| Das gewöhnliche Zweipersonenkomposit wird aus
den Geburtshoroskopen zweier Personen errechnet und soll Auskunft über
die Natur der Beziehung zwischen den beiden Personen geben. Im Prinzip
kann das Komposithoroskop für jede beliebige Art von Beziehung
erstellt werden, also nicht nur für eine Liebesbeziehung, sondern
z.B. auch für eine Freundschaft, eine Arbeitsbeziehung, eine Person,
mit der man irgendwelche Probleme hat, oder gar für Feinde wie
z.B. Sharon und Arafat usw.
Fürs Mehrpersonen- oder Multikomposit sind vergleichbare Anwendungen
denkbar. Das Multikompositverfahren liefert Horoskope für Dreieckbeziehungen,
Familienhoroskope oder Gruppenhoroskope von Arbeitskollegen oder Freunden.
Besonders interessant: Man kann z.B. auch untersuchen, wie sich die Dynamik
einer Gruppe verändert, wenn ein neues Mitglied hinzukommt oder eines
ausscheidet.
Das Zweipersonenkomposit
Das gewöhnliche Zweipersonenkomposit ist wie folgt konstruiert: Die
Sonne des Komposithoroskops befindet sich genau in der Mitte zwischen den
Geburtssonnen der beiden Personen. Wir können diesen Punkt die Halbsumme,
den Mittelwert oder den Balancepunkt nennen. Auf dieselbe Weise ergeben sich
auch die anderen Planeten im Komposithoroskop, als Mittelwerte für die
beiden Geburtspositionen des jeweiligen Planeten.
Einen Spezialfall stellen Venus und Merkur dar. Am realen Himmel können
die beiden Planeten nie mehr als 45 Grad von der Sonne entfernt sein. Die
Kompositposition kann jedoch gelegentlich mehr oder weniger in Opposition
zur Sonne liegen. In solchen Fällen ziehen einige Astrologen es vor,
den jeweiligen Planeten auf die gegenüberliegende Seite im Horoskop
zu setzen (Verschiebung um 180 Grad).
Zur Berechnung von MC, Aszendent und Häusern im Komposithoroskop gibt
es zwei Methoden. Bei der sogenannten "Bezugsortmethode" nimmt
man den Mittelwert des MC und berechnet dazu Aszendent und Häuser für
einen Bezugsort, wobei nur dessen geographische Breite in die Rechnung eingeht.
Als Bezugsort eignet sich der Ort, an dem die Beziehung der beiden Partner
sich "ereignet". Bei der anderen Methode, der sogenannten Schnittpunkt-Methode,
werden für MC, Aszendent und jede Häuserspitze separat Mittelwerte
gebildet. Diese Methode kommt ohne einen Bezugsort aus.
Astrodienst bietet beide Berechnungsmethoden an.
Das Mehrpersonenkomposit
Wie lässt sich die Technik des Komposithoroskops auf mehr als zwei
Personen ausdehnen? Die Situation ist hier leider etwas komplizierter. Zwei
Techniken kommen in Frage, die jeweils verschiedene Horoskope liefern. Bei
nur zwei Personen liefern sie aber beide dasselbe Ergebnis - das herkömmliche
Zweipersonenkomposit.
Die Mittelwert- oder Balancepunktmethode
Im Zweierkomposit ist also die Position der Sonne der Mittelwert der beiden
Geburtssonnen, die Position des Merkurs der Mittelwert der beiden Geburtsmerkure,
usw. Konkret wird man die Positionen der beiden Geburtsplaneten als eine
Gradzahl zwischen 0 und 360 nehmen, sie zusammenzählen und die Summe
durch zwei teilen. Der sich so ergebende Punkt ist jedoch nur eine von zwei
möglichen Lösungen. Der andere in Frage kommende Punkt liegt genau
in Opposition dazu. Fürs Komposit wird man denjenigen Punkt wählen,
der zu den beiden Geburtsplaneten die geringeren Abstände aufweist.
Will man ein Komposit für drei oder mehr Personen erstellen, so ist
man zunächst versucht, genau gleich vorzugehen. Man nimmt also die Gradzahlen
der drei Sonnen, zählt sie zusammen und teilt die Summe durch drei.
Doch das Resultat, das sich dabei ergibt ist nur manchmal sinnvoll, manchmal
aber überhaupt nicht.
| Ein Beispiel: |
| 3 Personen mit Sonne auf |
| 10° (10° Widder) |
| 60° (0° Zwillinge) |
| 350° (20° Fische) |
|
| 420° : 3 = 140° (20° Löwe) |
Diese Lösung ist offensichtlich sinnlos. Der korrekte Punkt müsste
innerhalb des Bereichs liegen, in dem die Geburtssonnen sich häufen,
also etwa bei 20° (20° Widder).

