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nach obenAstrologie und Psychologie

Astrologie und Psychologie

Astrologie kann mit einigem Recht als die ältere Schwester der Psychologie bezeichnet werden - existiert sie doch seit mehr als 3000 Jahren.

Beide Disziplinen beschäftigen sich mit der Psyche, mit dem Wesen des Menschen. Wie in der Astrologie gibt es auch unter den Psychologen unterschiedliche Richtungen und Schulen. Manche bevorzugen wissenschaftliche Ansätze - soweit das bei einer so komplexen Materie wie der menschlichen Psyche möglich ist - andere folgen eher alternativen, ganzheitlichen Konzepten. Letztere zeigen häufig Parallelen zu der Astrologie und lassen sich sehr fruchtbar mit ihr kombinieren. Zu diesen gehört zum Beispiel die Analytische Psychologie Carl Gustav Jungs.

Diese und andere psychologische Richtungen möchten wir Ihnen im Bereich Astrologie und Psychologie vorstellen. Wir wollen ihre Schnittpunkte mit der Astrologie aufzeigen.

Von Karin Hoffmann

 

 
nach obenJungsche Prinzipien

Jungsche Prinzipien

Der Schweizer Psychologe und einstige Freud-Schüler Carl Gustav Jung hat sich vor allem in der späteren Phase seines Schaffens mit den Lehren der Alchimie und Astrologie beschäftigt. Die daraus resultierenden Erkenntnisse zeigen sich deutlich in seiner Analytischen Psychologie. Diese geht ein gutes Stück über die Freud'sche Lehre hinaus.C.G.Jung

Zum Beispiel nimmt Freud an, dass ein Kind als "tabula rasa" geboren wird und die Charakterprägung vom ersten Moment des Lebens an stattfindet. Jung dagegen sagt in seinem Buch Psychologische Typen: ... die Disposition wird eben schon in der Kindheit offenbar, da sie angeboren ist und nicht erst im Laufe des Lebens erworben wird.

Horoskop C.G. Jung

Dieser Gedanke ist die Grundvoraussetzung der Astrologie. Die Jungsche Psychotherapeutin und Astrologin Liz Greene ist überzeugt, dass die Astrologie helfen kann, die Natur dieses angeborenen Keims zu erkennen. Die Astrologie kann uns nicht nur etwas über das Selbst sagen, das wir kennen, sondern auch über jenes, das uns unbekannt ist, schreibt sie in Kosmos und Seele. Das Horoskop als "Landkarte der Seele" gibt Hinweise auf verdrängte und noch nicht bewusst gewordene Persönlichkeitsmerkmale. Mit ihm haben wir die Möglichkeit, uns selbst besser kennen zu lernen und dem, was wir sind näher zu kommen. Das ist auch das Anliegen der Analytischen Psychologie Carl Gustav Jungs. In deren Zentrum steht die Individuation: das Zu-sich-selbst-kommen.

Einige der Jungschen Prinzipien, die ihre Entsprechung in dem Gedankengut der Astrologie finden, werden auf den folgenden Seiten genauer beschrieben. Dabei geht es vor allem um die Begriffe der "Synchronizität", der "Archetypen" und der "Psychologischen Typen".

 

 
nach obenSynchronizität

Wie oben, so unten: Synchronizität

Jung veröffentlichte 1952 den Artikel "Synchronizität als Prinzip akausaler Zusammenhänge". Mit dem Konzept der Synchronizität geht er über die rein kausalen Erklärungsversuche weltlicher Zusammenhänge durch die Wissenschaft hinaus. Er behauptet, dass Ereignisse, die synchron (also gleichzeitig) auftreten, nicht notwendigerweise einen kausalen (also ursächlichen) Zusammenhang haben müssen. Dennoch kann ein Sinnzusammenhang zwischen ihnen bestehen.

Eisvogel

Anthony Stevens schildert ein Erlebnis, das Jung selbst hatte: In einem Traum begegnete ihm eine Gestalt, die die Flügel eines Eisvogels hatte. Später malte er die Figur, um das Bild nicht zu verlieren. Während des Malens fand er in seinem Garten einen toten Eisvogel. Eisvögel sind aber in der Gegend um Zürich extrem selten. Für Jung fiel dieses außergewöhnliche Ereignis mit einer starken inneren Bewegtheit zusammen.

Sicher kennen Sie auch die Situationen, in denen Sie ausrufen könnten: "Das kann doch kein Zufall sein!" Etwa wenn Sie ein Buch voller ungewöhnlicher Ideen gelesen haben, und plötzlich sprechen alle Leute Sie auf dieses Thema an, im Fernsehen kommt ein Bericht darüber und beim Surfen im Internet stoßen Sie auch immer wieder auf solche Konzepte. Diese Ereignisse passieren gleichzeitig, aber offensichtlich nicht wird das eine nicht durch das andere verursacht. Hier scheint also ein anderer Zusammenhang am Werk sein.

Brigitte Hamann fasst dieses Phänomen in ihrem Artikel "Gedanken über Astrologie, Synchronizität und Prognose" treffend zusammen:

Ein bestimmtes Ereignis tritt für einen bestimmen Menschen vom zeitlichen Zusammenhang her so auf, daß es für ihn eine spezielle Bedeutung gewinnt, die ihm einen wichtigen Sinnzusammenhang seines Lebens offenbart. Für jeden anderen Beobachter des gleichen Ereignisses wäre es nur ein zufälliges Ereignis, dem er keine besondere Bedeutung beimessen würde, da für ihn keine synchronistische Verbindung zu diesem Ereignis besteht, es sagt ihm nichts Besonderes.

Der Einfluss der Sterne ist keiner....

Die Astrologie basiert auf dem Prinzip der Synchronizität. Der "Einfluss der Sterne" ist keiner im kausalen Sinn. Es ist überhaupt kein Einfluss, um genau zu sein. Vielmehr "funktioniert" die Astrologie so, wie es die Inschrift einer Smaragdtafel beschreibt:

Was unten ist, gleicht dem, was oben ist.
Und was oben ist, gleicht dem, was unten ist,
damit das Wunder des Einen vollendet werden kann.

Das heißt, das, was im Kosmos ist, spiegelt das, was auf der Erde ist, wider. Umgekehrt ist es daher möglich, aus den Planetenkonstellationen Schlüsse zu ziehen, wie diese sich auf der Erde oder im Leben eines Menschen widerspiegeln.

Liz Greene: Die Himmelspositionen reflektieren die Eigenschaften eines Moments und dadurch auch alles, was in ihm entstanden ist. [...] Das eine ist nicht die Ursache des anderen; sie treten zeitlich zugleich auf, sind synchron, spiegeln einander wider.

Zweifellos ist dies ein erweiterter Begriff der Synchronizität, denn er bezieht sich nicht nur auf eine Person und ihre Beziehung zur direkten Umwelt. Vielmehr bezieht er alles als Teil der Ganzheit Universum mit ein. Die Grundhaltung, dass es einen Sinnzusammenhang zwischen Phänomenen gibt, die gleichzeitig auftreten, ist der Astrologie und Jungs Prinzip der Synchronitzität gemein.

 

 

 
nach obenArchetypen

Archetypen

Sigmund Freud gilt das Verdienst, das Unbewusste als denjenigen Teil der Psyche "entdeckt" zu haben, in den unangenehme Erfahrungen verbannt werden. Jung belässt es nicht beim Persönlichen Unbewussten: Er ist der Ansicht, dass nicht nur der Einzelne ein Unbewusstes hat, sondern darüber hinaus das Kollektive Unbewusste die gewaltige Erbmasse der Menschheitsentwicklung beinhaltet. Diese wird, so Jung weiter, in jeder individuellen Struktur wiedergeboren.

Träume, das Tor zum Unbewussten

Träume können wir als das Tor zum Unbewussten - zum Persönlichen wie Kollektiven - betrachten. Traumgestalten wie der dunkle Verfolger oder das unschuldige Kind sind Symbole. Diese stoßen bestimmte Assoziationen in uns an, die wir mit rationelem Bewusstsein nicht wahrnehmen würden.

Jung hat festgestellt, dass viele dieser Symbole universeller Natur sind. Sie kommen in den Mythen und Märchen aller Völker vor. Das zeigt, dass alle Menschen über ein gemeinsames "Wissen" verfügen. Er nannte sie deshalb "Urbilder" oder "Archetypen". Die Urbilder selbst sind nicht genau zu beschreiben. Liz Greene sieht in den Archetypen Energiestrukturen, die in den Symbolen unserer Umwelt zum Ausdruck kommen. Sie selbst haben keine Form, teilen sich aber in den Symbolen der uns umgebenden Umwelt mit.

