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Astrologie

Ein methodisch aufgebautes Lehrwerk, von Gertrud I. Hürlimann

©Astrodienst AG 2016

Weitere Faktoren der Aspektdeutung

Die Rezeption

Nach alter Lehre stehen zwei Planeten in Rezeption, wenn der eine im Zeichen des andern steht: Ihre Domizile sind vertauscht. Die Rezeption wirkt wie ein Aspekt. Die alten Astrologen arbeiteten auch mit der Rezeption der Häuser.

Meine Forschungen bezüglich Horoskop und Hand haben ergeben, daß sich öfters, wenn Mars und Saturn in Rezeption stehen, möglichst noch in genauer Quadratur, sich dies auf die Papillarleiste des Mittelfingers (Saturnfinger) auswirkt, indem dort die Marsschleife, das radiale Leistenmuster, erscheint. Dasselbe kann zwar auch bei einer Mars/Saturn-Opposition geschehen, wenn beispielsweise Mars sich im X. Feld (Analogie Steinbock/Saturn) befindet und der Regent des X. Feldes gleichzeitig Regent des Ascendenten ist (Analogie Mars/ Widder/I. Feld). Der Orbis der Mars/Saturn-Opposition ist in einem Fall 12°! Ebenso kann ein Mars/Saturn-135°-Winkel ein Mars-Muster im Saturnfinger (Mittelfinger) ergeben, wenn Mars im Widder oder im 2. Dekanat Schütze steht.

Es kann aber auch vorkommen, daß sich bei einer gradgenauen Mars/Saturn-Opposition die Kopflinie (Marslinie) unter dem Mittelfinger (Erdebene) spaltet. Der Orbis verträgt in sensibler Hand sogar 18°, wenn die Mars/Saturn-Opposition in Zwillinge/Schütze fällt, die zugleich Achse 3/9 (Denkachse) ist, auch wenn ein Planet der Opposition im X. Feld (statt 9) stehen sollte.

Der Dispositor

Dispositor ist ein Gestirn, wenn es einen anderen Planeten in sein Haus aufnimmt, sozusagen als Gast oder als Pächter. Der Gast oder der Pächter kann im Hause seines Herrn oder Gastgebers nicht tun und lassen, was er will: Er ist vom Hausbesitzer (Regenten des Zeichens) in irgendeiner Form abhängig.

Beispiele: Wenn die Sonne im Zeichen Krebs steht, so ist der Mond der Dispositor der Sonne. Steht der Mars im Steinbock, so ist der Saturn Dispositor des Mars. Es verhält sich wie im obigen Bild. Nur entfällt im Beispiel der Ausdruck Dispositor, weil die Gestirne gegenseitig Dispositoren sind und daraus sinngemäß der Begriff Rezeption entsteht.

Die Begriffe Applikation, Separation, Translation

Durch die verschiedenartigen Bewegungen und gegenseitigen Stellungen der Gestirne entstehen verschiedene Konstellationen und Verhältnisse.

Die Applikation

Eine Applikation (Annäherung) tritt ein, wenn sich ein schnelleres Gestirn einem langsameren zuwendet und im exakten Aspektverhältnis erreicht. Ein im Werden begriffener Aspekt wird plaktischer Aspekt genannt. Eine Applikation kann auch durch das Rückläufigwerden eines Planeten hervorgerufen werden. Wenn beispielsweise Saturn in 15° Widder steht und sich Jupiter R (rückläufig) in 20 Grad Widder befindet, so haben diese beiden Planeten eine gegenseitige Applikation. Die Applikationsregel betrifft alle Aspekte, nicht nur die als Beispiel zitierte Konjunktion.

Die Separation

Eine Separation (Absonderung) erfolgt, wenn sich der schnellere Planet vom langsameren wieder entfernt. Die Gestirne haben das exakte Aspektverhältnis schon erreicht beziehungsweise bereits überschritten und trennen sich wieder.

