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nach obenLilith und Eva

Eva und Lilith, die Rivalinnen

von Lianella Livaldi Laun

 

Dieser Ausschnitt ist dem Buch "Lilith in der Partnerschaft" entnommen. Die Autorin verfügt über eine jahrelange Erfahrung als Beziehungsberaterin. Sie beleuchtet alle Gesichtspunkte einer Partnerschaft mit dem Lilith-Prinzip. Sie zeigt, welche Funktion dies für das eigene Erleben einer Beziehung im Leben einer Frau oder eines Mannes spielt. Neben diesen ausführlichen Deutungen für das Geburtshoroskop bespricht sie Lilith auch im Partnervergleich, im Composit und im Begegnungshoroskop und macht ihre Erkenntnise durch viele Beispiele aus dem Leben anschaulich.

Lilith, Eva und die Rippe

Erst nachdem Lilith das Paradies verlassen hatte und nie mehr zu Adam zurückkehren wollte, erschuf Gott Eva aus dessen Rippe.

Es ist interessant festzustellen, dass die Natur im Gegensatz zu dem "Rippenmythos" steht. Bis 35 Tage nach der Zeugung sind alle Menschen weiblich. Erst dann bestimmt ein Gen, das SRY, dass etwa die Hälfte der Embryos männlich werden muss. "Ist der Mann eine Mutation der Frau?", fragt sich Olaf Leitner in seinem Buch "Das Dschungelbuch der Liebe". [1]

Auf jeden Fall berichten die alten Mythen, dass Eva gefügiger als Lilith war und Adam bis zum Sündenfall mit ihr zufriedener als mit seiner ersten Frau gelebt hat. Im Sohar I 19b wird berichtet: "Sobald Lilith Eva sah, die sich an Adams Seite klammerte, wurde sie von dieser Gestalt an die übernatürliche Schönheit erinnert, und sie floh hinauf ... und lebte am Roten Meer, bis Adam und sein Weib sündigten." Danach, so erfahren wir weiter aus dem Sohar, nahm Lilith nachts von Adam wieder Besitz.

Bestellen unter:
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Die Rivalität zwischen Eva und Lilith ist im Sohar sehr lebendig ausgedrückt. Zwei Frauen, die für den gleichen Mann kämpfen. In diesem Werk werden beide Frauen eindrücklich beschrieben: Eva, die Mutter aller Lebenden, die Frau, die als Lebensspenderin und zärtliche Mutter gilt, und Lilith, die Kindermörderin, die Tod und Verwüstung verursacht. Adam war von Liliths Ungehorsam schwer enttäuscht. In einer patriarchalischen Gesellschaft wurden alle Frauen als Hexen abgestempelt, die die Erwartungen der Männern enttäuschten. Verdrängte Enttäuschungen, die der kleine Junge von damals an der Mutter erlebt hat, führen dazu, dass Frauen, die die männlichen Bedürfnisse nicht befriedigen, als böse oder unvollkommen abgestempelt werden. Das abgespaltete Bild von der Frau: einerseits als Teufelin und andererseits als Heilige, stammt aus dieser Enttäuschung des Kindes, dessen Mutter natürlich niemals völlig in der Lage gewesen ist, all seine Wünsche und Fantasien zu befriedigen oder diesen zu entsprechen.

Pamela Ball schreibt in ihrem Buch "Erotische Träume" [2]: "Mit der Einteilung der Frauen in die Archetypen gute und böse Frau, Madonna und Hure, nettes Mädchen und Schlampe versuchen die Männer den Einfluss zu verringern, den Frauen seit ihrer Geburt hatten und haben. Auf diese Weise versuchen sie die Verwirrung über ihre eigene Sexualität - und die der Frauen - zu umgehen, indem sie Frauen in eine dieser Rollen drängen, ohne auf irgendeinen anderen Aspekt der Persönlichkeit einer Frau einzugehen."

Die beiden Seiten der Weiblichkeit

Jede Frau erfährt Eva und Lilith in den Gezeiten ihres weiblichen Zyklus. Eva wird durch die erste Hälfte des Zyklus symbolisiert, in der Zeit bis zur Ovulation und der Empfängnisbereitschaft, während Lilith herrscht, wenn bei der Ovulation keine Empfängnis stattfindet. Lilith steht auch für den Menstruationsschmerz in der Phase des prämenstrualen Syndroms. Es war früher - und noch heute in manchen Kulturen - die Zeit, in der die Frauen sich allein in die Wildnis zurückzogen haben. In jeder Frau sind Eva und Lilith verborgen, wir bringen sie mit uns auf die Welt und leben diese zwei Prinzipien abwechselnd in unserer Existenz. Manche Frauen leben eine Seite mehr als die andere, sodass der verdrängte Anteil im Bereich der Schatten(-Seiten) angesiedelt ist, aber niemals ganz aus ihrem Leben verschwindet.

Lilith und Eva Lilith wurde von Gott unfruchtbar gemacht. Da sie keine Milch in ihren Brüsten hatte, war sie unfähig, menschliche Kinder zu nähren. In dem Mythos heißt es, dass die Eifersucht Liliths gegenüber Eva so stark und mächtig war, dass ein einzelner Tropfen ihres Menstruationsblutes mit so viel Gift und Bitterkeit geladen war, dass sie damit Menschen und Tiere töten und Städte verwüsten konnte. Die Rache Liliths zielte darauf ab, die Beziehung zwischen Eva und Adam zu zerstören. Ihr raffinierter Plan war es, Eva in Form einer Schlange zu verführen, sich vom Baum der Erkenntnis zu bedienen und Adam zu überreden, den Apfel zu verspeisen. So gelang es Lilith den paradiesischen Zustand in der Beziehung zwischen Adam und seiner neuen Frau abrupt zu unterbrechen.

Eva war imstande ihre Bedürfnisse in einer Liebesbeziehung zu befriedigen, Lilith konnte dies nicht. Sie wehrte sich gegen Abhängigkeit und Unterwerfung. Sie musste frei sein, um ihre Individualität auszuleben und zu definieren. Deswegen nahm sie aus freien Stücken die Verbannung in die Wüste in Kauf. In unserer modernen Welt verkörpert Lilith die Frau, die freiwillig ein kinderloses Dasein wählt, um sich als kreativer Mensch in einem anderen Bereich des Lebens ausdrücken zu können. Lilith-Herrschaft im Horoskop, z.B. im Aspekt zum AC, zur Sonne oder zum Mars, könnte diesen Aspekt des unabhängigen Weibes symbolisieren. Die Frau, die Lilith stark in sich trägt, will sich selbständig ausdrücken. Sie will sich frei bewegen und handeln. Sie wird als Egoistin betrachtet, weil sie sich weigert, in ihren Beziehungen verbindlich gebunden zu sein. Sie will nicht, dass Bindungen sie daran hindern, so zu werden wie sie werden will. Und sie steht zu ihren Zielen und folgt ihrem eigenen Lebensplan.

Freiheit und Gebundenheit

So schreibt auch Barbara Black Koltuv dazu: "Eine Frau, die wachsen und sich psychisch entwickeln will, muss die Lilith-Qualitäten Freiheit, Bewegung und Instinktivität für sich integrieren."

Eva hingegen kann die Frau sein, die sich an ihren Mann klammert, welche die Liebe und Anerkennung nur durch den Status als Ehefrau und Mutter sucht.

Dieser Konflikt ist meisterhaft in dem Buch "L´addio" von Paola Calvetti [3] dargestellt, einer Schriftstellerin, die in Italien lange als Journalistin für La Repubblica arbeitete. Die Geschichte spielt in den fünfziger Jahren und erzählt die Liebe von zwei Freundinnen für denselben Mann. Olga liebt Giulio seit Jahren, sie sind befreundet, und eine tiefe Liebe verbindet die beiden. Cecilia betrügt Olga heimlich mit Giulio und lässt sich von ihm schwängern. Er ist von ihrer passiven Weiblichkeit fasziniert. In ihr sieht Giulio die Mutter seiner Kinder. Mit ihr träumt er von Frieden und Ruhe. Er ist ein berühmter Musiker und braucht eine Frau, die sich selbst nicht in den Vordergrund stellt. Olga, selber auch eine begabte Künstlerin, ist zu leidenschaftlich, zu exklusiv in ihrer Liebe zu ihm. Sie macht ihm mit ihrer Intensität Angst. Er heiratet schließlich Cecilia, kann sich aber auch nicht von Olga trennen. Olga, tief verletzt wegen des Verrats der besten Freundin und des Mannes, den sie liebt, holt sich ihn wieder zurück - und zwar eine Stunde vor seiner Eheschließung. Giulio und Olga treffen sich und lieben sich ein Leben lang hinter dem Rücken von Cecilia, die unwissend ihre Rolle als Gattin und Mutter hervorragend spielt.

Olga beobachtet Cecilia aus der Ferne, die zum zweiten Mal von Giulio schwanger ist: "Das Verhalten Cecilias strahlte Sicherheit aus. In einer nicht offensiven Weise brachte diese Frau ihre Macht zum Ausdruck. Während sie einem neuen Leben vorübergehend Schutz bot, bewahrte sie sich selbst auch vor der gefühlsmäßigen Einsamkeit. Ihr Mann wird ihr nun für weitere Wochen zur Verfügung stehen, hilfsbereit, kooperativ.

Mühevoll lasse ich die Monate vor diesem Abend Revue passieren: Giulio schien in keiner Weise verlegen, ließ in meinem Herzen keinerlei Verdacht aufkeimen. Kein Hinweis, kein noch so schüchternes Bekenntnis wegen dieses unerwarteten Kindes. Wird es ein Junge oder ein Mädchen sein? Wo ist der Unterschied? Warum sagt er mir nichts davon? Schließlich hat er sie deshalb geheiratet, oder etwa nicht? Ich bin nur die schmackhafte und etwas sündige Cremespeise zum Nachtisch." [4]

Die Rolle der Sexualität

Es gibt noch einen weiteren Aspekt im Leben jeder Frau, der von Eva und Lilith symbolisiert wird. Wir erleben ihn im Ausleben der Sexualität. Eva steht für die junge, unerfahrene Frau, die von dem Mann verführt und in die Wonne der körperlichen Liebe eingeführt wird. Eva ist mit der Erfahrung verbunden, Liebe und Sex als unzertrennlich auszuleben. Ihr sexuelles Verlangen ist mit der Fortpflanzung eng verbunden. Eva ist die Verkörperung der männlichen Träume vom häuslichen Glück. Sie darf ihre Sexualität nur mit dem richtigen Mann und in einer festen Beziehung erleben.