In diesem Sinne repräsentiert das Sonnensystem das Symbol einer lebendigen Energiestruktur, die in jedem Augenblick die niedrigeren Lebensformen reflektiert, die in ihr enthalten sind. Das Horoskop jedes Einzelnen ist ein Modell dieser Energiestrukturen. In seinen Symbolen zeigt sich der Same dessen, was das Potenzial dieser Persönlichkeit ausmacht. Jung bezeichnet die Planeten als "Götter", Symbole oder Mächte des Unbewussten. Diese Götter wirken jedoch bei jedem Menschen unterschiedlich

Sonne als Symbol

Astrologisch betrachtet umfasst zum Beispiel das Symbol Sonne den Wesenskern, das Zentrum, die Position des Königs oder Chefs, genauso wie das Lebensschöpfende, Kreative und Spielerische. All diese Bedeutungen gehen assoziativ aus dem einen Symbol hervor, ohne jedoch willkürlich zu sein. Liz Greene sieht Symbole als "Ausdrucksformen des Unbewussen". In Kosmos und Seele schreibt sie:

Ein Symbol deutet einen Lebensaspekt an oder legt hierzu eine Schlussfolgerung nahe, und seine Deutungsmöglichkeiten sind unerschöpflich und entziehen sich letztlich allen Bemühungen des Intellekts, einen Katalog dieser Bedeutungen aufzustellen.

Ein umfassendes archetypisches Symbol in der Astrologie ist der Horoskopkreis. In allen Kulturen gilt der Kreis als Symbol der Ganzheit. Genau so steht das Horoskop für die Ganzheit des Individuums, für den Archetypus des Selbst.

 

 
nach obenPsychologische Typen

Psychologische Typen

Kennen Sie die Situation, dass Sie eine objektiv gemeinte, rationale Äußerung tun und Ihr Gesprächspartner völlig emotional und persönlich betroffen darauf reagiert? Oder: Haben Sie sich schon darüber aufgeregt, dass Ihre Partnerin so fürchterlich auf dem Boden der Tatsachen steht, wo Sie doch so gerne Luftschlösser mit ihr bauen wollen?

Dieses interessante Phänomen ist altbekannt. Trotz aller Individualität scheinen sich die Menschen in bestimmte "Schubladen" stecken zu lassen.

Die vier Elemente

Carl Gustav Jung erklärt dieses Phänomen mit der Einteilung in vier Psychologische Typen oder "Funktionstypen". Er hat festgestellt, dass das bewusste Ich vier Wahrnehmungsfunktionen kennt, die bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sind: die Denkfunktion, die Fühlfunktion, die Empfindungs- und die Intuitionsfunktion. Dabei stellen jeweils zwei davon Gegensätze dar: Denken und Fühlen stehen sich als zwei rationale (im Sinne von bewertende) Funktionen gegenüber. Die irrationalen (nicht wertenden) Funktionen des Empfindens und Intuierens bilden das zweite Gegensatzpaar. Natürlich sind nicht alle vier Funktionen in einem Menschen nicht gleich stark ausgeprägt. Eine Funktion ist dominant, während die andere eher "unterentwickelt" ist. Um wirklich ganz zu werden, wäre es wünschenswert, alle vier Wahrnehmungsfunktionen zu schulen. Das ist aber eine außerordentlich schwierige Aufgabe. Jung selbst schreibt in Psychologische Typen:

Der Mensch kann bekanntlich nie alles zugleich und nie ganz vollkommen sein. Er entwickelt stets nur gewisse Qualitäten, und andere lässt er verkümmern. Zur Vollständigkeit reicht es nie.

Feuertrigon

In der Astrologie werden die zwölf Tierkreiszeichen den vier Elementen Luft, Wasser, Erde und Feuer zugeordnet. Liz Greene sieht in der Viererstruktur der Elemente die "Eckpfeiler der Astrologie". Sie geben Auskunft über die vorherrschende Grundhaltung eines Menschen. Sind in einem Horoskop die Feuerzeichen besonders betont, sprechen die Astrologen vom Feuertypus. Das heißt, seine dominante Form der Wahrnehmung ist feurig. Im Jungschen Sinne, entspräche das dem Intiutionstypus.

 

 
nach obenDenktyp

Luft - Denktypus

Beim Denk- oder Lufttypus überwiegt die Denkfunktion. Ein solcher Mensch betrachtet die Welt rational. Er analysiert die Dinge nach den Gesetzen der aristotelischen Logik und bewertet sie anhand "objektiver" Kriterien. Ihm fällt es leicht, seine Umgebung in Kategorien zu ordnen. Er kann Kritik üben, Schlussfolgerungen ziehen und Beweise durchführen.

Die astrologische Entsprechung dieser Funktion spiegelt sich in den Luftzeichen Zwillinge, Waage und Wassermann wider. Liz Greene weist in Kosmos und Seele darauf hin, dass das Luft-Element das einzige ist, das im Tierkreis nicht durch Tiere symbolisiert wird. Zwillinge und Wassermann haben menschliche Gestalt, und die Waage ist ein objektives Messinstrument. Greene schreibt:

Luft...

Luft ist das Element, das für den Menschen am typischsten ist, das von der instinktbeherrschten Natur am weitesten entfert ist; und die Funktion des Denkens wurde vom Menschen als seine größte Gabe entwickelt - oder vielleicht im Laufe der letzten zweihundert Jahre sogar überentwickelt.

Stehen mehrere Planeten und/oder der Aszendent in einem Horoskop in Luftzeichen, so nimmt dieser Mensch die Welt vorwiegend durch die Brille des Denkers wahr. Für ihn gelten Argumente, nicht Gefühle. Bei ausgeprägten Lufttypen ist andererseits häufig die Fühlfunktion "unterentwickelt". Es fällt ihnen unter Umständen schwer, "aus dem Bauch heraus" zu entscheiden und subjektive Kriterien gelten zu lassen. Emotionen zu zeigen oder emotional zu reagieren, kann für sie zum Problem werden.

Es sei hier betont, dass keine Funktion der anderen per se überlegen ist. Alle vier Typen haben wichtige Qualitäten, die für eine ganzheitliche Wahrnehmung und Einschätzung der Welt notwendig sind. Eine überentwickelte Denkfunktion, die alle anderen außer Acht lässt, führt zu Gefühlskälte, Phantasielosigkeit und Kopflastigkeit.

 

 
nach obenFühltyp

Wasser - Fühltypus

Der natürliche Antipode des Denktypus ist der Fühltypus. Oft sind die beiden voneinander fasziniert - nach dem Motto "Gegensätze ziehen sich an". Die Fühlfunktion ist nach Jung ebenfalls eine rationale Funktion. Auch sie bewertet Situationen und Menschen, allerdings nach Fühlkriterien. Nutzt der Denker Argumente, so beurteilt der Fühltyp danach, ob etwas angenehm oder unangenehm ist. Er hat ein ausgeprägtes Gespür für Stimmungen und Atmosphären.

Astrologisch ähnelt der Fühltyp einer Person, in deren Horoskop die Wasserzeichen Krebs, Skorpion und Fische dominieren. Alle drei stehen in der Astrologie für einen subjektiven Zugang zu ihrer Umwelt. Wasserbetonte Menschen entscheiden oft danach, wie es ihnen geht, nicht so sehr nach vernünftigen Argumenten. Ihnen ist das persönliche Wohlbefinden wichtig, sowohl ihr eigenes, als auch das der anderen. Mitgefühl und Einfühlungsvermögen sind zum Beispiel typische Eigenschaften von Krebs- und Fischemenschen.

Wasser...

Im Gegensatz zum Lufttypus, liegt die Fähigkeit von Wassermenschen darin, für das Unbewusste offen zu sein. Das Reich der Träume und der Phantasie hat für sie eine besondere Bedeutung. Beispielsweise nimmt der Skorpion vor allem die instinkthafte, dunkle Seite der "Unterwelt" wahr.

Wenn die Fühlfunktion bei einem Menschen überentwickelt ist, läuft er Gefahr, sich von der "lichten" Welt des Denkens ganz zurückzuziehen. Er wird beherrscht von seinen subjektiven Antrieben, ohne die Vernunft als gültige Messlatte zu akzeptieren. Sind die Reaktionen des Wassermenschen auf persönliche Situationen "fast unfehlbar richtig und angemessen" (Liz Greene), ist es dennoch wichtig, den Wert der Logik und der Welt der Ideen schätzen und nutzen zu lernen.

 

 
nach obenEmpfindungstyp

Erde - Empfindungstypus

Jungs Empfindungstypus verkörpert eine der beiden irrationalen Wahrnehmungsfunktionen. "Irrational" ist hier nicht abwertend gemeint - wie es in unserer vom Denken beherrschten Zeit gern gesehen wird. Es bedeutet lediglich, dass diese Funktion nicht wertet. Sie stellt fest. Der empfindende Mensch tut dies vor allem mit seinen fünf Sinnen. Er verlässt sich auf das, was er sehen, hören, greifen, schmecken und riechen kann. Er ist der Realist unter den Typen, der auf dem Boden der Tatsachen steht.

In der Astrologie findet sich der Empfindungstyp in einer Betonung der Erdzeichen wieder. Stier, Jungfrau und Steinbock orientieren sich an dem, was real ist. Sie be-greifen die Dinge im wahrsten Sinn des Wortes. Der erdbetonte Mensch nimmt die Reize seiner Umgebung auf und sortiert sie - praktisch und nüchtern. Das Materielle und Körperliche ist seine Domäne. Hier ist er stark und hat ein gutes Gespür für das, was machbar und angemessen ist.

