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Artikel von Liz Greene
Astrologie auf hohem Niveau
Die eigene Berufung
Das Composit
Dreiecksbeziehungen
Prognose
Die Entfaltung der Sonne
Sonnengott Apollon
Neptun
Orakel und Familien-
fluch
Zwei glorreiche Halunken
Verletzungen und der Wille zum Leben
Terrorangriff auf die USA
Generationskonflikte
Astrologie und Computer
Interview 2001
[1] Mit Pluto leben
[2] Mit Pluto leben
[3] Symbolsprache der Astrologie
[4] Symbolsprache der Astrologie
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nach obenAstrologie auf hohem Niveau

Liz Greene:
Astrologie auf hohem Niveau

Eine wohlgeachtete WissenschaftIn einer längst vergangenen Zeit, als die Vernunft noch nicht so absolut herrschte wie heutzutage, war die Astrologie eine wohlgeachtete Wissenschaft. Wer sie verstand, benutzte sie nicht nur für einen Blick in die Zukunft, sondern auch zum Einblick in die Tiefen der menschlichen Seele. Dann kam die Zeit der Aufklärung, und unser Wissen über das stoffliche Universum wuchs ins Unüberschaubare. Es schien, als würden Wissensgebiete wie die Astrologie zusammen mit anderen, gleichfalls symbolischen Landkarten unseres Kosmos, zu unzeitgemässen Relikten. Man hielt sie für abergläubischen Unsinn aus einer unwissenden und dunklen Zeit.

Doch überraschenderweise weigerte sich die Astrologie, trotz aller Herabsetzungen und Nachstellungen, die sie zu erdulden hatte, den Weg ihrer Labyrinthalt gewordenen Genossen, der flachen Erde, der Teufelsaustreibungen und der Verwandlung von Blei in Gold anzutreten. Die Astrologie ist gesund und munter, populärer denn je zuvor in den letzten dreihundert Jahren. Wieder hat sie es geschafft, sich die Hochachtung auch gescheiter Köpfe zu verdienen. In unserer Zeit macht die Astrologie ihren Weg gerade wegen unseres zunehmenden Wissens über die Psychologie und die innere Natur des Menschen, und sie demonstriert heute mit beredter Weisheit, dass sie Wertvolles anzubieten hat für den modernen Menschen auf der Suche nach sich selbst.

In den AstroIntelligence-Horoskopen erstellen wir mittels einer Verbindung von Astrologie, Psychologie und modernster Computertechnologie ein individuelles astrologisches Portrait, das Ihnen auf dem Weg der Selbsterkenntnis ein Stück weiterhelfen kann. Dies ist kein Glückszahlen- oder Kochrezepthoroskop, sondern es handelt sich um Psychologische Astrologie auf einem hohen und anspruchsvollen Niveau. Kein Computer kann und soll die Arbeit erfahrener menschlicher Astrologen ersetzen. Aber wir sind überzeugt, dass Sie in diesen Texten eine überraschend tiefgehende und genaue Beschreibung der komplizierten Dynamik finden werden, die in Ihrem Innern am Werk ist.

TheaterShakespeare sagte einst, die ganze Welt sei eine Bühne und wir alle seien lediglich Schauspieler in einem grossen Stück. Man kann auch das Geburtshoroskop so sehen, als Abbild des individuellen Dramas, das wir ein Menschenleben nennen, komplett mit Bühnenbild, Darstellerliste und Handlungsablauf. Es ist nützlich, sich während des Lesens unserer Horoskopdeutungen gelegentlich an dieses Gleichnis von Theater und Bühne zu erinnern. Dieses Bild kann helfen zu verstehen, was der Begriff "Schicksal" in der Astrologie eigentlich bedeutet. Schicksal ist bereits enthalten in der Besetzungsliste unseres inneren Dramas, wobei die einzelnen Figuren unsere tiefsten Bedürfnisse, Konflikte und Sehnsüchte verkörpern. Der Ablauf des Stückes ist zum grossen Teil schon vorgegeben durch die Zusammensetzung der Truppe und die Aufstellung der Bühne. Niemand kann jemand anderes als sich selbst sein. Jede Lebensgeschichte spiegelt - in den kleinen Details wie in den grossen Zügen - das innere Wesen dessen wider, der sie erlebt.

Aus der Einleitung zum "Psychologischen Horoskop", von Liz Greene

Liz Greene ist Doktor der Psychologie, Astrologin und Autorin der meisten Horoskopdeutungen von Astrodienst. Sie ist in Fachkreisen ausserordentlich angesehen und gilt als eine der wichtigsten Figuren der modernen Astrologie.

Liz Greene publiziert Fachbücher, leitet das Centre for Psychological Astrology in London und ist beratend als Astrologin und Psychologin tätig. Sie lebt und arbeitet in England.

Mehr über Liz Greene

Horoskope von Liz Greene

Dr. Liz Greene

 
nach obenDie eigene Berufung

Die eigene Berufung finden
Liz Greene über das Berufshoroskop

dream no. 1Als Kind werden wir oft von den Leuten gefragt: "Was möchtest Du denn später einmal werden?" In diesem Alter haben wir für gewöhnlich noch tausend Träume. Wir wissen einfach, daß wir auf dem Mond landen werden, das schnellste Flugzeug der Welt steuern lernen, vom Aussterben bedrohte Tierarten retten oder daß wir eine brillante wissenschaftliche Entdeckung machen, die die Welt verändern wird. Über den Stellenmarkt, ein gut gefülltes Bankkonto oder darüber, wie wir uns und unsere Familien ernähren können, machen wir uns noch keine Gedanken, dazu sind wir noch nicht alt genug. Wir leben noch ganz in unseren Träumen und sind insgeheim davon überzeugt, daß wir einzigartig sind und eine besondere Aufgabe im Leben haben. Selbst wenn unsere Eltern sich etwas völlig anderes für uns wünschen - wir wissen, daß ihre Träume nicht unsere sind. Als Kinder hören wir noch auf die Stimme unseres Herzens.

Wenn wir älter werden, verändern sich die Fragen. Dann sagen die Leute: "Du solltest langsam darüber nachdenken, was Du mit Deinem Leben anfangen willst. Wie willst Du Deinen Lebensunterhalt verdienen?" Die Zeit des Träumens ist vorbei; jetzt müssen wir uns "der Realität stellen" und darüber nachdenken, wie wir in der großen, alten Welt überleben können. Die innere Gewißheit, etwas Besonderes zu sein, schwindet langsam angesichts der Furcht erregenden Arbeitslosenquoten, der harten Konkurrenz, die wir bei jeder Bewerbung zu spüren bekommen, und der ökonomischen Schwankungen und Flauten, die uns das Gefühl geben, schon froh sein zu können, wenn wir überhaupt einen Arbeitsplatz finden. Sind wir dann unzufrieden mit unserer Arbeit, oder verlieren wir unsere Stelle, fühlen wir uns entwertet und erniedrigt. Unser Vertrauen in unsere Hoffnungen und Träume schwindet dahin; es scheint eben keinen anderen Arbeitsplatz für uns zu geben. Doch selbst wenn eine neue Anstellung in Aussicht wäre, haben wir vielleicht schon lange jene innere Verbindung zu der Stimme verloren, die uns sagen könnte, was unser Herz wirklich zum Klingen bringt und uns wieder das Gefühl gibt, eine besondere Aufgabe im Leben zu haben.

Im Berufshoroskop geht es auch um Ihre Berufung. Es soll Ihnen dabei helfen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, worin Sie gut sind und welche Beschäftigung zu Ihnen passen könnte, damit Ihr Berufsleben einen Sinn erfüllt und Ihnen gleichzeitig finanzielle Sicherheit gewährt. Auch wenn Sie wahrscheinlich bereits einen Beruf haben, kann die Astrologie dazu beitragen, Ihren eingeschlagenen Weg zu bestätigen und ihn vielleicht durch wichtige Details noch zu verbessern. Das Wort "Berufung" leitet sich von "rufen" ab. Eine Berufung zu haben, umfaßt etwas Höheres, eine innere Stimme oder eine Seele, die weiß, warum wir tatsächlich auf dieser Welt sind. Heutzutage benutzen wir das Wort "Berufung" meistens für die Menschen, die einem religiösen Ruf folgen. Die Herausforderungen und Probleme einer Welt, die sich ständig verändert - einer Welt, die uns mit ihrem raschen, technologischen Fortschritt und wechselhaften politischen und wirtschaftlichen Bedingungen konfrontiert - ängstigen uns so sehr, daß wir uns immer mehr von unserer inneren Stimme entfernen, die uns sagen könnte, was für unser Leben wichtig ist.

Vidream no. 2ele Menschen fühlen sich im Beruf richtungslos oder unglücklich, selbst wenn sie gut bezahlt werden. Nur wenige genießen den Luxus, auf ein ererbtes Vermögen zurückgreifen zu können. Die meisten von uns müssen sich ihren eigenen Weg in der Welt suchen. Arbeit gehört genauso wie Beziehungen zu den Grundlagen unseres Lebens und füllt den größten Teil unserer Tage. Trotzdem sind wir vielleicht unfähig, nach innen zu horchen - uns zuerst darauf zu konzentrieren, wer wir sind und was uns wirklich inspiriert -, und dann nach den passenden Ausdrucksmitteln dafür zu suchen. Statt dessen richtet sich unser Blick nach außen, und wir konzentrieren uns auf das, was andere Menschen uns sagen, oder auf unsere eigenen verborgenen Unsicherheiten, die uns einflüstern, was möglich ist oder nicht.

Die Astrologie zeigt uns, daß jeder Mensch einzigartig ist und über unverwechselbare Fähigkeiten verfügt. Natürlich kann ein Horoskop nichts darüber aussagen, welche Firma uns eine Stelle anbietet oder welches Gehalt wir erwarten können. Sie kann uns aber die Augen dafür öffnen, wie wichtig es ist, zumindest einen Teil von dem, was wir tatsächlich sind, in der äußeren Welt zum Ausdruck zu bringen - wenn wir das Gefühl haben wollen, daß unser Leben sinnvoll ist. workKein Arbeitsplatz ist perfekt und jeder von uns muß Kompromisse eingehen. Was aber zählt ist, daß wir uns wirklich mit etwas Besonderem in uns selbst verbinden, das uns das Gefühl vermittelt, nützlich zu sein. Die Sprache der Astrologie ist symbolisch und psychologisch; sie erzählt uns etwas über die Lebensbereiche, die uns anregen, über Bedürfnisse, die unsere Seele nähren, und über persönliche Beschränkungen, die uns Grenzen setzen und uns zeigen, was wir im Verlauf eines Lebens wirklich erreichen können. Wir können nur zu dem werden, der wir sind; kein Mensch birgt alle Möglichkeiten in sich. Jeder von uns hat seine Stärken in einem anderen Bereich. Die richtige Mischung von Realitätssinn und Selbstvertrauen kann uns das Gefühl geben, daß unsere Reise durch das Leben der Mühe wert war.