Lilith dagegen stellt das Verlangen nach sexuellen Abenteuern dar. Barbara Black Koltuv schreibt in ihrem Buch "Lilith", dass die verführerische, transformative Kraft des Weiblichen von Frauen normalerweise nicht bewusst erfahren wird, bis sie die zweite Lebenshälfte erreicht haben. Erst im Zenit ihres Lebens erleben Frauen die Freude, völlig lebendig und aktiv in dem Ausleben ihres Verlangens zu sein. Viele Frauen lernen die echte Befreiung auf körperlicher Ebene kennen, nachdem sie Kinder geboren und Werte geschaffen haben. Frauen sind sich oft erst in der zweiten Hälfte des Lebens völlig über ihre sexuellen Vorlieben und Bedürfnisse bewusst. Sie sind mit ihrem Körper vertraut, sie brauchen nicht mehr geleitet zu werden, sie wissen selbst, was ihnen Lust und Befriedigung bringt. Barbara Black Kultov stellt es wie folgt dar: "Sehr oft, im Zenit ihres Lebens, wird eine Frau von einem mächtigen, lilith-artigen Wunsch nach einem Mann wie Adam, 'dessen Schönheit wie die Sonnenscheibe ist', ergriffen. Liliths Verlangen nach Adam, ihrer uranfänglichen anderen Hälfte, wie die Sonne nach ihrem Mond." [5] In dieser Phase des Lebens besteht die Möglichkeit, dass die Frau wieder zu Adam zurückkommen kann, nicht mehr als ergebene Gemahlin, sondern als Geliebte. Dieser Adam kann der eigene Mann sein, zu dem eine neue Form der Beziehung möglich geworden ist, oder er kann ein ausgewählter Liebhaber sein, der sie ergänzt.

Der Traum der Maria-Regina

Der Traum einer Frau namens Maria-Regina, den sie bei einem Transit von Lilith im Wassermann in Opposition zu ihrer Sonne im Löwen träumte, veranschaulicht diesen Gedanken:

"Ich bin in einem großen, modernen Bildungshaus. Es ist mit einem sandfarbenen Teppichboden ausgelegt und wirkt sehr hell. Ich habe dort ein Zimmer, habe kein Gepäck dabei - der Traum wird undeutlich. Dann komme ich wieder in dieses Haus, vom Bahnhof her, ich habe ein leichtes Kleid an, es regnet, und ich komme völlig durchnässt an der Rezeption des Bildungshauses an. Es sind die Salzburger Hochschulwochen. Ich sage zu der jungen Frau an der Rezeption: 'Ich habe ein Zimmer reserviert.' Mir ist klar, dass ich kein Gepäck dabei habe, keine Papiere, kein Geld. Ich sage, ich habe in Freiburg studiert. Sie glaubt mir nicht und fängt an, mich zu überprüfen, stellt Fragen über Freiburg, wie das Münster heißt usw. Ich spüre, dass sie mir nicht glaubt und es immer unwahrscheinlicher wird, dass ich hier ein Zimmer bekomme. Da sehe ich links meinen Vater den Flur entlang auf die Rezeption zukommen. Er sieht sehr gut aus, etwa 20 Jahre jünger, und er ist auch größer als in der Realität. Mein Vater ist sehr gut und edel gekleidet mit einem beigen Anzug und einem hellgelben Pullover. Er zieht gewichtiges Gepäck - einen großen Koffer auf Rollen - hinter sich her. Ich gehe ihm ein, zwei Schritte entgegen, wir umarmen uns, mein Kopf liegt an seiner Schulter. Er sagt zu mir und der Dame an der Rezeption: 'Ich bin hier wegen eines Vortrages über die Erotik der Königin der Nacht. Ich will mir hier den Raum anschauen.' Ich sage ihm, dass ich kein Geld und keine Papiere dabei habe. Doch mir ist klar, dass jetzt alles in Ordnung kommt. Wir gehen in den Raum, in dem der Vortrag stattfinden soll. Dann macht einer von uns beiden den Vorschlag, dass Johannes (mein jüngster Bruder) meine Papiere und mein Gepäck holen soll."

Wir wollen uns jetzt nur auf die zentrale Thematik im Traum konzentrieren, auch wenn ein Traum unterschiedliche Botschaften und Themen enthält. Die wichtigste Thematik in diesem Traum ist die Königin der NachtErotik der Königin der Nacht. Wir haben diesen Traum in unserer Ausbildungsgruppe unter der Leitung von Dr. Hellmut Hark, Jungscher Analytiker und bekannter Traumdeuter, erarbeitet. Ich möchte das Ergebnis unserer Arbeit durch die Worte von Maria-Regina wiedergeben: "Ich habe als Kind durch meinen Vater alle Mozart-Opern und auch die Gestalt der Königin der Nacht kennen gelernt; im Urlaub hörten wir früher gemeinsam Radioübertragungen von Opernaufführungen der Salzburger Festspiele. Meine Eltern waren einige Male auf den Salzburger Hochschulwochen; mein Vater besitzt einen hellgelben Pullunder. Ich heiße Maria-Regina, übersetzt Königin, und mein Vater hat diesen Namen für mich vorgeschlagen. In dem Traum erscheint mein Vater wie in einem goldenen Licht. Ich bin sehr erleichtert, ihn zu sehen, und habe das Vertrauen, dass jetzt alles in Ordnung kommt.

Beim Aufwachen weiß ich: Das ist ein wichtiger Traum für mich. Meinen Vater sehe ich im Traum als einen Überbringer einer bedeutsamen Botschaft. Es interessiert mich, was sich hinter dem Vortragsthema verbirgt. Damit 'alles in Ordnung kommt', ist es wichtig, dass ich mich mit dem Thema des Vortrages beschäftige, dem Eros und der Erotik der Königin der Nacht.

Bei der Traumarbeit in der Ausbildungsgruppe wurde ich auf die Gestalt der Lilith hingewiesen, eine Symbolfigur aus dem Umkreis der Schöpfungsgeschichte, die auch mit der Gestalt der Königin der Nacht assoziiert wird."

Für die Arbeit mit diesem Traum ist dieses Zitat hilfreich gewesen: "Der Vater prägt die Liebesfähigkeit der Frau - ähnlich wie der Vater in dem kleinen Mädchen die erste Verliebtheit hervorlockt, so erweckt im weiteren Leben der Vater durch seine Ausstrahlung in der Realität und durch sein Erscheinungsbild in den Träumen die Liebesfähigkeit, den Eros und die Beziehungsmöglichkeit der Tochter und prägt dadurch ihre Begegnungsmöglichkeit mit dem Partner." [6]

Deswegen ist es auch nicht zufällig, dass Maria-Regina ihren Traum unter einem Transit träumte, der die Sonne (Vaterbild, Erfahrungen mit dem Vater) aktivierte. Lilith, die Königin der Erotik, stimulierte mit ihrem Transit die seelischen Erinnerungen, die mit dem Vater und dem Erwachen der Sexualität in dem kleinen Mädchen Maria-Regina verbunden sind. Das Vaterbild ist in ihrem Horoskop mächtig: Die Sonne steht im eigenen Zeichen Löwe und bildet eine Konjunktion zu Pluto. Dieser Vater bekommt im Horoskop von Maria-Regina eine bedeutsame Rolle und übt einen starken Einfluss auf ihre Psyche aus.

Wenn wir das Radix-Horoskop weiter betrachten, bemerken wir auf den ersten Blick die dominante Stellung Liliths. Der Schwarze Mond befindet sich in Konjunktion zum MC und zu Saturn. Regina ist Theologin, die wilde Seite Liliths ist hier bis jetzt unbekannt gewesen.

Die Konjunktion zu Saturn hatte die Auswirkung des Schwarzen Mondes und seine Entwicklung in der Persönlichkeit der Horoskopeignerin blockiert. Sie nahm Lilith in ihrem Leben nicht wahr. Die Erotik, die von Lilith symbolisiert wird, war Maria-Regina fremd. Bis zu dem Zeitpunkt, als sie unter dem Transit der Lilith über die Sonne diesen Traum hatte, der ihr diese neue Dimension offenbarte. Die Zeit ist reif, um einen anderen Aspekt ihrer Sexualität kennen zu lernen, die ihr bisher nicht bekannt gewesen war. In der zweiten Hälfte ihres Lebens wird Regina nun aufgefordert, sich mit der Erotik der Königin der Nacht auseinander zu setzen. Deswegen kommt sie in dem Hotel ohne Papiere und Gepäck an, da diese ihre alte Identität bekannt geben. Mit der Integrierung des Lilith-Prinzips fängt eine neue Phase an und eine neue Identität beginnt zu wachsen. Im Traum wird sie aufgefordert, ihre Weiblichkeit neu zu definieren.

Cher und die jungen Liebhaber

Ich habe oben erwähnt, dass die Frau in der Phase ihres Erwachens die Möglichkeit verspürt, zu Adam als ihrem Geliebten zurückzukehren oder aber sich einen Liebhaber zu suchen, der sie besser ergänzt.

In dem bereits erwähnten Buch von Paola Clavetti verliebt sich Cecilia, die Ehefrau, im Alter von 40 Jahren in einen jüngeren Geigerspieler und lebt diese Affäre aus, ohne dass ihr Mann Giulio davon erfährt. Sie braucht die Macht der Mutterschaft nicht mehr auszuüben, um einen Mann an sich zu binden. In der späteren Beziehung zu dem Geigerspieler hat sie sich selbst und ihre Weiblichkeit entdeckt.

Die Sängerin Cher sagte während eines Interviews zu ihrem 45. Geburtstag: "Ich habe mich für jüngere Männer entschieden, denn sie sind viel sanfter und versuchen nicht, mich zu beherrschen. Als junge Frau habe ich mich genug herumkommandieren lassen müssen - nie wieder. Es ist für mich wichtig, Stärke zu besitzen, denn dadurch bekomme ich eine bessere Sicht von mir selber. Bei jüngeren Männern fühle ich mich wie eine Art Pionier. Und wenn ich helfen kann, die Liebe zu jüngeren Männern gesellschaftsfähig zu machen, will ich das tun."

