrologin ist eine Partnerschaftsspezialistin, die flüssig und witzig schreiben kann. Die Lektüre ihrer Bücher ist daher immer auch ein Lesegenuss. Das aktuelle Buch, "Ein Planet kommt selten allein", ist zudem vielseitig verwendbar. Astrologieanfänger finden in den 19 vorgestellten Planetenkombinationen Sonnenzeichen-Beziehungen beschrieben. Sie brauchen nur nachzuschlagen, welcher Planet über welches Zeichen herrscht. Eine Liste am Ende des Buchs gibt darüber Auskunft. Da erfahren Laien etwa, dass Jupiter über das Zeichen Schütze und Saturn über das Zeichen Steinbock herrscht. Schütze- und Steinbockgeborene können bei dieser Planetenkombination nachlesen, wie sie in einer Partnerschaft miteinander umgehen. Fortgeschrittene haben einen weiteren Nutzen. Sie schlagen bei der gleichen Kombination nach, wenn sie wissen wollen, wie sich der Jupiter-Saturn-Aspekt im eigenen Horoskop - falls ein solcher vorhanden ist - auswirkt. Der Aspekt kann auch im Partnerhoroskop vorkommen, wenn etwa der eigene Saturn ein Quadrat zum Jupiter des Partners macht.

Leider werden nicht sämtliche Planetenpaarungen beschrieben, sondern nur jene, die Adler Gral als schwierig taxiert. Ein Krebsgeborener etwa, der mit einer Waagefrau zusammen ist, wird seine Beziehung vergeblich suchen, denn die Mond-Venus-Kombination gilt als harmonisch. Dafür werden "die 19 aufregendsten Partnerverbindungen" in gleich sieben Lebensbereichen anschaulich dargestellt. In der folgenden Leseprobe erfahren Sie, wie Jupiter und Saturn sich in den Bereichen "Öffentliches Auftreten", "Erotik und Beziehungsideale" , "Gefühlsausdruck und Gefühlsunterdrückung" sowie "Karriere und Lebensziele" verhalten. Jeweils am Schluss gibt es Tipps, wie die typischen Stolpersteine überwunden werden können.

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Jupiter und Saturn in der Öffentlichkeit

Jupiter liebt Opern. Er liebt auch Vernissagen, Partys, Restaurantbesuche, Reisen, visionäre Vorträge, neue Menschen und vieles mehr. Jupiter ist rasend gern unterwegs. Dabei ist es ihm relativ egal, wohin: Nur interessant, farbig und abenteuerlich muss es sein. Leider geht seine nüchterne Saturnpartnerin überhaupt nicht gerne aus. Gesellige Ansammlungen von Menschen liegen ihr nicht. Außerdem hat sie meist zu viel Arbeit, um ihre kostbare Zeit für nutzloses Amüsement zu vergeuden. Sollte Saturn aber doch einmal ausgehen, dann nur an Orte, an denen er gediegene Menschen trifft, die seiner Karriere nützen können. Rein zum Vergnügen geht er jedenfalls nicht aus. Bei gemeinsamen Auftritten in der Öffentlichkeit fühlen sich diese beiden nicht immer pudelwohl miteinander. Die Frage ist allerdings, ob es – von der Anfangszeit der Beziehung einmal abgesehen – sehr häufig zu solchen Auftritten kommt.

Jupiter ist ausschließlich zu seinem Vergnügen unterwegs. Selbst wenn er ein Seminar besucht, um seinen Blickwinkel zu erweitern, muss das Seminar ihm Lebensfreude und Genuss bieten, denn sonst bleibt er nicht bei der Stange. Mit normenkonformen Leuten, die wie ihr eigenes Denkmal in der Gegend herumstehen, hat der heißblütige Jupiter nichts am Hut. Da versteht es sich, dass er den steifen Versammlungen Saturns meist nicht viel abgewinnen kann. Langweilige oder dogmatische Menschen brüskiert er überdies gern mit ungeschminkter Ehrlichkeit. Deshalb wird es nicht lange dauern, bis der hemmungslose Jupiter den ein oder anderen wichtigen Honorablen kräftig vor den Kopf gestoßen hat.