Erde....

Der empfindende Erdmensch verlässt sich auf seine Sinne, manchmal allerdings ohne nach dem Sinn zu fragen. Die Dimension der Bedeutung erschließt sich ihm wesentlich weniger als seinem Gegenüber, dem Intuitionstypus. Ein Beispiel: Die beiden gehen zusammen durch einen Wald. Während der intuitive Mensch die Symbolkraft von Mutter Natur zu schätzen weiß, misst das Auge des Erdbetonte die Baumstämme danach ab, wie viele Möbel sich damit bauen ließen.

Ein Mensch, der nur das Materielle wahrnimmt, verliert leicht den Bezug zum großen Ganzen. Auf die Frage nach dem Sinn des Lebens zuckt er nur verständnislos die Schultern. Umgeben von Dingen, fehlt ihm deren Bedeutung. Eine besondere Faszination, positiv wie negativ, üben daher für ihn intuitive Typen aus. Und um geistig nicht zu verkümmern, tut er gut daran, seine Sicht der Realität durch die Dimension des Bedeutsamen zu erweitern.

 

 
nach obenIntuitionstyp

Feuer - Intuitionstypus

Intuition ist die Stärke dieses Typus. Wie der Empfindungstyp gilt er als irrational im Sinne des Nicht-Bewertens. Im Gegensatz zu jenem beruht jedoch die Wahrnehmung des Intuitionstyps auf geistigen Konzepten. Sein Wissen erlangt er nicht durch Sammeln und Ordnen von Fakten, sondern durch blitzartige Einfälle, die unvermittelt ins Bewusstsein treten.

Feuer ist das astrologische Element des Intuitiven Typs. Widder, Löwe und Schütze werden ihm zugeordnet. Betonte Feuermenschen tendieren dazu, leicht entflammbar zu sein. Ihre Spontaneität ist fast sprichwörtlich. Beim Widder steht die Aktion im Vordergrund, die alles andere außer Acht lässt. Löwemenschen wird eine eher kindliche Unmittelbarkeit zugeschrieben. Und schützebetonte Personen erfahren die Welt in visionären Einsichten.

Feuerwerk...

Rein intuitive Menschen laufen allerdings Gefahr, in der realen Welt an harte Grenzen zu stoßen. Wenn sie in ihrem Übereifer die Beschränkungen des Materiellen nicht wahrnehmen, läuft die geistige Energie ins Leere. Ihr Engagement und ihre Weit-Sicht lässt sie oft das Naheliegende übersehen. Große Visionen bleiben unerfüllt und in der geistigen Welt verhaftet.

Der göttliche Prometheus brachte den Menschen das Feuer, die Quelle für ihre geistige Entwicklung. Doch ohne dieses Feuer praktisch in der Realität einzusetzen, wäre es nutzlos geblieben und verpufft. Es hätte keine Spuren hinterlassen. So ist es auch für den intuitiven Feuermenschen wichtig, nicht in geistigen Sphären zu verharren, sondern die Gegenfunktion der Empfindung und des Realistätsbezugs zu würdigen und auszubilden.

 

 
nach obenBücher und Bilder

Ist Ihr Interesse geweckt und Sie wollen die Jungschen Prinzipien und ihre Zusammenhänge mit der Astrologie tiefergehend erforschen, sei Ihnen folgende Literatur empfohlen. Die Inhalte der vorangehenden Seiten basieren unter anderem darauf:

Die Fotos auf den meisten Seiten verdanken wir www.freeimages.co.uk. Bilder von Himmelskörpern entstammen den öffentlichen Archiven der NASA. Die Titelillustration von "Jungsche Prinzipien" wurde von der National Oceanic and Atmosphere Administration fotografiert. Der Vogel in Jungs Traum kommt vom Naturschutzbund Deutschland Kreisverband Kleve. Das Diagramm der Psychologischen Typen finden Sie in Liz Greenes Buch: Kosmos und Seele.

Druckerfreundliche Darstellung des ganzen Artikels (nur Text)

 

 
nach obenAstrologie ist nicht beweisbar
Astrologie ist nicht beweisbar
von Juri Viktor Stork

Dieser Text entstand als eine Replik auf drei Artikel in der Zeitschrift "Meridian", Ausgabe Mai/Juni 2005, die unter dem Haupttitel "Astrologie als nützliche Fiktion" standen. Ulrike Voltmer, Richard Vetter und Christopher A. Weidner entwerfen dort ein intellektuelles Konzept, das der Astrologie helfen soll, sich im Feld der Wissenschaften besser zu positionieren. Das Heft kann beim Meridian-Verlag bezogen werden.

Die Dimension der Arbeit Gaugelins und anderen Astrologen, die versucht haben, die Astrologie auf Grund von Fakten zu beweisen, hat mich immer etwas ehrfürchtig erschauern lassen. Der Aufwand, über Jahre und Jahrzehnte Daten zu sammeln und auszuwerten, stelle ich mir riesig und mühsam vor, und ich ehre alle, die damit helfen, der Astrologie einen anerkannten Platz unter den Künsten dieser Welt zu schaffen.

Die drei Artikel zum Thema "Astrologie als nützliche Fiktion" hinterlassen nun aber einen äusserst schalen Nachgeschmack. Es stellt sich die Frage, wieso denn nun die Astrologie so vehement in ein wissenschaftliches Konzept gesteckt werden muss, ein Konzept notabene, das nicht auf Fakten, sondern auf intellektueller Akrobatik fusst? Wer fordert eigentlich Beweise, und wer braucht denn hier von wem Akzeptanz?

Ich anerkenne die Bemühungen meiner Kolleginnen und Kollegen, tiefer zu steigen, das Gebäude der Astrologie immer wieder neu zu erforschen und zu beschreiben und andere an ihren Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Auch ich bin im Laufe meiner Beratungstätigkeit tiefer gestiegen und habe heute eine leise Idee, auf welchen Fundamenten diese ausserordentliche Kunst steht. Mein Umgang mit der Astrologie und dem Faktum der Nichtbeweisbarkeit unterscheidet sich aber fundamental von demjenigen von Ulrike Voltmer, Richard Vetter und Christopher A. Weidner, und ich möchte, obwohl ich mich nicht dazu berufen fühle, andere schriftlich zu belehren, die Gelegenheit erfassen, hier einen ganz anderen Blickwinkel zu formulieren.

Wir leben in einem Zeitalter, in der sich eigenartige und etwas beängstigende kollektive Strömungen manifestieren. Da finden sich streng materialistische Wissenschaftler, die öffentlich und allen Ernstes den Menschen auf die Summe seiner Gene und das Göttliche auf ein individuelles, mess- und reproduzierbares Ereignis im Gehirn reduzieren möchten. Der Tod des alten und die Wahl eines neuen Papstes, des "Stellvertreter Gottes" (!), animiert Millionen zum Trauern und Jubeln und wird zum medialen Happening. Und alle finden das ganz normal. Spirituelle Dimensionen werden seit langer Zeit Hardcore-Esoterikern überlassen und manifestieren sich heute fast nur noch im Yogi-Shop, im Engelwesen-Seminar oder an einer Esoterikmesse. Alles kann man haben, besitzen, ergreifen, teilen, berechnen. Das Sein hat vor dem Haben kapituliert und ist still und leise aus der Welt verschwunden; es hinterlässt uns Menschen rast- und ratlos, denn uns fehlt diese Dimension, auch wenn wir uns nicht mehr daran erinnern können. Astrologisch wird diese Entwicklung angezeigt durch die Rezeption von Neptun in Wassermann und Uranus in den Fischen, die beide im Reiche des andern wirken und grosse Verwirrung schaffen. Es scheint, das wir uns als Menschheit nicht mehr im Klaren sind, was zur materiellen und was zur geistigen Welt gehört und wie wir die beiden Dimensionen in uns verbinden können.

Die selbe Verwirrung ist leider auch feststellbar im Konzept der "Astrologie als nützliche Fiktion". Dieses intellektuelle Modell versucht eigentlich nichts anderes, als die Astrologie aus dem Spannungsfeld zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren herauszulösen. Sie soll nun ein Korsett erhalten, damit sie ganz in dieser Welt bestehen und nie mehr durch Skeptiker und Wissenschafter angegriffen werden kann. Das ist vielleicht gut gemeint, doch ist es hilfreich für die Astrologie? Ist nicht gerade die Fragilität die grosse Kraft dieser Erfahrungswissenschaft? Könnte es sein, dass die Astrologie gerade deshalb funktioniert, als das sie eben nicht nur in der materiellen Welt zuhause ist, sondern immer etwas von einer anderen Sphäre mitbringt? Dass sie mit einem Bein im Dazwischen steht, ins Unbekannte horcht und ihren Ursprung genau dort hat, wo die Schöpfung jeden Augenblick aufs neue stattfindet?