Cher hat Lilith im Haus der Liebschaften, dem 5. Haus, in Opposition zur Sonne. Diese Stellung von Lilith lässt erkennen, dass Cher eine Frau ist, die den Mut besitzt, über ihr Liebesleben sehr offen zu sprechen und die Liebe so zu erleben, wie sie es gern hat. Die Liebe zu jüngeren Männern wird vom Mond im 7. Haus im Trigon zu Merkur symbolisiert. Dieser Aspekt zeigt, dass Cher sich in der Rolle der erfahrenen, reifen Frau, die jüngere Männer in das Geheimnis der Liebe und der Erotik einführt, wohl fühlt. Lilith im 5. Haus ist eine Art Wegbereiterin und Initiatorin in Sachen Erotik. Und ihre Venus in den Zwillingen lässt sie im Herzen jung bleiben.

Wenn eine Frau nur ihre Eva-Seite lebt, ist sie gerne von jemandem abhängig, und dieser Jemand ist oft der Mann, den sie liebt, sie ist ihm ergeben, genauso wie sie früher ihrem Vater ergeben war. Sie ist passiv und immer bemüht, die Ansprüche des Geliebten zu erfüllen. In der Partnerwahl sucht sie "Adam", einen Partner, der sie dominiert und sie führt.

Ist eine Frau eher von ihrem Lilith-Wesen geprägt, dann ist sie hingegen willensstark, reagiert heftig gegen alle Ungerechtigkeiten und lehnt sich gegen jegliche Autorität auf. Sie ist sich und anderen gegenüber anspruchsvoll. Sie bewertet die sexuellen Leistungen ihrer Liebhaber, und wenn sie sie nicht mehr befriedigen, sucht sie sich einen neuen. Samael ist ihr idealer Gefährte. Die Mutterschaft hat Anziehungskraft für sie, weil sie diese als Herausforderung empfindet, fürchtet aber, dadurch ihre Freiheit zu verlieren und verzichtet aus diesem Grund oft darauf, weil ihr Wesen sich nach Unabhängigkeit und unendlichen Weiten sehnt.

In den meisten Fällen trägt jede Frau von beiden Archetypen etwas in sich. Frauen, die sowohl Eva wie auch Lilith in ihrem Wesen Raum geben, sind bereit, die von ihnen geliebten Menschen zu verteidigen, lehnen aber ein Opfer zum Selbstzweck ab. Sie versuchen Arbeit und Familie zu vereinbaren, und oft gelingt es ihnen sogar. Gelegentlich lassen sie sich gerne von einem starken Mann beherrschen, doch ist dies nur ein Spiel. Wird die Herrschaft übermächtig, wehren sie sich dagegen und weigern sich, dem "Adam" ganz und gar zu Willen zu sein.

Die Lilith im Manne

Aber auch der Mann hat eine Aufgabe in seinem Leben zu erfüllen. Er muss ebenfalls Eva und Lilith in seiner Seele integrieren. Ein Freund von mir hat sich diesbezüglich wie folgt ausgedrückt: "Im Grunde genommen sollte jeder heranwachsende und heranreifende Mann zuerst 'seiner' Lilith begegnen, ehe er, gereift durch die Einführung in die Liebe durch Lilith, seine Eva selbst 'verführen' kann - dies natürlich alles nur, wenn er sich in patriarchalischen Glaubenssystemen bewegt! Ist es jedoch sein Anliegen, eine selbstbewusste und gleichwertige Frau an seiner Seite zu wissen, so kommt er nicht umhin, sich nicht nur von der kraftvollen weiblichen Energie verführen zu lassen, sondern sich dieser zu stellen und daran zu wachsen und zu reifen.

Entnommen aus:
Lianella Livaldi Laun:
Lilith in der Partnerschaft.
Selbstverwirklichung durch den Schwarzen Mond.
Chiron Verlag, Tübingen, 2005.

Dieses Buch können Sie hier bestellen:
www.astronova.com

[1] Olaf Leitner, "Das Dschungelbuch der Liebe", Berlin, 1999, S. 39.
[2] Pamela Ball, "Erotische Träume", Wien, 1999, S. 36.
[3] Paola Calvetti, "L´addio", Mailand, 2001, S. 174.
[4] Ebd., S. 174.
[5] Barbara Black Koltuv, "Lilith", Berlin 1994, S. 66.
[6] Kathrin Asper, Renee Nell und Helmut Hark: "Kindträume, Mutterträume, Vaterträume", Olten, 1990, S. 184.

 
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Harmonische Horoskope
Bestellinformation

Harmonische Horoskope kann man sich als Schwingungszyklen oder Obertöne vorstellen, die in jedem Horoskop enthalten sind. Dabei wird der Tierkreis als Grundschwingung mit der Zahl 1 aufgefaßt, der ganze Kreis von 360 Grad entspricht somit einer einzigen Schwingung. Schickt man nun, bildlich gesprochen, schnellere Schwingungen (mit höheren Frequenzen als 1) durch den Kreis, so kann man untersuchen, welche Planeten eines Horoskops "auf" diesen Schwingungen zu liegen kommen. So wären z.B. bei der Schwingungszahl 4 alle jene Planeten "betroffen", die im Radixhoroskop ein Quadrat zueinander bilden - diese Planeten stehen im 4. Harmonischen Horoskop in Konjunktion.

Etwas vereinfacht kann man sagen, daß die Harmonics eine wesentlich erweiterte und verfeinerte Aspektlehre darstellen, wobei die verwendeten "Schwingungszahlen" eine wesentliche Rolle spielen.

Zahlensymbolik der Aspekte
Die Aspekte werden als mehr oder weniger günstige, ungünstige oder ambivalente Beziehungen der Planeten untereinander gedeutet. Zwar hängt die Deutung auch von der Natur der beteiligten Planeten ab, doch stützt sie sich - bewußt oder unbewußt - in großem Maß auf die traditionelle Symbolik der Zahlen 1, 2, 3 und 4: Teilt man den ganzen Kreis, also 360°, durch 1, so erhält man wieder 360° bzw. 0° - den vorgeschriebenen Abstand einer Konjunktion; bei der Teilung durch 2 ergibt sich 180°, der Abstand einer Opposition; teilt man durch 3, so erhält man 120°, den Abstand eines Trigons, und teilt man durch 4, so ergibt sich der Abstand eines Quadrats, nämlich 90°.

Die 1 symbolisiert die Ureinheit alles Bestehenden, und so erwartet man, daß zwei Planeten in Konjunktion eine Einheit miteinander bilden. Die 2 symbolisiert die Aufspaltung dieser Ureinheit z.B. in männlich und weiblich, oben und unten, yin und yang usw., so daß zwischen zwei Planeten in Opposition sozusagen eine Gegensatzspannung besteht (bis hierher liegt die Deutung dieser Abstände auch ohne jede Zahlensymbolik klar auf der Hand). Die 3 symbolisiert die kreative, auf eine Lösung hin drängende Bewegung, die aus allen Gegensätzen entstehen kann - These und Antithese führen schließlich zur Synthese; dem entsprechend geht man davon aus, daß zwei Planeten in einem Abstand von 120° zueinander sich gegenseitig fördern und ergänzen, zumal dieser Abstand es fast immer mit sich bringt, daß die betreffenden Planeten in Zeichen des gleichen Elementes stehen (z.B. Mars in 10° Widder bildet ein Trigon mit Jupiter in 11° Löwe, wobei sich beide Planeten in einem feurigen Zeichen befinden). Die 4 schließlich symbolisiert die manifeste Materie, das ausgereifte Gesetz, die gewordene Einheit, die sich nicht mehr bewegt; der entsprechende Aspekt, das Quadrat, gilt dem entsprechend generell als problematisch, als gegenseitige Sperrung der beteiligten Planetenkräfte.

Feinaspekte und Harmonics
Nach dem bisher Gesagten ist es naheliegend, auch nach Kreisteilungen durch andere Zahlen zu fragen, z.B. durch 5, 6, 7, 8, 9 und 10. Bis hierher reichen auch die sogenannten Feinaspekte, die von vielen Astrologen und Astrologinnen zur Deutung eines Horoskops herangezogen werden - Quintil, Sextil (wird meist als Hauptaspekt verstanden), Septil, Oktil, Nonil und Dezil. Allerdings können diese Aspekte (und ihre Vielfachen) nur noch rechnerisch ermittelt werden, und auch ihre Deutung ist bei weitem nicht so klar definiert wie die der Hauptaspekte.

Hier bietet nun die Technik der harmonischen Horoskope eine Lösungsmöglichkeit: Anstatt ein Horoskop nach immer kleiner werdenden Feinaspekten abzusuchen, konzentriert man sich auf jeweils eine bestimmte Kreisteilung, die zwar frei wählbar ist (z.B. Teilung durch 9, durch 57 oder durch 228), über deren symbolische Bedeutung man sich jedoch im klaren sein sollte. Multipliziert man die Planetenpositionen eines Horoskops mit der gewählten Zahl, z.B. 36, und trägt die so errechneten Planetenpositionen wieder im Tierkreis ein, so erhält man das 36. Harmonic, eine Art "Hilfshoroskop", das dann als Grundlage verschiedener Betrachtungen dienen kann.

Anwendung der Harmonics
Zunächst erkennt man sofort, welche Planeten im Radixhoroskop den entsprechenden Abstand zueinander (für den Beispielfall des 36. Harmonic sind dies 360° : 36, also 10°) einnehmen, da diese Planeten im 36. Harmonic eine Konjunktion bilden. Ferner könnte man beispielsweise davon ausgehen, daß die Zahl 36 symbolisch für die Fähigkeit zu detaillierten Problemlösungen einsteht: 36 = (2 x 2) x (3 x 3), sozusagen eine potenzierte Form eines Gegensatzes und dessen Auflösung. Dann würde das 36. Harmonic Aufschluß darüber geben, wie der betreffende Mensch sich mit entsprechenden Aufgaben auseinandersetzt und welchen Schwierigkeiten er dabei begegnet. Innerhalb des 36. Harmonic können wiederum Hauptaspekte eingetragen werden, man kann die Beziehungen zum Radixhoroskop untersuchen und auch Betrachtungen zu Transiten über die Harmonic-Positionen anstellen. Schließlich können aus dem 36. Harmonic auch Aussagen über das 36. Lebensjahr eines Menschen abgeleitet werden, da ein Mensch dieses Alters die Sonne zum 36. Mal umrundet und deshalb besonders sensibel für diese Schwingungszahl ist.