Eine gegenseitige Separation ist jene, wenn sich Mars in 10° Waage befindet und Merkur R in 9° Waage.

Die Applikationsperiode ist wesentlicher als die Separation. Die Regel lautet:

Tritt ein schneller Planet zu einem langsamen Planeten in einen Aspekt, dann nimmt die Intensität des Aspektes in der Applikationsperiode zu; ist der Aspekt exakt, dann hat die Intensität ihren Höhepunkt erreicht; in der Separationsperiode nimmt die Intensität wieder ab, um beim Austritt des schnelleren Planeten aus dem Orbis ganz abzuklingen.

Heinrich Kündig: Das Horoskop, Metz Verlag, Zürich.

Die Translation

Eine Translation ist die Übertragung der Energien eines Planeten auf einen anderen. Diese Übertragung kann nur von Sonne, Mond oder Merkur ausgeübt werden. Die Translation tritt in Kraft, wenn Sonne, Mond oder Merkur innerhalb 24 Stunden von einem Planeten sich entfernend einen anderen erreicht. Dies geschieht, wenn beispielsweise Saturn in 3° Löwe steht, Mars in 5° Löwe und der Mond in 3°30’ Löwe, so bewegt sich der Mond vom Saturn zum Mars und überträgt dadurch Energien und Eigenschaften des Saturns auf den Mars.
Die Translation kann auch durch den rückläufigen Merkur ausgeübt werden.

A. M. Grimm: Lehrbuch der Astrologie und Horoskopie.

Die Elevation

Eine Elevation ist die Erhöhung oder Erhebung eines Gestirns über ein anderes.

in Elevation über    

in Elevation über    

in Elevation über  

in Elevation über

Die gleichen Verhältnisse gelten für die Westseite, für den dritten Quadranten des Horoskopbildes.

Die Prohibition

Die Prohibition ist die Verhinderung oder Störung eines Konjunktionsaspektes. Die Konjunktion von Venus und Mond ist beispielsweise gestört beziehungsweise erfährt eine Hemmung, wenn Saturn dazwischen steht.

Saturn befindet sich in der direkten Halbsumme von Venus und Mond ( / = ).

Die KdG (Kombination der Gestirneinflüsse, Ebertin Verlag) sagt dazu: unterdrückte Empfindungen, Hemmungen in der Liebe.

Der Parallelschein

Unter Parallelschein wird die gleiche Distanz zweier Gestirne vom Äquator verstanden: die gleichgroße Deklination. Die Deklination eines Planeten ist sein Winkelabstand vom Himmelsäquator in nördlicher oder südlicher Richtung. Für den Parallelschein bleibt unberücksichtigt, ob die Deklination eine nördliche oder südliche ist. Wesentlich ist nur der gleiche Abstand vom Äquator. Haben Sonne und Saturn die gleiche Deklination, schreibt sich dieses Verhältnis wie folgt: Sonne // Saturn. Die Wirkung des Parallelscheins ist dieselbe wie eine Konjunktion. Der Orbis ist immer nur 1°. Die Deklinationen sind in den meisten Ephemeriden angegeben.

Nur wenige Astrologen des deutschen Sprachraumes arbeiten mit Deklinationen. Zu diesen wenigen gehörte Reinhold Ebertin.

Die Entfernungswerte

Das Entfernungssystem basiert auf den Änderungen der Entfernungen der laufenden Gestirne: zwischen ihrer Erdnähe und ihrer Erdferne. Das Entfernungssystem entspricht in etwa der dritten Dimension, wenn vergleichsweise die Gestirnsläufe, in bezug auf Ekliptik in Länge und den Abweichungen von der Ebene in Breite gemessen, die erste und zweite Dimension darstellen würden.

Die Wertskala ist aufgebaut auf die Hundertteilung der Differenz, die sich aus der größten Erdnähe und der größten Erdferne des betreffenden Gestirns ergibt. Der Erdferne entspricht der Entfernungswert 0; der größtmöglichen Erdnähe desselben Gestirns der Entfernungswert 100.