Natürlich: Wenn ich keine Idee, nicht einmal mehr eine Ahnung davon habe, was denn eigentlich mit diesem "Oben" im zweiten hermetischen Gesetz gemeint ist, dann wird es schwierig für mich als Astrologe. Es lautet vollständig: "Wie oben, so unten; wie unten, so oben". In allen mir bekannten mystischen und esoterischen Traditionen, die die Jahrhunderte überdauert haben, wurde das "Oben" nie als etwas in der Sichtbarkeit verstanden. Das ganze Universum in seiner materiellen Manifestation galt (und ist es auch heute noch) als das "Unten", bis hin zum kleinsten Partikel der Materie. Die Himmelskörper stehen in der Sichtbarkeit, sind dadurch "Unten" und haben ihren Ursprung, ihren Urgrund im "Oben". Es stellt sich nun die Frage, was denn dieses "Oben" ist. Antworten lassen sich von Suchenden finden, in allen mystischen Schriften und Überlieferungen aller Kulturen, auch in unserer abendländischen, in der ihnen gemässen Form.

Weiter müsste hier auch gefragt werden, wie sich nun dieses "Oben" verhält, wenn es im "Unten" nicht mehr wahrgenommen wird, da es doch auch heisst, "Wie unten, so oben"? Wer könnte ein Interesse daran haben, dass die Astrologen sich abwenden von diesem "Oben", das nicht von dieser Welt ist? Wer hält es nicht aus, dass es etwas gibt, das für immer verborgen bleibt?

Die Astrologie wird nie beweisbar sein. Der Versuch dazu ist gleichbedeutend mit dem Versuch, mit irdischen Mitteln das "Himmelreich" zu ergreifen, Gott oder die Gottheit zu berechnen und in Besitz zu nehmen. Der Stachel des Todes steckt bereits in diesem Unterfangen und wird - im besten Fall - diejenigen, die diesen Weg gehen, weit weg führen von einer unermesslich reichen Quelle. Vergessen wir Astrologen und Astrologinnen aber alle zusammen diese Dimension des Verborgenen, werden wir bald mit einem toten Instrument hantieren, das vielleicht für eine gewisse Zeit noch ein paar Klänge erzeugt, dann aber seine Kraft verliert und von uns gelangweilt weggelegt und vergessen wird. Das wäre äusserst schade, denn nebst dem individuellen und strengen Weg des Mystikers, der versucht, mit sich selbst so Nahe wie nur möglich an das "Oben" zu gelangen, ist die Astrologie vermutlich das einzige Werkzeug, welches die Schwingungen, die aus der Berührung von Unten und Oben entstehen, auch für „normale“ Menschen erlebbar machen kann.

Die "königliche Kunst" wurde auf ihrem Weg durch die Jahrtausende von Generationen von Astrologen gehütet, kultiviert und in Ehren gehalten, auch in Zeiten, wo sie von Kräften der Welt bedroht, instrumentalisiert, ausgegrenzt und verlacht wurde. Sie ist eine feste Grösse in unserer Kultur, hatte einen Platz in Völkern ganz unterschiedlichsten Geisteshaltungen, ihre Wurzeln reichen tiefer, als wir uns vorstellen können. Sie braucht keine Beweise für ihre Existenz, sondern Anerkennung. Es wäre die Aufgabe der astrologischen Gemeinschaft, ihr diese zu geben und gegenüber Skeptikern, materialistisch verhärteten Wissenschaftern oder religiös verbrämten Menschen zur ganzen Dimension der Astrologie zu stehen.


Juri Viktor Stork ist beratender Astrologe im Grossraum Zürich und fester Mitarbeiter von Astrodienst.


 
nach obenDer Mechanismus von Antikythera

Der Antikythera-Mechanismus

23. Juni 2006, Neue Zürcher Zeitung

Die Computertechnologie der alten Griechen

gsz. Vor 60 Jahren wurde in den USA der Eniac, der erste digitale elektronische Computer der Welt, in Betrieb genommen. Da fällt es einem schwer zu glauben, dass schon die alten Griechen hochkomplexe Rechenmaschinen herstellten. Und doch scheint es damals - vor über 2000 Jahren - mechanische Apparate gegeben zu haben, mit denen Astronomen und Astrologen in der Lage waren, die schwierigen Berechnungen zur Bestimmung der Bewegungen der Himmelskörper zu vollbringen. Archimedes soll einen solchen Apparat im 3. Jh. v. Chr. gebaut haben, von dem aber keine Überreste erhalten geblieben sind. Im 1. Jh. n. Chr. erwähnte Cicero einen Freund namens Poseidonius, der mit einem Gerät die relativen Positionen von Sonne, Mond und den fünf damals bekannten Planeten berechnen konnte. Kürzlich konnte durch einen im Mittelmeer gefundenen Gegenstand bestätigt werden, dass ein solcher Mechanismus tatsächlich existiert hat.

Hilfe von Ausserirdischen?

Das rätselhafte Gerät war 1901 von einem griechischen Schwammtaucher vor der Insel Antikythera auf einem im Jahre 80 v. Chr. gesunkenen Schiff gefunden worden. Es handelte sich um einige unscheinbare, überkrustete Teile, die in den 1970er Jahren das Interesse des Wissenschaftshistorikers Derek de Solla Price von der amerikanischen Universität Yale hervorriefen. Der Fund bestand aus den Überresten einer 32×16×10 Zentimeter grossen Holzschachtel, auf der ein Teil einer runden Skala, eines Zifferblattes, ausgemacht werden konnte. Solla Price untersuchte den Fund mit Gammastrahlen, die die Kalkverkrustung durchdringen konnten und etwa 30 ursprünglich aus Bronze gefertigte Zahnräder sichtbar machten.

Beim Abzählen und Schätzen der nicht mehr vollständig erhaltenen Zähne stellte sich heraus, dass die Räder in einem Verhältnis von 254 zu 19 ineinander gegriffen haben müssen, was mit einem Fehler von nur etwa 0,015 Prozent dem Verhältnis der Geschwindigkeiten von Sonne und Mond entspricht. Dies führte zu der Vermutung, dass es sich bei dem rätselhaften Gerät um einen astronomischen Computer gehandelt habe könnte, dessen Zeiger - die nicht gefunden wurden - auf der Skala die Position der Himmelskörper anzeigten. Die Erklärung erregte solches Aufsehen, dass einige Zeitgenossen allen Ernstes behaupteten, es handle sich bei dem Fund entweder um einen Scherz oder das Gerät sei von ausserirdischen Wesen zur Erde gebracht worden.

Im Herbst 2005 unterzogen Wissenschafter der Universitäten Athen, Thessaloniki und Cardiff (England) sowie das amerikanische Unternehmen Hewlett-Packard und die englische Firma X-Tek die Funde einer erneuten Prüfung. Das antike Gerät wurde mit den allerneuesten Apparaten untersucht. Da die antiken Funde wegen ihrer Brüchigkeit nicht transportiert werden durften, kamen die Experten mit hochmodernen, tonnenschweren Röntgengeräten, Computertomographen und Scannern nach Athen. Ende Mai präsentierten die Astronomen, Physiker, Mathematiker, Chemiker, Archäologen und Philologen die Resultate ihrer Auswertungen. Etwa 1000 zusätzliche Schriftzeichen konnten auf der Oberfläche der verkrusteten Holzschachtel ausgemacht werden und verliehen der Hypothese, dass es sich bei dem Fundstück um ein astronomisches Gerät gehandelt habe, weiteres Gewicht. Laut den jüngsten Erkenntnissen soll es nicht nur die Bewegungen von Sonne und Mond, sondern möglicherw eise auch von Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn simuliert haben. Die Apparatur, die ursprünglich etwa siebzig Zahnräder umfasst haben muss - über die Hälfte sind verloren -, wurde wahrscheinlich mit einer Kurbel von Hand angetrieben.

Tagung in Athen

Obwohl man weiss, dass die Griechen Werkzeuge besassen, die zur Fabrikation von Zahnrädern geeignet gewesen wären - sie hatten Feilen, mit denen sie Sägen herstellten -, war bisher nicht bekannt, dass sie technisch derart fortgeschrittene Mechanismen auch tatsächlich realisiert hatten. Geräte von ähnlicher Komplexität sind erst aus der arabischen Welt etwa tausend Jahre später bekannt. Für kommenden Herbst (2006) plant das «Antikythera Mechanism Research Project»* eine wissenschaftliche Tagung in Athen.

© NZZ Neue Zürcher Zeitung, 23.06.2006

Update: Prunkstück der Technikgeschichte

Artikel vom 6.12.2006, NZZ Neue Zürcher Zeitung

Was der Mechanismus von Antikythera über die feinmechanischen Fähigkeiten der Griechen verrät

Ein antiker Mechanismus zur Berechnung astronomischer Phänomene wirft ein neues Licht auf die technischen Fähigkeiten der Griechen. Wie eine neue Untersuchung zeigt, ist das mechanische Räderwerk weitaus raffinierter, als bisher angenommen wurde.