Eine wesentliche Schwierigkeit bei der Arbeit mit harmonischen Horoskopen besteht darin, zu bestimmen, welches Harmonic sich für welche Fragestellung eignet bzw. welche Symbolik den verschiedenen Zahlen beizulegen ist. In der Praxis behilft man sich gemeinhin damit, die Zahlen auf Vielfache solcher Zahlen zu reduzieren, deren Symbolik bekannt ist und als gesichert gelten darf - siehe obiges Beispiel; auch die Bildung von Quersummen und andere mathematische und numerologische Operationen werden gern benutzt, um zu Aussagen über die Qualitäten höherer Zahlenwerte zu gelangen. Theoretisch lassen sich zu jedem Radixhoroskop beliebig viele harmonische Horoskope berechnen, doch gerade diese Beliebigkeit gilt es zu vermeiden. Damit steht man aber am Scheideweg zwischen dem Rückgriff auf eine ungewisse Zahlenmystik oder umfangreichen vergleichenden Untersuchungen, die eine systematische Auswertung erfordern.

Literatur
John M. Addey, Harmonics in Astrology, Fowler & Co. Das maßgebliche Werk zu diesem Thema, mit ausführlichen Hinweisen zu Berechnung, Deutung und Anwendungsmöglichkeiten der Harmonics; bis heute nur in Englisch erhältlich.

Michael Harding u. Charles Harvey, Die Feinanalyse des Horoskops, Astrodata. Die Einführung in die Harmonics (Teil 2 des Buches) ist gut verständlich, mit vielen Beispielen und Zeichnungen, und bietet alle zur praktischen Anwendung nötigen Voraussetzungen.

 

 
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Personare
 

Multiple Persönlichkeiten

Dieser Artikel ist ein gekürzter Ausschnitt aus dem Buch "Personare - Die zwölf Personen im Innern der Seele" von Peter Orban und Ingrid Zinnel (Rowohlt Taschenbuch, 1992.) Eine erweiterte und überarbeitete Ausgabe unter dem Titel "Die innere Tafelrunde" ist neu bei www.astronova.com erhältlich.

Bearbeitet von Karin Hoffmann.

Danny ist sieben Jahre alt und stets auf Krawall gebürstet, ein zerstörerisches, kreischendes Ekel von Kind, das keiner leiden mag.
Rosalind, die 31-jährige, verfügt über einen weichen und melancholischen Charme, der ihr die Herzen aller zufliegen läßt. Sie hat den tastenden, tappenden Gang eines Vogels, dem die Schwingen zerschnitten sind.
Jennifer hat mit 22 Jahren mehr Männer gehabt, als sie zählen kann. Sie ist geistig zurückgeblieben und hat nur eines im Sinn: den schnellen Fick mit einem Fremden. Post coitum kann sie sich an nichts erinnern.
John, obwohl erst 34, zählt zu den erfolgreichsten Rechtsanwälten seiner Stadt. Seine juristische Logik ist bestechend, Prozessgegner fürchten seine sprachgewaltigen Plädoyers.
Der Ripper, ein altersloser sechssiebtel Blinder, ist barbarisch, grausam und böse wie ein Nachtmar. Prall vor Haß wütet er; wenn andere schlafen, mit Rasierklinge und Zigarettenglut.

Sie alle, das Plärrkind, die Warmherzige, die Nymphomanin, der Erfolgreiche and das Böse, dazu noch einige andere Charaktere von unterschiedlichster Wesensart, existieren vereint in einem einzigen Körper. Der gehört einer Rechtanwältin, die laut Paßeintrag Marianna Lipton heißt, 168 Zentimeter groß und 46 Jahre alt ist. Außer dem Umstand, daß sie zeitweise unsäglichen Seelenschmerz litt, war dies bis vor einigen Jahren alles, was sie mit einiger Sicherheit über sich zu sagen wußte.

Unerklärt waren Marianna und dem anderthalb Dutzend Therapeuten, die sie seit ihrem 19. Lebensjahr behandelt hatten, welche Kräfte an ihrem Inneren zerrten - bis der Psychiater Frank Putnam bei ihr eine seelische Erkrankung diagnostizierte, die zu den rätselhaftesten neuropsychotischen Syndromen überhaupt zählt: Multiple Personality Disorder (MPD), so nennen die Fachleute diese Art der Persönlichkeitsstörung, die schwer zu erkennen und noch schwerer zu heilen ist.

Beim MPD-Patienten ist das Ich in zahlreiche, gänzlich unterschiedlich geartete Einzelpersönlichkeiten aufgesplittert, die in ständigem Wechsel Wesen und Handeln des Kranken bestimmen - gleichsam ein gelebtes Psychodrama, mehrfältig und vielweltig, in dem der "Multiple" alle Rollen verkörpert. (DER SPIEGEL, 43.Jg. 1989], Heft 37, S. 220)

Das, was die moderne Psychiatrie als MPD beschreibt, als multiple Persönlichkeitsstörung, ist - so lautet unsere Behauptung - nicht etwa ein Sonderfall menschlich-seelischer Entwicklung, sondern nur das nach außen auffällige Erscheinungsbild dessen, was im Inneren eines jeden von uns vorzufinden ist. Jeder hat diese multiplen Persönlichkeiten in sich, nur sind sie nicht derart exzessiv und obsessiv in eine Feindschaft zueinander getreten. Sie beeinflussen bei den meisten Menschen eher unauffällig den ganz normalen Alltag.

Es mag verwundern, wenn wir behaupten, daß der einzelne Mensch aus verschiedenen Persönlichkeiten besteht, hat sich der Leser doch eben erst mühsam angewöhnt, zu glauben, daß der Weg des Menschen der Weg in die Einheit sei. Das glauben wir auch. Dennoch: Der heutige Mensch ist nicht nur schizophren, sondern polyphren, und es hat kaum Aussicht auf Erfolg, die Einheit herbeizusehnen, wo man nicht bereit ist, sich vorher in aller Deutlichkeit die eigene Zersplitterung anzuschauen. Unsere Theorie handelt also nicht von dem einen sichtbaren Menschen, sondern vom unsichtbaren Menschen oder von der Seele des Menschen, und die ist vielfach. Hier wollen wir den Spuren dieses Vielfachen folgen.

 

 
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Was ist ein Personar?

Das Horoskop - Bühne des LebensDas Geburtshoroskop ist ein "Drehbuch des Lebens", das mir einen genauen Überblick über mein Stück liefert. Übersetzen wir das Horoskop-Bild in ein Bühnen-Bild, so wird aus dem Kreis des Horoskops der Kreis der Bühne, und aus den Planeten werden Personen.

Jede einzelne Person in diesem Stück hat eine ganz eigene Geschichte, hat eigene Energien, eigene Bedürfnisse, hat Schwächen und Stärken, eigene körperliche Reaktionen. Und jede Person verfügt über einen eigenen Weg, durch ihr (also durch mein) Leben zu gehen, und ebenso über einen eigenen Weg zur Bewußtwerdung.

Im Geburtshoroskop liegen diese zwölf Personen gleichzeitig vor meinem betrachtenden Auge. Wir wollen jetzt einen weiterführenden Weg vorstellen. Wir schauen jetzt nicht mehr auf das Ganze, sondern betrachten seine Teile. Wir wollen dabei immer bedenken, daß das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Und wir behalten im Bwußtsein, daß wir das, was wir jetzt tun, nur vorübergehend tun. Aber wir tun es dennoch.

Wir erlernen eine Methode, einzelne der inneren Personen herauszugreifen und sie eine Zeitlang unabhängig von den anderen anzuschauen. Über diese Einzelperson erhalten wir aus dem Radix nur die Informationen, in welchem Haus und welchem Tierkreiszeichen sie steht (und welche Beziehungen sie mit den anderen unterhält). Diese Information ist spärlich. Deshalb werden wir jetzt einen Schritt tun, der auf den ersten Blick unerhört klingt: Wir werden für diese Person ein ganz eigenes Horoskop erstellen.

Die Sonne bringt es an den TagDie einzelnen Personen haben auch Geburtsdaten, d.h. sie müssen das "Licht der Welt" erblicken. In diesem Satz liegt bereits das Geheimnis ihrer Geburt. Sie werden in dem Moment geboren, in dem die Sonne, die mich (also mein äußeres Leben) ans Licht gebracht hat (z.B. 22.8.62, 13h22), das erste Mal über diese Person hinwegschwebt und sie damit "ans Licht" bringt. Steht der Mars in diesem Horoskop auf 26 Grad 42 Minuten Wassermann, so erreicht die Sonne den "Krieger" am 3.2.63 um 1h32. Damit habe ich die Daten, die ich für ein eigenes Horoskop benötige: das Geburtsdatum des "Kriegers".

Mars PersonarWir nennen dieses Horoskop ein "Personar". Einerseits beschreibt dieses Horoskop eine meiner inneren "Personen", zum anderen ist dieses Wort "per-sonare" verbunden mit dem Bild des "Durch-Tönenden". Jede der inneren Personen tönt durch das Gesamt der anderen Personen hindurch. Sie gibt der ganzen Gestalt einen besonderen Ton. Einen eigenen Ton!

Die Person hat - einen eigenen Aszendenten - einen Herrscher von Haus 1 - einen Sonnenstand, der immer die Hauptrolle spielt (denn die Sonne steht dort, wo vorher Mars stand) - wieder 12 Personen (!) - einen eigenen MC.

Man behandelt dieses Horoskop wie ein ganz normales Horoskop, wobei wir natürlich beachten, daß es nicht mein Horoskop ist, sondern das Horoskop dieser einen Person in mir. Wir müssen uns also davor hüten, dieses Horoskop für das Ganze zu nehmen.