Das Berufshoroskop "Beruf und Berufung" nutzen Sie am besten, wenn Sie drei Punkte im Auge behalten. Erstens ist es bedeutend wichtiger, unsere eigenen Bedürfnisse, Potentiale und Grenzen zu verstehen, als die Zahlen und Fakten der äußeren Welt. Das heißt nicht, daß Zahlen und Fakten keine Rolle spielen. Aber selbst, wenn es nur eine einzige freie Stelle gäbe, um die sich vierhundert Menschen bewerben, besitzen wir mehr Macht, als wir glauben, um unsere eigene Realität zu erschaffen. Sollte diese freie Stelle wirklich die richtige für uns sein und sollten wir dazu bereit sein, die erforderliche Ausbildung zu absolvieren, werden wir sie auch bekommen - irgendwo, irgendwann, irgendwie. Zweitens sollten wir uns nicht davor fürchten, etwas einfach auszuprobieren. Etwas zu versuchen, damit zu scheitern und wieder von vorne zu beginnen, ist weit besser, als die Hände in den Schoß zu legen und es nicht einmal zu versuchen. Wir können nämlich aus unseren Fehlern wesentlich mehr lernen als aus unseren Erfolgen.

shoesWichtig ist auch zu verstehen, womit wir unbewußt vielleicht selbst zu unserem Scheitern beitragen oder warum wir zögern, bestimmte Gelegenheiten beim Schopf zu packen. Viele Menschen scheitern nicht aus einem Mangel an Fähigkeiten, sondern weil sie zutiefst davon überzeugt sind, daß sie es nicht verdienen, ein erfülltes Leben zu leben. Uns selbst besser kennenzulernen, verhilft uns dazu, zwischen tatsächlichen Grenzen und unnötiger Selbstsabotage zu unterscheiden. Drittens sollten wir uns darüber im klaren sein, daß ein Geburtshoroskop nicht automatisch unsere Möglichkeiten für uns erschafft, ebensowenig wie eine Straßenkarte allein uns noch nicht dazu veranlassen kann, eine Reise zu unternehmen. Das Geburtshoroskop zeigt uns eine Richtung und ermutigt uns dazu, unsere höchsten Werte und Träume in der Welt zu manifestieren. Allerdings muß jeder Mensch sich selbst dafür entscheiden, sich auf diesen Weg zu machen. Tun wir das nicht, weil wir Angst haben oder zynisch werden, bleiben wir eventuell auf der Schwelle sitzen und jammern darüber, was alles hätte sein können. Wir können aber weder die Astrologie noch die Welt für unsere Unzufriedenheit verantwortlich machen.


Beruf und Berufung
Persönliches Horoskop von Liz Greene
18-25 Seiten
Bestell-Typ: TV
Preis: CHF 74.90, EUR 46.95

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Lesen Sie ein Musterhoroskop

Erhältlich in folgenden Sprachen:
Deutsch, Dänisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch
Was Leserinnen schreiben:
"...klar, einfühlsam, sehr informativ..."
"...Treffend und tiefsinnig..."
"...so präzise und genau, dass ich fast nicht glauben kann..."
 
nach obenDas Composit

Im Horoskop das Wesen
von Beziehungen erkennen

Dieses Buch ist die Mitschrift eines Seminars, das am 27. April 1997 im Rahmen der Astrologieausbildung des "Centre for Psychological Astrology" in London abgehalten wurde.

1 plus 1 macht 3

Das Beziehungshoroskop
von Liz Greene beruht auf einer Kombination von tpKomposit und Partnervergleich. Dies ist eine integrierte Deutung des Komposit-Horoskops. Sie erfahren sowohl etwas über die "Chemie" zwischen den Partnern als auch über das "gemeinsame Dritte".

AstroText Partner von Robert Hand beruht ausschließlich auf dem Komposit-Horoskop. Sie können die ausführliche Version im AstroShop bestellen oder sich die Kurzfassung im Bereich Gratis-Horoskope erstellen.

Die Vorstellung, die dem Composit-Horoskop zugrunde liegt, ist die der Beziehung als drittem Faktor. Zwei Menschen, die etwas Drittes zwischen sich erschaffen. Das Composit-Horoskop ist ein Feld von Energie, das beide Menschen beeinflusst, das in beiden etwas freisetzt und das beiden seine eigene Dynamik auferlegt.

Es bringt meiner Ansicht nach nicht zum Ausdruck, was die Partner füreinander empfinden. In dieser Beziehung hebt es sich deutlich vom Synastrie-Vergleich ab, der die "Chemie" zwischen zwei Menschen zum Inhalt hat und beschreibt, wie sich beide gegenseitig beeinflussen. Wenn wir den Horoskopvergleich für unsere Beziehung durchführen, äußern wir zum Beispiel: "Deine Venus steht auf meinem Mars. Du aktivierst meinen Mars und rufst marsische Reaktionen in mir hervor. Ich wiederum aktiviere deine Venus und erzeuge eine venusische Antwort in dir. Das führt zu bestimmten Empfindungen zwischen uns." Wenn wir ein Composit-Horoskop betrachten, stellen wir uns nicht die Frage, was die Partner gegenseitig auslösen oder für den anderen empfinden. Wir interpretieren das Energiefeld, das sie zwischen sich erschaffen. Das Composit-Horoskop ist wie ein Kind, eine dritte Wesenheit, die die genetischen Abdrücke beider Eltern in sich trägt, diese aber auf eine vollkommen neue Weise kombiniert hat und für sich allein existiert.

Weil das Composit alle Faktoren eines Geburts-Horoskops aufweist, müssen wir uns seiner Interpretation mehr oder weniger auf die gleiche Weise nähern. Das Composit trägt in seinem Kern eine Identität, die seinen "Zweck" (die Sonne) verkörpert, sowie ein charakteristisches Muster von emotionalen Reaktionen und Bedürfnissen (der Mond). Es hat seine besondere Art der Kommunikation (Merkur) und individuelle Werte und Ideale (Venus). Es umfasst eine bestimmte Weise, Energie und Willenskraft zum Ausdruck zu bringen (Mars) sowie eine besondere Form des Wachstums und der Expansion (Jupiter). Weiterhin weist es individuelle Beschränkungen und Verteidigungsmechanismen auf (Saturn). Es besitzt eine spezifische Empfänglichkeit für das Kollektive gemäß den Mustern des kollektiven Hintergrundes der Beziehung (Chiron). Es spiegelt bestimmte kollektive Ideale nach Veränderung und Fortschritt wider (Uranus). Es lässt innerliche Hoffnungen erkennen, die bestimmten kollektiven Fantasien entsprechen (Neptun). Es hat einen fundamentalen Überlebensinstinkt, der sich günstig für den Bestand der Beziehung auswirken kann, aber auch destruktiv, wenn die Partnerschaft bedroht ist (Pluto). Es umfasst ein Bild oder eine Rolle, die von der Gesellschaft erwartet wird (MC), sowie eine "Persönlichkeit", die sich auf bestimmte Weisen der äußeren Welt mitteilt (Aszendent). Die Zeichen im Composit-Horoskop bringen die Grundlage oder das "Temperament" zum Ausdruck, das die Beziehung kennzeichnet. Die Planeten wiederum beschreiben die Antriebskräfte und die Häuser die Lebensbereiche, in denen die Planeten zur Geltung kommen. All dies sind fundamentale astrologische Faktoren, die im Composit-Horoskop so wie im individuellen Geburts-Horoskop auch zu untersuchen sind.


Die Beziehung als Wesenheit
Normalerweise fassen wir Beziehungen nicht als unabhängige Wesenheiten auf. Für uns sind unsere persönlichen Gefühle und Einstellungen das Entscheidende - oder die der anderen Person. Und doch hat jede Beziehung ihre eigene Atmosphäre. Niemand von uns verhält sich als Teil der Beziehung auf die gleiche Weise wie er sich als Einzelner verhält. Wir haben bestimmte Verhaltensmuster, wenn wir allein sind - in Gesellschaft mit unserem Partner aber tritt sofort eine bestimmte Form von dynamischer Energie in Erscheinung, und wir geben uns auf eine andere Art, was für Mitmenschen einen großen Unterschied ausmachen kann.

Liz Greene - Das Composit
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Zwei Menschen, die miteinander verbunden sind, erschaffen eine bestimmte Atmosphäre um sich herum. Dies geschieht nicht aus einer bewussten Entscheidung heraus, sondern ergibt sich von selbst. Vielleicht lässt die Umgebung das Paar erkennen, welchen Eindruck es erzeugt: "Ihr wirkt so lebhaft und attraktiv", sagt womöglich ein Freund, oder: "Ihr führt ein so aufregendes, spannendes Leben." Die Partner selbst aber denken vielleicht: "Wovon zum Teufel redet er? So ist es ja nun wirklich nicht!" Vielleicht gibt es im Composit einen Schütze-Jupiter am Aszendenten und die Waage am MC, weshalb andere die Beziehung als spannende und prachtvolle Jupiter-Venus-Wesenheit sehen. Der Saturn des einen Partners aber könnte in Konjunktion zum Mond sowie in Opposition zur Sonne des anderen stehen, wodurch der Synastrie-Vergleich zwischen den Horoskopen eher auf eine Beziehung wie Sisyphus und seinen Stein anstatt auf strahlende und ewige Anziehung schließen lässt. Auch das Gegenteil ist möglich. Im Composit steht vielleicht Saturn am Aszendenten und Chiron am MC, und die Außenwelt nimmt etwas Schweres an der Beziehung wahr. Im Synastrie-Vergleich aber sind viele Kontakte zwischen Venus, Jupiter und Uranus erkennbar, was für eine anregende Qualität der Partnerschaft steht, die nach außen hin aber nicht deutlich wird.

Wir können viel über die Achsen MC/IC und Aszendent/Deszendent des Composit-Horoskops in Erfahrung bringen, wenn wir andere fragen, wie sie die Beziehung wahrnehmen. Das kann geradezu schockierend wirken, weil die Antwort womöglich überhaupt nicht dem entspricht, was die Partner füreinander empfinden. Das Composit-Horoskop präsentiert sich der Welt - wie das Geburts-Horoskop auch - gemäß seines Aszendenten und seines MC. Es hat einen herrschenden Planeten, der den Selbstausdruck der Beziehung auf ein bestimmtes Haus oder einen bestimmten Lebensbereich lenkt. Die Häuser des Composits wirken sich ähnlich aus wie die des Geburts-Horoskops; sie spiegeln spezielle Betonungen wider, durch die sich die Dynamiken der Beziehung manifestieren. Wenn Composit-Planeten ein Composit-Haus betonen, ist der betreffende Lebensbereich von extremer Wichtigkeit für die Beziehung. Beide Partner sind dann gefordert, dem gerecht zu werden, selbst wenn dieses Haus in beider Geburts-Horoskop leer ist. Eine Beziehung kann uns dazu bringen, dass wir uns mit spezifischen Lebenssphären auseinander setzen müssen, selbst wenn wir von Geburt aus weder dafür geneigt noch dafür ausgestattet sind.