Spe. Die Astronomie erreichte im antiken Griechenland einen vorläufigen Höhepunkt. Schon die Babylonier besassen ein erstaunliches astronomisches Wissen. Aber erst die Griechen machten den Schritt, die überlieferten Beobachtungen durch geometrische Modelle zu deuten. So nahmen sie an, die Sonne, der Mond und die Planeten kreisten auf konzentrischen Kugelschalen um die im Zentrum sitzende Erde. Dieses geozentrische Weltbild hatte immerhin bis Mitte des 16. Jahrhunderts Bestand. Dass die Griechen nicht nur durch ihre astronomischen Erkenntnisse Massstäbe setzten, sondern auch über ein bisher nicht für möglich gehaltenes technisches Know-how verfügten, belegt eine neue Entschlüsselung des antiken Mechanismus von Antikythera, die vergangene Woche an einer Konferenz in Athen vorgestellt und gleichzeitig in der Fachzeitschrift «Nature» publiziert wurde.1


Ein verkannter Fund

Beim Mechanismus von Antikythera handelt es sich um ein mechanisches Räderwerk, das bereits 1901 vor der griechischen Insel Antikythera aus einem 2000 Jahre alten Schiffswrack geborgen worden war. Die Bedeutung des archäologischen Fundes blieb zunächst unerkannt, da der etwa schuhschachtelgrosse Mechanismus nur noch bruchstückhaft erhalten und zudem stark korrodiert war. Erst Ende der 1950er Jahre begann man damit, die Bruchstücke genauer zu analysieren. Von dem Wissenschaftshistoriker Derek De Solla Price wurde dann in den 1970er Jahren die Hypothese aufgestellt, der Mechanismus von Antikythera habe dazu gedient, die Bewegung des Mondes und der Sonne um die Erde zu berechnen und darzustellen. Seine Rekonstruktion des Mechanismus blieb allerdings umstritten. Die neue Untersuchung durch ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Mike Edmunds und Tony Freeth von der Cardiff University in Wales bestätigt nun die Grundthese des Wissenschaftshistorikers. Sie zeigt aber auch, dass das aus mindestens 30 Zahnrädern bestehende Rechenwerk noch viel raffinierter und ausgeklügelter war, als Price es vermutet hatte. Wie die Wissenschafter in ihrer Publikation schreiben, dauerte es mehr als tausend Jahre, bis wieder ein ähnlich komplexer Mechanismus gebaut wurde.

Um dem antiken Rechenwerk seine (verwitterten) Geheimnisse zu entlocken, fuhren die Forscher schweres Geschütz auf. So schafften sie einen mehrere Tonnen schweren hochauflösenden Computertomographen ins Archäologische Nationalmuseum in Athen, um einen Blick unter die Oberfläche der 82 Fragmente zu werfen und ausserdem die zahlreichen Inschriften zu entziffern, die sowohl auf den Fragmenten als auch auf dem Holzgehäuse zu finden sind, in dem der Mechanismus einst aufgehoben wurde. Im Vergleich zu früheren Untersuchungen gelang es den Forschern, rund doppelt so viele Schriftzeichen lesbar zu machen. Das erlaubte es ihnen, den Bau des Rechenwerks auf 150-100 v. Chr. zu datieren, etwas früher, als bis dahin angenommen worden war. Ausserdem lieferte der Text zusammen mit den detaillierten Schichtbildern der Fragmente neue Erkenntnisse über die Funktionsweise des Rechenwerks.

Unterschätzte Komplexität

So war man bisher davon ausgegangen, dass eine Untereinheit des Rechenwerks die 235 Monate des sogenannten metonischen Zyklus zählt. Diesem Zyklus liegt die Erkenntnis zugrunde, dass nach 235 Mondmonaten ziemlich genau 19 Jahre vergangen sind. Die Diskrepanz beträgt rund 2 Stunden, so dass sich erst nach 219 Jahren ein Fehler von einem Tag ergibt. Wie die Forscher jedoch feststellten, registriert die Untereinheit sogar den genaueren kallippischen Zyklus, der sich über eine Dauer von 76 Jahren erstreckt. Mit diesem Zyklus ergibt sich erst nach 553 Jahren eine Diskrepanz von einem Tag. Die Forscher konnten noch eine weitere Untereinheit aus Zahnrädern und Zeigern identifizieren, die den sogenannten Saros-Zyklus darstellt. Dieser wurde in der Antike benutzt, um Sonnen- und Mondfinsternisse vorherzusagen.

Die aufregendste Erkenntnis betrifft allerdings einen dritten Mechanismus, der die Bewegung des Mondes nachstellt. Der bedeutende griechische Astronom Hipparchos von Nikaia hatte bereits im zweiten Jahrhundert vor Christus erkannt, dass die Bewegung des Mondes am Himmel kleine Unregelmässigkeiten aufweist, die auf seine elliptische Umlaufbahn zurückzuführen sind. Durch eine clevere Anordnung von zwei durch einen Stift verbundenen Zahnrädern trug der Mechanismus von Antikythera dieser Anomalie Rechnung. Das lässt die Forscher vermuten, Hipparchos könnte am Entwurf des antiken Rechenwerks beteiligt gewesen sein.

1 Nature 444, 551-552; 587-591 (2006).

Quelle: NZZ 6. Dez. 2004, Forschung und Technik S. 67

 
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Astrologie Zug um Zug
von Peter Schlapp

Der Horoskop-Kreis – Das Schachbrett

Wenn man den Horoskop-Kreis und das Schachbrett betrachtet, fällt auf, dass beide über kein Mittel-Feld (Haus), sondern nur über einen Mittel-Punkt verfügen. Für die Astrologie bedeutet dies, dass kein Feld oder Haus und damit auch kein Lebensbereich gegenüber allen anderen Häusern oder Lebensbereichen in irgendeiner Weise privilegiert ist. Der in beiden Medien dagegen vorhandene Mittel-Punkt ergibt sich im Schach aus dem Spannungsgefüge von vier Eckpunkten, die in einer Opposition zu einander stehen und als Felder ein Quadrat bilden. In einem Horoskop ergibt sich dieser Mittel-Punkt aus dem Schnittpunkt der Häuserachsen. Er fungiert als der symbolische Ort des Menschen. Dieser Schnittpunkt wird aus mindestens zwei Achsen beziehungsweise vier in wechselseitiger Opposition stehender Punkte (AC-DC, MC-IC) gebildet. Im Gegensatz zum Schach, wo sich dieser Mittel-Punkt nur bis zu einem gleichsam irdischen Quadrat als dem begrenzenden Spielrahmen ausdehnen kann, entfaltet er sich in einem Horoskop zum vollendeten Kreis, als dem Symbol eines nie endenden irdisch-kosmischen Zusammenspiels und weitergehend zu einer aufwärts strebenden Spirale.

Trotz aller schier unbegrenzten spielerischen Freiheit im Zusammenspiel der Figuren im Schach können wir uns mit ihnen nicht über das Quadrat des Spielfeldes erheben. Wir bleiben gleichsam Gefangene unserer irdischen Konditionen. Im Gegensatz dazu verbirgt sich in den Tierkreiszeichen ein evolutionäres Potential, mit dessen Hilfe wir uns in den spiralig aufwärts strebenden und sich verfeinernden Frequenzen in ihrer Abfolge von Widder bis Fische, von Zeichen zu Zeichen zu einer höheren Bewusstheit entwickeln können. Im Schach ringen wir spielerisch mit unseren irdischen Bedingungen. Ob Sieger oder Besiegter, wir bleiben der Erde verhaftet. Im Bild der Tierkreiszeichen eröffnet sich uns dagegen ein Weg in kosmische Dimensionen.

Über die Affinität zwischen der Symbolik und den Funktionen der sieben klassischen Planeten und den einzelnen Figuren im Schach

Schachbrett mit Planetenanalogien

Bevor wir zu einer detaillierten Analyse der Analogien zwischen den Schachfiguren und den sieben alten Planeten kommen, möchte ich die Analogien zwischen den Planeten und den Schachfiguren zunächst einmal tabellarisch vorstellen. Die aufgeführten Vergleiche gelten unterschiedslos sowohl für die wei ßen als auch für die schwarzen Figuren. Es versteht sich von selbst, dass die gefundenen Parallelen nicht den Anspruch einer Alleing ü ltigkeit erheben.

  • Der König im Schach gleich die Sonne;
  • Die Dame im Schach gleich der Mond;
  • Die 2 Türme im Schach gleich Saturn, Herrscher in Steinbock und Wassermann;
  • Die 2 Läufer im Schach gleich Jupiter, Herrscher in Schütze und Fische;
  • Die 2 Springer im Schach gleich Merkur, Herrscher in Zwillinge und Jungfrau;
  • Die 8 Bauern gleich 4x Venus, Herrscherin in Stier und 4x Venus, Herrscherin in Waage;
  • Das ganze Schachbrett, der Kampfplatz gleich Mars, Herrscher in Widder und Skorpion.