Personare sind Horoskope von eigenständigen Personen - wir können es nicht oft genug betonen. Personen in mir. Das Geburtshoroskop ist das Horoskop der wichtigsten inneren Person, meiner Sonne. (Die deshalb auch kein eigenes Personar mehr bekommt, denn jenes Horoskop, das diese Person erhält, nachdem die Sonne - ein Jahr nach der Geburt - wieder über ihren alten Standort läuft, nennt man ein Solar). Alle anderen inneren Personen werden im Geburtshoroskop auf den zweiten Rang verwiesen.

Personare sind Horoskope, die die neben der Sonne anderen Personen jetzt ganz gezielt eine Zeitlang in den Rang von Hauptdarstellern erheben. Sie nehmen diese Personen ernster als das Radix das tut. Wir finden es nachgerade unfair, daß auf der Bühne des Lebens nur die Hauptperson eine eigene Biographie erhält und nur ihr Leben beschrieben wird (in dem die anderen Personen Nebenrollendarsteller sind). Und so geben wir hier eine Technik weiter, die dem Leser ermöglicht, auch seinen anderen Mitspielern eine eigene Biographie (eine Lebensbeschreibung) mit auf den Weg zu geben. Es zeigt sich dabei, daß diese Personen sehr zu Unrecht so lange vernachlässigt wurden, ja, daß auch Sie ein eigenes Ego und weitere Mitspieler haben!

 

 
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Personare
 

Zwölf (archetypische) Personen

Unser Personarsystem besteht aus zwölf inneren Personen. Diese zwölf können aber untereinander Verbindungen eingehen, und diese Verbindungen bilden wieder eigenständige Persönlichkeiten. Wenn nur jeder einzelne Archetypus, jede einzelne Person mit einem anderen Archetypus eine Verbindung eingeht, so haben wir schon 66 verschiedene Einzelpersönlichkeiten. (Und bei Dreierverbindungen geht die Mischungszahl schon 220.)

Hier sind unsere zwölf Personen:

Person 1: "Der Krieger"
Wenn ich wissen will, wie es um die Kraft meines Kriegers bestellt ist, wie ich mich in der Welt aggressiv behaupten und durchsetzen kann, wie meine Art des Kampfes ist, ob ich feige oder mutig bin, wofür ich kämpfe und mit welchen Mitteln - dann mache ich mein Mars-Personar.

Person 2: "Die Schöne"
Wenn ich wissen will, wie es um meine Sicherheit oder Unsicherheit, meinen Wert, meine Sinnlichkeit, den Lust-Aspekt meiner Sexualität und ganz allgemein meine Genußfähigkeit bestellt ist - dann mache ich mein Venus- Personar.

Person 3: "Der Intellektuelle"
Wenn ich wissen will, wie es um meine Beweglichkeit im Außenraum mit Hilfe der Gesten und der Sprache, um meine Funktionalität, um meine kommunikative Kompetenz, meine Intelligenz, um meine Darstellung nach außen aussieht - dann mache ich mein Merkur-Personar.

Person 4: "Die Mutter" ("Das kleine Kind")
Wenn ich wissen will, wie es um meine Weiblichkeit, meine Gefühle, das kleine Kind in mir und meine Geborgenheit bestellt ist, also um den weiblichen Teil meiner Seele, so mache ich mein Mond-Personar. Dieses Personar betrachten wir (neben dem Radix) als das wichtigste Aussageinstrument über das Innere eines Menschen.

Person 5: "Der Held" ("Der Vater")
Wenn ich wissen will, wie es um meine Lebendigkeit, um mein Ego, um die Lebenskraft in mir bestellt ist, so müßte ich mein Sonnen-Personar erstellen. Aber dieses Personar habe ich bereits: es ist mein Geburtshoroskop!

Person 6: "Die Vernunft" ("Der Mahner")
Wenn ich wissen will, wie die Art meiner Auseinandersetzung mit den Notwendigkeiten und Zwängen des Lebens, an welche Gegebenheiten ich mich notgedrungen anpassen und die ich als gegeben akzeptieren muß, mache ich das Personar meines Merkur (das identisch mit dem Personar der dritten Person ist).

Person 7: "Der Andere"
Wenn ich wissen will, wie meine Hinwendung zu anderen Menschen, zu Partnern und zur Welt sich gestaltet, so muß ich mein Venus-Personar zeichnen (wie bei der zweiten Person).

Person 8: "Der Fanatiker"
Wenn ich wissen will, wie meine Auseinandersetzung mit den Dämonen, mit dem Gott der Unterwelt, mit den Kräften, die mich vom Leben abhalten wollen, aussieht, so mache ich das Pluto-Personar.

Person 9: "Der Philosoph"
Wenn ich wissen will, wie es um die Sinnhaftigkeit meines Lebens steht, um das Amt des Therapeuten in mir, um die Art, wie die "religio" in meinem Leben beheimatet sein soll, so mache ich das Jupiter-Personar.

Person 10: "Der Alte" ("Der Gesetzesvertreter" )
Wenn ich wissen will, wie es um mein "Gesetz" bestellt ist, jenes Segment im Leben, in dem ich einen höheren Auftrag zu verkörpern habe, was das Schicksal mich lehren möchte (und was ich eigentlich nicht lernen möchte), wie meine Berufung geartet ist, dann mache ich mein Saturn-Personar.

Person 11: "Der Entbinder"
Wenn ich wissen will, in welchem Bereich meines Lebens ich Bindungen zu lösen habe, wo ich das Thema Freiheit und Unabhängigkeit zu verwirklichen in der Lage bin, so mache ich das Uranus-Personar.

Person 12: "Der Meister"
Wenn ich wissen will, an welcher Stelle meines Lebens ich einen Übergang von der Lüge zur Wahrheit vorbereiten soll, wo die Welt für mich "Maya" ist, ein Trugschluss, und ich mit Hilfe der Überwindung des Trugschlusses in die Welt hinter der Welt vordringen soll, so betrachte ich mein Neptun- Personar.

 

 
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Personare
 
Das Auftreten der inneren Personen

BewußtseinsebenenDie Personen unseres Inneren befinden sich auf verschiedenen Bewußtseinsebenen. Daher treten sie in unserem Leben auch unterschiedlich in Erscheinung. Im Horoskop könnte man diese Tatsache durch eine dreidimensionale Darstellung der Lebensbühne verdeutlichen. Die mittlere Ebene zeigt die bewußten, die obere und untere die unbewußten Persönlichkeitsanteile, wobei die unbewußten Ebenen nicht auf zwei begrenzt bleiben müssen. Natürlich gibt es auch verschiedene Grade von (Un)Bewußtsein.

Aus psychologischer Sicht macht es Sinn, die folgenden vier Arten, wie die Personen unseres Inneren auftreten können, zu unterscheiden.

1. Personen, die mit Identifikationen versehen sind
Mit ihnen besteht ein Konsensus. Sie werden von mir mit Energien versehen und sind an der bewußten Auseinandersetzung mit der Welt beteiligt, werden also von mir hofiert, poliert und als Repräsentanten meines Wollens und meines Selbstbewußtseins in die Welt geschickt. Sie sind das, was man in der Diplomatie einen Botschafter nennt. Ein Land entsendet in ein anderes Land einen Stellvertreter, der durch seine gewandten Manieren und sein überlegenes Auftreten das Heimatland nach außen würdig vertreten soll. Diese Person soll Eindruck machen.

2. Personen, mit denen ich mich nicht identifiziere, deren Auftreten ich gleichwohl kenne
Sie erhalten von mir keine Identifikationen, sind keine Botschafter, denn ich behandele sie wie "persona non grata", es sind unerwünschte Teilnehmer an dem Stück. Ich weiß, daß es sie gibt, ja, ich weiß sogar, daß sie recht haben in dem, was sie sagen, und daß sie ein Recht haben, in dem Stück mitzuspielen, mehr noch versuche ich, sie, wann immer sie auftreten, schnellstens wieder abzuschieben. Sie sind als Botschafter meines Landes in Ungnade gefallen, und ich weigere mich, ihnen so viele Energien zu geben, daß Sie ihre Intentionen verwirklichen können (oft haben Sie die Figur eines "Mahners").

3. Personen, die ich nicht kenne und deren eigentliche Aufgabe "geheim", d.h. unbewußt verläuft
Sie treten mir nie offen und in ihren wahren Ansichten vor das Angesicht, sondern arbeiten still und unauffällig an ihren eigenen Interessen, und das sind zunächst einmal nicht die Interessen der bewußten Personen. Um unser Diplomatenbeispiel noch etwas zu strapazieren: Es sind Agenten des eigenen Geheimdienstes, die innerhalb der eigenen Botschaft für ein anderes Ministerium arbeiten und von deren Anwesenheit der Botschafter nicht in Kenntnis gesetzt worden ist. Diese Personen dienen also anderen Herren als mir, and das verwirrt mich oft zutiefst. Da ich von diesem Geheimauftrag nicht wissen darf und auch nichts wissen will - denn ich lehne den Geheimdienst aus Sauberkeitsgründen ab, gibt es einen Interessenkonflikt.

4. Personen, die ich nicht kenne, deren Aufgabe ebenso geheim ist wie die der Personen dritter Art und die mir ebenfalls nicht offen vor das Antlitz treten, die jedoch an meinem Untergang arbeiten
Als Bild: Es sind in meiner eigenen Botschaft Geheimagenten einer fremden Macht. Sie scheinen einem feindlichen Geheimdienst zu entstammen und sind in meinen eigenen vier Wänden damit beschäftigt, Material gegen mich zu sammeln. Material, das mich in eine körperliche Vernichtung treiben soll. Sie wollen mein Land okkupieren.

Die Personen vierter Art bilden den harten Kern dessen, was die Psychiatrie mit dem MPD-Syndrom beschreibt. Insofern finden wir bei den "Multiples" auch immer die Gefahr der Selbstvernichtung durch Selbstmord vorgegeben ja, der Selbstmord als Phänomen insgesamt scheint ein Geschehen zu sein, das von einer Person vierter Ordnung inszeniert wird. Daß er dennoch relativ selten erfolgreich ist, verdankt sich dem Umstand, daß es Personen dritter Art gibt, die ihn zu verhindern trachten. Es findet also, wie bei jedem guten Agententhriller auch, in der eigenen Botschaft ein Kampf der Agenten des eigenen Landes gegen die Agenten des fremden Landes statt, von dem der Botschafter in der Regel gar nichts mitbekommt.