Composit-Horoskope besitzen ihre eigenen Gesetze und Energien, die nichts damit zu tun haben, ob wir mit jemandem gut zusammenpassen oder nicht. Das Composit an sich sagt nichts über Verträglichkeit aus - das ist der Bereich der Synastrie. Das Composit enthüllt nicht, ob in der Beziehung die Chemie zwischen zwei Partnern "gut" oder "schlecht" ist. Was es zum Ausdruck bringt, ist Folgendes: "Wenn Sie sich für diese Beziehung entschieden haben, sind deren Bedeutung und deren schicksalhaftes Muster in diesem oder jenem zu sehen. Sie besteht aus diesem oder jenem Grund, und ihr Zweck liegt darin oder darin." Wenn wir ein Gefühl dafür bekommen wollen, ob diese Bedeutung und Schicksalhaftigkeit gut für uns sind, müssen wir das Composit mit unserem eigenen Horoskop vergleichen.

Wenn wir einen Horoskopvergleich zwischen Composit und den Partner-Horoskopen durchführen, können wir viel dazu erfahren, wie sich die Beziehung auf die Gefühle der Beiden auswirkt. Wir können auch eine dritte Person hinzunehmen und deren Horoskop mit dem Composit vergleichen. Dies ist eine faszinierende Aufgabe. Nehmen wir einmal an, jemand ist lange mit einem Partner zusammen, hat aber auch einen Geliebten. Ich könnte nun das Horoskop des Geliebten untersuchen und schauen, wie es das Composit zwischen den Partnern beeinflusst. Damit bekäme ich ein sehr deutliches Bild, welchen Einfluss der Liebhaber auf die Beziehung hat. Wir können ebenfalls das Horoskop des Kindes in Beziehung zum Composit der Eltern setzen. Das ist ungemein nützlich, um familiäre Zusammenhänge zu verstehen. Einige Kinder wirken sich störend auf die elterliche Beziehung aus, während andere sie gerade zusammenhalten. Das kindliche Horoskop im Vergleich mit dem Composit der Eltern gibt hier zusätzliche Aufschlüsse. Wenn wir lediglich den Horoskopvergleich zwischen Kind und Mutter oder Vater durchführen, entgeht uns diese Dynamik womöglich.

Freiheit und Schicksal innerhalb der Beziehung
Die Arbeit mit Composit-Horoskopen lässt uns in Begriffen denken, die über das Individuelle hinausgehen. Was wir auch tun, es kommt zu Begegnungen mit anderen Menschen, und wir haben dabei wahrscheinlich nicht so viel Wahlmöglichkeiten wie bei der Auseinandersetzung mit unseren persönlichen Themen. Wenn jemand ein Sonne-Saturn-Quadrat im Geburts-Horoskop hat, kann er aktiv daran gehen, etwas damit anzufangen. Man muss nicht zu dessen Opfer werden, und es besteht keine Notwendigkeit, ausschließlich dessen dunkle Seite auszuleben. Dies kann in jungen Jahren ein schwieriger Aspekt sein und für tiefe Gefühl der Unsicherheit oder der Minderwertigkeit stehen. Der Mensch hat aber die Möglichkeit zu sagen: "Ich weiß, dass viele meiner Selbstzweifel mit meinem Vater und meiner Kindheit zusammenhängen. Ich stehe mir selbst im Weg, weil ich Angst vor hohen Zielen habe. Ich bin oft zu streng zu mir und erwarte zu viel. Ich versuche aber, an diesem Problem zu arbeiten. Ich will verstehen, worum es dabei wirklich geht. Vielleicht brauche ich eine Therapie, um zu lernen, mir zu vertrauen. Ich werde versuchen, mein Saturn-Zeichen zu entwickeln, um mehr Vertrauen zu bekommen." Mit der Zeit könnte der Mensch dieses Sonne-Saturn-Quadrat zu etwas sehr Starkem und Kreativem machen - wenn er die dafür nötige Anstrengung aufzubringen bereit ist. composit

Wenn aber das Sonne-Saturn-Quadrat im Composit-Horoskop aufscheint, kann die Beziehung nicht zum Therapeuten gehen. Die Beziehung kann nicht aus eigenem Willen sagen: "Ich werde daran arbeiten, diese Gefühle der Beschränkung und des Selbstzweifels zu überwinden." Die Beziehung "fühlt" keine Selbstzweifel. Beide Partner können an ihrem eigenen Saturn arbeiten. Vielleicht haben sie aber beide für sich kein Sonne-Saturn-Quadrat, und vielleicht haben sie nicht die geringste Ahnung, was es ist, das ihnen in der Beziehung bei den gemeinsamen Zielen im Weg steht und ihnen einen Strich durch die Rechnung macht. Die äußerlichen Beschränkungen, die mit einem Sonne-Saturn-Quadrat im Composit häufig einhergehen, können von vollkommen unpersönlicher Art und jenseits der individuellen Kontrollmöglichkeiten sein.

Diese unpersönliche Note des Composit-Horoskops ist uns möglicherweise sehr unsympathisch, wenn wir psychologisch orientiert sind. Die psychologische Astrologie geht von der individuellen Verantwortung aus sowie von der Überzeugung, dass wir vieles in unserem Leben ändern können, wenn wir zur innerlichen Arbeit bereit sind. Weil wir das Geburts-Horoskop als innerliches Bild sehen, können wir Verantwortung dafür übernehmen, wie wir es zum Ausdruck bringen; die Bewusstheit ist es, die den Unterschied ausmacht. Der psychologische Ansatz in der Astrologie erlaubt uns, viele Dinge zu transformieren, wenn wir denn hart genug daran arbeiten. Allerdings ist auch der Trugschluss möglich, dass man alles ändern könnte - einiges aber liegt jenseits des persönlichen Einflussbereichs. Ich will nun allerdings nicht darauf hinaus, dass Composit-Horoskope nichts Psychologisches hätten oder dass wir diesen Ansatz bei ihrer Interpretation vollständig aufgeben müssten. "Psychologisch" bedeutet aber nicht immer frei, und Veränderung könnte sich auf die Einstellung der Partner zur Verbindung beziehen, weniger auf eine Veränderung im Rahmen der Partnerschaft selbst.

Wir können die fundamentalen Muster des Composit-Horoskops nicht ändern, so sehr wir es auch versuchen mögen. Natürlich lässt sich das Gleiche auch vom individuellen Horoskop sagen. Wir scheinen aber mehr Einflussmöglichkeiten hinsichtlich der Ebenen zu haben, auf denen wir unsere Radix-Muster zum Ausdruck bringen. Diese hängen mit der inneren Empfindung zusammen - ob sie nun richtig ist oder nicht -, dass wir aktiv an unserer persönlichen Zukunft Anteil haben oder diese gar selbst erschaffen. Vielleicht trifft dies, zumindest auf einigen Bereichen des Lebens, zu. Das Composit-Horoskop aber konfrontiert uns mit einer anderen Erfahrung, möglicherweise auch mit einer anderen Realität. Wir können Änderungen vornehmen bezüglich der Weise, wie wir auf die Muster im Composit reagieren, und wir können versuchen, kreative Ventile für dessen Energie zu schaffen. Aber selbst bei der bestmöglichen Zusammenarbeit mit dem Partner vermitteln uns die Muster des Composits das Gefühl, dass sie jenseits der persönlichen Einflussnahme liegen. Das Composit bringt nicht zum Ausdruck: "Dies ist eine schlechte Beziehung - mach' Schluss damit." Was es aussagen könnte, ist Folgendes: "Diese Beziehung weist eine innerliche Beschränkung auf, die keiner der beiden Beteiligten ändern kann. Wenn ihr diese Beziehung wollt, müsst ihr das akzeptieren." Enthält das Composit-Horoskop ein Sonne-Saturn-Quadrat oder eine Sonne-Chiron-Konjunktion, ist das eine Art eingebaute Beschränkung, häufig von sehr konkreter Natur. Diese Beschränkung kann sich zwar als kreativ und positiv für einen oder beide Partner erweisen; beide aber werden den Eindruck haben, dass ihnen etwas auferlegt wurde. Das Sonne-Saturn-Quadrat oder eine Sonne-Chiron-Konjunktion im Geburts-Horoskop steht ebenfalls für innerliche Beschränkungen, die wir aber auf eine ganz andere Weise erleben.

Nehmen wir einmal die Sonne-Chiron-Aspekte im Composit-Horoskop. Mir sind diese häufig aufgefallen bei Paaren, die es mit Beschränkungen aus der Vergangenheit zu tun haben, denen sie nicht ausweichen können. Die Vergangenheit könnte sich als ein ehemaliger Partner manifestieren, der hohe Unterhaltszahlungen fordert, oder es ist ein Kind aus einer früheren Ehe. Die Situation kann sehr viel Leid verursachen, besonders dann, wenn es Kinder gibt. Wie reif und bewusst die Partner auch sein mögen, zwangsläufig wird es zu Konflikten, aufgespaltener Loyalität, Gefühle der Enttäuschung und vielleicht auch zu finanziellen Beschränkungen kommen. Es handelt sich nicht darum, die Einstellung zu verändern; von vornherein haben alle Familien - worunter auch Paare fallen - etwas, das Grenzen setzt. Wenn ein Paar unter solchen Umständen keine Grenzen wahrnimmt, gibt es im Composit-Horoskop aller Wahrscheinlichkeit nach keine Sonne-Chiron-Verbindung.

Wir wissen, dass Chiron mit Wunden zusammenhängt, vor allem mit solchen, die ungerecht und unverdient scheinen und die eher auf kollektive Strömungen einer bestimmten Zeit als auf persönliche Fehler oder eine individuelle Übeltat zurückgehen. Sonne-Chiron-Kontakte im Composit legen nahe, dass die Beziehung selbst an einer unheilbaren Wunde aus der persönlichen Vergangenheit leidet - oder aber aus der Natur der allgemeinen Verhältnisse ihrer Umwelt. Dabei aber könnte sich die Beziehung als überaus heilsam erweisen für die Partner oder auch für andere, die mit ihnen in Kontakt kommen, weil die innewohnenden Grenzen Leid erfahren lassen und in der Folge davon zu Verständnis und Mitgefühl führen.