Merkur - die Springer

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Schon bei einem ersten Nachdenken über eine mögliche Affinität zwischen den Merkurkräften und den Spielfunktionen der Springer stößt man auf eine Gemeinsamkeit, die so augenscheinlich ist, dass sie schon fast trivial wirkt. Im Schach gibt es einen gut gemeinten Spielhinweis: Springer am Rand, bringt Schimpf und Schand’. In unmittelbarer Analogie dazu finden wir das merkurische Interesse (lat. inter esse gleich dazwischen sein). Wie die Springer findet auch Merkur seine höchste Entfaltung, wenn er nicht am Rande steht, sondern möglichst nach allen Seiten hin aktiv werden kann. Seine weitgehend dem Rössel-Sprung im Schach vergleichbaren Gedanken-Sprünge verfolgen in erster Linie strategische Ziele. Indem sie den Gesprächs- oder Spielpartner mit ihren gleichsam um die Ecke herum vorgebrachten Argumenten beziehungsweise Kampfansagen verwirren, nutzen sie die Vorteile ihres flexiblen Verstandes am besten. Sowohl die Motive ihres Angriffs als auch ihres Rückzuges gleichen sich insofern, als sie den Gegner dadurch irritieren, dass sie ihn nie direkt von vorne, sondern seitlich angreifen und aus einer sowohl räumlich (Schach) als auch gedanklich (Merkur) nicht unmittelbar nachzuvollziehenden Perspektive ihre Argumente abschießen oder sich zurückziehen. Wo der Springer ein relativ großes räumliches Umfeld strategisch beherrscht, beherrscht Merkur ein nicht minder großes rational-geistiges Umfeld, in das sein operatives Denken unmittelbar einfließt und die Kommunikation aller beteiligten Faktoren – Menschen, Gedanken – nachhaltig befruchtet.

Auffallend ist aber auch, dass der Springer mit jedem seiner Züge die Farbe des jeweiligen Ausgangs- und Zielfeldes wechselt, von schwarz auf weiß oder umgekehrt. In der gleichen Weise ist auch Merkur fähig, bei jeder seiner rationalen Operationen ohne zu zögern die Farbe seiner Meinungen zu ändern. Sowohl die Springer als auch Merkur sind ganz eindeutig dem Element Luft zuzuordnen. Einzig der Springer kann sich bei seinen Zügen über alle anderen Figuren erheben. Er zieht nicht, er springt. Nicht anders Merkur. Auch er springt mit seinen Gedanken und Argumenten. Für den Fall, dass er einmal in argumentative Bedrängnis gerät, kann er sich, wie der Springer, mit einem kühnen Gedankensprung oder Spielzug geschmeidig in Sicherheit bringen. Vergleicht man einmal die Anfangssituation beim Schach mit dem Beginn unseres Lebens, dann stößt man auf eine besondere Affinität zwischen den Springern und den Bauern und zwischen Merkur (Denken) und Venus (Empfindungen). Sie sind die einzigen Figuren im Schach und unsere einzigen Anlagen, mit denen wir aus der Anfangsposition heraus unmittelbar aktiv werden können. Schon unmittelbar nach der Geburt agieren und reagieren wir mittels unserer fünf Sinne (Venus), deren Reize auf einer ersten Verstandesstufe von Merkur neural koordiniert und vermittelt werden.

Die Wirkungsenergie des Merkur lässt sich aber auch noch auf einer anderen Ebene mit der der Springer vergleichen. Beide sind sehr eng mit dem Prinzip der Drei assoziiert. Merkur ist Herr des dritten Zeichens und Hauses. Alle bei einem Menschen wesentlich durch Merkur gesteuerten Handlungs- oder Entscheidungsprozesse folgen dem klassischen Muster des Dreischritts: These, Antithese, Synthese. Im Vergleich dazu zielen alle Züge der Springer trotz aller scheinbaren Umwege doch immer auf ein ganz konkretes, schon vorher avisiertes drittes Feld. Dieses dritte Feld kann der Springer nun aber sowohl in der Breite, (ein Sprung nach vorne, zwei zur Seite) als auch in der Tiefe (zwei Sprünge nach vorne, einen zur Seite) erreichen. Vergleichbar setzt Merkur seine Verstandeskräfte in seiner Zwillings-Frequenz mehr in die Breite gehend, mehr an der Oberfläche der Erscheinungen haftend und in seiner Jungfrau-Frequenz mehr in die Tiefe gehend ein. Insofern jede Synthese auch einem Ordnungs-Prinzip auf einer höheren Ebene gleicht, ergibt sich daraus eine Analogie zum Ausdruck des Merkur in seiner Jungfrau-Frequenz.

Merkur als reine Energie

Merkur fungiert in seinem reinen Ausdruck als astrologischer Indikator unserer Fähigkeit zu denken. Während wir über den Mond ausschließlich subjektiv fühlen und über die Venus objektiv empfinden, hilft uns Merkur, Zusammenhängen unserer Lebenswirklichkeit mit unserem Verstand sowohl subjektiv als auch objektiv zu erfassen. Es geht zunächst einzig darum, mit Hilfe unseres Denkens die materiellen und immateriellen Bedingungen der Welt in dem Sinne zu verstehen, dass wir sie messen, analysieren, werten und darüber einen informellen Austausch herbeiführen und diesen in unserem Hirn in ein neurales Netzwerk einbinden. Um zu einem daraus abgeleiteten Verständnis unserer körperlichen, seelischen und geistigen Umwelt zu gelangen, benutzen wir Worte, Sprache, Zahlen, Begriffe und Symbole. Sie helfen uns, die Zuständlichkeit der Welt und unsere mit ihr gemachten Erfahrungen zu benennen und damit greifbar und begreifbar und wieder abrufbar zu machen. Nach Schopenhauer dient unser Verstand ausschließlich dazu, uns die Gesetze der Materie, der Zeit, des Raumes und der Kausalität erkennen zu lassen. Über Merkur wird alleine die in uns angelegte mental-rational-intellektuelle Ebene angesprochen. Unsere über sie gesteuerte Orientierung in der Welt erfolgt, indem wir zählen, teilen, ordnen, urteilen, erkennen und vergleichen. Um zu für uns wichtigen Erkenntnissen zu kommen, können wir uns betreffende Sachverhalte nur im Rahmen von Polaritäten – richtig-falsch, rechts-links, hinten-vorne, oben-unten, vorher-nachher, deutlich-undeutlich, klar-unklar, sinnvoll-sinnlos, usw. – wahrnehmen und definieren. Mit unserem Denken können wir jedoch auch zu für uns eindeutigen Beurteilungen kommen, indem wir wahlweise induktiv vorgehen, das heißt vom Kleineren auf das Größere oder deduktiv, vom Größeren auf das Kleinere schließen.

MercurUnter dem Einfluss des Merkur gilt unser höchstes Streben der Absicht, mit unserem Denken die objektive Wahrheit eines Sachverhaltes herauszufinden. Beim Versuch eines absolut objektiven Erkennens bleiben wir jedoch in unserem individuellen, subjektiven Bezug zu einer möglichen objektiven Wahrheit stecken. Nicht zuletzt die Ergebnisse der Forschungen der Quantenphysik haben ergeben, dass es für den Menschen keine objektiv zu erkennende Wahrheit geben kann, da wir in die von uns untersuchten Sachverhalte als deren Beobachter unlösbar einbezogen sind. Die einzige uns mögliche Annäherung an eine objektive Wahrheit besteht in deren intersubjektiver Betrachtung und Bewertung. Mit unserem Denken vermögen wir also nicht die Wirklichkeit, sondern nur die Realität, das heißt unsere Art der Wahrnehmung der Wirklichkeit – die Landkarte ist nicht die Landschaft – zu erfassen.

Im Vergleich mit den Planetenenergien – Mars-wollen, Venus-empfinden und Mond-fühlen – eröffnet Merkur uns jedoch eine völlig neue Dimension. Mit Mond, Venus und Mars können wir nur unsere reale körperlich-seelisch-geistige Befindlichkeit erfassen. Merkur eröffnet uns dagegen die vielfältigsten Perspektiven auf die Welt des Irrealen und des Imaginären. Wir können uns zwar auch Töne, Licht, Farben, Freude, Trauer, einen besonderen Duft oder Geschmack vorstellen, sie wirklich sinnlich zu erfahren, ist uns jedoch solange versagt, bis wir ihre Wirkungen am eigenen Leib erfahren. Ganz anders mit Merkur. In unserem Denken können wir uns gleichsam unserer Körperlichkeit entledigen und unser eigener Zuschauer sein. Mit unserem merkurischen Verstand und unseren Gedanken können wir spielen. Mit seiner Hilfe können wir aus uns heraustreten. Wir können, ohne uns festzulegen, gleichsam probeweise denken. Im Gegensatz dazu sind wir selbst dann, wenn wir mit unserem Fühlen, Empfinden und Wollen nur spielen, uns selbst gegenüber verantwortlich.

Denken oder Vorstellungen entwickeln können wir dagegen völlig unverantwortlich. Die Gedanken sind frei. Unsere Gefühle, unsere Empfindungen und unser Wollen sind es nicht. Wenn wir fühlen, empfinden und wollen stehen wir selbst auf dem Spiel. Wir sind gleichsam unser eigener Spieleinsatz, um den wir auch selbst würfeln. Alleine mit unserem Denken können wir die Zeit sprengen. Mühelos können unsere Gedanken aus der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft überwechseln. In unserem Denken können wir leicht an das vor- oder zurückdenken, an was wir einmal gedacht haben oder einmal denken werden.