Das Abgeben der inneren Personen an das Außen, an den Therapeuten in einer Psychotherapie, macht auch das Thema der sogenannten "Übertragung" (und der "Gegenübertragung") plausibel. Es wird in der Tat eine Person "hinübergetragen". Doch nicht nur hier funktioniert der Mechanismus des Abgebens. Darf eine Person (3. oder 4. Ordnung) nicht ans Licht, so kann es leicht passieren, dass sie sich im Außen - in der Projektion auf andere Menschen meines Umfeldes - manifestiert. Das Bewußtsein, daß das was mir hier entgegentritt ein Teil von mir selbst ist, hilft, die inneren Personen bewußt zu machen und ihnen ihren Platz einzuräumen.

 

 
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Personare
 

Deutungshinweise

Die folgenden Empfehlungen sind lediglich Hinweise, die ein eigenes Ausprobieren erfordern und den Leser in die Lage versetzen sollen, ein unbekanntes Territorium zu erforschen: sein eigenes Inneres.

1) Die wichtigste unbewußte Person ist der Herrscher von Haus 1 aus dem Radix-Horoskop. Wer also z.B. einen Waage-Aszendenten hat, der schaue sich vordringlich sein Venus-Personar an. Das Personar des Aszendenten- Herrschers im Radix ist immer für eine Überraschung gut.

2) Das Mond-Personar gibt Auskunft über die gesamten Energien der weiblichen Seite der Seele. So wie das Geburtshoroskop eigentlich das Yang- Horoskop ist, ist das Mond-Personar das Yin-Horoskop und somit das Horoskop der anima, des weiblichen Gegenspielers. Zu ihr Zugang zu finden heißt, die Verschüttungen zu betrachten, die in ihr erfolgt sind.

3) Der Aszendent eines Personars zeigt die tiefste Stelle des Unbewußten, die diese Person in sich herauszufinden und zu durchwandern hätte. Sie zeigt bei einer unbewußten inneren Person jedoch ebenso die zum Licht drängenden Kräfte, die sich mit großem Auftrieb an die Oberfläche hinaufkämpfen wollen.

4) Die Sonne eines Personars gilt immer als Ego dieser inneren Person. Nicht als DAS Ego! Auch Saturn z.B. hat ein Ego, sprich einen Lebenswillen, der die Worte "Ich will ..." spricht. Ein Teil dieses Personar-Egos ist bereits aus dem Radix bekannt, denn die Sonne dieses Personars steht ja immer an der Stelle, an der der betreffende Planet auch im Geburtshoroskop steht. Gänzlich unbekannt ist jedoch, in welchem Haus das betreffende Personar sein Ego hat. Allein um der Haus-Ebene dieses Personar-Egos wegen, macht ein Personar seinen Sinn. Denn jetzt weiß man nicht nur, wie diese Person ihr Verhalten zu artikulieren hat, sondern auch auf welcher Ebene, also wo.

5) Das MC der Personare zeigt, welches Schicksal den einzelnen Personen hier auf Erden zugedacht ist. Es ist gleichsam die Quintessenz des Weges, der vom "Unbewußten" (Aszendent) zum "Licht des Bewußtseins" (MC) führt. Ob dieser Weg vom einzelnen zu Ende geführt wird, weiß man nicht. Ob die (jeweiligen) inneren Einzelpersonen also ins Bewußtsein gelangen, scheint eine individuelle Leistung zu sein und könnte zu tun haben mit der Intensität der entsprechenden Anstrengung.

Es will uns scheinen, daß derjenige, der alle Personen auf der Bühne seines Bewußtseins hat, seinen Weg hinieden beendet hätte. Es könnte das Gesetz gelten: Jede Person, die ich in mir gefunden habe, macht die Welt um eine Person ärmer. Ist mir das Außen der Welt keine (innere) Person mehr schuldig, so mag es sein, daß sie ihre Funktion erfüllt hat und abtreten darf.

 

 
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Personare
 

Zwölf Thesen

Aus ihrer astrologischen Erfahrung und der therapeutischen Arbeit mit Klienten haben die Autoren folgende zwölf Thesen abgeleitet.

These 1: In unserem Innern befinden sich zwölf Personen am Werk, die allesamt verschiedene Bedürfnisse und Interessen haben und die ebenfalls verschiedene (von Mensch zu Mensch verschiedene) Energien zur Verfügung haben, diese Bedürfnisse auch zu verwirklichen.

These 2: Diese zwölf Personen müssen uns aus dem Außen periodisch entgegentreten. Damit wir sie im Inneren wahrnehmen können, müssen sie uns außen begegnen - nur dann beschäftigen wir uns ausreichend mit ihnen.

These 3: Die meisten der inneren Personen werden von uns nicht mit Identifikation versehen, d.h. sie sind uns fremd.

These 4: Was in meinem Inneren keine Identifikation verliehen bekommt, kann in mir schalten und walten, wie es will. Ich nehme zwar die nach außen sichtbaren Symptome dieser nicht mit Identifikation versehenen Personen wahr, aber nicht die eigentliche Person mit ihren Bedürfnissen.

These 5: Eine Person arbeitet gegen mich, heißt: Ich will ihr in meinem Bewusstsein keinen Raum geben, ich will sie in meiner Welt nicht haben. Ich versuche, ihr die Qualität "unbewußt" von mir aus zu verleihen, weil sie gegen mein Lustprinzip verstößt und damit eine Wunde für mein Ego darstellt.

These 6: Die inneren Personen bereiten ihr Auftreten in mein Leben hinein von langer Hand vor und treten nach einem gewissen Zeitschlüssel aus dem Inneren in das Äußere über. Sie tun das, wie aus These zwei ersichtlich, damit ich sie (als zu mir gehörig) kennenlernen soll an einer Stelle, an der ich auch tatsächlich in der Lage bin, sie wahrnehmen zu können. Meine Seele ist also jetzt aufnahmebereit für diese Person, wenn es auch vorab eine Situation der Ausweglosigkeit geben muß, die mich leiden läßt.

These 7: Solange ich nicht alle Personen kenne, kenne ich eigentlich keine. Es nützt also wenig zu sagen: Na, wenigstens vier Personen habe ich schon mit Identifikationen versehen. Sie sind schon auf die Haben-Seite meines Kontostandes rübergewandert. Hinter jeder bewußten Person steht mindestens eine (mitunter mehrere) unbewußte Person, die der bewußten Person unerkannt das Handeln oder Denken vorschreibt und aufzwingt.

These 8: Einige der inneren Personen können von uns deshalb nicht mit Identifikationen versehen werden, weil diese Personen selbst ein großes Interesse haben, nicht ans Licht des Bewußtseins zu gelangen. Insbesondere (innere) Personen, die in der Kindheit ein dramatisches (meist sexuelles) Trauma durchlaufen haben, entziehen sich aus psycho-dynamischen Gründen einer Aufdeckung auf das Heftigste. Diese Personen geistern jetzt als eminent destruktive Kräfte durch die Hallen des Unbewußten und bilden dort sehr tiefe Schattenbereiche, die sich in die bewußten Anteile einmischen und diese in unvorstellbarer Weise zerstalten und terrorisieren.

These 9: Jede höhere Wesenheit, jeder Guru oder (nach außen projizierte) Geistführer ist nichts anderes als eine der Personen 3. (in seltenen Fällen sogar 4.) Ordnung, der sich deshalb bei mir meldet, weil er inhaltlich zu mir gehört. Das einzige "Jenseitige" an diesen Wesenheiten besteht darin, daß Sie jenseits meines Bewußtseins (also innerhalb meines Unbewußten) sich befinden. Ihre Botschaften sind nicht etwa von Alpha Centauri, sondern aus meinem Inneren und wollen auf ein Problem in ebendiesem Inneren hinweisen. Insofern müssen diese Botschaften - so klug sie sich auch immer anhören mögen - psychodynamisch auf mich bezogen übersetzt werden. Dann machen sie Sinn.

These 10: Alle unbewußten inneren Personen der dritten (oder vierten) Art haben einen zutiefst in sie eingelassenen Mechanismus: Sie wollen an das Licht des Bewußtseins. Daran arbeiten sie, wenn auch mit Mitteln, die das Bewußtsein lange Jahre nicht versteht. Sie fühlen sich in der Diaspora der Seele, in ihrem Exil, nicht wohl. Insofern arbeiten Sie selbst an ihrer Aufdeckung. Der eigentliche Feind, der ihnen entgegensteht, ist paradoxerweise das Bewußtsein selbst. Ich will die Personen in meinem Bewußtsein nicht haben und tue alles, damit sie im Unbewußten weiterdämmern.

These 11: Den inneren Personen muß man auf ihrer jeweiligen Ebene im Inneren der Seele begegnen. Es ist wichtig, sie dort anzusprechen, wo sie sich befinden. Da die Personen 3. oder 4. Ordnung sich in der Tiefe aufhalten, muß man sich in diese Tiefen hinabbemühen, d.h. es muß ein Zustand des veränderten Bewußtseins hergestellt werden. Erprobte und ungefährliche Hilfsmittel zu diesem Zweck sind Trance, Atemtechniken, Musik und Licht.

These 12: Jede Person, die mir zu einem bestimmten Zeitpunkt aus dem Außen entgegentritt ist ein deutlicher Hinweis darauf, daß die gleichlaufende innere Person jetzt in mir bereit ist, geschaut zu werden. Diese Person ist immer 2., 3. oder 4. Ordnung. Personen erster Ordnung brauchten in meinem Leben eigentlich nicht aufzutauchen. Da sich aber in der Regel Personen der unteren Etagen in die Personen der oberen Etagen einmischen, sieht es so aus, als käme mir eine sympathische Person entgegen, eine, mit der ich mich leicht identifizieren oder in die ich mich gar verlieben kann. Derartige Personen zeigen mir im Moment ihre (d.h. meine) Zuckerseite. Im Laufe der Zeit werden Sie sich ein wenig herumdrehen, und es müssen Personen der unteren Etagen janushaft zum Vorschein kommen. Das ist der Sinn des Stückes: daß mir die weggegebenen und vertriebenen Personen sukzessive wieder zugeführt werden.

 

 
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Personare
 

Personare bei Astrodienst

Wir haben beim Astrodienst die Idee von Orban/Zinnel spontan aufgegriffen und bieten Personar-Horoskope in verschiedenen Ausführungen an.