Aufgrund der Entfernung der Gestirne kristallisieren sich zwei Charaktertypen heraus: der erdnahe und der erdferne. Die Qualität der Gestirne wird durch die Entfernungswerte an sich nicht berührt, aber die Intensität der Auswirkung auf die Umwelt, vor allem im Verhalten.

Der erdnahe Typ

Viele erdnahe Gestirne heben das Selbstbewußtsein. Diese Menschen sind vom Wert ihrer Talente und Fähigkeiten überzeugt; beanspruchen für ihre Leistungen Anerkennung; weichen Konflikten nicht aus; sind kampfbereit und unternehmungslustig (Johannes Schreiweis).

Der erdferne Typ

Der erdferne Typ vermeidet den offenen Kampf. Er weicht Konflikten aus. Seine Waffen sind Nachgiebigkeit, Verhandlungsbereitschaft, geistige Elastizität, diplomatisches Geschick (Johannes Schreiweis).

Die Entfernungswerte für das Beispielhoroskop

1944E-Werte
C D E F G H I J
1. September 93 13 13 1 56 48 5 61
11. 91 18 11 2 61 53 3
21. 72 22 10 4 66 57 2
1. Oktober 42 27 9 7 71 61 1 63

Die E-Werte der Sonne sind beständig: Sonne 11° Krebs = 0 EW, 11° Steinbock = 100 EW

Die obigen Entfernungswerte sind handinterpoliert. Sie wurden für das Beispielhoroskop in Kapitel 12 von Astrodata, Zürich, und Ing. Harry Guckel, Berlin 21, nochmals computergenau berechnet.

Wie bei den Deklinationen sind es nur wenige Astrologen des deutschen Sprachraums (wahrscheinlich aus Unwissenheit über deren Aussagekraft), die sich der Entfernungswerte bedienten und Forschungen anstellten. Zu ihnen gehörten Frau Edith Wangemann, Kosmobiosophische Gesellschaft e.V. und der Herausgeber der Schreiweis Entfernungs-Ephemeriden, Reinhold Ebertin, Ebertin Verlag. Die Entfernungs-Ephemeriden sind für die Jahrgänge 1920–1970 erhältlich.

Die Entfernungswerte können auf www.astro.com berechnet werden: siehe Erweiterte Grafikauswahl -> Zeichnungsmethode: Ebertin (m. Halbsummen) -> Link oben links: "Kostenlose Datenblätter (PDF)".

Die galaktischen Faktoren

Als erster hat Dr. Theodor Landscheidt, Bremen, die galaktischen Faktoren in das Geburtsbild eingeführt. Sie sind wesentlich, wenn sie eine Beziehung zu Planeten oder Hausspitzen aufweisen und/oder in den Halbsummen von Gestirnen stehen (Strukturbild). Als Vermittler zwischen unserem Sonnensystem und der Galaxie gelten die Urprinzipien Uranus, Neptun und Pluto sowie Kometen.

a) Das Galaktische Zentrum (Z)

Das Galaktische Zentrum ist das Kerngebiet unseres Milchstraßensystems.

Technische Daten

Äquatorialer Durchmesser 100 000 Lichtjahre
Poldurchmesser 15 000 Lichtjahre
Zentrumsdurchmesser 12 000 Lichtjahre
Sonnenentfernung 30 000 Lichtjahre
Sonnenumlaufdauer 230 Mill. Jahre
Sonnenumlaufgeschwindigkeit 220 km/s
Gesamtsystem 100 Mrd. Fixsterne
Gesamtmasse 160 Mrd. Sonnenmassen
Ekliptikale Position 2000 26°52’ Schütze

Zugesprochene Identität des Z

Archetypisches Zentrum. Unbewußter Persönlichkeitsbereich, der die Entwicklung des Ichs anregt und trägt.

b) Das Galaktische Superzentrum (ZS)

Das Galaktische Superzentrum ist die Galaxis von Galaxien (Milchstraßensystemen).