So etwas macht Saturn fertig. Er findet das Auftreten des Gefährten selbstherrlich und bangt um seine Karriere und beruflichen Kontakte. Jupiter tut das aufrichtig leid. Ängstigen wollte er Saturn ganz bestimmt nicht! Doch für die vom Partner erwartete perfekte Anpassung an gesellschaftliche Rituale ist er einfach nicht gemacht. Jupiter ist ein Freigeist, unzähmbar, dynamisch, humorvoll und weitblickend. Doch ebenso gut kann er sich auch großspurig, arrogant und ungeschliffen zeigen.

Ändern lässt sich daran wenig. Jupiters überschwängliche Begeisterung und feurige Dynamik sind einfach nicht zu dämpfen. Saturns steife Empfänge findet er entsetzlich langweilig und kann daher durchaus über kurz oder lang das Weite suchen. Doch auch wenn beide zu Hause bleiben, kann es zu Unstimmigkeiten kommen. Denn der genussfreudige Jupiter liebt ein großes Haus, Dinnerpartys mit vielen Gästen und opulente Mahlzeiten in prachtvollem Rahmen. Er zeigt sich gern als großzügiger Gastgeber.


"Der leichtfertige Jupiter ist ohne Weiteres imstande, heute 25 Leute zum Dinner für morgen zu laden und alles Weitere Saturn zu überlassen. Mit nervigen Kleinigkeiten kann er sich nicht belasten."


Das heißt aber nicht, dass er die Vorbereitungen für die opulenten Dinnerpartys selbst übernimmt. Er wird sich mit grandiosen Ideen und herrlichen Vorschlägen beteiligen, das schon. Vielleicht fährt er sogar zum Feinkostgeschäft und wählt den Sevrugakaviar aus. Aber die eigentliche Vorbereitung für das prachtvolle Fest wird in anderen Händen liegen müssen – in Saturns verantwortungsbewussten Händen. Der leichtfertige Jupiter ist ohne Weiteres imstande, heute 25 Leute zum Dinner für morgen zu laden und alles Weitere Saturn zu überlassen. Mit nervigen Kleinigkeiten kann er sich nicht belasten. Jupiter kann in seinem Anspruch auf Verwöhnung gelegentlich etwas maßlos sein.

Die verschlossene Gefährtin aber findet das Ansinnen, ein großes Haus zu führen und opulente Speisen für Dinnerpartys zu richten, absurd. Schließlich sind solche Dinge zeitraubend und arbeitsintensiv. Saturn selbst ist introvertiert und macht sich nicht besonders viel aus gesellschaftlichem Leben. Außerdem ist Kaviar Gift für ihn, denn schließlich muss er wegen seines empfindlichen Magens mit dem Essen aufpassen. Überdies missbilligt Saturn die gewissenlos betriebene Ausrottung der Störe.

Es stimmt, die Vorstellungen dieser beiden von einem erfreulichen Ambiente sind ziemlich verschieden. Wenn sich Saturn und Jupiter tatsächlich gemeinsam auf eine Party verirren, kann es auch noch andere Schwierigkeiten geben. Jupiters draufgängerische Art dem anderen Geschlecht gegenüber erregt nämlich die tiefsten Ängste der spröden Gefährtin. Was ist da zu tun? Zunächst einmal sollten Saturn und Jupiter die Gelegenheiten, bei denen sie gemeinsam in der Öffentlichkeit erscheinen, mit Sorgfalt wählen. Es ist keine besonders gute Idee, Jupiter zu einer Vorstandssitzung mitzuschleppen, bei der viel über Shareholder-Value gesprochen wird und wenig über die Unternehmensphilosophie. Ebenso wenig wird sich der introvertierte Saturn auf Partys wohlfühlen, bei denen hauptsächlich getrunken, getanzt und geblödelt wird. Hingegen könnten beide im Kunstgenuss eine gemeinsame Basis finden. Theateraufführungen von berühmten Dramatikern und Opern von Klassikern werden wahrscheinlich beide Partner zufriedenstellen.