Sonne-Chiron ist mir manchmal in Composit-Horoskopen von Paaren aufgefallen, die sich sehnlichst ein Kind wünschten, aber keines bekommen konnten. Dabei handelt es sich um eine Wunde, die Menschen intensiv darüber nachdenken lässt, wer sie sind und welchen Zweck ihr Leben hat - weil ihnen der gesellschaftlich akzeptierte "Zweck" der Familie nicht offen steht. Ein anderes Beispiel ist die Beziehung mit einem großen Altersunterschied, in der der jüngere Partner den anderen alt und hinfällig werden sieht. Auch noch so viel Liebe und Aufopferung kann die Uhr nicht zurückdrehen. Oder es gibt eine körperliche Behinderung bei einem Partner, die zwar vollständig akzeptiert ist, die aber trotzdem das Paar in seiner Mobilität beschränkt. Und noch ein Beispiel: eine Beziehung zwischen Menschen unterschiedlicher Rasse oder des gleichen Geschlechts, die zu feindseligen Reaktionen der Nachbarn führen könnte, welche fremdenfeindlich oder zu starr in ihrer Auffassung von Normalität sind. Fremdenfeindlichkeit und starre Lebensanschauungen sind für viele, viele Menschen typisch; und dieser unglückliche Zug der menschlichen Natur wird weiter Bestand haben, zu wie viel Leid und Wut er auch führt. Beide Partner können Wunden durch die Beziehung davontragen, nicht weil sie "schlecht" ist, sondern weil sie in ein Kollektiv eingebettet ist, das ihre Möglichkeiten begrenzt.

Ich sage nicht, dass das Composit ein statisches Bild ist. Was die Heilung betrifft, hängt es davon ab, wie Sie diesen Begriff verstehen. Chiron-Wunden heilen nicht in dem Sinn, dass sie verschwinden. Etwas hat seine Form verloren, auch wenn das Gift jetzt freigesetzt ist und abgebaut wird. Es gibt kein Zurück mehr zu dem Zustand der Unschuld, wenn Wunden, wie dieser Planet sie reflektiert, einmal geschlagen worden sind. Die Einstellung aber, die man der Wunde entgegenbringt, kann sich ändern; Mitgefühl, Weisheit und eine größere Akzeptanz können daraus resultieren. Dies stellt ebenfalls eine Art von Heilung dar - die die Vergangenheit aber nicht ungeschehen machen kann. Man kann zum Beispiel nicht die Kinder, die aus einer früheren Beziehung stammen, verschwinden lassen. Man kann versuchen, die Wunde zu betäuben, indem man sich von den Kindern emotional abschottet und sie nie wieder sieht; dann gibt es eine andere Art von Wunde, mit der man umgehen muss. Man kann aber auch hart daran arbeiten, allen emotionalen Komplikationen ins Auge zu sehen und anschließend lohnende Beziehungen zu allen Beteiligten herzustellen. Damit sind allerdings immer Kompromisse, Traurigkeit und ein Gefühl des Verlustes verbunden. Derartige Aspekte im Composit-Horoskop bedeuten nicht, dass die Auswirkungen der Probleme statisch und nicht zu verändern sind. Beide Partner können einer tief greifenden und ständigen Transformation unterliegen. Die Vergangenheit aber kann nicht ungeschehen gemacht werden.
Das Composit-Horoskop wirkt sich in der Progression wie das Geburts-Horoskop aus, was deutlich macht, dass es in der Beziehung genauso wie im Individuum zu Veränderungen kommt.

Das Composit als Einheit aber bedeutet nicht die gleiche Fähigkeit wie beim Individuum, das aus eigenem Willen für eine Veränderung eintreten oder gegen etwas kämpfen kann. Beide Partner mögen zusammen daran arbeiten, bewusster zu werden; und die Art und Weise, wie sie die Beziehung erleben, kann sich dementsprechend ändern. Das grundsätzliche Muster der Verbindung wird wie ein Samenkorn zu einer Pflanze, gemäß der natürlichen Unausweichlichkeit, die unserem egozentrierten Bewusstsein fremdartig vorkommt.

Entnommen aus
Liz Greene:
Das Composit. Im Horoskop das Wesen von Beziehungen erkennen.
Chiron Verlag, Tübingen, 2002.

Dieses Buch können Sie bestellen unter
www.astronova.com

Astrodienst bevorzugt die Schreibweise "Komposit" (mit "K"). Der Buchtitel lehnt sich an die englische Schreibweise "Composite" an. Beide Formen sind im deutschsprachigen Raum verbreitet.

 

 
nach obenDreiecksbeziehungen

 

Apollon,  April 1999

 

Liz Greene hat das Talent, über die kompliziertesten und dunkelsten Lebensbereiche mit einer prickelnden, beißenden Klarheit zu schreiben. Sie verfügt über die mitfühlende Einsicht, dass es immer zwei Seiten einer Geschichte gibt. In diesem Artikel geht sie einem der verzwicktesten menschlichen Muster nach - Beziehungen, die drei Seiten haben.

 

Dreiecksbeziehungen stellen eine archetypische Dimension menschlichen Lebens dar. Wir können ihnen nicht entkommen, sie begegnen uns in der einen oder anderen Form immer wieder. Und wenn sie in unser Leben treten, gehen wir meistens ziemlich schlecht mit ihnen um. Das ist verständlich, denn Dreiecksverhältnisse lösen in der Regel sehr schmerzhafte Gefühle aus, egal an welchem Punkt des Dreiecks wir uns selbst befinden. Vielleicht müssen wir mit Eifersucht, Demütigung oder Verrat fertig werden. Oder wir müssen mit dem Gefühl leben, jemanden verraten oder verletzt zu haben und unehrlich zu sein. Möglicherweise fühlen wir all das auf einmal, kombiniert mit der Überzeugung versagt zu haben. Die Gefühle, die uns in einer Dreiecksbeziehung überkommen können, sind häufig qualvoll und entziehen uns den Selbstwert. Weil Dreiecksverhältnisse uns mit sehr schwierigen Emotionen konfrontieren, versuchen wir meist, jemanden dafür verantwortlich zu machen. Wir beschuldigen entweder uns selbst oder einen der anderen beiden Beteiligten. Doch Dreiecksbeziehungen sind archetypisch - und wenn wir uns über ihre Vielseitigkeit wundern, brauchen wir nur die Literatur der vergangenen dreitausend Jahre zu lesen. Alles Archetypische schenkt uns einen großen Schatz an nützlichen Erfahrungen, Weisheit und innerem Wachstum. Die Erfahrung einer Dreiecksbeziehung kann eines unserer wirksamsten Werkzeuge für Verwandlung und Entwicklung sein, auch wenn sie meist sehr schmerzhaft ist. Verrat, ob als Verräter oder Verratene, aktiviert etwas sehr Wertvolles in uns, doch wir müssen es bewusst werden lassen.

 

Beziehungshoroskop, von Liz Greene
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Nichts tritt in unser Leben, das nicht auf irgendeine Art mit unserer individuellen Lebensreise zu tun hat. Dabei geht es nicht um Schuld oder Kausalität, sondern um einen tieferen Sinn, der diejenigen verwandeln kann, die bereit sind, diesen Sinn zu suchen. Wenn wir in eine Dreiecksbeziehung verwickelt werden, dann hat das eine Bedeutung. Es steht uns frei, mit Verbitterung und Wut zu reagieren. Aber wir können uns auch entschließen, dieses Dreiecksverhältnis als Sprungbrett für wirkliche Seelenerkundung zu nutzen. Das ist besonders schwierig, denn die Erfahrung einer Demütigung mobilisiert für gewöhnlich alle Verteidigungsmechanismen aus unserer Kindheit. Und es ist sehr schwer, über solche spontanen Impulse hinwegzugehen und eine distanziertere Perspektive einzunehmen. Für Astrologen kann es sich lohnen zu untersuchen, ob es bestimmte Muster im Horoskop gibt, die Dreiecksverhältnisse fördern; ob es tieferliegende Gründe gibt, warum sich Menschen auf solche Beziehungen einlassen, freiwillig oder unfreiwillig; und warum manche Leute anfälliger für Dreiecksverhältnisse sind als andere. Wir könnten uns auch überlegen, welche Ansätze uns dabei helfen könnten, mit Dreiecksbeziehungen kreativer umzugehen. Dazu müssen wir ihre psychologische und symbolische Bedeutung betrachten.

 

 

Die Vielseitigkeit von Dreiecksbeziehungen

 

Es gibt unzählige Arten von Dreiecksbeziehungen - es muss nicht unbedingt ein sexuelles Verhältnis zwischen Erwachsenen sein. Und selbst wenn wir uns auf sexuelle Beziehungen beschränken, finden wir viele verschiedene Varianten. Erotische Dreiecksverhältnisse sind nicht immer so dramatisch wie Tristan und Isolde. In manchen Dreiecks-Liebesgeschichten stehen alle drei Punkte fest. Es gibt ein Paar und eine dritte Person, die eine Beziehung mit einem der beiden Partner eingeht. In dieser Art von Beziehung bewegt sich nichts. Sie ist statisch und kann viele Jahre dauern, manchmal bis eine oder einer der Beteiligten stirbt. In anderen Liebesdreiecken wird ein Punkt ständig ausgetauscht. Man kann immer wieder Ehebruch begehen – unter Umständen, wie im Fall von John F. Kennedy, mit einer erstaunlich hohen Frequenz. Beide Varianten sind Dreiecksverhältnisse, auch wenn wir der ersten Form vielleicht einen höheren romantischen Wert zubilligen. Und beide erwecken das gleiche Spektrum archetypischer Emotionen.

 

Außer sexuellen Dreiecksgeschichten gibt es noch viele andere Formen. Die grundlegendste ist die zwischen Eltern und Kindern. Dreierbeziehungen können aber auch zwischen Freunden bestehen. Kompliziertere Formen beziehen nicht-menschliche Bezugspunkte mit ein. So ist eine Ehefrau vielleicht eifersüchtig auf die Hingabe ihres Mannes an seine Arbeit. Oder ein Mann fühlt sich durch die künstlerische Tätigkeit oder spirituelle Entwicklung seiner Partnerin verraten. Solche Dreiecksbeziehungen enthalten genau das gleiche Eifersuchtspotential wie die sexuelle Variante. Wer sich in den kreativen Raum zurückzieht, hat die Person, mit der er oder sie lebt, in gewisser Weise "verlassen", und das kann eine enorme Eifersucht auslösen. Der kreative Prozess ist ein Liebesakt. Wahrscheinlich werden dem fünften Haus deshalb traditionell beide Bedeutungen zugeschrieben. Es gibt sogar Dreiecksbeziehungen mit Haustieren. Das klingt vielleicht absurd, aber eine Partnerin kann extrem eifersüchtig, verletzt und bestürzt sein, weil ihr Lebensgefährte eine tiefe Zuneigung zu seinem Hund oder seiner Katze empfindet - auch wenn sie solche Gefühle womöglich nicht öffentlich zugeben würde. So verschieden die Dreiecksvariationen auch aussehen mögen, bei allen handelt es sich um eine Form der Liebe, die nicht mehr ausschließlich und ungeteilt ist. Und wenn wir die Liebe des anderen teilen müssen, sei es mit einer anderen Person oder etwas Unbelebtem wie der Phantasie oder dem Geist, fühlen wir uns oft verraten, erniedrigt und beraubt.