Ekliptikale Position 1970 0°57’ Waage
2000 1°22’ Waage
Die Fortschreitung beträgt jährlich 50,26''

Zugesprochene Identität des ZS

Individuationszentrum. Das Selbst im Jungschen Sinne. Wurzel der Persönlichkeit.

c) Der Apex (AP)

Der Apex, auch Sonnen-Apex genannt, ist die Richtung der Eigenbewegung der Sonne. Der Apex wechselte ca. 1818 vom Schützen in den Steinbock.

Technische Daten:

Richtungsbewegung 20 km/s
Ekliptikale Position 2000 2°27’ Steinbock

Zugesprochene Identität des AP

Zielrichtung der Persönlichkeitsentwicklung. Richtung der grundlegenden Strebungen.

d) Der Sonnenäquatorknoten (SK)

Er ist der Schnittpunkt zwischen der Ebene des Sonnenäquators und der Ekliptik.

Ekliptikale Position 2000 15°46’ Zwilling
Die Fortschreitung beträgt jährlich 50,26"

Zugesprochene Identität des SK

Grundlagen der Persönlichkeit. Ichbewußtsein. Integration von Geist und Materie.

Positionen des Galaktischen Zentrums und Sonnen-Apex

  Z AP
1900 25°28’ Schütze 1°03’ Steinbock
1910 25°36’ 1°11’
1920 25°45’ 1°20’
1930 25°53’ 1°28’
1940 26°02’ 1°37’
1950 26°10’ 1°45’
1960 26°18’ 1°53’
1970 26°27’ 2°02’
1980 26°35’ 2°10’
1990 26°44’ 2°19’
2000 26°52’ 2°27’

Die Fortschreitung beträgt jährlich 50,26”.

Literatur:
– Dr.Th. Landscheidt (10.3.1927–19.5.2004): Fixsterne, Aspekte und galaktische Strukturen. Ebertin Verlag.
– Mitteilungen von Hans Hausmann, Stuttgart (10.4.1902–13.8.1984).
– Artikel von Herbert Böss in Meridian und Kosmobiologie, Ebertin Verlag.

Unaspektierte Gestirne/Planeten oder Horoskopfaktoren

Ein richtiggehendes Horoskop hat immer innere Beziehungen zwischen Planeten, Zeichen, Hausecken und Dekanaten. Das Fehlen solcher deutet auf unrichtige Geburtsangaben hin.
(A. Frank Glahn, Schriftleiter Astrale Warte.)

Der kosmische Zustand eines Planeten ist nicht allein abhängig von seinem Zeichen, in dem er sich befindet, sondern auch von seinem Dispositor. Der betreffende Planet erleidet dadurch eine Vermischung mit anderen Urqualitäten, und seine Wirkung wäre einer Konjunktion zwischen ihm und dem Dispositor zu vergleichen.
(Karl Brandler-Pracht: Die astrologische Synthese, Seite 36, Falken Verlag, Berlin W 15).

Unaspektierte Planeten, als Symbole von Lebensaktivitäten, gibt es daher wohl kaum. Im weiteren läuft auch ein scheinbar unaspektiertes Gestirn im Struktur-bild (Ebertin-System) stets in der Planetengruppe mit, hat also zu diesen Planeten eine Beziehung. Anderseits darf ein Horoskop-Faktor, darin sind auch AC, MC und Mondknoten eingeschlossen, nicht als unaspektiert bezeichnet werden, wenn er nur auf Hauptaspekte untersucht wird. Außerdem sollten die größten Fixsterne ins Aspektgefüge einbezogen werden.

Die Nebenaspekte sind für den Ungeübten schwierig zu finden, wenn sie aufdem Aspektfinder der jeweiligen Astrologen-Schule fehlen. Anderseits sind sie für den Anfänger eher verwirrend, der ohnehin zuerst lernen muß, mit den Hauptaspekten umzugehen.