Bei solchen gemeinsamen Unternehmungen sollte der hemmungslose Jupiter die Ängstlichkeit Saturns im Blickfeld behalten und seinen sexuellen Appetit ein wenig dämpfen. Saturn erträgt einfach keinen leichtherzigen und flirtenden Partner. Es ist nicht wirklich nötig, in Anwesenheit der Partnerin den Draufgänger zu spielen und jede hübsche Frau anzumachen. Saturn wiederum wird sich klarmachen müssen, dass Jupiter ein Genussmensch ist, der mit Vergnügen in jeden Apfel beißt, auch wenn seine eigene Natur eher zur Askese neigt. Er wird ein gewisses Quantum an Genuss und Lebensfreude in ihrem gemeinsamen Leben tolerieren müssen, wenn er Jupiter behalten möchte. Andererseits sollte Jupiter, wenn er ein großes Haus mit opulenten Dinnerpartys führen möchte, seinen Teil der vorbereitenden Organisation übernehmen und für die nötigen Mittel und Hilfskräfte sorgen.

Erotik und Beziehungsideale

Jupiter ist ganz bestimmt kein Haustier, und das wird er seinem Gefährten schnell klarmachen. Jupiter ist ein anregender Mensch! Und deshalb braucht er auch eine anregende, offene und unterhaltsame Beziehung. Jupiter wünscht sich einen optimistisch und positiv eingestellten Gefährten mit Freude am Lebensgenuss, denn er will keinesfalls «untergezogen» werden. Außerdem hängt er an seiner Freiheit und Unabhängigkeit und braucht daher Bewegungsmöglichkeiten, Ungebundenheit und Unterwegssein.

An diesem Punkt gibt es höchstwahrscheinlich einige Probleme mit dem pedantischen Saturn, der für Ungebundenheit und Freiheit überhaupt nichts übrig hat, aber eine Menge für Sicherheit, Ordnung und Überschaubarkeit. Saturn fühlt sich wohl, wenn er alles unter Kontrolle hat. Sein seelisches Gleichgewicht wird durch Strukturen und ritualisierte Abläufe gestützt. deshalb braucht er eine exakt definierte Liebesbeziehung, in der die Verteilung von Rechten und Pflichten aufs Genaueste geregelt ist. Jeder muss doch schließlich wissen, wofür er zuständig ist und wo sein Kompetenzbereich endet. Saturn jedenfalls wird sich eisern an diese Regeln halten, denn er betrachtet seine Liebesbeziehung als Arbeit.

Dem armen Jupiter wird bei solchen Ideen regelrecht übel. Er kriegt schon Erstickungsanfälle, wenn er Worte wie Kompetenzbereich oder Verantwortung nur hört! Wie kann jemand seine Liebesbeziehung als Arbeit ansehen? Wo bleibt da die Freude an der Liebe, die Begeisterung? Sollten zwei Menschen gemeinsam nicht glücklicher sein als jeder für sich allein? Bildet Saturn sich etwa ein, dieses Glück durch Pflichterfüllung erarbeiten zu können? Der genervte Jupiter findet Saturns Vorstellungen absurd. Was ihn betrifft, so kann er nur in einer freien Verbindung atmen. Er ist allergisch gegen Absprachen, da er sie als Reglementierung empfindet.

Reglementierungen sind für einen Freigeist wie ihn das Allerletzte. Am liebsten ist ihm daher eine gänzlich undefinierte Beziehung. Freiwillig tut Jupiter schon eine ganze Menge für seinen Partner und die Verbindung. Aber wenn man ihn dazu auffordert, dann ist Schluss! Der großformatige Jupiter erträgt es nicht, an Pflichten und Verantwortungen erinnert zu werden.

Doch Saturn, der immer gern in einer unangreifbaren Position ist, übernimmt fast automatisch die Elternrolle und behandelt den Partner als Kind. Nur wenn er noch sehr jung ist, kann es auch einmal umgekehrt sein. Für Saturn sind Pflichten und Verantwortlichkeiten das A und O einer Verbindung, und er wird auf diesen Punkten unnachgiebig herumreiten.


"Jupiter springt zwischendurch ganz gern mal mit einem hübschen Käfer in die Laken, was den unsicheren Saturn zutiefst verwundet. Mit der Treue ist es bei Jupiter nicht weit her, denn er trennt mit Leichtigkeit zwischen Gefühl und Sexualität."


Der freiheitsgewohnte Jupiter aber ist kaum domestizierbar. Auf Saturns Besitzansprüche reagiert er mit wütenden Kämpfen. Wenn das nichts hilft, ist er eben ständig unterwegs und Saturn bekommt ihn kaum noch zu Gesicht. Anbinden lässt er sich jedenfalls nicht, und damit basta! Da kann der griesgrämige Gefährte noch so viel zetern und kritisieren.