 

 

 

Dieses Diagramm ist eine einfache Darstellung der drei Punkte eines Dreiecksverhältnisses, wobei die astrologischen Faktoren, die darauf hinweisen, hier noch nicht berücksichtigt sind. Manche Menschen erleben in ihrem ganzen Leben nur eine dieser drei Positionen, andere haben mit allen drei Erfahrungen.

 

Der Verräter oder die Verräterin ist die Person, die sich scheinbar entscheidet, eine Dreiecksbeziehung einzugehen. Ich sage "scheinbar", weil man nicht immer sicher sein kann, wie bewusst diese Entscheidung ist. Man kann auch nicht genau sagen, wie viel geheimes Einverständnis zwischen Verräterin und Verratenem herrscht. Doch was auch immer unter der Oberfläche am Werk ist, Verräter sind gespaltene Seelen. Sie lieben oder brauchen zwei verschiedene Dinge. Die meisten von uns gehen davon aus, dass Liebe ungeteilt sein sollte, auch wenn wir auf bewusster Ebene eine liberalere Einstellung vertreten. Aufgrund der Werte unseres jüdisch-christlichen Erbes sind wir dazu erzogen worden, dass unsere Liebe nur echt ist, wenn sie sich ausschließlich auf einen Menschen bezieht. Tut sie das nicht, sind wir keine "guten" Menschen mehr. Wir haben versagt, sind selbstsüchtig oder gefühllos. Wenn wir dann diese tiefe innere Spaltung erleben, können wir sie nur sehr schwer annehmen. Es ist viel einfacher für Verräter, eine Liste von Rechtfertigungen für ihren Verrat zu präsentieren. Wir hören sie in der Regel nicht sagen: "Ich bin gespalten. Ich bin entzwei gerissen." Sie kommen eher mit Aussagen wie: "Meine Partnerin behandelt mich schlecht. Sie gibt mir A, B, C oder D nicht, doch das brauche ich, um glücklich zu sein. Deshalb habe ich das Recht, mir das woanders zu holen."

 

Am nächsten Punkt des Dreiecksverhältnisses steht der oder die Verratene - die Person, die scheinbar unfreiwilliges Opfer des Verräters wird, der unfähig ist, ungeteilt zu lieben. Auch hier sage ich "scheinbar", weil sich wieder die Frage der unbewussten Zustimmung beider Beteiligten stellt. Alle drei Eckpunkte des Dreiecks sind insgeheim austauschbar. Sie sind nicht so verschieden wie es auf den ersten Blick erscheint. Doch die verratene Person glaubt in der Regel, dass sie treu und die andere untreu ist. Jemand anders hat das Dreiecksverhältnis herbeigeführt. Wir nehmen normalerweise an, dass es der oder die Verratene am schwersten in der Dreiecksbeziehung hat, weil er oder sie den ganzen Schmerz, die Eifersucht und Demütigung direkt erlebt und auslebt.

 

Liz Greene - Dreiecksbeziehungen
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Schließlich bildet das Instrument des Verrats den dritten Punkt des Dreiecks. Das ist die Person, die scheinbar in eine bestehende Beziehung zweier Menschen eindringt und droht, sie zu zerstören oder zu verändern. Diese Person hat meist den schlechtesten Ruf, da sie als Räuberin gesehen wird. Wenn wir zufällig in diese Rolle geraten, bekommen wir im Allgemeinen nicht viel Mitgefühl, und schon gar keines von denen, die in festen Beziehungen leben und sich von einer ähnlichen Situation bedroht fühlen. Das Instrument des Verrats kann sich sogar selbst als Opfer betrachten und den Verratenen als Räuber wahrnehmen. Hier bekommen wir schon einen flüchtigen Eindruck von der Ähnlichkeit der beiden letztgenannten Ecken. Es gibt Menschen, die sich um das Dreieck herum bewegen und in ihrem Leben alle drei Punkte ausprobieren, manchmal sogar mehrmals. Andere bleiben an einem Punkt haften und werden in ihren Beziehungen immer verraten oder finden sich wiederholt in der Situation jemand anderen zu verraten. Wieder andere sind ständig Instrument des Verrats und lassen sich mit Menschen ein, die anderweitige Bindungen haben.

 

Wir können Dreiecksverhältnisse in vier grundlegende Gruppen einteilen. Diese überschneiden sich zwar, doch sie können auch einzeln mit bestimmten astrologischen Merkmalen beschrieben werden. Da ist zunächst die allgegenwärtige Familien-Dreierbeziehung, mit der sich dieser Artikel in erster Linie beschäftigt. Darüber hinaus gibt es Macht-Dreiecksbeziehungen und defensive Dreiecksverhältnisse. Diese beiden Varianten sind sich sehr ähnlich, doch es gibt einige feine Unterschiede. Beide haben einen unverkennbaren Geschmack, und die Gründe, warum sie in das Leben eines Menschen treten, haben ihre Wurzeln nicht ausschließlich im familiären Hintergrund. Eine defensive Dreierbeziehung könnte zum Beispiel eine Person treffen, die eine Beziehung außerhalb der bestehenden Partnerschaft braucht, weil sie von Gefühlen der absoluten Unzulänglichkeit gequält wird. Sie kann an extremer Unsicherheit leiden und Angst davor haben, sich auf einen einzigen Partner festzulegen. Sie wäre dann zu verletzlich und könnte eine Zurückweisung nicht ertragen. Die Dreiecksbeziehung entsteht aus einem unbewussten Verteidigungsmechanismus heraus. Wenn sie von dem einen Partner verlassen wird, ist immer noch der andere da. Das passiert normalerweise nicht bewusst, bildet jedoch eine starke Motivation in vielen Dreiecksgeschichten.

 

Des weiteren gibt es Dreiecksverhältnisse, die das Unerreichbare suchen. Diese können sich mit Familien-Dreiecken sowie defensiven oder Macht-Dreiecksbeziehungen überschneiden. Doch das Streben nach dem Unerreichbaren hat noch eine besondere Facette, und oft ist die tieferliegende Motivation eine künstlerische oder spirituelle. Manchmal hat unsere Suche nach unerreichbarer Liebe wenig mit wirklichen Menschen zu tun. Wir tendieren dann dazu, unsere kreativen oder mystischen Sehnsüchte auf das zu richten, was wir nie bekommen können. Auf diese Weise eröffnen wir eine Dimension der Psyche, die mehr mit unserer Phantasie zu tun hat als mit einer Beziehung. Die "Muse" des Künstlers ist selten seine Ehefrau. Diese Art des Dreiecksverhältnisses kann auch Elemente früherer Familienmuster enthalten und es können unbewusste Verteidigungsmechanismen mitspielen. Doch die Beziehung setzt eine andere Perspektive voraus.

 

Die letzte Gruppe - Dreierbeziehungen, die ungelebtes Seelenleben widerspiegeln - schließt alle anderen ein. Wenn wir Familien-Dreiecksbeziehungen genauer untersuchen, müssen wir immer fragen, warum wir gerade einem bestimmten Elternteil unbedingt nahe sein wollen. Was bedeutet uns die Mutter oder der Vater? Warum können wir die Gleichgültigkeit eines Elternteils leicht verkraften, während wir uns vom anderen nichts weniger als absolute Verschmelzung ersehnen? Letztendlich ist es unvermeidlich, dass wir Anteile unserer eigenen Psyche an den verschiedenen Punkten des Dreiecks wiederfinden - das gilt für jede Dreiecksbeziehung, sei sie durch Familienstrukturen, Macht, Abwehr oder durch all diese Faktoren motiviert. Natürlich gibt es Ausnahmen, weil jedes psychologische Muster Ausnahmen birgt. Doch im Allgemeinen - wenn wir in eine Dreiecksbeziehung verstrickt werden, egal an welcher Ecke wir stehen - versteckt sich dahinter eine Botschaft, die uns Facetten unserer selbst zeigt, die wir vorher nicht erkannt oder nicht gelebt haben. Wenn sich das Muster eines Dreiecksverhältnisses ständig wiederholt, ist das eine sehr dringende Botschaft, und wir müssen versuchen zu verstehen, was sie uns sagen will.

 

 

Die Familien-Dreiecksbeziehung

 

Familien-Dreiecke enden nicht mit der Kindheit, sondern hallen ein Leben lang nach. Wenn sie ungelöst bleiben, schleichen sie sich meist in unsere Beziehungen als Erwachsene ein. Ist die Dreiecksbeziehung in der Familie nicht geheilt, wiederholen wir sie sehr wahrscheinlich ein oder mehrere Male in unserem späteren Leben. In den unzugänglichen Tiefen unseres Bewusstseins hoffen wir vielleicht, auf diese Weise einen Weg zu finden, um sie zu heilen oder aufzulösen. Freud hat - in einem sehr speziellen Zusammenhang - die Idee des ödipalen Dreiecksverhältnisses entwickelt, auch bekannt als "Familienroman". Seiner Ansicht nach verlieben wir uns leidenschaftlich in den gegengeschlechtlichen Elternteil und begeben uns damit in eine Rivalität und einen Wettbewerb zu dem Elternteil des gleichen Geschlechts. Die Art wie wir mit dem ödipalen Dreiecksverhältnis in der Kindheit fertig werden - und das hängt sowohl von den Reaktionen der Eltern als auch von unserem eigenen Wesen ab - wirkt sich unweigerlich auch auf unsere Beziehungen im Erwachsenenalter aus. Wenn wir eindeutig "gewinnen" und die ungeteilte Liebe des gegengeschlechtlichen Elternteils bekommen, leiden wir, weil wir nie gelernt haben, zu teilen oder unsere Grenzen zu erkennen. Wir empfinden ein kindliches Machtgefühl, weil wir uns vormachen, dass wir den Gegner "geschlagen" haben. Wir sind allmächtig, und das kann zu einer späteren Unfähigkeit führen, mit Enttäuschungen in der Partnerschaft umzugehen. Die Beziehung zum eigenen Geschlecht ist vielleicht ebenfalls entsprechend gestört.

 

Wenn zum Beispiel ein Junge den Konflikt zwischen seiner Mutter und seinem Vater miterlebt und die ödipale Schlacht gewinnt, indem er zum "Ersatz-Ehemann" der Mutter wird, kann er eine tiefe unbewusste Schuld seinem Vater gegenüber empfinden. Oder er respektiert den Vater gar nicht mehr, weil er ihn ja scheinbar locker aus dem Weg geräumt hat. Das Vaterbild des Jungen wird dann zum schwachen, macht- und wehrlosen Zerrbild. Diese Vorstellung kann ihm tief im Inneren Angst machen, denn er selbst ist auch ein Mann. Der Junge muss seinen ödipalen Sieg immer wieder bestätigen, indem er in jedem männlichen Freund einen Rivalen sieht und sich deswegen nur mit Frauen abgibt. Solche Männer suchen keine Freundschaft mit anderen Männern, sondern lassen sich ausschließlich mit den Frauen anderer Männer ein. Die enge Verbindung zur Mutter hat diesen Mann die Beziehung zu seinem Vater gekostet. Dadurch fehlt ihm ein positives inneres Männerbild, von dem er zehren kann, und er kann nicht darauf vertrauen, dass ihm von den Männern seines Umfeldes Unterstützung zuteil wird. Sein Selbstbewusstsein als Mann und seine sexuelle Identität müssen sich ausschließlich von der Liebe seiner Frauen nähren - je mehr desto besser. Das ist ein sehr unsicheres und schmerzhaftes Leben. Dieselbe Interpretation können wir natürlich ebenso auf eine Frau und ihren Vater anwenden.