Alle diese Fähigkeiten unseres Denkens nähren den Anschein, dass wir uns mit unserer Fähigkeit zu denken, endgültig über die Instinktebene unserer Anlagen erhoben haben. Nicht zufällig definieren wir unser Mensch- und nicht mehr Tier-Sein mit der Feststellung: cogito, ergo sum, ich denke, also bin ich. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir uns kraft unseres Denkens und unserer Vernunft zur Krönung der Schöpfung aufgeschwungen haben. Dass es sich dabei in Wahrheit um eine sowohl individuelle als auch kollektive Projektion handelt und es sich dabei eigentlich nur um eine durch nichts begründeten Hybris handelt, muss nicht näher erläutert werden. Wenn wir versuchen, die allgemeine und für jedermann sicht- und erfahrbare Befindlichkeit der Welt und der Menschheit, wie sie sich seit Menschengedenken in ihren schrecklichsten Szenarien als Krieg, Hunger, Verfolgung, Mord, Folter, Vergewaltigung und vielfältigste Not darstellt, auch nur für einen Augenblick objektiv zu betrachten, dann kann das alles nicht auf Vernunft gegründet sein. Das, was wir heute Vernunft nennen, kann im besten Falle eine rudimentäre Vorstufe wahrer Vernunft sein.

Die Astrologie bewertet die Aussagekraft des Merkur traditionell als neutral. Angesichts der Übermacht unseres Denkens über eigentlich alle anderen Lebensäußerungen stellt dies zunächst einmal einen Euphemismus dar, denn unser Denken mischt sich eigentlich überall ein. Ungeachtet dessen entspricht diese Zuordnung jedoch der üblichen Wirkungsweise des Merkur. Seine Stärke liegt in der Anpassung an und in der Vermittlung zwischen den unterschiedlichen Ausdrucksweisen der übrigen Planeten. Wir können unser Denken, unseren Verstand und unseren Intellekt auf alles richten. Genauso wenig wie sich der mythische Götterbote Merkur um den Inhalt seiner Botschaften kümmerte, kümmert sich unser Verstand um die Inhalte dessen, was wir denken. Er dient uns ausschließlich zur quantitativen Vermittlung und mischt sich nicht in deren Qualität ein. Unsere sich mit dem Denken verbindenden moralischen und ethischen Wertvorstellungen, das heißt die Qualität unseres Denkens entspringen nicht unserem Verstand, sondern unserem Bewusstsein und unserem Gewissen. Nur unser Gewissen kann uns sagen, ob eine von Merkur vermittelte Quantität einer Information auch über eine dem Menschen zuträgliche Qualität verfügt. Unser Denken ist sich nicht zu schade dafür, stets wechselnde und sich auch widersprechende Allianzen einzugehen, um zwischen uns und – pauschal – der Welt verstandesmäßige Korrelationen herzustellen.

Merkur auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge: Denken

MercurAuf der Bewusstseinsstufe Zwillinge richtet der Native seinen besonderen Fokus darauf, seinen Verstand und sein Denken gleichsam um ihrer selbst willen zu gebrauchen. Unter dem Einfluss des männlichen Prinzips tut er dies zeugend und sich verausgabenden. Natürlich ist auch er an den Ergebnissen seines Denkens interessiert. Wesentlich bedeutsamer sind für ihn jedoch die verstandesmäßig-intellektuellen Wege, auf denen er zu seinen Handlungen und Entscheidungen kommt. Der Native liebt das Spiel mit seinen Gedanken, den flexiblen, erfinderischen und originellen Umgang mit seinem Verstand. Der Zweifel, theoretische und abstrakte Überlegungen und sophistisch-dialektische Wortspielereien sind die bevorzugten Mittel, mit denen er sich mit der Welt der Subjekte und Objekte auseinandersetzt. Die zentrale Motivation seines Wirkens erfüllt sich im Interesse. In diesem zu jeder Zeit und auf alles bezogenen Interesse, liegen sowohl die Stärken als auch die Schwächen dieses merkurischen Ausdrucks. Sein Bedürfnis, am liebsten immer dazwischen zu sein (Interesse = lat. inter esse = dazwischen sein) schätzt im übertragenen Sinne den Weg höher als das Ziel. Seine Überlebensstrategien orientieren sich vornehmlich daran, sich selbst und möglichst viele alternative Möglichkeiten immer offen und in ständiger und die Richtung wechselnder Bewegung zu halten. Nicht zuletzt dient ihm dieses Verhalten auch dazu, verstandesmäßige Fluchtwege zu nutzen. Die besondere Stärke des Merkur-Lebensausdrucks auf der Zwillings-Stufe liegt nicht so sehr im Denken selbst, sondern vielmehr in der Kommunikation des selbst oder von anderen Gedachten.

Für den Nativen bedeutet dies, dass sich sein Verstand vor allem in der Kunst übt, in Gegensätzen zu denken. Zu denken ist ihm eine gleichsam sportliche Übung. Selbst die trivialste Gedanken-Münze hat für ihn – mindestens – zwei Seiten. Um das Überleben zu sichern, flieht er in die Bewegung, ins schnelle und übergangslose gedankliche Neubewerten, in die blitzschnelle und flexible verstandesmäßige Umorientierung gegenüber scheinbar ein für alle Mal festgelegten Tatsachen. Die dem Merkur eigene Fähigkeit, Erkenntnisse des Denkens sowohl subjektiv als auch objektiv wahrzunehmen und interpretieren zu können, stellt den Betroffenen immer wieder vor das Problem, ob eine gefundene Wahrheit nun, vice versa, nur subjektiv oder auch objektiv für ihn die Richtige ist. Aus Furcht vor endgültigen Festlegungen sucht er sein Heil in einer Vermittlung der Gegensätze. Ins Bild übersetzt heißt dies, er verweigert das Ziel und besteht auf dem Weg zum Ziel.

Indem der Betroffene sein Denken mit der Bedeutung der Worte und Begriffe spielen lässt, eröffnet er seinem Verstand eine intellektuelle Spielwiese, auf der die Denk-Bälle dann nur so hin und her fliegen. Seine Stärke liegt im produktiven Gebrauch des Zweifels. Er liebt das eher oberflächliche Gedankenspiel mit Thesen und Antithesen. An einer in einer Synthese möglicherweise liegenden geistig-intellektuellen Tiefe ist er weniger interessiert. Im wesentlichen verhält sich der Native in seinem Denken in dem Sinne opportunistisch, dass er es dem jeweils damit verfolgten Zweck unterordnet. Die Ergebnisse seines Denkens bewegen sich immer im Rahmen einer relativ weitgesteckten Toleranz, innerhalb derer im Einzelfall auch die List und nicht zuletzt die betrügerische Manipulation ihren Platz finden können. Auf dieser Entwicklungsstufe ist die Wissbegierde schier grenzenlos. Sie dient alleine dem Zweck, den Verstand mit so vielen Informationen wie möglich zu füttern. Die Fülle dieser Informationen dient wiederum dazu, die anlagebedingte Fähigkeit zum Zweifel produktiv zu machen. Seine wohl bedeutsamste Eigenschaft besteht darin, seinen Verstand vorurteilsfrei zu benutzen. Der Native weiß, dass es keine ewig währenden und bedingungslosen Antworten auf die Fragen der Welt gibt. Entsprechend flexibel gestaltet er die Art und Weise seiner Aussteuerung gegenüber seiner Umwelt. Seine Überlebensstrategien vertrauen auf einen wohl begründeten, der unmittelbaren Existenzsicherung dienenden Konsens, von dem er auch weiß, dass ein solcher Konsens von heute vielleicht schon morgen einer Korrektur bedarf, um den gleichen oder einen veränderten Zweck zu erfüllen. Seine rasche und unprätentiöse Auffassungsgabe erlaubt es dem Nativen, neuen Gedanken gegenüber immer offen zu sein.

Solange nun ein Mensch seinen Merkur auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge zum Ausdruck bringt, überträgt er diese Erlebensmuster seines Denkens auf alle Zeichen, dies jedoch gemäß deren unterschiedlicher Färbungen, in denen sein Merkur individuell in seinem Horoskop steht. Bei einem erlösten Ausdruck ergeben sich daraus im einzelnen folgende Verhaltensmuster:

Individueller Merkur in Widder konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner Handlung und Entscheidungen und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Stier konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner Empfindungen und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Zwillinge konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seines Denkens und dessen Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Krebs konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner Gefühle und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Löwe konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner Ich-Darstellung und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Jungfrau konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner alltäglichen Orientierung und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Waage konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner Begegnungen und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Skorpion konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner Vorstellungen und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Schütze konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner Sinnsuche und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Steinbock konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise, wie er zu Formen und Strukturen findet und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Wassermann konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seiner freien persönlichen Entfaltung und deren Austausch mit anderen;
Individueller Merkur in Fische konzentriert auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge sein Denken auf die Art und Weise seines Seins und dessen Austausch mit anderen.