Auch die Erotik dieser beiden so unterschiedlichen Wesen ist von diesem Gegensatz geprägt. Der leichtlebige Jupiter ist rasch entflammt und mit fantastischer Leichtigkeit zu verführen. Er verführt auch selbst mit großem Vergnügen. Gerade dieses Vergnügen aber vermisst er bei seinem gusseisernen Gefährten. Saturns Förmlichkeit und die Unbeugsamkeit, mit der er auf seinen albernen Ritualen besteht – das alles findet der feurige Jupiter eher fad. Anfangs fügt er sich vielleicht einige Male in der Hoffnung, der strenge Gefährte werde sich lockern lassen. Doch leider ist Jupiter nicht sehr geduldig, und Saturn braucht ziemlich lange, um auch nur ein wenig aufzutauen.

Doch auch aufgetaut mutiert er nicht zum heißblütigen Latin Lover. Der beständige Saturn kann sich mit seiner erotischen Zuneigung nur öffnen, wenn ihm ein Korsett fester Strukturen und Rituale genügend Sicherheit vermittelt. Dazu gehört vor allem, dass der Partner treu ist. Gerade mit der Treue aber ist es bei Jupiter nicht weit her, denn er trennt mit Leichtigkeit zwischen Gefühl und Sexualität. Jupiter springt zwischendurch ganz gern mal mit einem hübschen Käfer in die Laken, was den unsicheren Saturn natürlich zutiefst verwundet. Doch Jupiter ist nun mal ein glutvolles Geschöpf, das außer Leidenschaft auch Humor, Verspieltheit und einen Schuss Verrücktheit braucht, um das Leben in diesem schwerfälligen irdischen Körper überhaupt zu ertragen.

Damit die Beziehung dieser beiden klappt, wird vor allem Saturn eine große Anpassungsleistung vollbringen müssen, für die er aber reich entlohnt wird. Saturn wird aufhören müssen, die Verspieltheit, Verrücktheit und Leidenschaft des Gefährten zu kritisieren und sein Feuer zu ersticken. Das ist gar nicht so schwer, denn ursprünglich haben ihn doch gerade diese Eigenschaften Jupiters magisch angezogen, oder etwa nicht? Der Gefährte wird nämlich nur in einer Beziehung bleiben, in der er sich frei fühlen kann, und er kann Liebe nun mal nicht mit der Zuverlässigkeit einer thermostatgesteuerten Zentralheizung spenden.

Jupiter andererseits wird seinen Hang zu Seitensprüngen ablegen müssen (oder sich zumindest höllisch diskret verhalten), um seine unsichere Gefährtin nicht permanent vor den Kopf zu stoßen und zu verwunden. Auch ein gewisses Verständnis für Saturns sicherheitsspendende Rituale würde sich als hilfreich erweisen; schließlich ist Jupiter doch tolerant. Außerdem sollte sich der leichtlebige Jupiter nicht einfach grandios von jeder Verpflichtung freihalten, sondern einen angemessenen Teil der Verantwortung für das Gelingen des gemeinsamen Lebens übernehmen. Schließlich ist Saturn nicht sein Lastesel, sondern seine geliebte Gefährtin.

Gefühlsausdruck und Gefühlsunterdrückung

«Hach, ich hab dich zum Fressen gern!» Glauben Sie wirklich, dass Sie diese Worte je von Saturn hören werden? Oder so einen schlichten und erfreulichen Satz wie: «Du bist wirklich süß!» Oh nein, das werden Sie nicht. Saturn wird Sie auch nie mit einer hitzigen Umarmung überfallen. Dieses kühle Geschöpf verabscheut nämlich Situationen, über die es keine Kontrolle hat. Deshalb wird man nie erleben, dass Saturn seine Gefühle spontan und ungehemmt zum Ausdruck bringt, denn er hasst jede Form von Ungehemmtheit oder Wildheit.

Mit diesem steifen und kontrollierten Verhalten macht er natürlich bei Jupiter nicht gerade Punkte. Dieses visionäre Wesen kann durchaus taktlos oder auch richtiggehend rücksichtslos sein und seinem Gegenüber ungeschminkt die Wahrheit sagen. Welche Wahrheit? Nun, Jupiters Wahrheit natürlich.