 

Wenn wir die ödipale Schlacht vollkommen verlieren - und das entscheidende Wort ist vollkommen - leiden wir gleichermaßen. Die totale ödipale Niederlage stellt eine Demütigung dar, die das eigene Selbstvertrauen ernsthaft untergraben kann. Mit "total" meine ich, dass zum Beispiel ein Mädchen das Gefühl hat, keinerlei emotionalen Kontakt zu dem geliebten Vater herstellen zu können. Das führt zu einem tiefen Versagensgefühl. Es kann einfach nicht an den Vater herankommen, und der ist vielleicht auch unfähig, auf seine Tochter emotional einzugehen. Oder die Mutter steht immer dazwischen. Ein solches Bewusstsein der gefühlsmäßigen Niederlage kann im späteren Leben ein nagendes Gefühl sexueller Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit nach sich ziehen. Es kann zu vielen destruktiven Beziehungsmustern beitragen - nicht selten lässt die Frau sich auf ein Dreiecksverhältnis ein, in dem sie hoffnungslos in jemanden verliebt ist, der schon anderweitig gebunden ist. Sie kann zum unglücklichen Instrument des Verrats werden und für immer und ewig an die geschlossene Tür der Ehe des Geliebten klopfen. Oder sie wird zur Verratenen und wiederholt hilflos die ödipale Niederlage in der Rolle der festen Partnerin, die durch die größere Macht der mütterlichen Rivalin gedemütigt wird. Weder der ödipale Sieg noch die ödipale Niederlage erlauben es, uns psychologisch von dem geliebten Elternteil zu trennen. Ein Teil von uns wächst nie wirklich über die Kindheit hinaus. Wir verstricken uns in die immergleichen Beziehungsmuster und versuchen, das ursprüngliche Problem durch Dreiecksverhältnisse zu lösen.

 

Freud hielt eine Art "milde Niederlage" für die gesündeste Lösung des ödipalen Konflikts. Auf diese Weise bekommen wir genug Liebe vom geliebten Elternteil, müssen aber dennoch einsehen, dass die Beziehung zwischen den Eltern unumstößlich ist. So können wir lernen, Beziehungen zwischen anderen Menschen zu respektieren und unser Selbstvertrauen aufzubauen, indem wir Beziehungen jenseits des magischen elterlichen Schutzraumes eingehen. Dies ist der Bereich, den Winnicott "gut genug" nannte - eine Ehe der Eltern, die gut genug ist, ein Verhältnis zu beiden Elternteilen, das gut genug ist, und ausreichend viel Liebe und Zuneigung, um die ödipale Niederlage mit einem angemessenen Gefühl der Sicherheit innerhalb der Familie auszugleichen. Die Familiensituation ist gut genug, um dem Kind das Gefühl zu vermitteln, dass es geliebt wird. Es ist auch wichtig, dass wir uns nicht vor Bestrafung durch den elterlichen Rivalen fürchten müssen. Leider bestrafen viele Eltern ihre Kinder für den "Diebstahl" der Liebe des Partners, weil sie selbst emotional ausgehungert sind und dem Partner ihre unglückliche Beziehung nachtragen. Wir müssen erkennen, dass wir nicht einen Elternteil wegdrängen können, um den anderen ganz zu besitzen. Und wir müssen wissen, dass wir auch von dem Elternteil geliebt werden, den wir stürzen wollen. Das ist sicherlich ein Ideal, das nur wenige Familien erreichen können. Sehr viele Menschen leiden unterschiedlich stark an übermäßigem ödipalem Sieg oder übermäßiger ödipaler Niederlage. Wirklich wichtig ist das, was wir daraus machen und wie bewusst es uns ist. Und nichts kann einen solchen Bewusstwerdungsprozess so wirksam anstoßen wie eine Dreiecksbeziehung.

 

Freuds psychologisches Modell ist sehr wertvoll, und es scheint viele Situationen zu geben, in der die absolute ödipale Niederlage oder der absolute ödipale Sieg mit einer Tendenz einhergeht, im späteren Leben in Dreiecksverhältnisse verstrickt zu werden. Doch das Konzept des Familienromans hat ernstzunehmende Grenzen. Der Elternteil, mit dem wir uns verbinden wollen, muss nicht unbedingt dem anderen Geschlecht angehören. Er kann genau so gut gleichgeschlechtlich sein. Ödipale Gefühle sind letztlich nicht "sexuell" im Erwachsenensinn, sondern haben vielmehr mit emotionaler Verschmelzung zu tun. Dasselbe gilt übrigens auch für viele unserer scheinbar rein sexuellen Gefühle zwischen Erwachsenen. Sexualität hat viele Gefühlsschichten, die nicht immer bewusst sind. Ödipale Niederlagen oder Siege gegenüber dem gleichgeschlechtlichen Elternteil können genauso schmerzlich widerhallen und zu späteren Dreiecksbeziehungen beitragen. Wir fühlen uns vielleicht von der eigenen Sexualität abgeschnitten, weil der geliebte Elternteil Vorbild für diese Sexualität war und die Verbindung zu schwach oder zu negativ, um das Vorbild auf positive Art zu integrieren. Ein Mann kann sein ganzes Leben lang versuchen die Liebe des Vaters zu gewinnen, indem er seine Männlichkeit unter Beweis stellt. Vielleicht kreiert er unbewusst Dreiecksbeziehungen, in denen es eigentlich nicht wirklich um die Frauen geht, mit denen er sich einlässt, sondern darum, andere Männer zu beeindrucken - oder sie für die Zurückweisung, die er durch den Vater erfahren hat, zu bestrafen. Gleichermaßen kann eine Frau versuchen, die Liebe und Bewunderung ihrer Mutter zu gewinnen - oder andere Frauen zu bestrafen, weil die Mutter unfähig war, sie zu lieben. Der Rivale oder die Rivalin in einem Dreiecksverhältnis Erwachsener kann insgeheim viel wichtiger sein als das scheinbare Objekt der Sehnsucht. Wir müssen uns nur vor Augen führen, wie zwanghaft sich Verratene und Instrumente des Verrats miteinander beschäftigen, um zu erkennen, wie viel komplexer die psychologische Situation ist als sie auf den ersten Blick erscheint.

 

 

Hilfreiche ödipale Hinweise - Venus als Deutungsfaktor für die Beziehung zu den Eltern

 

Das Geburtshoroskop kann uns viel über unser Elternbild mitteilen und die Erfahrungen, die wir durch sie gemacht haben. Wenn wir ein Horoskop ansehen, finden wir wertvolle Hinweise auf Ödipales. Die Kennzeichen für die Elternbeziehung zeigen sich normalerweise sehr deutlich, und beziehen auch die eigenen emotionalen und sexuellen Bedürfnisse sowie das Selbstbild als Mann oder Frau mit ein. Vielleicht finden wir Planeten im zehnten oder vierten Haus. Das legt nahe, dass die Eltern Träger oder Vertreter von etwas Mythischem oder Archetypischem sind. Stehen keine Planeten in den Elternhäusern, bedeutet das nicht, dass es keine Konflikte zwischen den Eltern gibt oder dass wir kein subjektives Bild auf sie projizieren. Doch es ist oft einfacher, die Eltern als eigenständige Menschen zu betrachten, so fehlbar sie auch sein mögen. Wenn Planeten diese Häuser besetzen, dann erscheinen die Planetengötter mit dem Gesicht des entsprechenden Elternteils. Ein Stück unseres eigenen Schicksals, unserer eigenen inneren Reise begegnet uns sehr früh in unserem Leben, verkleidet als Mutter oder Vater. Dieser Anteil hat sich über Generationen durch das Familienerbe fortgepflanzt. Das ist an sich nicht "schlecht" oder "negativ", doch es verleiht der Beziehung zu den Eltern etwas Mächtiges, Faszinierendes und teilweise auch Zwanghaftes, das ein höheres Maß an Bewusstsein und ein größeres Streben nach Integration verlangt.

 

Wiederholte Dreiecksbeziehungen im Erwachsenenalter haben oft etwas mit Planeten in den Elternhäusern zu tun. Häufig finden wir Venus im zehnten oder vierten Haus. Venus beschreibt das, was wir als schön und wertvoll erachten und daher auch was wir lieben - in uns selbst und anderen. Wenn ein Elternteil im Geburtshoroskop als Venus in Erscheinung tritt, nehmen wir diesen Elternteil als Symbol dessen wahr, was wir am schönsten, wertvollsten und erstrebenswertesten finden. Das ist eigentlich nicht schlecht. Doch es kann bedeuten, dass wir unsere eigene Schönheit und unseren Wert auf diesen Elternteil projizieren. Und viel hängt davon ab, wie der Vater oder die Mutter mit einer solchen Projektion umgeht. Wir sehen zutiefst liebens- und erstrebenswerte Eigenschaften in der Mutter und verlieben uns in sie, weil wir die Eigenschaften lieben. Es ist zu hoffen, dass wir, je reifer wir werden, diese Dinge als zu uns selbst gehörig erkennen und integrieren. Dieser Prozess kann dazu beitragen, eine dauerhafte, liebende Verbindung zwischen Eltern und Kind zu schaffen, eine gegenseitige Wertschätzung des anderen aufgrund der gemeinsamen Eigenschaften. Leider sind nicht alle Eltern frei von Hintergedanken ihren Kindern gegenüber. Wenn sich ein Vater beispielsweise zu sehr nach Liebe und Bewunderung sehnt, arbeitet er wahrscheinlich unbewusst daran, diese Projektion aufrecht zu erhalten und für immer Venus in den Augen des Kindes zu verkörpern. Venus ist im Mythos nicht für ihre emotionale Großzügigkeit bekannt. Sie ist eine eitle Göttin und ist häufig in Dreiecksbeziehungen verwickelt. Wenn wir unser Venusbild immer nur auf die Eltern projizieren, können wir es wahrscheinlich nie in uns selbst entdecken. Wir suchen immer wieder nach Ersatzeltern, in die wir alles hineinphantasieren, was im Leben wertvoll und erstrebenswert ist. Dann finden wir immer wieder venusische Liebesobjekte, die so viel mehr wert sind als wir selbst. Vielleicht versuchen wir auch, unsere Venus zurückzugewinnen, indem wir sie selbst spielen und unsere Liebhaber gegeneinander antreten lassen, um uns zu bestätigen, dass wir letztendlich doch einen Wert haben. Wo Venus ist, lieben wir.