Was ist da los, warum klappt es nicht?
Das Problem ist, dass das Ergebnis vom Bezugspunkt abhängt, von dem
aus man rechnet. Im vorliegenden Fall ist dies der Frühlingspunkt. Rechnet
man statt dessen von 20° Fische (= 350°) aus, so erhält man
das richtige Ergebnis:
| 10° - 350° |
= 20° |
| 60° - 350° |
= 70° |
| 350° - 350° |
= 0° |
|
| |
90° / 3 = 30° |
| |
30° + 350° = 20° Widder - korrekt! |
Es erweist sich, dass in unserem Beispiel je nach Wahl des Bezugspunktes
drei mögliche Lösungen auftreten:
| Bezugspunkt |
Lösung |
| 60° < b <= 350° |
20° Widder |
| 350° < b <= 10° (370°) |
140° (20° Löwe) |
| 10° < b <= 60° |
260° (20° Schütze) |
Egal also, wie man rechnet, man kommt immer auf einen von drei Punkten,
und zwar stehen diese im Abstand von 120° zueinander.

Nun erinnern wir
uns, dass es auch im Zweierkomposit jeweils zwei Symmetriepunkte gibt,
die als Lösung in Frage kommen und von denen man den besseren auswählen
muss. Der bessere ist derjenige, der zu den beteiligten Planeten die geringeren
Abstände hat. Ganz ähnlich verhält es sich auch beim Multikomposit.
Bei drei Personen kommen aber drei Symmetriepunkte in Frage, die jeweils
120° voneinander entfernt sind. Jeder von diesen Punkten balanciert die
drei Kompositsonnen in gewisser Weise. Der Punkt bei 140° z.B. ist von
der Sonne bei 350° um 210° entfernt. Summiert man die beiden Distanzen,
die er von den beiden anderen Sonnen entfernt ist, so erhält man ebenfalls
210 (80 + 130). Vergleichbare Rechnungen sind für jeden der drei Symmetriepunkte
möglich. Es ist daher wohl zu vermuten, dass alle drei Symmetriepunkte
astrologisch irgendwie relevant sind, und dennoch ist offensichtlich, dass
derjenige bei 20° der wichtigste ist.
Dasselbe Phänomen ergibt sich auch bei einer größeren Anzahl
von Personen. Stets gibt es genauso viele Symmetriepunkte, wie Personen am
Komposithoroskop teilnehmen. Also bei n Personen sind es n Symmetriepunkte,
die zueinander im Abstand von 360°/n stehen.
Wie bestimmt man nun den richtigen Symmetriepunkt, so dass man ihn als Kompositsonne
ins Horoskop einzeichnen kann? Hierzu kann man für jeden Symmetriepunkt
folgendes tun: Man berechnet, wie weit er von jeder beteiligten Geburtssonne
entfernt ist, bildet für all diese Distanzen das Quadrat und zählt
sie zusammen. Man tut dies für alle n Symmetriepunkte. Der gesuchte
Kompositpunkt (also der "Sonnenmittelwert") ist derjenige Symmetriepunkt,
bei dem die Summe aller quadrierten Distanzen am kleinsten ist.
Dies ist unser konkretes Vorgehen, wenn wir ein Multikomposit-Horoskop berechnen.
Man kann die Methode aber auch einfacher wie folgt definieren:
Der Kompositpunkt ist derjenige Punkt im Tierkreis, für den die
Summe
der quadrierten Differenzen zu den beteiligten Geburtsplaneten minimal ist.
Oder noch technischer:
Der Kompositpunkt ist derjenige Punkt im Tierkreis,
für den die
Standardabweichung der beteiligten Geburtsplaneten minimal ist.
Wendet man diese Technik für zwei Personen an, erhält man gerade
das herkömmliche Zweier-Komposithoroskop.
Zur Veranschaulichung dieser Methode ein Gedankenexperiment:

Wir besitzen einen Stab von 360cm Länge, wobei diese 360cm den 360
Graden des Tierkreises entsprechen. Diese Stange besteht aus ultraleichtem
Metall und hat praktisch überhaupt kein Gewicht, ist aber gleichwohl
sehr stark und unbiegsam. (Vergleichbar dem Material aus dem Ufos gemacht
sind.) Wir kleben nun auf diesen Stab an den passenden Tierkreispositionen
drei gleich schwere Gewichte, die unseren Geburtssonnen entsprechen. Nun
versuchen wir diesen Stab auf unserem Finger zu balancieren. Die Frage ist:
An welcher Tierkreisposition müssen wir den Stab auf den Finger legen,
damit er balanciert. Dies ist der gesuchte Balancepunkt. Ein Beispiel: Drei
Personen haben ihre Geburtssonnen auf 0° Widder, 0° Zwillinge (60°)
und 0° Waage (180°). Der Balancepunkt findet sich auf 20° Zwillinge
(80°).