Saturn findet übertriebenen Gefühlsausdruck peinlich? Ach nein! Jupiter findet es peinlich, um nicht zu sagen trostlos, dass Saturn nicht fähig ist, mit klaren Worten zu seiner Liebe zu stehen und Jupiter auch mal zu sagen, wie entzückend er ist. So etwas ist kleinkariert und armselig; erbärmlich; geradezu mitleiderregend! Falls Saturn jetzt noch mit Widerworten kommt, etwa mit der Behauptung, es gäbe viele Arten zu lieben und seine wäre eben taktvoll und zurückhaltend, dann darf man mit einem grässlichen Ausbruch Jupiters rechnen.

Jupiter kann Wutanfälle hinlegen, für die sich gemäßigtere Naturen in Grund und Boden schämen würden. Für die kühle Gefährtin ist so viel emotionaler Überschwang kaum zu ertragen. Solche Unbeherrschtheit missbilligt sie aufs Heftigste. Ihr eigener Gefühlsausdruck ist vorsichtig und schwerblütig, was Jupiter aber schlicht als geizig empfindet. Doch bei den «Aufwallungen», die der enthusiastische Partner von ihm erwartet, käme sich Saturn unaussprechlich blöde vor. So braucht es lange Zeit und viel Geduld vonseiten Jupiters, bis Saturn emotional wärmer und offener reagieren kann.

Leider ist Jupiter extrem ungeduldig. Er verschenkt sich rückhaltlos, warum also nicht auch Saturn? Jupiter ist eine großherzige Gefühlsnatur, dem kleinliche Bedenken fremd sind. Er ist feurig, temperamentvoll und optimistisch. Am wohlsten fühlt sich dieser abenteuerfreudige Mensch im vollgepackten Landrover – kurz bevor der Startschuss für den Wüstentrip durch Arizona fällt.

Schnell noch den Hunden gepfiffen, die auf den Rücksitz springen, und ab geht’s! Jippieeeeh!! Das ist das volle Leben! Natürlich ist es keine Frage, dass die strenge Partnerin an diesem Wüstentrip nicht teilnimmt. Und sie wird Jupiter keineswegs darüber im Unklaren lassen, warum nicht. Ein Landrover bedeutet Energieverschwendung und wirkt unseriös, schließlich ist Jupiter kein Cowboy. Ein anthrazitfarbener Mercedes würde deutlich mehr hermachen und ließe sich außerdem als Geschäftswagen nutzen. Und dann sein lila Stirnband und die nietenbeschlagenen Stiefel, großer Gott! Schließlich ist die Hippiezeit lange vorbei. Saturn kann bloß hoffen, dass Jupiter schnell zur Stadt raus ist, bevor ihn einer seiner Geschäftspartner sieht. Man müsste sich ja schämen!


"Ein Landrover bedeutet Energieverschwendung und wirkt unseriös. Schließlich ist Jupiter kein Cowboy. Und dann sein lila Stirnband und die nietenbeschlagenen Stiefel! Saturn kann bloß hoffen, dass ihn keiner von seinen Geschäftspartnern sieht. Man müsste sich ja schämen!"


Derart von der miesepetrigen Gefährtin heruntergemacht zu werden nimmt Jupiter jedoch keinesfalls mit einem heiteren Lächeln hin. Wenn Saturn sein Leben mit Arbeit vollpacken und sich von frühmorgens bis in die tiefe Nacht abschuften will, bitte sehr! Jupiter findet das einfach schwachsinnig. Schließlich ist das Leben dazu da, um gelebt zu werden, was Saturn in seinem ehrgeizzerfressenen Gemüt offensichtlich schon lange vergessen hat. Genuss scheint für ihn ein Fremdwort zu sein oder, schlimmer noch, eine rotglühende Todsünde! Es darf um Gottes willen keinen Spaß machen, nicht wahr? Saturns Geiz hängt Jupiter auch schon lange zum Hals heraus! Was geht es ihn an, wie viel der Rover schluckt? Schließlich ist es Jupiters Geld. Energie ist dazu da, um eingesetzt zu werden. Immerhin kommt Jupiter mit dieser Energie nach Arizona und erlebt etwas, während Saturn seinetwegen mitsamt seiner Karriere hier verfaulen kann! Mit diesem markigen Gebrüll tritt Jupiter aufs Gaspedal und braust mit aufheulendem Motor davon, indes die Köter auf dem Rücksitz wie verrückt bellen. Tja, da steht Saturn nun und sieht betreten drein.