 

Rivalität ist eine der charakteristischsten Eigenschaften der Venus, wenn sie im Haus des gleichgeschlechtlichen Elternteils steht. Mit einer solchen Konstellation fühlen wir uns oft wie Schneewittchen. Steht Venus im Horoskop einer Frau im zehnten Haus, kann das auf eine tiefgehende Rivalität zwischen Mutter und Tochter hinweisen. Die Tochter nimmt die Mutter als sehr eifersüchtig wahr, auch wenn die Eifersucht nur versteckt als ständige Kritik herauskommt oder durch unterschwelliges Untergraben des weiblichen Selbstbewusstseins der Tochter. Leider ist die eifersüchtige oder rivalisierende Mutter häufig auch eine objektive Realität. Und doch steht die eigene Venus im zehnten Haus, und die Tochter muss sich früher oder später ihre eigene Eifersucht eingestehen. Wenn Venus den gleichgeschlechtlichen Elternteil repräsentiert, dann teilen Mutter und Tochter oder Vater und Sohn diese Venus-Eigenschaften. Das Bild der archetypischen Liebesgöttin, die immer die schönste und beliebteste von allen sein muss, hat sich dann über Generationen in der Familie fortgesetzt. Dieses Bild muss jedoch individuell ausgedrückt werden und nicht für immer zum Streit um das Geliebte verdammt sein. In diesem Fall ist das Liebesobjekt vielleicht gar nicht so wichtig, sondern es geht nur darum Rivalen zu besiegen. Rivalität und Neid sind sehr eng miteinander verwandt. Und wenn Venus den gleichgeschlechtlichen Elternteil symbolisiert, sehen wir in ihm vielleicht die schönen, beneidenswerten Eigenschaften, die wir selbst gerne hätten. Dann beginnen wir in Konkurrenz zu treten, um zu beweisen, dass auch wir Venus sind - eine größere, bessere und schönere Venus.

 

Auch die Eltern können sich auf sexueller Ebene bedroht fühlen, wenn ihr Kind vor ihren Augen zur sexuellen Reife heranwächst. Diese Bedrohung beruht wahrscheinlich auf einer gesteigerten sexuellen Sensibilität. Wenn Venus im Horoskop des Kindes den Vater oder die Mutter repräsentiert, spürt das unter Umständen nicht nur der Elternteil, sondern es macht sich als erotisches Gefühl zwischen Erwachsenem und Kind bemerkbar. Die Erkenntnis, dass Eltern und Kind vielleicht erotische Gefühle teilen, ist absolut keine Rechtfertigung für Kindesmissbrauch, doch sie bedeutet auch nicht, dass es sich um eine "abnorme" Beziehung handelt. Kinder können auf ihre kindliche Art sehr verführerisch sein. Sie probieren ihre Sexualität aus. Sie wollen und erwarten keine sexuelle Reaktion des Erwachsenen, doch sie müssen ihre eigene körperliche und emotionale Identität entdecken, indem sie sie den Eltern gegenüber ausdrücken. Das gehört zum Familienleben. Es ist nicht krankhaft, sondern menschlich und gesund. Die erotische Energie, die Teil des Entwicklungsprozesses in der Kindheit darstellt, wird in der Familie freigesetzt, denn dies ist der angemessene Ort dafür. Es ist natürlich und angemessen, dass Eltern darauf positiv reagieren – nicht angemessen ist es dagegen, diese Energie destruktiv auszuleben und auszunutzen. Einige Kinder strahlen sicher mehr erotische Energie aus als andere; das könnte mit der Stellung von Venus und Mars im Horoskop des Kindes zusammenhängen. Ebenso sind vielleicht manche Eltern empfänglicher für diese Energie als andere, und die Synastrie zwischen Eltern und Kind kann helfen herauszufinden warum das so sein könnte. Um diesen natürlichen Prozess aushalten und unterstützen zu können, ohne sich in eine Dreiecksbeziehung zu verstricken, müssen die Eltern eine einigermaßen stabile Beziehung führen und sich dieser Entwicklungsphase des Kindes bewusst sein. Ein kleines Mädchen mit Venus im vierten Haus kann schon mal versuchen, sich zwischen die Eltern zu drängen, weil der Vater der "Geliebte" ist, mit dem es schöne und angenehme Gefühle teilt. Und wenn die Partnerschaft der Eltern nicht stabil ist und die Mutter unbewusst feindselig reagiert - überrascht uns dann das Verhalten der Tochter?

 

 

Gespaltene Loyalität

 

Selbst in den glücklichsten und emotional stabilsten Familien kann ein Kind tiefe Zuneigung und gleichzeitig enorme Rivalität gegenüber einem Elternteil empfinden. Dies könnte zum Beispiel mit Venus im vierten und Mond im zehnten Haus zum Ausdruck kommen – wie bei Prinz Charles, der uns eine der bekannteren Dreiecksgeschichten unserer Zeit geboten hat. Mit solchen Konstellationen identifiziert man sich häufig sehr stark mit dem Rivalen. Das Kind gerät vielleicht in eine Situation, in der es zum Verräter und zum Instrument des Verrates wird. Das trägt nicht unbedingt dazu bei, dass es sehr viel von sich hält und dann ist es wahrscheinlich, dass es etwas unterdrückt. Dem jungen Ego fällt es schwer mit einer solchen Zwiespältigkeit umzugehen. Wenn bei einem Jungen Venus im vierten Haus steht, was auf eine starke Liebe zum Vater hinweist, muss er die Mutter verletzen und verraten. Und wenn der Mond in zehn steht - wie kann er das einem Menschen antun, mit dessen Gefühlen er sich so sehr identifiziert? Dann unterdrückt er vielleicht Venus und verwickelt sich später in eine Dreiecksbeziehung ohne das Kindheitsmuster zu verstehen, das sie nährt. Oder der Sohn unterdrückt die Gefühle für die Mutter und wird zum "Ehebrecher", wie es hieß als es noch Ehen gab. Psychologisch gesehen ist ein "Ehebrecher" jemand, der in eine bestehende Beziehung eindringt – und zwar nicht nur aus echter Zuneigung und Sehnsucht für sein Liebesobjekt, sondern aus einem fast zwanghaften Bedürfnis heraus, die Rolle des Rivalen anzunehmen, mit dem er sich heimlich identifiziert. Es ist extrem schwierig, ein solches Muster in sich selbst zu erkennen und zu akzeptieren. Wenn wir zum Instrument des Verrates werden, denken wir gerne, dass wir uns wirklich in jemanden verliebt haben. Die Tatsache, dass diese Person schon in einer festen Beziehung lebt, ist dann einfach Pech. Der- oder diejenige hat einen Fehler gemacht und eben die falsche Person geheiratet oder ist die Bindung gegen den eigenen Willen eingegangen, weil ein Kind unterwegs war. Welche Rationalisierungen auch immer im Spiel sind, wir rechtfertigen unsere Rolle als Instrument des Verrates, indem wir die Bedeutung der bestehenden Beziehung entwerten. Das kann sich manchmal als sehr naiv entpuppen und zu großer Enttäuschung führen, wenn sich herausstellt, dass der "ungeliebte" Ehepartner doch mehr bedeutet, als man es sich jemals eingestanden hat. Vielleicht entdeckt ein solchermaßen gespaltener Liebhaber auch zum eigenen Schrecken, dass er sich langsam genauso verhält wie der verachtete Rivale, den er anfänglich in die Schublade "er bleibt ja bloß wegen der Kinder bei ihr" gesteckt hat. Wenn Elternthemen nicht gelöst werden, kann der Drang ein Paar auseinander zu bringen extrem stark sein – besonders wenn der Rivale ein guter Freund ist. Das macht es einfacher, die Gefühle der früheren Familiendreiecksbeziehung wieder aufleben zu lassen.

 

Vielleicht sehen wir auch Dinge in dem geliebten Elternteil, die nicht so nett sind. Beispielsweise könnte ein Mann mit Venus im zehnten Haus auch noch ein Mond-Pluto Quadrat oder eine Mond-Saturn Opposition haben oder Venus konjunkt Saturn oder Chiron. In solchen Kombinationen werden zwei völlig unterschiedliche Mutterbilder ausgedrückt. Das eine ist geliebt und schön, das andere bedrohlich oder verletzend. Diese Gegenpole manifestieren sich oft im späteren Leben als zwei verschiedene Menschen – Verratene und Instrument des Verrates. Jung nannte dieses Phänomen "gespaltene Anima" oder "gespaltenen Animus" im Fall einer Frau. Jung hat sich sehr intensiv mit diesen Mustern befasst, denn er litt selbst darunter. Obwohl seine Definitionen etwas starr sind und flexibler interpretiert werden müssen, können sie uns dabei helfen zu verstehen, warum wir Dreiecksverhältnisse brauchen, und warum die drei Punkte insgeheim austauschbar sind. Alle drei Beteiligten leiden wahrscheinlich an den gleichen, ungelösten Elternbeziehungen. Die innere Spaltung scheint besonders stark und förderlich für Dreiecksverhältnisse zu sein, wenn unvereinbare Gegensätze in dem einen geliebten Elternteil zu Tage treten. Es gibt Mütter und Väter, in denen die Gegensätze nicht so schrecklich gegensätzlich sind, doch es gibt auch welche, bei denen sie sich sehr extrem bemerkbar machen. Solche Eltern sind faszinierend und verfügen aufgrund ihrer Undurchdringlichkeit oft über eine starke sexuelle Ausstrahlung. So kann die Mutter beispielsweise wunderschön und innig geliebt, jedoch auch verletzend, brutal, gefühllos, verschlingend oder sonst irgendwie schwer verdaulich sein. Es fällt der menschlichen Psyche sehr schwer, extreme Gegensätze in einer Person zu akzeptieren. Daher brauchen wir meist zwei Menschen, durch die wir die zwiespältigen Gefühle erfahren können. Einer bekommt dann die Rolle der Venus und der oder die andere wird zu Pluto, Saturn, Chiron, Mars oder Uranus. Elternbilder, die extreme Gegensätze vermitteln, können zu einer Neigung zu Dreiecksbeziehungen im Erwachsenenleben beitragen. Wir lassen uns auf jemanden ein und mit der Zeit beginnt diese Person das Bild einer Seite der Mutter oder des Vaters anzunehmen. Nach ein paar Jahren des Zusammenlebens sagen wir dann: "Meine Partnerin ist so besitzergreifend, ich brauche einfach mehr Luft zum Atmen." Und da sitzt Venus im zehnten Haus mit einem Quadrat zu Pluto. Oder wir sagen - mit Venus in zehn und einer Mond-Saturn Opposition: "Mein Partner ist so einengend und spießig, ich brauche mehr Freiheit, um mich selbst zu sein." Wir haben das Gefühl, dass wir nicht die schöne, erotische, unterhaltsame Beziehung bekommen haben, die wir uns von dieser Partnerschaft erhofft hatten. Damit rechtfertigen wir unsere Liebschaft, die die Rolle der Venus annimmt. Die Spaltung wird durch zwei verschiedene Menschen ausgelebt. In Wirklichkeit jedoch spiegeln sich darin die zwei gegensätzlichen Eigenschaften, mit denen wir in unserer Beziehung zum Vater oder zur Mutter nicht zurecht gekommen sind. Natürlich haben solche Spaltungen, die mit den Eltern in Verbindung stehen, auf tiefster Ebene mit gegensätzlichen Eigenschaften in uns selbst zu tun, die wir nicht aufgelöst haben. Bei allen Dreiecksgeschichten, auch denjenigen, die aus unseren Familienstrukturen hervorgehen, geht es um unser eigenes ungelebtes Seelenleben. Wenn wir fähig wären, unsere eigenen Gegensätze zu versöhnen, könnten wir auch unseren Eltern zugestehen, widersprüchlich zu sein. Es ist nichts Außergewöhnliches, dass ein Elternteil sowohl eine charmante, liebenswürdige Venus-Seite hat als auch eine zurückgezogene saturnische Seite oder eine fordernde plutonische Seite. Menschen sind vielschichtig und sie können uns lieben und gleichzeitig verletzen. Doch es ist möglich, dass wir die Widersprüchlichkeit unserer Eltern nicht akzeptieren, weil sie selbst nicht mit ihr umgehen können. Dann lernen wir auch nicht von ihnen, unsere Widersprüche zu integrieren. Und manche sind astrologisch gesehen einfach zu schwierig, als dass wir früh im Leben damit fertig werden könnten. Damit meine ich vor allem Konstellationen, in denen Venus oder der Mond Aspekte zu Saturn oder Chiron bilden – diese benötigen eine Weisheit, die wir nur mit der Zeit und größerer Lebenserfahrung erwerben. Auch Aspekte zu den äußeren Planeten kann ein Kind unmöglich auf persönlicher Ebene integrieren.