Allerdings veranschaulicht dieses Gedankenexperiment das Multikomposit-Horoskop
nicht perfekt. In der Praxis würde der Stab nur in einem Drittel der
Fälle den richtigen Symmetriepunkt liefern, in allen anderen Fällen
aber einen der beiden falschen. Nehmen wir etwa das Beispiel von weiter oben,
also drei Sonnen auf 10°, 60° und 350°, so erhalten wir genau
wie dort den Symmetriepunkt bei 140°, der gerade nicht dem gesuchten
Resultat entspricht. Um die anderen Symmetriepunkte zu erhalten, müssen
wir den Stab bei einer anderen Tierkreisposition beginnen lassen. Wählen
wir die Skala auf dem Stab so, dass sie z.B. von 350° bis 350° geht,
so erhalten wir die richtige Lösung, also die Kompositsonne auf 20°.
Selbstverständlich lässt sich eine vergleichbare Kompositmaschine
nicht nur mit extraterrestrischen Materialien bauen, sondern auch mit irdischen.
Die Vorrichtung wird aber komplizierter, weil wir vermeiden müssen,
dass das Eigengewicht des Stabes ins Gewicht fällt.
Die Schwerpunktmethode (Vektorenaddition)
Beim anderen möglichen Verfahren versetzen wir uns in den Mittelpunkt
des Tierkreises, setzen die drei Geburtssonnen an ihre jeweiligen Positionen
und stellen fest, in welche Richtung sie uns ziehen. Man kann auf sehr einfache
Art und Weise auch einen mechanischen Multikompositrechner bauen. Man nehme
eine kreisförmige Scheibe aus Metall und bohre ein Loch
genau in ihrer Mitte. Am äußeren Rand zeichne man den Tierkreis
ein. Dann hänge man die Scheibe an einen in die Wand eingeschlagenen
Nagel. Drei (oder n) Magnete von gleichem Gewicht sollen die Sonnen der beteiligten
Personen repräsentieren. Diese setzt man nun auf der Scheibe an ihre
jeweilige Position im Tierkreis. Die Scheibe beginnt sich zu drehen und pendelt
sich in einer bestimmten Position ein, wobei ihr Schwerpunkt die tiefstmögliche
Lage sucht. Der Punkt auf dem Tierkreis, der zuunterst zu liegen kommt, ist
die gesuchte Position der Kompositsonne. Genau gleich verfährt man mit
allen anderen Planeten.

Um die sich so ergebenden Kompositplaneten zu berechnen, rechnet man die
Tierkreispositionen der beteiligten Geburtsplaneten in Vektoren (Pfeile vom
Kreismittelpunkt zur jeweiligen Planetenposition) um und addiert sie vektoriell
zusammen. Die Richtung des Summenvektors weist zum Kompositplaneten.
Wendet man dieses Verfahren für zwei Personen an, so erhält man
wiederum das herkömmliche Zweierkomposit. Diese Methode liefert also
für zwei Personen dasselbe Komposit wie das zuvor beschriebene Mittelwert-
oder Balancepunktverfahren. Bei drei oder mehr Personen hingegen erhält
man für die beiden Techniken verschiedene Horoskope!
Dies lässt sich an einem Beispiel veranschaulichen. Nehmen wir an,
wir hätten zwei Geburtssonnen auf 0° und 180°. Nach der Schwerkraftmethode
(Vektorenaddition) heben sich die in Opposition befindlichen Sonnen auf.
Wären nur sie auf dem Kreis, so könnte man ihn in jeder beliebigen
Richtung zum Stehen bringen, weil der Schwerpunkt der Scheibe genau in ihrem
Mittelpunkt läge. Fügen wir nun noch eine dritte Sonne hinzu, die
sich auf 60° befindet, so wird sich unsere Scheibe so drehen, dass die
dritte Sonne auf den untersten Punkt zu liegen kommt. Mit anderen Worten:
die Kompositsonne hat in diesem Fall dieselbe Position wie die Sonne des
dritten Horoskoppartners, nämlich 60°.