Wie können diese beiden so unterschiedlichen Menschen nun zu mehr emotionaler Harmonie finden? Hier ist als Erster der strenge Saturn gefordert. Es hat wenig Sinn, dem temperamentvollen Jupiter Disziplinlosigkeit und Unbeherrschtheit vorzuwerfen. So etwas bringt Jupiter bloß auf die Palme, und außerdem ist es nicht ganz gerecht. Noch weniger sinnvoll ist es allerdings, Jupiter im Stillen mangelndes Einfühlungsvermögen vorzuwerfen, nur weil der noch nie gemerkt hat, was Saturn im tiefsten Herzen gerade gebraucht hätte. Jupiter ist nicht der Mann, der tief vergrabene Wünsche erraten könnte. Der beherrschte Saturn sollte seine Ängste, schwach zu erscheinen, auf den Misthaufen werfen und sich dazu durchringen, dem feurigen Gefährten seine Wünsche aufzudecken. Jupiter wird sie ihm gerne erfüllen.

Allerdings muss auch Jupiter an sich arbeiten. Er ist warmherzig, großzügig und temperamentvoll, das stimmt. Aber er ist eben auch verdammt taktlos und schnell auf Hundertachtzig. Es wird Jupiter kaum gelingen, seiner herben Partnerin ein wenig spontanes Gefühl zu entlocken, wenn er ungeduldig gegen sie anrennt wie gegen einen Betonklotz. Damit Saturn emotional wärmer und offener reagiert, muss man ihm mit Geduld, Ausdauer und Takt begegnen. Jupiter könnte seinen überschäumenden Enthusiasmus ein wenig zurücknehmen und seine rasch aufflammenden Wutanfälle zügeln. Geduldiges und liebevolles Umwerben werden Saturns fest verpanzerte Gefühle schon ins Fließen bringen.

Karriere und Lebensziele

Für Saturn ist es selbstverständlich, dass Jupiter ihn zu Repräsentationsveran-staltungen begleitet. Dort soll der Gefährte durch ebenso bescheidenes wie liebenswürdiges Benehmen das Wohlwollen Höherstehender auf den arbeitsamen und loyalen Saturn lenken. Wozu hat man schließlich einen Partner? Saturn will klettern! Mit der Trittsicherheit einer Bergziege setzt er vorsichtig Huf vor Huf. Da er viel Selbstkontrolle und Disziplin in sich trägt und außerdem die Fähigkeit, enorme Frustrationen wegzustecken, wird er sein Ziel meistens erreichen. Saturn verliert auf seinem langsamen Gipfelaufstieg niemals den Atem.

Der lockere Jupiter ist da ganz anders. Er interessiert sich nicht fürs «Klettern», sondern für Horizonterweiterung. Deshalb braucht er immer wieder neue Ziele. Es käme ihm nie in den Sinn, unermüdlich hinter einem Ziel herzuhecheln, das er vor vielen Jahren mal ins Auge gefasst hat. Jupiter ist auf ständige Erweiterung bedacht und fühlt sich durch jede Festlegung automatisch eingeengt. Dieser fast unstillbare Freiheitsdurst macht es ihm oft schwer, einen passenden Platz im sozialen Gefüge zu finden. Deswegen verwirklicht sich dieses wagemutige Geschöpf am besten in einem freien Beruf, der seiner Kühnheit und Risikofreude ausreichend Raum gibt. Ohnehin setzt er lieber auf den großen Wurf statt auf langsame und geduldige Kletterei. Jupiter langweilt sich extrem schnell und verabscheut Routine wie die Pest.

Außerdem liebt er Überzeugungen. Diese Überzeugungen kann Jupiter allerdings schneller wechseln als sein Hemd. Das hindert ihn jedoch nicht daran, ausufernde Episteln der Weisheit vom Stapel zu lassen, die anderen manchmal ganz schön auf den Wecker gehen können. Jupiters Monologe haben nämlich oft eine bedenkliche Ähnlichkeit mit Predigten. Saturn jedenfalls kann der Sinnsuche und den weitschweifigen philosophischen Überlegungen des Gefährten nicht besonders viel abgewinnen. Saturn ist ein Pragmatiker, hat mit visionären Gedankenflügen nichts am Hut und hält sich lieber an das Naheliegende. Damit sind die Reibeflächen beider allerdings noch nicht erschöpft.