 

 

Gespaltene Familien - Oppositionen zwischen dem vierten und zehnten Haus

 

Dreiecksbeziehungen in Familien können durch eine Trennung der Eltern entstehen. Das wird im Geburtshoroskop oft in Oppositionen vom vierten zum zehnten Haus sichtbar. Solche Oppositionen bedeuten nicht notwendigerweise, dass sich die Eltern scheiden lassen, aber für gewöhnlich gibt es Konflikte und eine Trennung auf psychologischer Ebene, wenn schon nicht auf realer. In diesen Fällen nehmen wir die Eltern als Gegensatzpaar wahr, und dann sind wir in der Regel gezwungen, uns für eine Seite zu entscheiden. Unsere eigene Unfähigkeit, mit der Situation umzugehen, zwingt uns so zu handeln. Manchmal kann es sich ein Elternteil nicht verkneifen, die Treue und Loyalität des Kindes für die eigenen Zwecke zu missbrauchen und als Waffe gegen den anderen Elternteil zu benutzen. Doch auch hier geht es wie immer um einen Widerspruch in uns selbst, den wir zuerst durch die Eltern erleben, und der sich in Planetenoppositionen im Horoskop widerspiegelt. Letztendlich muss er aber auf der inneren Ebene von uns selbst gelöst werden. Unbewusstheit auf Seiten der Eltern kann das jedoch zu einem längeren und schwierigeren Prozess machen. Selbst wenn unsere Eltern keinen Druck auf uns ausüben, ist es unwahrscheinlich, dass wir in so jungem Alter mit unserer gespaltenen Loyalität umgehen können. Und unter solchen Umständen müssten die Eltern extrem weise und bewusst sein und sich darauf einigen, überhaupt keinen emotionalen Druck auf ihr Kind auszuüben. Für gewöhnlich haben jedoch Eltern, die so unglücklich sind, dass sie sich trennen, nicht gerade große Lust zusammen zu arbeiten. Trennungen lösen archaische Gefühle in uns aus, die mit einer beträchtlichen Rachsucht verknüpft sein können – insbesondere, wenn die Trennung durch eine Dreiecksgeschichte ausgelöst worden ist.

 

Oft fühlt sich das Kind wie ein Fußball in einem extrem aggressiven Fußballspiel. Ein Elternteil – vor allem der verratene – kann offene oder versteckte Besitzansprüche auf das Kind erheben, um den Verräter oder die Verräterin zu verletzen. Es gibt bestimmte Reaktionsmuster, denen viele Menschen zu folgen scheinen. Zum Beispiel: "Dein Vater hat mich verlassen, dieser Idiot. Er war unfähig zu lieben. Er hat keinen von uns geliebt, sonst wäre er nicht mit einer anderen Frau abgehauen." Die versteckte Botschaft für einen Jungen könnte lauten: "Ich hoffe, Du wirst später nicht wie er." Die Botschaft an ein Mädchen heißt vielleicht: "Ich hoffe, dass Du später nicht so jemanden heiratest." Das muss nicht einmal ausgesprochen werden, es kann sich auch in Märtyrertum und andauerndem Leiden ausdrücken. Der oder die Verratene hat normalerweise eine große Macht über die Psyche des Kindes, wenn sich die Eltern trennen, denn das Kind ist in der Regel eine gute Mitleidsquelle. Kinder sind nicht fähig, einfach aus dem Kampfgetümmel zu treten und die Trennung objektiv zu betrachten. Jemand muss schuldig sein, entweder das Kind selbst oder ein Elternteil. Und Kinder wagen es auch nicht, solche Botschaften zurückzuweisen, denn sie haben große Angst davor, den Elternteil zu verärgern, der sich nun alleine um sie kümmert. In unserer Gesellschaft bekommt normalerweise die Mutter das Kind nach einer Trennung - auch wenn das psychologisch nicht immer das Beste ist. Es kann viele Situationen geben, in denen der Vater emotional fähiger ist, das Kind aufzuziehen. Aber die Gerichte sehen das nicht so. Die Mutter muss schon sehr fürchterlich sein, damit man ihr das Kind wegnimmt. Wenn die Eltern nicht verheiratet sind, hat der Vater praktisch gar keinen Anspruch, das Kind auch nur zu sehen. Es fragt sich natürlich, ob es einem Vater gefällt, von seinem Kind getrennt zu werden, "nur" weil er seine Partnerin  verraten hat. Doch Dreiecksverhältnisse haben oft sehr unangenehme emotionale Konsequenzen, die sich über Generationen fortsetzen und noch mehr Dreiecksverhältnisse verursachen können.

 

Die Variationen menschlicher Blindheit sind zahlreich und vielseitig, und Eltern, die sich trennen oder scheiden lassen - oder sogar diejenigen, die weiter zusammenleben, aber emotional entfremdet sind - verlangen meistens vom Kind, dass es sich für den einen oder anderen Elternteil entscheiden soll. Die Liebe für den anderen Teil muss verleugnet und unterdrückt werden. Das ist leider schrecklich menschlich. Wenn wir von jemandem verletzt werden, fällt es uns schwer zu ertragen, dass jemand eben dieser Person Zuneigung schenkt. Wenn das Kind in seinem Horoskop Oppositionen zwischen dem vierten und zehnten Haus hat, spielt die eigene innere Spaltung mit der Spaltung zwischen den Eltern zusammen. Über die Jahre habe ich viele Beispiele gesehen, in denen Menschen ihre große Liebe zu Vater oder Mutter verleugnen mussten. Meist glauben sie sogar selbst an die Ablehnung. Befinden sich Venus, Mond, Neptun, Sonne oder Jupiter in einem der Elternhäuser, wissen wir, dass diese Person eine starke positive Bindung an den Elternteil spürt, auch wenn das Verhältnis manchmal sehr schwierig ist. Wenn einer oder mehrere dieser Planeten im vierten Haus stehen, können sie sehr positive, sogar idealisierende Gefühle für Vater beschreiben. Doch nach einer Trennung oder wenn der Vater die Familie verlassen hat, ist es für diesen Menschen unmöglich, solche Gefühle bewusst zuzulassen. Das gilt ganz allgemein für Oppositionen zwischen dem vierten und zehnten Haus, selbst wenn der Vater nicht weggegangen ist. Die Zwiespältigkeit ist dann zu schmerzhaft und das Gefühl der Untreue gegenüber der Mutter zu schwer zu ertragen. Vielleicht hat der Vater die Familie wegen einer anderen Beziehung verlassen. Vielleicht hat er wieder geheiratet und eine neue Familie gegründet. Das vergrößert das Problem noch, denn die Eifersucht des Kindes verbündet sich mit der Eifersucht der Mutter und lässt die emotionale Verbindung zum Vater völlig abbrechen. Die Beziehung ist zerstört und das Kind, das jetzt erwachsen ist, sagt: "Oh, ich habe meinen Vater seit der Scheidung kaum mehr gesehen. Ich habe sehr wenig mit ihm zu tun. Ich sehe ihn gelegentlich, aber wir haben eigentlich kein richtiges Verhältnis zueinander." All die positiven Gefühle der Zuneigung sind in den Untergrund verdrängt worden, denn wir können mit so einer Spaltung nicht gut umgehen. Wir unterdrücken sie, weil wir auf seelischer Ebene überleben müssen - und weil wir mit der Mutter leben müssen.

 

Wenn im vierten Haus Planeten stehen, die Liebe und Idealisierung andeuten, und die Eltern sich trennen, können die unterdrückten Gefühle für den Vater Nahrung für spätere Dreiecksbeziehungen bieten. Das trifft auf beide Geschlechter zu. Es sollte nicht überraschen, wenn eine Frau mit einem solchen familiären Hintergrund später das Instrument des Verrats spielt und sich einem verheirateten Mann an den Hals wirft. Genauso gut kann sie zur Verratenen werden und jemanden heiraten, der ist wie ihr Vater. Oder sie wird aus Verteidigung selbst zur Verräterin, weil sie entschlossen ist, nicht wie ihre Mutter zu enden. Ein Mann mit diesem Hintergrund und Horoskopkonstellationen findet sich später vielleicht in einer Beziehung mit einer Frau, die seiner Mutter ähnelt und bemerkt dann mit Schrecken, dass er in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist. Es kann sein, dass sich eine Dreiecksbeziehung nicht vermeiden lässt, denn je unbewusster die Gefühle gegenüber dem geliebten verlorenen Elternteil sind, desto wahrscheinlicher treten sie in späteren Erwachsenenbeziehungen zu Tage.

 

Diese unbewussten Gefühle können auch geschlechterübergreifend auftauchen. Sie sind nicht auf Frauen beschränkt, die den verschollenen oder abtrünnigen Vater in anderen Männe