Selbstverständlich läßt sich das Konzept erweitern, so daß Neugierige sicher auch Chiron-, Mondknoten- (zwei!), Aszendenten- oder MC- Personare aufstellen werden.

 
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Astrologische
Geburtszeitkorrektur

von Richard Vetter


Die Rektifizierung einer Geburtszeitangabe scheint vordergründig angebracht - schließlich braucht der Astrologe eine exakte und verlässliche Uhrzeit als Grundlage zutreffender Interpretationen.

Doch gibt keine der diversen Korrekturmethoden die erhoffte Sicherheit bzw. Gewähr; jede beruht auf sehr wackligen (hypothetischen) Voraussetzungen. Und die unterschiedlichen Techniken kommen regelmäßig zu unterschiedlichen Ergebnissen - von denen dann mehr oder weniger willkürlich das "passendste" ausgesucht wird. Ich misstraue grundsätzlich jeder Korrektur - außer wenn sie nur wenige Minuten beträgt und vom Horoskopeigner selbst (nach jahrelanger Beobachtung) durchgeführt wurde.

Ein Unding ist, wenn die Geburtszeit gar um Stunden verschoben wird (wie teilweise üblich). Zur Rechtfertigung werden dann abenteuerliche Theorien konstruiert, warum die offizielle Zeit falsch, wieso sie falsch notiert bzw. falsch übermittelt worden sei. (Auch Eltern und Verwandtschaft basteln mit dem Abstand der Jahre um die Vorgänge und Abläufe der Geburt einen immer bunteren Mythos.)

Im Zweifelsfalle gebe ich stets der amtlichen Zeit den Vorzug - das gebietet nicht nur meine Steinbockbetonung, sondern auch und gerade die wissenschaftliche Seriosität. Das Personal von Klinik und Standesamt ist am glaubwürdigsten/ authentischsten - ihre Notiz war in der Regel dem Geburtsgeschehen am nächsten, ihre Aktenführung bzw. Registratur ist neutral und unvoreingenommen, diese Institutionen hegen keinerlei subjektiven oder unterschwellig mythenbildenden Interessen.

Das ausführliche Berechnen der verschiedenen Geburtszeitvarianten nährt natürlich unser Selbstverständnis als moderne mathematici (á la Kepler);die langen, komplizierten Zahlenreihen sind beeindruckend. Die Prozedur sieht solide, fundiert aus, verleiht einen wissenschaftlichen Anstrich, bestärkt des Astrologen u.a. von Statistikflops so arg gebeuteltes Selbstgefühl - zumal dabei mit "empirischen" Daten, konkreten Fakten der Persönlichkeit und Biografie operiert wird. Die jonglierenden Rechenkünste wollen uns vorgaukeln, dass unser Wissensgebäude eben nicht auf unbeweisbarem Grund errichtet sei, auf vagen Theorien und Spekulationen, sondern dass die Astrologie nachweisbar stimme...

Dass solche Argumentation zirkulär ist (das zu Beweisende nicht sich selbst beweisen kann), wird bei näherer Betrachtung schnell deutlich. Dass andererseits ein in sich geschlossenes Weltbild (Paradigma) wie die Astrologie prinzipiell weder bewiesen noch widerlegt werden kann, dass statistische Untersuchungen zwangsläufig fehlschlagen müssen, habe ich in "Astrologie und Wissenschaft" darzulegen versucht, auch die Frage aufgeworfen, warum man derlei Legitimationsbemühungen nötig hat, ob nicht - angesichts der ökologischen Katastrophe - die Naturwissenschaften ihrerseits unter einem Rechtfertigungsdruck stehen.

In der Astrologie lassen sich Symbol und Ereignis jedenfalls nicht einfach gleichsetzen, funktioniert es nicht nach dem Schema "a = b" wie in den Gleichungen der Schulmathematik, gibt es keine lineare und kausale Verknüpfung von Wirkendem und Erwirkten wie in der klassischen Physik!

Als Archetypen sind die astrologischen Urprinzipien vielschichtig und mehrdeutig. Unser Wissensgebiet ist überhaupt unerschöpflich - von daher wäre ein gutes Stück Bescheidenheit angebracht. Mehr als anderswo gilt hier, dass auch ein Lehrender nie auslernt. Man weiß nie hundertprozentig, was die Konstellationen genau bedeuten, wie ihre Manifestation im Konkreten aussieht; auszuschließen ist jedenfalls nichts.

Für Geburtszeitkorrekturen wird zweifelsohne ein erheblicher Aufwand erbracht. Doch wäre es nicht sinnvoller, die investierte Energie in eine gründliche Deutung zu stecken? "Wahrheit" erschließt sich uns nur intuitiv, über die intensive Auseinandersetzung mit einem Horoskop oder Menschen. Eigtl. bietet schon die Tageskonstellation (ohne Vorliegen einer Geburtszeit) reichlich Material zur Beschäftigung. Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Astrologe, welcher sich erst lange und abstrakt mit der "richtigen Uhrzeit" befasst, die Begegnung mit dem lebendigen Klienten scheut, bzw. dass es mit seiner Phantasie hapert, seine Deutungskunst mittlerweile erstarrt, stereotyp ("tot") ist.

Noch ein schlimmerer Verdacht beschleicht mich: dass die "Korrekturspezialisten" nicht richtig mit den Schicksals-Implikationen ihrer Arbeit umgehen können. Ihr Unbewusstes kann nicht akzeptieren, dass so manches "von oben" einfach gesetzt ist, und zwar unverrückbar. Sie wollen steuern, manipulieren, in einer psychischen Inflation (Ego-Aufblähung) auf eigene Faust Schöpfer spielen, den antiken Nornen gleich die Schicksalsfäden und Lebensströme durch ihre Hände rinnen lassen - in selbstherrlicher Anmaßung und ihr Wissen um die höheren Dinge missbrauchend.

Gegenüber den in die Astrologie hineinspielenden existenziellen Themen (wie Leben und Tod, Karma und Dharma) ist m.E. respektvolle Vorsicht geboten. Statt an einer angegebenen Geburtszeit herumzurühren, sollte man mit dem Vorhandenen arbeiten, das jeweilige Horoskop - in der nunmal vorliegenden Form - zu sich sprechen lassen.

(geschrieben 1997)

Die Website Richard Vetter:
http://astrologix.de/astroInfo/

 

 
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Angst im Horoskop
- erkennen und verstehen

von Christa Gallery


Uranus – Angst vor Freiheitsbeschränkung und Individuation

… und plötzlich ist sie da. Das Herz klopft bis zum Hals, die Hände sind feucht, das Atmen fällt immer schwerer, die Knie zittern, und man hat das Gefühl, dass alles irgendwie ver-rückt ist. Die körperlichen Symptome können so stark sein, dass die Betroffenen Todesangst verspüren. So oder so ähnlich hört es sich an, wenn eine Panikattacke geschildert wird. Die Betroffenen verspüren urplötzlich Angst und befürchten eine schwere körperliche Krankheit oder durchzudrehen. Die ersten Panikattacken treten meist ohne erkennbaren Anlass auf – wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Wenn möglich, flüchten die Betroffenen sofort aus der Angst auslösenden Situation, und die Panikattacke lässt nach. Der Wunsch, nie mehr in eine solche Lage zu kommen, ist dann so mächtig, dass zukünftig solche oder ähnliche Situationen vermieden werden. Der Teufelskreis der Vermeidung aus Angst vor der Angst setzt ein.

Angst im Horoskop
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Uranus symbolisiert in der Astrologie eine Kraft, die sich als plötzlicher Wechsel der Lebensstruktur und als schnelles Hervorbrechen von unerwarteter Energie manifestiert. Durch ihn ist es möglich, dass starke, ungewöhnlich schnelle Kräfte in das Bewusstsein strömen. Sein Einfluss macht einen Menschen nicht unbedingt stabil, da Uranus aufgrund von plötzlichen, unkontrollierbaren Impulsen handelt. Diese Kraft steht für überraschende Erkenntnisse und Einsichten, sie kann aber ebenso in falschen Ahnungen und wirren Eindrücken auftreten. Horoskopfaktoren im Aspekt zu Uranus sind meist stark angeregt, erregt, «elektrisiert» und beschleunigt. Er ist der Planet der sprunghaften Veränderungen, und seine Wege können in unbekannte Dimensionen führen. Was heute noch tragfähig zu sein scheint, was uns befriedigt und Geborgenheit gibt, könnte morgen schon nicht mehr gelten. Die Energie dieses Planeten ist auf Veränderung ausgerichtet. Durch einen starken Uranus-Einfluss im Horoskop oder durch Auslösungen des transitierenden Uranus haben betroffene Menschen das Gefühl, dauernd unter Spannung zu stehen. Durch die ständige innere Unruhe fällt es sehr schwer, sich zu entspannen. Ein länger andauerndes erhöhtes Anspannungsniveau kann schon in ganz gewöhnlichen Stress-Situationen Angstanfälle und Panikattacken auslösen.

Uranus - Individualität leben

Uranus verlangt von uns, dass wir unsere Individualität leben. In Zeiten von Stagnation und übertriebenem Sicherheitsdenken kann er auf sehr rüde Art und Weise auf dieses Verhalten hinweisen. Es entsteht ein Konflikt zwischen dem Bedürfnis nach absoluter Freiheit und den konkreten Lebensbedingungen. Je mehr wir uns an traditionelle Lebensmuster klammern und uns in emotionale Abhängigkeiten begeben, umso mehr wird Uranus uns aufrütteln. Uranische Energie ist mit viel Angst besetzt, denn sie bringt unser Verlangen nach Sicherheit ins Schwanken. Das Leben jedoch konfrontiert uns ständig mit Gegensätzen: Selbstbehauptung und Abhängigkeit, Individuation und Beziehung, Selbstbestimmung und Fremdbestimmung. In unserer heutigen Gesellschaft nimmt die menschliche Autonomie einen immer größeren Stellenwert ein. Autonomie und Freiheit stehen in einer Wechselbeziehung. Freiheit beinhaltet die Möglichkeit der Selbstbestimmung, der freien Entscheidung und der Wahl. Der freie Mensch möchte selbstbestimmt und nach eigenen Fähigkeiten handeln. Die eigentliche Angst steckt hier in der Angst vor der Freiheitsbeschränkung. Dies kann sich dann leicht in einer Platzangst (Agoraphobie), Angst vor geschlossenen Räumen, Fahrstühlen etc. auswirken. Der innere Konflikt wird auf äußere Objekte verschoben.