"Einem Waffenfabrikanten würde Jupiter kaum die Hand schütteln, ganz gleich, zu wie vielen Wohltätigkeitsbällen dieser Menschenfreund eingeladen wird. Der Mann kann von Glück reden, wenn Jupiter nicht vor ihm ausspuckt!"


Jupiter schmückt sich gern mit großartigen Titeln und berühmten Namen, was mit seinem überwältigenden Bedürfnis nach Erweiterung zusammenhängt. Nicht immer handelt es sich dabei ausschließlich um selbsterworbene Titel und Würden, denn manchmal sind diese einfach bloß «entliehen». Hochstapelei ist eine der weniger bezaubernden Seiten Jupiters.

Der bescheidene Saturn findet diese Prahlerei peinlich und er verabscheut Jupiters Großspurigkeit. Zwar hat er für Aufstieg und Status durchaus eine Menge übrig, doch beides sollte verdient sein und nicht einfach angemaßt. Hinzu kommt, dass Jupiter einen fatalen Hang zu Taktlosigkeiten hat. Wenn er etwas unethisch oder verwerflich findet, wird er kein Blatt vor den Mund nehmen. Um Etikette schert sich der joviale Jupiter nämlich keinen Deut.

Vielleicht beglückt er Saturns steife Vorstandsversammlung mit einer wortgewaltigen Predigt, in der es viel um Moral geht, und häuft glühende Kohlen auf die Häupter von Leuten, die in seinen Augen unredliche Geschäfte machen. Einem Waffenfabrikanten würde Jupiter kaum die Hand schütteln, ganz gleich, zu wie vielen Wohltätigkeitsbällen dieser Menschenfreund eingeladen wird. Der Mann kann von Glück reden, wenn Jupiter nicht vor ihm ausspuckt! Da findet es der entsetzte Saturn am Ende fast besser, wenn der grässlich taktlose Gefährte zu Hause bleibt oder irgendwo anders hingeht, wo er sein großes Maul gefahrlos aufreißen kann, ohne dabei Saturns geduldige Aufstiegsbemühungen zunichte zu machen.

Damit sich Jupiter und Saturn bei ihren Werten und Lebenszielen nicht gegenseitig ins Gehege kommen, sind Toleranz und beiderseitige Bemühung erforderlich. Ein angemessener Platz im sozialen Gefüge steht vielleicht nicht ganz oben auf Jupiters Prioritätenskala, aber er wird ein Mindestmaß an Aufstiegsbemühungen zeigen müssen, wenn er seine Saturngefährtin nicht ernsthaft verärgern will. Um Saturn die von ihm erwartete Schützenhilfe leisten zu können, wäre es hilfreich, wenn er seine fatale Neigung zum Prahlen und zu statusgefährdenden Taktlosigkeiten unter Kontrolle bringen könnte.

Saturn andererseits wird nicht darum herumkommen, sich für Jupiters enormes Bedürfnis nach Sinnsuche und metaphysischer Überhöhung des Lebens zu öffnen. Anstatt den idealistischen Gefährten für weltfremd, seine weisen Lehren für hohle Worte und ihn selbst im Stillen für größenwahnsinnig zu halten, sollte er Jupiters Sehnsucht nach Sinn respektieren. Der großzügige Gefährte wird sich nämlich niemals in ein eingeengtes Leben schicken, in dem Visionen und ethische Betrachtungen keine Rolle spielen. Damit für den genussfreudigen Jupiter im Zusammenleben mit seinem asketischen Partner nicht die Lebensfreude auf der Strecke bleibt, sollte Saturn auch seine lückenlose Programmierung des gemeinsamen Paar-Alltags erheblich lockern. Vielleicht entdeckt er auf diesem Weg, dass ein bisschen Spontaneität hier und da das Leben erheblich versüßen kann.


Text entnommen aus:

Jessie Adler Gral
Ein Planet kommt selten allein
Chiron Verlag, Tübingen 2009

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Aktuelle Planetenstände
22-Sep-2014, 17:35 Weltzeit
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