Bei einem noch weitgehend unerlösten Ausdruck des Denkens auf der Stufe Zwillinge ändert sich an dessen grundsätzlicher Orientierung nichts. Es findet eigentlich nur zu viel gedankliche und nervliche Bewegung statt. Aus der sich aus dem Zeichen und dem Element ergebenden Überbetonung des Faktors Luft artikuliert sich das Denken des Nativen nicht in erfrischenden, wohltemperierten geistigen Brisen, sondern gefällt sich in unvermittelten Böen gleich Gedankensprüngen, stets wechselnden Winden gleich wechselnden Meinungen oder heftigen Stürmen gleich alles niederreißenden Zweifeln. Die im männlichen Ausdruck begr &uu ml;ndete Tendenz zur Verausgabung gewinnt die Übermacht.

Wenn wir nach Analogien zu Merkur auf der Bewusstseinsstufe Zwillinge im Schach suchen, stoßen wir über die bereits gemachten Aussagen hinaus auf ein Phänomen, mit dem wir erfahrungsgemäß auch in unserem Leben immer wieder zu kämpfen haben. Wenn sich der Springer in der Eröffnungsphase des Spiels mit seinen Spiel-Sprüngen nicht zurückhält, blockiert er wahlweise die Bauern auf den Feldern a2, c2, f2 und h2 beziehungsweise a7, c7, f7 und h7 daran, selbst aktiv zu werden und gezogen zu werden. Für Merkur auf der Zwillingsstufe heißt dies: Wenn er sich mit seinen Gedanken-Sprüngen nicht zurückhält, blockiert er unsere in den Bauern symbolisierten Empfindungen. Seine verstandesmäßig-intellektuelle Voreiligkeit verhindert damit, dass wir zunächst einmal eine mit unseren Empfindungen objektiv verbindliche Prüfung einer Lebenssituation vornehmen können. Er besetzt damit ein Erfahrungsfeld unserer physischen oder psychischen Umwelt, über das wir dann zwar über rein verstandesmäßige aber über noch keine sinnlich erfahrenen Informationen besitzen. Wir erheben uns mit unserem Verstand über unsere Empfindungen. Auf diese Weise können unsere Empfindungen nicht zu einem bewussten Denken führen. Stattdessen müssen wir gleichsam unseren Verstand darüber befragen, was wir wohl gerade empfinden.

Merkur auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Vernunft

Rufen wir uns zunächst einmal ins Gedächtnis zurück: Gleichgültig in welchem Zeichen oder Haus Merkur zum symbolischen Signifikator unserer Fähigkeit zu denken steht, rein quantitativ können wir nicht mehr als denken. Die Qualität unseres Denkens bleibt durch die Stellung des Merkur unbeeinflusst. Sie resultiert einzig und allein aus der Höhe unserer ethischen, moralischen und sozialen Wertvorstellungen und aus dem, was unser Herz und unser Gewissen für wahr und gerecht halten. Auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau beginnen, sich unsere verstandesmäßige Aussteuerung, unser Verständnis des Gesetzes der Kausalität, des Zusammenhanges zwischen Ursache und Wirkung und unsere zwischenmenschliche Verständigung dienenden mental-geistigen Anlagen zunehmend zu verfeinern. Wir vermögen jetzt nicht nur zu denken, sondern auch projektiv zu denken. In Gestalt der dem Zeichen Jungfrau eigenen und immer wieder zu Unrecht geschmähten Anlage zur Vor-Sicht werden wir nun in die Lage versetzt, die Gesetze der Kausalität dahingehend zu verstehen und nun auch zu meistern, dass wir mit Hilfe eben dieser Vorsicht lernen, erst in der Zukunft zu erwartende Wirkungen auf vorausgegangene Ursachen im Hinblick auf einen damit erstrebten Nutzen beziehungsweise der Abwendung eines möglichen Schadens vernünftig abzuschätzen. Wir lernen, zu planen und das für die Jungfrau-Schwingung typische voraus-schauende Organisationstalent zu entwickeln. < /p>

Unsere bisher nur überwiegend auf die Gegenwart ausgerichtete mentale Anlage wird um den Faktor Zeit bereichert und dadurch auf eine höhere Bewusstseinsstufe erhoben. Die Fähigkeit, sich im Leben existenzsichernd zu orientieren, überschreitet die Grenzen von aktueller Zeit und aktuellem Raum in Richtung auf eine kurz- oder längerfristig orientierte Sinn-Suche und Sinn-Findung, wie sie endgültig jedoch erst im Schützen erreicht werden kann. Diese neue, durch die Jungfrau-Schwingung ausgelöste Dimension unseres Denkens lässt sich am besten mit dem französischen Begriff clarté, Klarheit, Helle, Licht umschreiben. Diese neue Art der Aussteuerung gegenüber der Umwelt zeichnet sich dadurch aus, dass es nun nicht mehr alleine um die Befriedigung der Vielfalt von Interessen, sondern auch um eine zu schaffende Ordnung, in der es nicht nur um eine richtige, sondern vor allem um eine rechte Lösung aller Lebensfragen geht. Im weitesten Sinne strebt der Native nun danach, die Forderungen des Kant’schen Imperativs – Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne – zu erfüllen. Im besten Falle spricht dann aus allen Ergebnissen seines Denkens das Bewusstsein einer praktischen Vernunft. Er legt Wert darauf, die Erkenntnisse seines Denkens nicht nur in den eigenen, sondern auch in den Dienst anderer zu stellen. Bei einem erlösten Ausdruck ist sein Verstand fähig, vor allem methodisch gut zu organisieren, sich nicht zu verzetteln, sondern Fragestellungen auf den Punkt zu bringen. Er hat gelernt, klug und ökonomisch zu denken. Die neue Art seines Denkens verleiht allen Handlungen und Entscheidungen eine gewisse Reinheit. Als vielleicht bedeutendste neue Eigenschaft kommt eine geradezu buddhistisch anmutende, auf den Augenblick und die anstehende Aufgabe unmittelbar bezogene Achtsamkeit hinzu. An diesem Sachverhalt wird auch deutlich, dass wir das Zeichen Jungfrau und das sechste Haus mit Recht in Analogie zu Fragen unserer Gesundheit sehen. Die im Äußeren angestrebte clarté, Ordnung und Helle stehen in Resonanz mit unserem Körper. Nur wenn auch dort Ordnung herrscht, sind wir gesund. Sobald nun ein Mensch gelernt hat, seinen Merkur auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau zum Ausdruck zu bringen, überträgt er diese Erlebensmuster seines Denkens auf alle Zeichen, in denen sein Merkur in seinem Horoskop individuell steht, dies jedoch gemäß deren unterschiedlicher Färbungen. Bei einem erlösten Ausdruck ergeben sich daraus im einzelnen folgende Verhaltensmuster:

Individueller Merkur in Widder auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit aller Handlungen und Entscheidungen;
Individueller Merkur in Stier auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit der Empfindungen;
Individueller Merkur in Zwillinge auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit eines Austauschs mit der Umwelt;
Individueller Merkur in Krebs auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit der Gefühle.
Individueller Merkur in Löwe auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit der Ich-Darstellung.
Individueller Merkur in Jungfrau auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit der gesamten Lebens-Orientierung.
Individueller Merkur in Waage auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit der Begegnungen mit dem Du.
Individueller Merkur in Skorpion auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit der Vorstellungen.
Individueller Merkur in Schütze auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit von Sinn-Fragen.
Individueller Merkur in Steinbock auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit aller Formen und Strukturen.
Individueller Merkur in Wassermann auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vernünftigkeit der persönlichen Entfaltungsfreiheit.
Individueller Merkur in Fische auf der Bewusstseinsstufe Jungfrau: Das Denken zielt auf eine nun auch zeitlich-perspektivische Klarheit, Geordnetheit und Vern ünftigkeit des allgemeinen Seins.

Bei einem noch weitgehend unerlösten Ausdruck des Denkens auf dieser Bewusstseinsstufe ändert sich an dessen grundsätzlicher Orientierung nichts. Übergroße Vorsicht und Ängstlichkeit, mit seinem Verstande die rechte Lösung zu verpassen, können den Betroffenen jedoch zur Sophisterei, Rechthaberei, zur zwanghaften Pedanterie und einem kaum stillbaren Verlangen nach Perfektion verführen. Da es erst im Zeichen Jungfrau zu einer bewussten Begegnung mit der Vernunft kommt, ist der selbstverständliche Umgang mit ihr noch erfahrungsbedürftig und mit entsprechenden Unsicherheiten verbunden. Ein dann möglicher Zwang zur Perfektion kann im schlechtesten Falle zu dem f ühr en, was man wenig schmeichelhaft einen Fachidioten nennt.

Wenn wir im Vergleich zwischen Merkur auf der Zwillings-Bewusstseinsstufe und dem Springer von einer unangemessenen Übereilung gesprochen haben, so kommt nun in der Analogie dazu die schon fast sprichwörtliche jungfräuliche Vorsicht ins Spiel. Auf dieser Bewusstseinsebene gewährt der Springer im Schach de