Das untenstehende Bild zeigt Horoskopfaktoren, die scheinbar nicht aspektiert sind.

Nebenaspekte

Die Fixsterne

Die Wirkung der Fixsterne wird oft bestritten. Nach Meinung der alten Astrologen geben die Fixsterne dem Gesamthoroskop erst die richtige Note. Ein «gutes» Horoskop wird illusorisch, wenn wichtige Grade mit Fixsternen von Saturneinfluß besetzt sind, anderseits wird ein «unscheinbares» hervorgehoben, wenn Gestirne auf Fixsternpositionen mit Jupiter/Venus-Einfluß stehen.

Interessierten empfehle ich die Schrift Die Bedeutung der Fixsterne von Ebertin-Hoffmann, Ebertin Verlag, und/oder Die Fixsterne, Sonderdruck 11, Baumgartner Verlag, (letztere nur noch antiquarisch erhältlich).

Unbesetzte Sektoren oder Felder/Häuser

Unbesetzte Felder besagen keinesfalls fehlende Interessen. Sie verwirklichen sich lediglich über jenen Sektor, in welchem der Regent des unbesetzten Zeichens steht.

Wird beispielsweise das dritte Feld entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn vom Zeichen Zwillinge angeschnitten und steht der Regent dieses Feldes im 9. Sektor, so drücken sich die Belange des 3. Feldes über das neunte aus. Sie sind miteinander zu kombinieren. (Siehe Sektoren/ Zonenbedeutungen)

Merkur als Regent vom 3. Feld in 9 besagt einerseits, daß sich die Lernprozesse über das 9. Feld vollziehen, daß der Native, sich über die Angelegenheiten des 9. Feldes auszudrücken lernt, beispielsweise über Weltanschauung oder Rechtsangelegenheiten. Außerdem wird sich der Horoskopeigner eine eigene Meinung bilden und nicht die Denkschablonen seines Milieus übernehmen. Möglicherweise hat auch das eigene Milieu bereits einen erweiterten Rahmen. Da Merkur, als Denkplanet, sich im 9. Feld aufhält, wird sich das Denken denn auch stets mit 9. Feldangelegenheiten beschäftigen.

Differenzierte Angaben ergeben sich über den Regenten des 9. Hauses. Da der 9. Sektor im obigen Beispiel vom Zeichen Schütze angeschnitten wird, ist Regent Jupiter. Somit ist die Jupiterposition zu untersuchen sowie die Aspekte, die auf Jupiter und Merkur fallen.

Bei allen Belangen des 3. Feldes wirkt hier im Beispiel das Jupiterprinzip mit. Falls Jupiter im Zeichen Schütze stehen würde, wäre er gleichzeitig der dominante Planet und das Endglied einer Dominanten-Verkettung.

Die Dominanten-Verkettung

Um das dominante Gestirn einer Kette zu finden, eignet sich am besten ein in seinem Domizil befindlicher Planet. Der dominante Planet ist nur deshalb dominant, weil er in seinem eigenen Zeichen steht. Er ist nicht mit der auf Seite 78 beschriebenen Dominanz zu verwechseln. Bei der Dominantenkette wird untersucht, wie viele Gestirne vom Domizilplaneten abhängig sind. Die Dominantenverkettung gibt über die Querverbindungen der Planeten und deren verborgene Motive Auskunft. Thomas Ring und seine Schüler arbeiten mit der Dominantenverkettung. Das tun zwar andere Astrologen auch, unterlassen aber das Aufzeichnen der Kette und bleiben dann meist beim Dispositor eines Planeten stehen, ohne auch dessen Dispositor zu untersuchen. Der Anfänger wird kaum einen Dispositor näher prüfen, weil er an den Aussagen der Fertiglisten hängenbleibt.

Planeten vor Häuserspitzen

Planeten sind stets mit dem Thema desjenigen Feldes beschäftigt, in dem sie sich aufhalten. Steht ein Gestirn vor einer Häuserspitze, interessiert sich der Horoskopträger bereits auch für die Belange des nächsten Feldes. Der Orbis vor Häuserspitzen beträgt ungefähr 5°.