Wie sieht das Ergebnis bei der Mittelwertmethode aus? Wir addieren
0° + 60° + 180° = 240° und teilen durch drei: 240° / 3
= 80°.
Dies ist zufällig auch gerade der günstigste der drei Symmetriepunkte.
(Die beiden anderen befinden sich auf 200° (= 80° + 120°) und auf
320° (= 80° + 120° + 120°).)
Also die Kompositsonne befindet sich hier auf 80°, während sie bei
der Schwerpunktmethode auf 60° liegt.
Daraus folgt, dass es für zwei Personen nur einen Komposittyp gibt,
für mehrere Personen aber zwei verschiedene Komposittypen.
Präferenz von Astrodienst
Die Frage ist natürlich, welches Verfahren sich in der Praxis bewährt,
und es ist durchaus denkbar, dass, wie so oft in der Astrologie, beide Varianten
ihre Anhänger finden. Astrodienst zieht die Mittelwert- oder Balancemethode
vor, gibt seinen Website-Besuchern aber auch die Möglichkeit, mit der
Schwerpunktmethode zu experimentieren.
(Erweiterte Grafikauswahl -> Horoskopart: Multikomposit)
Es gibt auch ein theoretisches Kriterium, das wohl eher für die Mittelwert-
oder Balancepunktmethode spricht. Ein Beispiel: Wir wollen ein Komposithoroskop
für drei Freunde berechnen, wobei zwei von ihnen ihre Sonne recht genau
in Opposition zueinander haben, z.B. im Widder und in der Waage. Der dritte
Freund hat seine Sonne in den Zwillingen. Nach der Schwerpunktmethode würden
sich Widder und Waage gegenseitig auslöschen, und die Kompositsonne
wäre folglich in den Zwillingen. Mit anderen Worten, die Kompositsonne
wird praktisch ausschließlich durch die dritte Person, den Zwilling,
festgelegt. Aber wäre es in der Realität tatsächlich so, dass
Widder und die Waage sich in der Dreierverbindung gegenseitig auslöschten
und nur der Zwilling zum Zuge käme?
Eine Variation der Schwerpunktmethode
Man könnte die Berechnung auch noch mehr an die "physikalischen" Tatsachen
anpassen, indem man auch die ekliptikale Breite der Planeten und die realen,
distanzabhängigen Gravitationskräfte berücksichtigt, die von
den Himmelskörpern ausgehen. Hier erhält man wiederum andere Komposithoroskope, übrigens
auch fürs Zweierkomposit! Wir halten diese Methode jedoch für eher
unastrologisch, weil Distanzen und Schwerkräfte in der Astrologie ja
auch sonst keinerlei Bedeutung haben. Der schwere Jupiter, der leichte Mars
und der ultraleichte Pluto haben in der Astrologie gleiches Gewicht. Die
jeweiligen Abstände der Planeten von der Erde berücksichtigen wir
in der Astrologie ebenfalls nicht.
Möglichkeiten zum Studium von Gruppendynamiken
Die Positionen von Kompositplaneten können auch "stabil" oder "instabil" in
dem Sinne sein, dass sie auf das Hinzufügen oder Wegnehmen einer beteiligten
Person stark oder nur schwach reagieren. Ein Beispiel: Wenn wir ein Komposit
von vier Personen haben, deren Sonnen miteinander annähernd ein großes
Quadrat bilden, so resultiert aus dieser Verteilung keine starke Tendenz in
eine bestimmte Richtung. Die Position der Kompositsonne ist dann "wackelig":
Fügt man nun eine Person hinzu oder nimmt eine weg, so kann sich die neue
Kompositsonne massiv verschieben. Gegenbeispiel: Haben wir vier Personen mit
der Sonne in den Zwillingen, so gibt es eine eindeutige gemeinsame Tendenz
in Richtung Zwillinge. Das Hinzufügen oder Wegnehmen einer Person wird
nur einen geringen Effekt auf die Kompositsonne haben, d.h. sie wird sich nicht
massiv verschieben.
Entsprechend können Gruppenhoroskope auch insgesamt sehr stabil oder
instabil sein. Wenn alle Planeten eine stabile Position haben, so werden
Hinzufügung oder Wegnahme einer Person das Komposit nur wenig verändern.
Sind dagegen mehrere Planeten instabil, wird sich das Horoskop massiv verändern.
Das Komposithoroskop gibt also ein interessantes Werkzeug in die Hand, mit
dem die Dynamik von Gruppen und die Veränderung dieser Dynamik durch
Hinzunahme oder Entfernung von Personen untersucht werden kann.
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