Uranus ist ein unpersönlicher Planet. Seine kosmische Kraft ist darauf gerichtet, den einzelnen Menschen zur größtmöglichen Unabhängigkeit und Autarkie zu befähigen. Er löst symbiotisches Verhalten auf. Die menschlichen Bedürfnisse nach emotionaler Bindung und Geborgenheit innerhalb einer Familie oder Gemeinschaft entsprechen nicht diesem astrologischen Prinzip. Eine starke Uranus-Stellung oder der Transit zu wichtigen Horoskopfaktoren geht mit dem großen Bedürfnis einher, auf niemanden angewiesen zu sein, niemanden zu brauchen oder niemandem gegenüber verpflichtet zu sein. Deshalb besteht hier die Tendenz, sich von anderen zu distanzieren. Uranus bedeutet Angst vor Nähe, Angst vor emotionalen Verstrickungen und Angst um die Entwicklung der eigenen Autonomie. Dabei geht es um das Thema des Selbstverlusts: die Angst, sich selbst zu verlieren und das eigene Leben aufzugeben.

Angst vor Nähe

In ihrer Umwelt hinterlassen Menschen unter starkem Uranus-Einfluss den Eindruck von Kälte und Unpersönlichkeit. Der gefühlsmäßige Umgang mit anderen Menschen und das Wahrnehmen ihrer emotionalen Bedürfnisse, wie Zuneigung und Zärtlichkeit, löst zum Beispiel Unbehagen und Verunsicherung aus. Die zwischenmenschlichen Kontakte finden meist auf einer lockeren, unverbindlichen Ebene statt. Sich anderen zu öffnen, fällt außerordentlich schwer. Daher ist es kaum möglich, über die eigenen Ängste und Befürchtungen zu sprechen, denn dies setzt ja eine bestimmte Vertrauensbasis voraus. Aus Angst vor tiefen Gefühlen und vertrauter Nähe zu anderen ziehen sich diese Menschen immer mehr zurück, bis sie sich letztendlich isolieren und einsam werden.

Jede Zuneigung und Liebe kann uns gefährlich werden, weil sie uns verwundbar macht. Liebesgefühle machen uns verletzlicher und empfindlicher, weil wir etwas von uns selbst aufgeben müssen und uns an andere Menschen ausliefern. Die Angst vor der Hingabe ist mit der Angst vor einem möglichen Selbstverlust verbunden.

Uranusbetonte Menschen werden in der gängigen astrologischen Literatur gern mit Eigenbrötlern, Sonderlingen oder Außenseitern in Verbindung gebracht. Die Andersartigkeit, die Uranus repräsentiert, geht oft einher mit einem Gefühl der Entwurzelung und dem Verlust des Zugehörigkeitsgefühls. Durch diese Distanz zu anderen Menschen bis hin zur Vereinsamung kann man schnell zum schwarzen Schaf oder zum Sündenbock einer Gemeinschaft werden. Aber Einsamkeit und Isolierung von anderen wirken Angst verstärkend. Oft ver-rücken diese Menschen dann die realen Maßstäbe und flüchten in eine irreale Welt, und die innere Angst wird auf äußere Objekte projiziert. Das Gefühl, anders als die anderen zu sein, bewirkt ein Gefühl der Ungeborgenheit in der Welt.

Mond / Uranus

In auffallend vielen Horoskopen von Menschen mit starken Ängsten oder Angststörungen finden sich Uranus/Mond-Aspekte, oder Uranus steht im 4. Haus.

Ein Kind braucht eine geborgene Atmosphäre, in der seine Bedürfnisse erfüllt werden. Neben seinen körperlichen Bedürfnissen benötigt es emotionale Wärme und Stabilität. Durch Unruhe oder Spannungen in der Kindheit kann bei ihm der Eindruck entstanden sein, dass nichts im Leben Bestand hat und dass es jederzeit plötzlich aus seiner emotionalen Geborgenheit gerissen werden kann. Das Kind zieht sich ängstlich zurück, findet keinen Halt und kann nur schwer eine Sicherheit in sich selbst entwickeln. Auch Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen, fällt diesem Kind und später dem Erwachsenen schwer. Schwierig kann es auch werden, wenn das Geborgenheitsbedürfnis des Kindes durch technische Erfindungen befriedigt wird. Es können sich dann dem Alter des Kindes unangemessene Ängste entwickeln.

Liz Greene beschreibt die schreckliche Angst, die Uranus verursachen kann. Sie stellt Mond/Uranus-Ängste als erlebte Angst dar, die bereits in frühester Kindheit erfahren wurde. Diese frühkindlichen bzw. sogar vorgeburtlichen Erfahrungen in Bezug auf Änderungen des Stabilitätsgefüges können sich auf zukünftige, ängstliche Erwartungen auswirken. Tatsächlich sind dies verdrängte, instinktive Erlebnisse aus der Vergangenheit. Dabei muss es sich nicht unbedingt um die gern mit Uranus in Verbindung gebrachten Erlebnisse wie Scheidung der Eltern, Verlust eines Elternteils oder Heimat handeln. Das Grundgefühl kann allein durch die zuvor erwähnte angespannte Atmosphäre, Gefühle der Unsicherheit, die Erwartung irgendeiner Katastrophe ausgelöst werden. Der Mond, der unsere Lebenserfahrungen aufnimmt, speichert körperliche und emotionale Erinnerungen. Bestimmte Situationen oder vermeintliche Bedrohungen der Sicherheit können diese Erinnerungen auslösen und uns in Furcht und Schrecken versetzen. Diese Gefühle, die stets auf eine bevorstehende Katastrophe ausgerichtet sind, sind stark auf vergleichbare äußere oder innere Situationen sensibilisiert und können bis ins Erwachsenenalter anhalten und chronische Ängstlichkeit mit verursachen.

Situationen, die andere Menschen gar nicht beunruhigend finden, können in diesem Menschen Angst hervorrufen, besonders dann, wenn aus heiterem Himmel etwas geschieht, was ihr Gefühl der Verwurzelung zerstört.

Uranus/Mond-Verbindungen geben immer einen Hinweis auf die Unsicherheit des Gefühls, «im Leben geborgen» zu sein. Sie zeigen eine geringe Toleranz gegenüber Ängsten und können zwiespältige Emotionen nur schwer ertragen.

Uranus im Transit kann alte, unverarbeitete Ängste aus früherer Zeit aktivieren. Diese mit professioneller Hilfe aufzuarbeiten, ist wichtig. Zu erkennen, dass es sich bei den aktuellen Ängsten um ein Wiederaufleben von Kindheitsängsten handelt, hilft, als Erwachsener diesen Gefühlen weniger ausgeliefert zu sein.

Fortschritt, Technik, Individuation - und wo bleibt die Geborgenheit?

Uranus ist auf die Zukunft ausgerichtet. Er sieht neue Möglichkeiten, möchte Unbekanntes kennen lernen und bejaht alles Neue. Vor allem braucht er das Gefühl der Freiheit. Uranusbetonte Menschen haben Angst vor Ordnungen und Gesetzmäßigkeiten, denn dadurch werden sie festgelegt und können nicht ausweichen. Sie möchten die Mauern der Begrenzungen des Lebens, des Alltags und der Realität sprengen und übersehen leicht, dass wir von ihnen in einem gewissen Maß abhängig sind. Indem man sich der Realität entzieht, besteht die Gefahr, eine Scheinwelt und eine Scheinfreiheit aufzubauen, mit der Konsequenz, im realen Leben nicht mehr zurechtzukommen.

Uranus steht auch in einem engen Zusammenhang zur Technik und Wissenschaft und damit für unsere heutige moderne Welt. Wir können heute mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt treten, uns mit ihnen austauschen, über Probleme reden und Beziehungen aufbauen. Zugleich sind wir einsam wie nie zuvor. Der Geldautomat und das Online-Banking ersetzen das Gespräch mit den Bankangestellten. Wir können im Internet einkaufen, ohne mit anderen Menschen persönlich in Kontakt zu kommen. Bei Kindern und Jugendlichen werden soziale und körperliche Aktivitäten zunehmend durch isolierte Computertätigkeiten ersetzt. Die Arbeitskraft vieler Menschen wird überflüssig, weil technische Errungenschaften effizienter sind. Das heutige Leben in der westlichen Zivilisation, trotz oder wegen des technischen Fortschritts, gibt uns immer weniger Geborgenheit. Der zwischenmenschliche Austausch reduziert zunehmend. Der rationalisierte Mensch zieht den Umgang mit Maschinen dem sozialen Zusammensein vor, weil menschliche Beziehungen als zu unkontrollierbar, vieldeutig, komplex und zwiespältig erscheinen.

Wir sind einer Flut von Reizen ausgesetzt, gegen die wir uns nur schwer abschirmen können. Allein unser Wissen, dass wir Menschen aufgrund des modernen, hoch gepriesenen technischen Fortschritts nun in der Lage sind, uns selbst zu vernichten, lässt in uns das Gefühl der existenziellen Bedrohung entstehen. Die Beherrschung der Natur, teilweise unkontrolliert, und die daraus resultierenden Lebensbedingungen lassen unsere emotionale Seite immer mehr verkümmern.

Die meisten Menschen haben mehr oder weniger Angst vor der Individuation. Sich selbst werden, den eigenen Weg gehen ist immer mit Einsamkeit verbunden, da wir uns von Geborgenheit gebenden Gemeinsamkeiten entfernen. Mit Uranus ist aber gleichzeitig eine große Freiheit verbunden. Wir haben plötzlich mehr Möglichkeiten unser Leben zu gestalten.

Die Herausforderung der Uranus-Transite

Uranus ist der Planet der unerwarteten Veränderungen und plötzlichen Umbrüche. Seine Transite zu bestimmten Horoskopfaktoren können die Fundamente unseres Lebens und unserer Persönlichkeit erschüttern. Gewohnte Strukturen, die aber unser Wachstum hemmen, sollen aufgelöst werden, um neuen Entwicklungen Raum zu geben. Vielen, abhängig von den einzelnen Konstellationen im Horoskop – zum Beispiel mit starker Erdbetonung