Eingeschlossene Zeichen; große Häuser, kleine Häuser

Als eingeschlossene Zeichen gelten jene, die keine Häuserspitzen aufweisen. Bei fehlender Häuserspitze eines Tierkreiszeichens können sich die Energien nicht direkt in den Umraum entladen. Dies geschieht über die Regenten der Zeichen. Falls Planeten sich in eingeschlossenen Zeichen befinden, ist festzustellen, wohin aufgrund der Aspektverhältnisse die Energien fließen. Anderseits ergeben eingeschlossene Zeichen große Häuser, und auf große Häuser fallen mehr Aspekte, was sich bei Transiten und Direktionen auswirkt. Fallen auf ein Zeichen zwei Häuserspitzen bilden sich kleine Häuser. Die Wirkung dieser Häuser ist intensiver, meist sogar eine Herausforderung oder Überforderung innerhalb dieses Lebensbereiches.

Der kosmische Zustand eines Gestirns

Der kosmische Zustand eines Radixgestirns ist im wesentlichen abhängig von:

  1. dem Tierkreiszeichen und dessen Dekanat. Ein Planet erfährt durch das Tierkreiszeichen, als Energiequelle, eine Abwandlung, sofern er nicht in seinem Domizil oder der gleichen Triplizität steht. Die Wirkung ist keineswegs schwächer, nur die Auswirkung ist eine andere, modifiziert nach Zeichen und Planet. Die Abwandlung erfolgt aufgrund anderer Urelemente und Polarität: Die Urelemente mischen sich, Gleichartiges koppelt sich;
  2. von seinem Dispositor, dem Regenten des Zeichens.
    Beispiel: Eine Schütze-Sonne ist von der Jupiterposition abhängig. Steht Jupiter in Steinbock, erhält die Impulsivität der Schütze-Sonne eine Dämpfung, ähnlich einer Sonne/Saturn-Konjunktion (nicht gleich, nur ähnlich). Diesen Umstand kann ich übrigens im Handbild nachvollziehen, wobei beweisbar wird, daß die Lebenslinie mit dem Sonnen- und nicht mit dem Venusstand korrespondiert (in der chirologischen Literatur figuriert der Daumenballen als Venusberg, womit ich mich nicht identifizieren kann);
  3. den Aspekten, die auf den zu untersuchenden Planeten fallen. Hierzu gehören auch die Applikation, Separation, Rezeption sowie Parallelen und Spiegelpunkte, sofern durch gleiche Deklination oder die Antiszie Konjunktionen entstehen.
    Fixsterne und Entfernungswerte würden das Bild noch ergänzen.

Die Dominanz

Dominant sind Gestirne, die a) an den Spitzen der Eckfelder stehen, vor allem Spitze und X; b) sich in Elevation befinden, das ist das am höchsten stehende Gestirn am Himmelsbogen; c) eine Konjunktion mit einer Zwischenhausspitze bilden; d) Planetenballungen in einem Zeichen oder Feld, auch wenn es keine Eckfelder sind.

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Über dieses Lehrwerk

Gertrud I. Hürlimann's Standardwerk ist ein praktisches Arbeitsinstrument und umfassendes Basiswerk für alle, die diese alte Grenzwissenschaft fundiert erlernen wollen. Seit der Ersterscheinung im Jahr 1982 wurde es in 11 Auflagen gedruckt und ist eines der erfolgreichsten astrologischen Lehrbücher im deutschprachigen Raum.
Astrodienst hat die Rechte an diesem Werk erworben, den Inhalt redigiert und für die Web-Ansicht optimiert. Wir publizieren hier diese 12. Auflage kostenlos und hoffen, dass damit noch viele Astrologie-Studentinnen und -Studenten die Grundlagen dieser vielschichtigen Materie erlernen können.

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